Die Welt nach der Corona-Krise

So wie Corona die ganze Menschheit betrifft, wird es auch der Klimawandel tun.
Corona betrifft die ganze Menschheit. Jetzt ist die Zeit für eine Neuorientierung

Die Corona-Krise ist ein Entscheidungspunkt für die Menschheit

21. April 2020. Noch sind wir am Anfang der Covid-19-Pandemie. Zum ersten Mal seit ist die gesamte Menschheit gleichzeitig von einer Bedrohung betroffen, die ihr auch als globales Ereignis bewusst ist. Die Illusion der Unverwundbarkeit reicher Staaten ist dahin. Es betrifft wirklich alle – wenn auch mit unterschiedlichen Ressourcen zur Bewältigung der Krise.

Die Corona-Krise wird ein Entscheidungspunkt der Menschheit sein: Weiter so, schnell wieder aufholen, was wir wirtschaftlich versäumt haben – oder einen neuen Weg finden, im Einklang mit der Ökosphäre.

Vieles, was wir beim Thema Klimawandel erleben, wird uns durch die Corona-Pandemie quasi im Zeitraffer vorgeführt:

Da ist zunächst die Leugnung der Krise. „Das ist ein lokales Problem in China.“ „Sowas wie in Italien kann es bei uns nicht geben.“ Mit diesen Beschwichtigungen hat man wertvolle Zeit vertan und die Vorbereitung auf die Pandemie kam in einigen Ländern viel zu spät – obwohl ganz klar absehbar war, was auf uns alle zukommt. Aufgrund ihres Reichtums ist die Bundesrepublik mit einem blauen Auge davongekommen – bis jetzt…

Und es war natürlich auch die Stunde der Leugner und der Fake News. Ich erinnere nur an die irrwitzigen Videos von W. Wodarg usw.

Auch die Schwächen des Kapitalismus – wirtschaften mit dem Ziel der Geldvermehrung, nicht des Gemeinwohls – werden überdeutlich. Die liberalkapitalistische „Globalisierung“ nach dem Motto „wo kann ich menschliche und natürliche Ressourcen am billigsten bekommen“ hat der Resilienz von Staaten und Regionen massiv geschadet.

Dort, wo Gesundheitssysteme, dem kapitalistischen Kalkül folgend, nur noch als Kostenfaktor, oder umgekehrt als Mittel zur Gewinnmaximierung gesehen wurden, leiden die Menschen unter medizinischer Mangelversorgung. Und auch in den reichen Ländern gibt es massive Probleme mit fehlenden Kapazitäten und Schutzausrüstungen.

Machtmissbraucher wie Trump, Orban, Bolsonaro usw. nutzen die Krise. Trump lässt seinen Namen auf Schecks drucken, nachdem er sein Land derartig in die Irre gesteuert hat, dass man von fahrlässiger Tötung sprechen kann. Orban macht aus Ungarn eine Diktatur. Bei Bolsonaros fehlen mir die Worte. Und die chinesische Führung steht in den Startlöchern, um die Schwäche des Westens zu nutzen, während die USA ihre imperiale Stellung mehr und mehr verlieren. Drastische Maßnahmen, wie sie auch in Deutschland ergriffen wurde, waren und sind notwendig. Wer genau hinschaut, kann gut zwischen illegitimem Machtmissbrauch und legitimierten staatlichem Handeln zum Schutz der Gesundheit der Bevölkerung unterscheiden.

Die Corona-Krise ist ein Wendepunkt für die Menschheit. Die Frage ist nur: in welche Richtung? In den folgenden Wochen möchte ich der Frage nachgehen, welche Chancen wir haben und was wir tun können, um aus dieser Krise heraus in eine bessere, nachhaltigere und humanere Entwicklung steuern zu können. Dabei werde ich hoffentlich, wie auf den anderen Seiten, viele gute Analysen und Ideen kreativer Menschen und Gruppen finden und mit Euch teilen.

Zunächst werden wir uns aber noch damit beschäftigen, was wir jetzt, in der Krise, bereits tun können, damit das Ganze den bestmöglichen Verlauf nimmt.

Ich selbst habe meine bisherige Tätigkeit als Arbeitspsychologe und Unternehmensberater vorübergehend gegen meinen früheren Beruf als Krankenpfleger getauscht und arbeite in einer großen Notaufnahme.


Damit wir durch die Krise kommen: Schluss mit Fake News und Desinformation

Viele Menschen haben ein hohes Misstrauen gegenüber ihren Regierungen entwickelt, auch in Europa und auch in Deutschland. Bei Themen wie Klimawandel, weltweite Ungerechtigkeit und soziale Ungleichheit, illegitime Formen von Macht usw. ist das leider nur allzu berechtigt. Aber: Wir haben in den meisten Staaten Europas eine DEMOKRATIE und das ist erst mal unbezahlbar. Und daran ändert sich auch nichts durch die Maßnahmen zur Bekämpfung der Covid-19-Pandemie.

Leider gibt es massenhaft Fake News im Netz und die EU wehrt sich inzwischen aktiv gegen staatlich gelenkte Desinformationskampagnen, die dazu dienen, Misstrauen zu verbreiten. Fake News zu verbreiten, schadet uns allen! Das ganz große Problem ist aber, Fake News als solche zu erkennen.

Ich arbeite derzeit selbst in einer Notaufnahme. Meine Kollegen, die gerade mit Covid-19-Patienten auf Intensivstationen arbeiten, berichten immer wieder, dass sie auch bei Menschen unter 50 Jahren schwerste Verläufe sehen. Auch wenn die Fahlzahlen in Deutschland derzeit (26.4.20) überschaubar sind – ich kenne keine/n Kollegen/in, die sagen würde, „das mit Corona ist doch alles übertrieben“!

It´s real!

Dazu habe ich mir viele Informationen von richtig guten Medizinern angeschaut, die völlig schlüssig aufzeigen:

  • SARS-CoV-19 ist die Ursache von „excess mortality“, also einer erhöhten Sterberate in den stark betroffenen Regionen.
  • es ist KEINE normale Grippe. Nach allem, was wir wissen, ist die Mortalität erheblich höher, als bei der Influenza.
  • auch wenn das Covid-ARDS (Lungenversagen) derzeit als wichtigste schwere Verlaufsform im Vordergrund steht: Covid-19 ist eine Erkrankung mit verschiedenen möglichen Formen der Organmanifestation (also unterschiedlichen Krankheitsverläufen) und verschieden schweren Verläufen.
  • das Virus ist aufgrund seiner Ansteckungswege, verbunden mit der langen Inkubationszeit, perfekt übertragbar. Die Basis-Reproduktionszahl ist höher als bei der Influenza.
  • wenn wir keine wirksamen Maßnahmen zur Eindämmung der Ausbreitungsgeschwindigkeit treffen, kollabiert JEDES Gesundheitssystem auf dem Planeten.
  • Die Idee mit der Durchseuchung funktioniert nicht
    • Dazu ein Gedankenexperiment: Für eine Herdenimmunität braucht es mindestens 60% von 80 Millionen Menschen in Deutschland = 48 Millionen.
    • Wenn unser Gesundheitssystem täglich 20.000 Neuinfektionen verkraften könnte, von denen 3% bis zu 2 Wochen auf Intensivstationen behandelt werden müssen, dann dauert es 48 Mio / 20.000 = 6,5 Jahre bis zur „Durchseuchung“.
    • Alte und chronisch kranke Menschen würden dabei letztlich „geopfert“.
    • Davon abgesehen, ist noch nicht einmal sicher, inwieweit und wie lange nach einer Corona-Infektion Immunität besteht.
    • Fazit: Wir müssen auf die Impfung warten.
  • Daher habe ich einige Links zu offizielen EU-Seiten und WHO, die diese Fake News erkennbar machen und korrigieren.

Medizinische Informationen über Covid-19 und die SARS-CoV-19 Pandemie

Wer sich für die medizinischen Details und die Arbeit in den Krankenhäusern interessiert, kann sich diese Webseite anschauen: https://www.personal-im-krankenhaus.de/covid-19-pandemie-ressourcen-workflow-psychologische-unterstuetzung/


Information über die Entwicklung der Fallzahlen – Corona | Covid-19 – weltweit


Fallzahlen – Corona | Covid-19 – in Deutschland:


Täglicher Lagebericht – Corona | Covid-19 – nach Bundesland und Landkreis:

Du musst Dich nicht mit medizinischem Spezialwissen über Covid-19 beschäftigen. Aber wenn Du Dich nicht mit medizinischen Themen auseinandersetzen willst, dann verbreite BITTE auch keine Fake News. Stellt Euch nicht auf eine Stufe mit den Trumps und Bolsonaros dieser Welt.

Es gibt inzwischen jeden Quatsch, den man sich denken kann. Ein Beispiel: Auch wenn man bzgl. der Gesundheitswirkungen von Mobilfunk – und insbesondere G5 – sehr kritisch eingestellt ist: G5 ist NICHT die Ursache von Covid-19.

Anti-Fake-News Webseiten von EU und WHO

Die EU und die WHO haben inzwischen eigene Webseiten zur Bereinigung dieser ganzen Fehlinformationen eingerichtet:

Die Anti-Fake-Seite der WHO – Coronavirus disease (COVID-19) advice for the public: Myth busters


Corona-Pandemie: Anti-Fake-News Seiten

15. Mai 2020: Was jetzt passiert – eine Stellungnahme von Campact: Das Coronavirus bringt unsichere Zeiten – das nutzen Klimaleugner*innen, Rechtsextreme und andere Demagog*innen. Campact-Vorstand Felix Kolb analysiert die Lage und warnt vor den Corona-Demonstrationen.


Wissenschaft darf und muss auch kontrovers sein

n-tv, 1.5.2020: Umstrittene Stanford-Studie: Coronavirus nicht gefährlicher als Grippe?

Auch wissenschaftliche Nachrichten, die nicht der Fake News Abteilung zuzuordnen sind, können ganz schön verwirren. So behauptet eine Studie der Universität Stanford, der Corona-Virus sei nicht gefährlicher, als die Grippe. Mit dieser Einschätzung sind andere Fachleute nicht einverstanden, und zwar aus folgenden Gründen:

  • Die Zuverlässigkeit der Tests ist fraglich, u.a. weil sie auch bei anderen Coronaviren (also nicht SARS-CoV-19) positiv ausfallen könnten.
  • Die Repräsentativität der Studie wird ebenfalls in Frage gezogen.
  • Aber das wichtigste Argument ist: Die Übersterblichkeit (Excess Mortality) ist durch die Covid-19-Pandemie in vielen Regionen der Welt erhöht, v.a. in Großbritannien, Spanien, Italien, New York City konnte man das nachweisen.
    • In Deutschland sehen wir zwar nur eine geringe Übersterblichkeit, dies ist aber darauf zurückzuführen, dass entsprechende Maßnahmen ergriffen wurden und das Gesundheitssystem immer noch eines der leistungsfähigsten der Welt ist.
    • Aber auch für Deutschland sagt RKI-Präsident Wieler: „Wir sehen, dass die Übersterblichkeit steigt in Deutschland. … Wir gehen eigentlich davon aus, dass mehr Menschen daran gestorben sind, als eigentlich gemeldet.“ (Quelle: Welt, 30.4.2020)

Mit dem Coronavirus leben

Sich selbst und andere schützen

Das alles bedeutet NICHT, dass Ihr vor Corona / Covid-19 ANGST haben müsst. Aber es bedeutet definitiv, dass Maßnahmen zur Eindämmung des Pandemieverlaufs unerlässlich sind. Vernunft ist völlig ausreichend. Beim Autofahren habt Ihr ja auch keine Angst. Und trotzdem hat das Auto Airbags und zusätzlich schnallt Ihr Euch an. Unser Airbag heißt jetzt „körperlicher Abstand“ und unser Sicherheitsgurt ist der Mundschutz und die Händehygiene ist das Bremssystem.

Wenn wir die Notwendigkeit verstehen, können wir notwendige Einschränkungen leichter und mit weniger Ärger akzeptieren. Deshalb zum Schluss noch ein aktuelles Video von Harald Lesch, ergänzt durch ein eigenes Video:

Coronavirus – unnötiger Alarm bei COVID-19? | Harald Lesch
Schutzmasken tragen ist keine Neurose

Wer Schutzmasken zur Verhinderung einer Corona-Ansteckung trägt, hat also KEINE Neurose! Eine Zwangsneurose ist dadurch gekennzeichnet, dass es einem Menschen kaum möglich ist, das Zwangsverhalten zu unterlassen, ohne Angst oder sehr unangenehme Emotionen zu bekommen. Angst müsst Ihr aber nicht haben. Bei den meisten Menschen verläuft Covid-19 glimpflich. Es geht vielmehr weiterhin und dauerhaft darum, die Pandemie so zu verlangsamen, dass Menschen, die einen schweren Covid-19-Verlauf haben, die bestmögliche medizinische Betreuung bekommen können. Das geht nur, wenn die Fallzahlen niedrig bleiben. Dazu leistet der Mund-Nasen-Schutz einen wichtigen Beitrag, vor allem dann, wenn dies mit Abstandhalten und guter Händehygiene verbunden ist.

Diese Ansicht wird weltweit von vielen geteilt, z.B. von Andy Slavitt, der hier über The Three Most Likely Scenarios to Defeat the Coronavirus schreibt.


Strategien zur Eindämmung der Corona-Pandemie (28.4.2020)

Unter dieser Überschrift haben die Fraunhofer- Gesellschaft, die Helmholtz-Gemeinschaft, die Leibniz-Gemeinschaft und die Max-Planck- Gesellschaft am eine Stellungnahme herausgegeben, die m.E. a) wissenschaftlich fundiert und b) klar formuliert ist und c) der Komplexität gerecht wird.

Download der Stellungnahmen der Forschungsorganisationen zur Eindämmung der Covid-19-Pandemie:

Strategien zur Eindämmung der COVID-19 Pandemie (PDF)

Adaptive Strategien zur Eindämmung der COVID-19-Epidemie (PDF)

Hier der Versuch, die Erkenntnisse aus diesen Veröffentlichungen in einem (etwas eigenwilligen) Schaubild zusammenzufassen:

Anstelle von Sackgassen: Adaptive Strategie zur Eindämmung der Covid-19-Pandemie
Anstelle von Sackgassen: Adaptive Strategie zur Eindämmung der Covid-19-Pandemie

Corona und Armut

Diejenigen, die am meisten betroffen sein werden, sind wieder die Ärmsten. Menschen in Ländern ohne funktionierendes Gesundheitssystem (für die Armen). Menschen, für die ein schwerer Covid-Verlauf aussichtslos ist.

Menschen vor einem Massengrab in Manaus (Covid-19-Pandemie)
Menschen vor einem Massengrab in Manaus

Wenn wir in Deutschland die eigenen wirtschaftlichen Verluste beklagen, die insbesondere mit dem shutdown und der Rezession einhergehen, wissen wir zumindest, dass wir nicht verhungern und dass wir immer eine Gesundheitsversorgung erhalten werden (solange dieses nicht heillos überlastet wird). Das ist in sehr vielen Ländern anders. Dort bedrohen die Kontakteinschränkungen tatsächlich die Überlebensfähigkeit der Menschen.

Daher müssen wir den politischen Vertreter*innen deutlich machen, dass jetzt die Stunde der Solidarität mit den ärmeren Ländern ist. Wer jetzt nicht handelt, um die drohende Verelendung sehr vieler Menschen aufzuhalten, muss sich über die nächsten Ströme von verzweifelten Flüchtlingen nicht wundern.


Auch in den Industrienationen leiden und sterben ärmere Bevölkerungsschichten mehr an Covid-19

Das Gesundheitsgefälle zwischen reicheren und ärmeren Bevölkerungsschichten wird auch in den Industrienationen durch die Corona-Krise verschärft:


Eine neue Ausrichtung der Umwelt-, Energie- und Wirtschaftspolitik

Christian Felber: Von Corona zum Gemeinwohl

Die Gemeinwohl-Ökonomie ist eine adäquate Antwort auf den Resilienz-Verlust durch die neoliberale Wirtschaftspolitik.


Bedingungsloses Grundeinkommen

Ein weiterer Ansatz, der nun eine neue Bedeutung erhält, ist das bedingungslose Grundeinkommen. Mehr zu diesem Thema findest Du hier:

Die besondere Bedeutung des bedingungslosen Grundeinkommens als Antwort auf die durch die Covid-19-Pandemie ausgelöste Wirtschaftskrise liegt darin, dass die nun erforderlichen, enormen Finanzleistungen des Staates (ob auf europäischer oder nationaler Ebene) direkt den Menschen zugute kommen, die Einkommen benötigen.

Weil das alte Denken aber so festgefahren ist und Industrie-Lobbyisten dafür sorgen, dass das auch so bleibt, besteht die Gefahr, dass man schnell in alte Muster zurückkehrt: Milliardenhilfen für Großkonzerne, „um Arbeitsplätze zu erhalten“ – egal, wie schädlich diese Konzerne in ökologischer und sozialer Hinsicht agieren.

Falsche Entscheidungen

Wenn es darauf ankommt, bleibt die deutsche Politik immer wieder im alten Muster hängen:

22.5.2020: Ein 9 Milliarden Euro schweres Rettungspaket für die Lufthansa, ohne erkennbare Klima-Auflagen und gezielt so gestaltet, dass staatliche Mitsprache weitgehend ausgeschlossen ist.

20.5.2020: Forderungen nach einer Kaufprämie für Autos. Das Handelsblatt schreibt: „Die EU-Kommission erwägt einer Zeitung zufolge die Auflage eines bis zu 100 Milliarden Euro schweren Konjunktur- und Klimaschutzpakets für den Mobilitätssektor. Zu den Vorschlägen gehöre eine Kaufprämie für saubere Autos, berichtet die „Süddeutsche Zeitung“ vorab unter Berufung auf einen Entwurf.“

Dies sind nur Beispiele dafür, wie Politik die Interessen mächtiger Konzerne bedient, auf Kosten unserer Lebensgrundlagen. Wieder droht eine Chance verspielt zu werden, das Ruder herumzureißen und den Einstieg in eine nachhaltige Form des Wirtschaftens zu wagen.