Kollateralschäden der Wirtschaft? Fakten und Analysen

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Die globalisierte Verantwortungslosigkeit

Globalisierung – verantwortungslos und verwundbar. Die Dynamik und Folgen der Globalisierung und die logischen Grenzen des Wachstums

Globalisierung – verantwortungslos und verwundbar – von Niko Paech

Globalisierung – verantwortungslos und verwundbar – von Niko Paech
Dieser Text ist unter der Creative Commons Lizenz veröffentlicht. by-nc-nd/4.0 Der Name des Autors/Rechteinhabers soll wie folgt genannt werden: by-nc-nd/4.0 Autor: Niko Paech für bpb.de

Globalisierung – verantwortungslos und verwundbar Wer wie Donald Trump Handelsbeschränkungen fordert oder gar umsetzt, wird schnell mit Nationalismus-Vorwürfen konfrontiert. Doch die Globalisierung erzeugt tatsächlich erhebliche Risiken, meint der Wachstumskritiker Niko Paech.

Innerhalb des Nachhaltigkeitsdiskurses wird zusehends infrage gestellt, ob die Wachstumsorientierung moderner Ökonomien fortgesetzt werden kann und sollte. Es erscheint daher notwendig, einen wachstumskritischen Blick auf die Rolle des internationalen Handels zu richten. Dieser wurde nie anders begründet als damit, dass alle daran beteiligten Länder ein höheres Niveau an Güterwohlstand erreichen können als in einer Autarkiesituation. Dennoch vermittelt die derzeitige Kontroverse um offene Grenzen, Handelsbeziehungen und europäische Integrationsbemühungen – wenngleich nur vordergründig – ein anderes Bild.

Wer den „Brexit“ oder Handelsbeschränkungen wie jene, die der US-amerikanische Präsident Donald Trump befürwortet oder gar umsetzt, unterstützt, sieht sich oft mit Nationalismus-Vorwürfen konfrontiert – so als ließe sich vom Außenhandelsvolumen per se auf die Relevanz einer Abschottungspolitik schließen. Wer die Option nicht nutzt, das Handelsvolumen zu steigern, muss sich als nationalistisch verunglimpfen lassen – dies zeigte auch die Kontroverse um TTIP und CETA, die EU-Handelsabkommen mit den USA und Kanada.

Wird die vorschnelle Nationalismuskritik aller gesinnungsethischen Verkleidungen entledigt, verbleibt am Ende nur die Binsenweisheit, dass Handelshemmnisse Wertschöpfung, Absatzmöglichkeiten, Einkommens- beziehungsweise Gewinnerzielungsmöglichkeiten, Arbeitsplätze sowie die Vielfalt an Konsummöglichkeiten reduzieren würden. Damit wird offenbar, wie politisch korrekte Schnappreflexe dazu dienen, eine schlicht gezimmerte Wachstumsagenda zu verbergen.

Es verbreiten sich indes verschiedene Diskurse, aus denen heraus die These begründet wird, dass weiteres Wirtschaftswachstum keine Option mehr darstellt, um moderne Industriestaaten verantwortbar zu gestalten. Zunahmen des Bruttoinlandsproduktes (BIP) scheitern an absehbaren Ressourcenengpässen. [1]Die Entkopplung des ohne BIP-Wachstum nicht zu stabilisierenden Wohlstandes von daraus resultierenden ökologischen Schäden entbehrt jeder theoretischen und empirischen Grundlage.[2] Entgegen landläufiger Politikvorstellungen beseitigt Wachstum auch nicht per se Verteilungsdisparitäten.[3] Befunde der sogenannten „Science of Happiness“ [4] lassen zudem erkennen, dass Wirtschaftswachstum nach Erreichen eines bestimmten Wohlstandsniveaus keine weiteren Steigerungen der Lebenszufriedenheit erzeugt.

Arbeitsteilung führt zu organisierter Unverantwortlichkeit.

Die hochgradig spezialisierte und räumlich entgrenzte Arbeitsteilung, ohne die beständiges Wachstum nicht möglich ist, führt sogar unvermeidbar in ein komplexes System der „organisierten Unverantwortlichkeit“ [5], weil sich die sozialen und ökologischen Wirkungen ökonomischer Handlungen nicht mehr kontrollieren lassen. Mit zunehmender räumlicher Ausdehnung und ökonomischer Verflechtung steigt außerdem die Vulnerabilität, das heißt die Verwundbarkeit oder Krisenanfälligkeit der davon abhängigen Versorgungssysteme. [6]

Die räumliche und funktionale Ausdifferenzierung bei der Produktion von Gütern oder Dienstleistungen hat eine entscheidende Konsequenz: Insoweit sich die Verantwortung für einen Gesamtprozess auf hinreichend viele Zuständigkeiten verteilt, wird sie damit gleichsam ausgelöscht. Jeder Akteur, der innerhalb komplexer Prozessketten lediglich einen Teilaspekt bearbeitet, folgt einer eigenen, sich aus dem isolierten Aufgabenbereich ergebenden Zweckrationalität. Die ökologischen und sozialen Folgen des vollständigen Prozesses bleiben für ihn unsichtbar, denn zwischen der Entstehung eines Bedarfes und der damit ausgelösten Produktion liegen unzählige, über beträchtliche Distanzen miteinander verkettete Einzelhandlungen. Indem die Ausführung über viele Stufen hinweg delegiert wird, erfolgt eine „Mediatisierung“ [7], das heißt eine Vermittlung von Handlungen. Diese werden grundsätzlich von einem Dritten ausgeführt, der „zwischen mir und den Folgen meines Tuns steht, sodass diese mir verborgen bleiben“ [8] .

Die globale industrielle Arbeitsteilung bedingt also eine „Entpersönlichung“ derjenigen Menschen, die von den Folgen unmittelbar betroffen sind: „Verantwortung, das Grundelement moralischen Verhaltens, entsteht aus der Nähe des Anderen. Nähe bedeutet Verantwortung und Verantwortung ist Nähe“. [9]

Auch das oft bemühte Argument, Armut und Ungleichheit ließen sich durch Wachstum mildern, welches wiederum mittels Freihandel zu steigern sei, erweist sich als ambivalent. Insbesondere Armutsökonomien wird oft nahegelegt, sich zwecks Wohlstandssteigerung verstärkt an internationaler Arbeitsteilung auszurichten. Richtungweisend für die ökonomische Entwicklung sind somit nicht mehr inländische Bedarfsmuster, sondern der Weltmarkt. Dies setzt einen Strukturwandel voraus, der die international konkurrenzfähigen Branchen wachsen lässt, jedoch zu Lasten anderer Bereiche, die folglich schrumpfen. Letztlich kann dies dazu führen, dass sich die Situation der ärmsten Bevölkerungsteile verschlechtert. Dies gilt beispielsweise für die ländliche und indigene Bevölkerung Brasiliens oder Boliviens.

Das entscheidende Postulat der Außenwirtschaftstheorie, wonach Freihandel das Volkseinkommen steigern würde, geht gemäß des Stolper-Samuelson-Theorems (1941) [10] immer mit Verlierern und Gewinnern einher. Die „Pointe“ besteht jedoch darin, dass die Verluste in den schrumpfenden Branchen von den Zuwächsen in den vom Handel profitierenden Bereichen übertroffen werden, also das Volkseinkommen netto wächst. Folglich könnten die Gewinner die Verlierer kompensieren – und dennoch einen Einkommenszuwachs verzeichnen.

Hierzu wäre es allerdings nötig, dass die freigesetzten Arbeitskräfte von den prosperierenden Sektoren absorbiert werden. Da die schrumpfenden Sektoren in Entwicklungs- und Schwellenländern zumeist landwirtschaftlich, handwerklich, nicht selten sogar subsistenzwirtschaftlich geprägt sind – also möglichst alle benötigten Güter selbst herstellen -, sind Ausbildung, kulturelle Kompetenz und Mobilität der betroffenen Arbeitnehmer kaum kompatibel mit den Anforderungen der boomenden Branchen. Diese Unvereinbarkeit durch Umschulungsmaßnahmen zu beseitigen, gelingt bestenfalls selten, weil hierzu vonnöten sein kann, Analphabeten zu Computerexperten umzuschulen und in kulturell vollkommen neuen Kontext zu übersiedeln. Die Misere im Rust Belt („Rostgürtel“), der einstmals größten Industrieregion der USA verdeutlicht, wie schwierig diese Re-Integration selbst unter vergleichsweise günstigen Bedingungen ist. Sie kann im Übrigen am hierzu nötigen Zeitbedarf scheitern, denn zwischenzeitlich könnte der zusätzliche Beschäftigungsbedarf in den Wachstumsbranchen durch qualifizierte Arbeitsmigranten aus anderen Ländern befriedigt werden. Zudem weisen die heute boomenden Branchen einen zunehmend hohen Technisierungs- und Automationsgrad auf, fragen somit trotz prägnanter Wachstumsraten nur wenige zusätzliche Arbeitskräfte nach.

Ausgerechnet Samuelson, der das Freihandelstheorem seinerzeit mit begründet hatte, legte später dar, dass erstens unter den zwischenzeitlich relevant gewordenen Bedingungen der Globalisierung (also Kapitalmobilität) schon das Erzielen von Nettogewinnen durch Freihandel fraglich ist. [11] Außerdem, so konstatierte er des Öfteren, seien ihm kaum Beispiele dafür bekannt geworden, dass die unvermeidlichen Verlierer des Freihandels je entschädigt worden wären.

Vulnerabilität als Wegbegleiter entgrenzter Versorgungssysteme.

Die wacklige Architektur der den Globus umspannenden Wertschöpfungsketten offenbart sich immer dann, wenn eine Finanzkrise oder diplomatische Verstimmungen infolge ungleichgewichtiger Handelsbeziehungen heraufziehen. Die komplexe und räumlich diffuse Versorgungsmatrix lässt sich schon allein dadurch zum Einsturz bringen, dass sich an entscheidender Stelle eine nicht zu substituierende Ressource verknappt.

Das Welthandelssystem war nie erdölabhängiger als gegenwärtig – mit steigender Tendenz. Auch die Konflikte um sich verknappende Rohstoffe wie seltene Erden und strategische Metalle sowie global ausgelagerte Anbauflächen nehmen zu. Der durch internationale Spezialisierung zustande gebrachte Reichtum beschwört also eine fatale Allianz herauf: zunehmende Fallhöhe trifft auf zunehmende Instabilität. Moderne Gesellschaften entledigen sich zunehmend ihrer ökonomischen Autonomie und Widerstandsfähigkeit. Insoweit die Anzahl der Industrie- und Schwellenländer zunimmt, deren Wohlstand am dünnen Faden einer globalisierten, folglich fragilen Fremdversorgung hängt, entstehen Rivalitäten um entlegene Ressourcenquellen, Flächen, Absatzmärkte und Einflusssphären. Die damit erzeugten Konfliktfelder wirken sich auf die Außen- und Sicherheitspolitik alles andere als friedensstiftend aus.

Eine Rückkehr zur autarken Produktionsstruktur ist in aller Regel unmöglich, weil der Übergang zur Freihandelslösung das Resultat eines tief greifenden Strukturwandels ist.

Im Zuge dieser Transformation werden nicht nur neue Industrien, Produktionsstätten und Infrastrukturen geschaffen, sondern bisherige Versorgungsmuster zerstört: Menschen verlassen regionale Netzwerke, geben bislang bewirtschaftete Flächen auf, entwickeln höhere Konsumansprüche, verlernen Praktiken der Selbstversorgung und erwerben stattdessen Qualifikationen, die zur spezialisierten Erwerbsarbeit befähigen und mit einem urbanen Lebensstil einhergehen. Dieser Wandel ist kurzfristig unumkehrbar, weil ihm nicht nur eine produktionstechnische, sondern infrastrukturelle, soziale und kulturelle Transformation zugrunde liegt. Folglich wird die verlockende Chance auf Zuwächse an materiellem Reichtum, den ein konsumtiver, in internationale Arbeitsteilung eingebetteter Lebensstil verheißt, mit einer beträchtlichen sozialen Fallhöhe erkauft. [12]

Außenhandel in der PostwachstumsökonomieUm das System der organisierten Verantwortungslosigkeit und Vulnerabilität ursachenadäquat zu therapieren, wäre es unausweichlich, Prozessketten zu verkürzen, um Transparenz und Kontrolle wiederzuerlangen. Partiell auf Selbstversorgung und lokalen Austauschbeziehungen beruhende Versorgungsmuster gewährleisten zwar nur einen maßvollen Güterwohlstand, sind aber sicherer vor Krisen. Kohr sprach bereits 1957 vom „Kleine-Einheiten-Prinzip“ des regionalen Wirtschaftens.

Angebotsseitig entspräche eine hierzu erforderliche Postwachstumsökonomie[13] der Kombination dreier Versorgungssysteme:

  1. globale industrielle Arbeitsteilung,
  2. Regionalökonomie und
  3. moderne Subsistenz.

Eine derart multiple Versorgung steigert die Krisenresistenz und mindert den Wachstumsdruck, weil für die beiden letztgenannten Dimensionen eine weniger kapitalintensive Erzeugung typisch ist. Diese könnte sich essentiellen Gütern widmen, um Autonomie und Resilienz, insbesondere Nahrungssicherheit zu gewährleisten. Subsistenz und die Regionalökonomie dienten somit der Ergänzung einer prägnant zurückgebauten Industrie, die gleichwohl noch internationalen Handel einschließt – aber nur unter Wahrung ökonomischer Selbständigkeit. Dabei könnte ein Spezialisierungsniveau angepeilt werden, das zwar Handelsvorteile gegenüber der Autarkielösung ermöglicht, sich aber dergestalt beschränkt, dass im Krisenfall ein zur Existenzsicherung nötiges Quantum an essentiellen Gütern immer noch selbst produziert werden kann.

Business Stories

Lederindustrie in Bangladesh

Storie from GMB Akash: HELL FOR LEATHER
Mr Akash berichtet: „Bangladesh’s leather industry is worth over $ 1 billion a year and around 20,000 people are employed in the hundreds of tanneries operating along the banks of the Buriganga River in the southwest of Dhaka, the capital. Yet while this industry provides a livelihood for tens of thousands of workers and their families, the working conditions and chemicals used in the tanning process can have devastating effects on the health of the workers and a complete lack of safety and environmental regulations has caused severe pollution of surrounding waterways. Add to this the widespread use of child labour in Bangladesh’s tanneries and the whole industry became yet another dangerous and dubious sector of the national economy alongside more infamous sectors like the garment industry

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Kleiderindustrie

Wegwerfware Kleidung: Repräsentative Greenpeace-Umfrage zu Kaufverhalten, Tragedauer und der Entsorgung von Mode„: Im Durchschnitt besitzt jede erwachsene Person (18–69 Jahre) in Deutschland 95 Kleidungsstücke (ohne Unterwäsche und Socken). Das sind etwa 5,2 Milliarden Kleidungsstücke in Deutschland. Der Großteil der Kleidung besteht aus kurz- sowie langärmligen Oberteilen. … Jedes fünfte Kleidungsstück (19 Prozent) wird so gut wie nie getragen. Das summiert sich auf 1 Milliarde Kleidungsstücke, die ungenutzt im Schrank liegen … und eine weitere Milliarde Kleidungsstücke wird seltener als alle 3 Monate getragen. Konsumkollaps durch Fast Fashion – weitere Greenpeace-Analyse – macht deutlich: Fast Fashion nimmt zu. Das Gegenteil von Nachhaltigkeit bestimmt unseren Alltag. Was ist der Preis dafür?

https://www.youtube.com/watch?v=DiNJMN3eKg4
und warum kaufen wir keine faire Kleidung?
Trailer zum Film „The True Cost“. Must see!
the fair wear foundation
How fashion adds to the worlds waste problem

Der grüne Knopf

Der grüne Knopf“ ist sicherlich ein erster Erfolg. Der Staat übernimmt als Siegelträger die Gewähr für die Einhaltung von Mindeststandards durch die Unternehmen und für die Textilien, für die er dies beglaubigt. Die Kriterien sind systematisch zusammengestellt und beziehen sich nicht nur auf einzelne Produkte, sondern auf das Unternehmen als Ganzes.

Hier bekommst Du die komplette Liste für die produktbezogenen Kriterien und hier die für die unternehmerischen Sorgfaltspflichten für Menschenrechte und Umwelt in der Lieferkette.

Der grüne Knopf ist jedoch noch nicht fest angenäht. Es handelt sich nämlich um eine FREIWILLIGE Maßnahme, der sich Unternehmen anschließen KÖNNEN. Wenn Du aber die Kriterien anschaust, die dem Siegel „grüner Kopf“ zugrunde liegen und wenn Du Dir dann vorstellst, dass man diese Kriterien nach deutschem Recht weiterhin ohne weiteres verletzen DARF – obwohl man das verhindern könnte – dann stellt sich doch die Frage: WARUM IST DAS KEIN GESETZ?

Der zweite lose Faden ist, dass die Einführung wieder schön langsam und schrittweise vonstatten geht. “ Der Grüne Knopf umfasst zu Beginn noch nicht die gesamte Lieferkette. Zum Start prüft das Siegel die Produktionsstufen „Zuschneiden und Nähen“ sowie „Bleichen und Färben“. Die sozialen und ökologischen Herausforderungen sind hier besonders groß. In den kommenden Jahren wird der Grüne Knopf auf die Arbeitsschritte „Weben und Spinnen“ ausgeweitet und danach auf den Produktionsschritt „Faserproduktion und Baumwollanbau“.

(Quelle: https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/gruener-knopf-1665188)

Weitere Organisationen, die sich für faire Textilien einsetzen

Website Fair Wear Foundation / Wikipedia-Artikel zur FWF

Website Bündnis für nachhaltige Textilien / Wiki-Artikel dazu

Die vegan-fair-fashion Bloggerin Justine Siegler und Alex Niederhofer haben das nachhaltige Label Too Cool For Cruel gegründet und geben in Ihrem Blog viele Tipps für vegan-fair-fashion. Definitiv fair & bio 🙂

Noch ein Tipp zum Thema: Second Hand kaufen – z.B. bei Kleiderkreisel. Bei einer Kleidertauschparty bringt jeder mit, was er nicht mehr braucht – was übrig ist, geht in den Second Hand Shop oder zu FairWertung.

Smartphones

Foxconn ist der mit Abstand größte Elektronikhersteller weltweit, mit mehr als einer Million Angestellten. Zusammen mit den wenig bekannten Herstellern Pegatron,
Flextronics, Jabil Circuit, Sanmina und Celestina kontrolliert der Konzern ungefähr 80 % der Markenprodukte im Elektronikbereich. Obwohl diese Unternehmen die Elektrogeräte herstellen, bleiben sie im Normalfall weitgehend unsichtbar hinter den Markennamen, unter denen sie ihre Produkte verkaufen. Erst durch die öffentliche Berichterstattung über die Zustände bei Foxconn sowie die zunehmende zivilgesellschaftliche Kritik daran wurden sie etwas bekannter und die Arbeitsbedingungen in ihren Fabriken teilweise ›verbessert‹. Beispielsweise wurden die monatlichen Basislöhne bei Foxconn in den vergangenen Jahren von 135 auf 285 Euro angehoben, die Wochenarbeitszeit auf 60 Stunden begrenzt und in den fabrikeigenen Unterkünften 8-Bett-Zimmer als Norm eingeführt. Aufgrund
der damit gestiegenen Lohn- und Produktionskosten beauftragte Apple dann allerdings den günstigeren Konkurrenten Pegatron. Eine Untersuchung aus dem Jahr 2015 zeigt, dass in den Fabriken dieses Konzerns mehr als 60 Wochenstunden Arbeit üblich sind und über die Hälfte der Arbeiterinnen monatlich 90 oder mehr Überstunden leistet. Der Großteil der (vorrangig weiblichen) Belegschaft gibt an, ›freiwillig‹ Überstunden zu machen, weil der Basislohn nicht für die lokalen Lebenshaltungskosten ausreicht. Von Apples Verkaufserlösen in Milliardenhöhe gehen nicht einmal 5 % an die Arbeiterinnen, die das Produkt herstellen. Apple ist damit freilich nicht allein. Keiner der großen Elektronikkonzerne (zum Beispiel
Microsoft, Samsung, Sony) garantiert den Arbeiter*innen in ihrer Wertschöpfungskette einen existenzsichernden Lohn. Das ist auch deshalb möglich, weil Arbeitsrechte wie die Organisierungs- und Verhandlungsfreiheit der Gewerkschaften nicht einmal dann respektiert werden, wenn sie formal bestehen.“ Quelle: https://aufkostenanderer.files.wordpress.com/2017/06/3-digitalisierung.pdf

Quelle: https://aufkostenanderer.files.wordpress.com/2017/06/3-digitalisierung.pdf

Sklaverei

Wie? Sklaverei? Das gibt´s doch überhaupt nicht mehr! Dann schau doch mal auf slaveryfootprint.org🙁

Sharing Economy – sozial und nachhaltig?

Wie schon der Name sagt, steht hier – zumindest vermeintlich – das Teilen im Vordergrund: Beispielsweise bieten Menschen online Mitfahrgelegenheiten an oder sie vermitteln ihre Couch per Internetplattform als Schlafplatz. Diese Formen des Teilens erfreuen sich großer Beliebtheit und schaffen bei vielen Teilnehmenden ein Gefühl von Gemeinschaft und Sinn. Und tatsächlich ist es – gerade auch ökologisch gesehen – überaus sinnvoll, Güter zu teilen und ihre Nutzung mittels digitaler Medien effizienter zu organisieren. Die Rhetorik des Teilens wird allerdings auch von vielen rein profitorientierten Internet-Plattformen verwendet, um ihr Geschäft voranzutreiben, das mit Teilen und Kooperation nur sehr bedingt zu tun hat. Einnahmen machen diese Plattformen mit Betreiber- beziehungsweise Maklergebühren sowie dem Verkauf von Werbung und Daten (siehe oben). Gegenüber nicht webbasierten Anbietern haben sie erhebliche Vorteile: Durch ihren globalen Aktionsradius können sie Gewinne weltweit abschöpfen und dabei auch von den erwähnten Netzwerkeffekten profitieren. Nicht selten haben sie in kurzer Zeit gesamte Branchen auf den Kopf gestellt, etwa AirBnB die Tourismus- oder Uber die Taxibranche. Zudem können sie sehr flexibel auf Entwicklungen und Verhältnisse vor Ort reagieren, weil sie so gut wie keine eigene physische Infrastruktur haben und benötigen. Sie arbeiten mit Ressourcen und Leistungen, die andere ihnen – und zwar größtenteils unentgeltlich – zur Verfügung stellen. Sie nutzen unsere Daten, sie nutzen unsere Autos, unsere Wohnungen, unsere Arbeitskraft und vor allem unsere Zeit. Das Teilen ist in der Sharing-Economy heute also vor allem einseitig… Hinzu kommt, dass sich diese Unternehmen häufig in neuen, bislang nicht regulierten Bereichen entwickeln. Quelle: https://aufkostenanderer.files.wordpress.com/2017/06/3-digitalisierung.pdf

Besonders drastisch lassen sich die oben genannten Effekte des Einsammelns von Gewinnen durch Maklerdienste bei Lieferando, HRS, Booking.com, Taxi-Apps usw. zeigen: Sie dominieren den Markt z.T. bereits in einem solchen Umfang, dass Pizzadienste, Hotels, Taxis usw. MITMACHEN UND einen Teil ihres Gewinns ABGEBEN müssen – und zwar in einem im Vergleich zum Anteil an der Leistungserbringung überproportional großen Umfang.