Verleugnung des Klimawandels

Es gibt jede Menge Seiten, die versuchen, den Anteil des Menschen am gegenwärtigen weltweiten Temperaturanstieg herunterzuspielen oder gar zu leugnen. Wer auf Youtube nach Klimawandel sucht, findet massenweise Falschinformationen, obwohl 97% der Wissenschaftler ganz klar sagen: Es gibt den von Menschen verursachten Klimawandel und dieser hat gravierende Auswirkungen. Die Fake News und Fake Videos verwenden verschiedene Desinformations-Techniken, die im Folgenden gezeigt werden.

Wenn Du bis hierher gekommen bist, kannst Du auch damit umgehen. Eine Auswahl findests Du auf der Webseite „Klimanotizen„, die den Klima-Leugnern eine Plattform gibt – angeblich mit der Absicht, „zu einer ausgewogenen Diskussion beizutragen“. Aber dieser Versuch der „Ausgewogenheit“ kann auch in die Irre führen. Sollen die Argumente von Leuten, die behaupten, die Sonne drehe sich um die Erde (und diese ist eine Scheibe), genauso viel Raum bekommen, wie die große Mehrheit der Wissenschaftler? Das wäre offensichtlich Unfug. Und hier geht es nicht ums Rechthaben, sondern um unser Überleben

Das EIKE „Institut“

Eine Seite sticht ganz besonders hervor: Das sogenannte EIKE – Institut. Die Bezeichnung „Europäisches Institut für Klima und Energie“ ist – gelinde gesagt – irreführend. Es handelt sich um eine Lobby-Vereinigung, die mit Wissenschaft nichts zu tun hat. Das erklärte Ziel (Zitat aus der EIKE-Webseite): „EIKE lehnt folglich jegliche „Klimapolitik“ als einen Vorwand ab, Wirtschaft und Bevölkerung zu bevormunden und das Volk durch Abgaben zu belasten.“ Hier einige Hintergrundinformationen über EIKE:

Der Klima-Lügendetektor berichtet über EIKE eine lustige Story, wie EIKE auf das Märchen einer amerikanischen Fake-Seite reinfällt, Edward Snowden hätte behauptet, der Klimawandel sei eine Erfindung des CIA…

Die ARD-Sendung Monitor berichtet über EIKE (Du kannst die Sendung unter diesem Link noch ansehen): EIKE steht in enger Verbindung mit dem von Öl-, Gas- und Kohleindustrie finanzierten Organisationen CFACT und Heartland. Hier ein Auszug aus der Sendung: Und der Bund Naturschutz BUND schreibt über EIKE:

Der Wikipedia-Artikel zu EIKE sagt ähnliches: EIKE ist unter anderem durch das Committee for a Constructive Tomorrow mit dem Lobbyismus für die Leugnung der menschengemachten globalen Erwärmung in den USA verbunden. EIKE täuscht Wissenschaftlichkeit vor, verbreitet gezielt Desinformationen und versucht, Einfluss auf Parteien zu nehmen.  … EIKE prägt inzwischen die Klimapolitik der Alternative für Deutschland (AfD).

Und Lobbypedia schreibt über EIKE: Über ihre Repräsentanz im Bundesfachausschuss Energie der Alternative für Deutschland (AfD) hat EIKE erheblichen Einfluss auf deren Umwelt- und Energiepolitik.

Übrigens: Auch Klaus Oellerer, der Betreiber der o.g. „Klimanotizen“ wird gerne von Eike zitiert…

Nun könnte man ja antworten:

„Das sind doch gezielte Diffamierungen, die politisch gewollt sind und bestimmten Gruppen nützen, die eine ehrliche und offene Diskussion verhindern wollen“.

Aber ist dieser Einwand auch plausibel?

Es ist im vordergründigen Gewinn- und Machtinteresse nahezu aller Gruppen, die gegenwärtig von Reichtum profitieren, wenn der Klimawandel HERUNTERgespielt wird. Welche politischen oder wirtschaftlichen Mächte könnten ein Interesse haben, dass die gegenwärtige Form des neoliberalen Weltkapitalismus verändert wird, weil sie mit dem Klimaschutz inkompatibel ist. Ok, also die sind es nicht, die EIKE diffamieren würden, weil sie das gleiche Interesse haben, wie EIKE selbst. Wer dann? Mächte aus benachteiligten Ländern, die die Industrienationen schwächen wollen? Nein, das Argument hält auch keine 3 Minuten stand – diese Länder geraten durch den Klimawandel selbst unter Druck. Wer könnte es also nur sein, der böswillig die freie Meinungsäußerung über vom Mainstream abweichende Forschungsergebnisse und Interpretationen derselben verhindern will? Die Forscher selbst! Sie sind eine eingeschworene Community und wer heute etwas GEGEN den Klimawandel sagt, bekommt keine Forschungsgelder mehr. Da könnte was dran sein. Wer Forschungsgelder beantragen würde, um zu beweisen, dass die Erde eine Scheibe und die Evolutionstheorie Unfug ist, hätte schlechte Chancen. Andererseits schauen sich die Forscher gegenseitig durchaus auf die Finger – da gibt es auch Konkurrenz und Wettbewerb. Ach so: Wettbewerb darum, wer die krassesten Klimaaussagen macht! So plausibel sich das anhört – dem steht wieder entgegen, dass Politik, Kapital und Wirtschaft – die weitaus mächtigsten Ebenen also – durch die Ergebnisse der Klimaforschung MASSIV UNTER DRUCK geraten. Gäbe es ernstzunehmende Forschung, die aufzeigt, dass wir ruhig weiter Kohle verheizen und wie wild konsumieren könnten, würde diese Forschung eine Rekordförderung bekommen. Zu behaupten, Klimaforscher seien hinter dem Geld her, ist absurd! Der für mich einzig plausible Grund, warum das nicht geschieht, ist: Es gibt schlichtweg KEINE ernstzunehmende Forschung, die den antropogenen Klimawandel widerlegen könnte.

Web-Links zur Aufdeckung und Widerlegung von Falschinformationen und Klima-Lügen

Und weil das jetzt klar ist, noch ein Beispiel von Stefan Rahmstorf, wie sich Klima-Lügen und gezielter Populismus widerlegen lassen:

Herr Hilse von der AfD beantwortet die Fragen der KlimaLounge. Dieser Artikel nimmt Bezug auf das Schülerquiz der AfD. Mit Hilfe dieses „Quiz“ wollte die AfD suggerieren, der Mensch – und Deutschland im Besonderen – habe keinen oder nur einen vernachlässigbaren Effekt auf das Klima.

Harald Lesch gibt Antworten für Klimawandel-Leugner
Ein Schweizerische Antwort auf Falschinformationen zum Klima

Die Klimalounge von Stefan Rahmstorf ist auch sonst ein interessanter und gut geschriebener Blog.

Auch die Seite https://klima-luegendetektor.de ist sehr interessant: Eine Gruppe von Journalisten hat es sich zur Aufgabe gemacht Klima-Lügen zu entlarven. „Am Anfang war die Wut. Darüber, dass sich Unternehmen als Klimaschützer präsentieren. Dass Politiker ungeniert die Argumente von Industrie-Lobbyisten nachplappern. Dass viele Medien offensichtlich nicht einmal mehr versuchen, Klimaschutz-Versprechen und -Wirklichkeit zu vergleichen. Deshalb gibt es nun den ‚Klima-Lügendetektor‘

Auf der Seite Wissenschaftskommunikation.de gibt es eine konzertierte Aktion für das Klima mit vielen spannenden Artikeln, die sich auch mit dem Thema Faschinformationen auseinandersetzen.

Scientists for Future haben eine tolle Seite mit Tips, um mit Leugnern des menschengemachten Klimawandels umzugehen. Auch Skeptical Science (SkS) bietet hier einiges: Mythen zerschlagen: Eine praktische Anleitung dem Leugnen wissenschaftlicher Erkenntnisse zu begegnen. Desweiteren gibt es bei Sceptical Science ein Handbuch Widerlegen, aber richtig! (english: https://sks.to/debunk), sowie eine Folgeveröffentlichung dazu: Unsicherheit gekonnt vermitteln (english: https://climateoutreach.org/resources/uncertainty-handbook).

Klimawandel gab es doch schon immer? Aber nicht so! Quelle: Scientists for Future

Video-Serie Denial 101: Der wissenschaftliche Konsens zum Klimawandel

Empirische Belege für den anthropogenen Klimawandel

Konsens unter Klima-Wissenschaftlern

Konsens zum Klimawandel in wissenschaftlichen Studien

Statements von Wissenschaftlern zum Klima-Konsens

Knowledge based consensus

Wissenschaftler reden sich den Mund fuselig. um immer wieder eines klar zu machen: der anthropogene Klimawandel ist nicht mehr vernünftig zu bezweifeln.

Psychologische Erklärungen für den Widerstand gegen unliebsame Fakten

Auch wenn es noch so klar sein mag, dass alle Empirie DAFÜR spricht, dass es WEIT ÜBERWIEGEND der Mensch ist, der den gegenwärtigen Klimawandel verursacht, haben diese Leugnungs-Aktivitäten eine Wirkung. Die psychologischen Ursachen dafür erläutert Stephan Lewandowsky (link):

  • Von falschen Gerüchten bleibt immer etwas hängen.
  • Wir suchen primär Informationen, die unser Weltbild und unsere Meinung bestätigen.
  • Schon eine leichte Unsicherheit verhindert die Annahme von Fakten, die dem bisherigen Weltbild widersprechen.

Lewandowsdy et al. haben daher ein KONSENSUS-HANDBUCH veröffentlicht, das die Strategieen von Leugnern des Klimawandels aufdeckt und zeigt, wie wichtig es ist, dass die Menschen erfahren: “97% DER KLIMAWISSENSCHAFTLER SIND SICH DARIN EINIG, DASS EIN MENSCHENGEMACHTER KLIMAWANDEL STATTFINDET“

Zu der Methode, wie man durch die Nennung des Fakts, der Erwähnung – mit Warnung! – des Irrglaubens und einer abschließender Erklärung des Trugschlusses informieren kann, gibt es hier eine Foliensammlung zu Fakt-Irrglaube-Trugschluss

Auch wenn wir die Hürde der „Fake News“ und „False Balance“ genommen haben, stehen wir vor dem Dilemma, dass unser Verhalten ausschließlich dadurch gesteuert wird, was unser Wohlbefinden UNMITTELBAR erhöht (siehe auch „Psychologie der Veränderung“ auf unserer Webseite). Um jetzt auf etwas zu verzichten, damit ich später eine (im psychologischen Sinn) Belohnung bekomme oder eine negative Folge vermeide, muss ich in der Lage sein, mir die zukünftigen Folgen des Verhaltens JETZT VOLLKOMMEN KLAR UND SPÜRBAR vor Augen zu führen. So deutlich, dass es mir JETZT BESSER GEHT, wenn ich mich so verhalte, dass ich langfristige positive Effekte erreiche und negative vermeide. Eine Verhaltensänderung braucht die Energie der Entschlossenheit – und da wirkt jeder Zweifel wie Gift. Deshalb sind sämtliche Behauptungen, der Klimawandel sei nicht vom Menschen verursacht, hoch effektiv, egal wie hanebüchen sie sein mögen.

Der eigentliche Witz ist jedoch, dass es gar nicht so sehr darauf ankommt, ob der Klimawandel nun zu 100% oder zu 50% vom Menschen verursacht ist. Es gibt noch weitere, wesentliche und dringende Gründe, unser Verhalten zu ändern, wie die Themen dieser Webseite zeigen. Auch die Seiten „Auf Kosten anderer“ und „System-Change not Climate-Change“ folgen dieser Spur.

Und was ist, wenn der Klimawandel gar nicht eintritt?

Was wäre eigentlich, wenn der Klimawandel doch nicht so eintritt, wie vermutet und befürchtet. Hätten wir uns dann nicht völlig umsonst angestrengt, hätten wir nicht völlig umsonst Verzicht geübt, möglicherweise unserer Volkswirtschaft Nachteile zugefügt. Schließlich haben wir ja auch Erfahrungen mit nicht eingetretenen Prognosen, wie z.B. denen des Club of Rome der in seinen „Grenzen des Wachstums“ 1972 wesentlich schnellere und z.T. andere Veränderungen vorausgesagt hat, als sie tatsächlich beobachtbar waren.

Richtig ist: Wir können die Zukunft nicht voraussagen. 1980 hätte sich keiner vorstellen können, das es einmal so etwas wie Smartphones gibt, andererseits hätte man in den 70er Jahren vermutet, dass es schon viel früher gelingen würde, in der Raumfahrt Fortschritte zu machen. Genau das Gegenteil ist passiert.

Was also, wenn der Klimawandel gar nicht eintritt? Um diese Frage wirklich einschätzen zu können, müssen wir uns vergegenwärtigen, dass wir gerade dabei sind, unwiederbringliche Ressourcen – und dazu gehören auch die fossilen Brennstoffe – einfach zu verheizen. Diese Ressourcen sind definitiv endlich (auch wenn es mit hohem Energieaufwand möglich sein mag, Kohlenwasserstoffe zu synthetisieren – in den Mengen in denen wir sie heute verbrauchen, sind sie unwiederbringlich weg, wenn sie verbrannt sind.)

Gleichzeitig werden unsere Mülldeponien in zu immer wertvolleren Rohstofflagern, auch wenn die Rohstoffe darin so verteilt sind, dass es nur mit höchsten Aufwand möglich wäre, sie da wieder herauszuziehen. Das heißt, wir gehen generell mit den Rohstoffen der Erde so um, als wären sie unterschöpflich – was nun mal nicht der Fall ist.

Das Artensterben und der Klimawandel haben nicht die gleichen Ursachen, aber es gibt doch ganz deutlich Überschneidungen: z.B. die massive Abholzung der Regenwälder zum Zwecke landwirtschaftliche Nutzung (unter anderem für Palmöl, Sojabohnen als Viehfutter…). Die Arten, die hier aussterben, werden auf alle Ewigkeit verloren sein, es gibt keinen Weg zurück, um diese Arten wieder ins Leben zu rufen. Weiterhin sehen wir, dass die heutige Form des Kapitalismus zwar insgesamt ein gewisses Wachstum des Wohlstandes in der Gesamt-Weltbevölkerung hervorbringt, gleichzeitig aber die Schere zwischen extremem Reichtum und Armut immer weiter und weiter aufgeht. Diese Ungleichheit hat zur Folge, dass Demokratien schwach, machtlos werden und letzten Endes korrumpierbar werden. Die gewählten Vertreter der demokratischen Staaten wagen es nicht mehr, notwendige Entscheidungen zum Wohl der Bürger herbeizuführen, weil u.a. Konzerne dies zu verhindern wissen. Der Zusammenhang mit den Mechanismen des Klimawandels ist hier viel subtiler, aber wenn man sich vor Augen führt, das die der größte Teil der Einnahmen von Internetkonzernen wie G—- aus Konsum-Werbung entsteht, erkennen wir: diese Art der Wirtschaft lebt davon, dass Konsum immer weiter gesteigert wird – jenseits dessen, was benötigt wird und wirklich glücklich macht.

Es macht in jedem Fall Sinn, unseren gegenwärtigen Lebenswandel zu korrigieren. Wenn wir das tun, dann werden wir mit höchster Wahrscheinlichkeit nicht nur die Klimadynamik bremsen, sondern auch unwiederbringliche Arten erhalten, die Gesundheit durch biologische Landwirtschaft stärken, die Lebensfreundlichkeit von Städten und Landschaft durch andere Verkehrskonzepte verbessern und mehr Gleichheit und Fairness in der Weltwirtschaft erreichen. Das, was wir tun müssen, um den Klimawandel zu stoppen, hat also viele positive Auswirkungen darüber hinaus. Es geht nicht nur um die Vermeidung von etwas, was wir nicht wollen – nämlich den Klimawandel – sondern auch darum, etwas zu gewinnen: Wir können Lebensqualität gewinnen für uns und unsere Nachkommen. Dafür lohnt es sich einzustehen, auch wenn der Klimawandel nicht käme (was nicht der Fall sein kann, weil er schon da ist)