Die durch Treibhausgase angestoßene Erderwärmung ist kein linearer Prozess. Wenn wir nicht endlich wirksame Maßnahmen ergreifen, steuern wir auf Kipppunkte (tipping points) zu, die eine Klimakatastrophe zur Folge haben, die wir dann nicht mehr aufhalten können.
Seit Beginn der Industrialisierung ist die Temperatur der unteren Atmosphäre um rund 1,4 Grad Celsius (Stand 2025) angestiegen (Land > Wasser). Der Hauptgrund für diesen erdgeschichtlich extrem schnellen Temperaturanstieg liegt in der Freisetzung von Treibhausgasen, welche die von der Erdoberfläche zurückgestrahlten Infrarotwellen absorbieren. Die wichtigsten Klimagase sind Kohlendioxid und Methan. Letzteres fällt in großen Mengen z.B. in der Massentierhaltung an und findet sich in gebundener Form in Permafrostböden. Durch Rückkopplungseffekte (insbesondere die mit der Erwärmung zunehmende Wasserverdunstung) verstärkt sich die Wirkung der vom Menschen freigesetzten Treibhausgase. Außerdem kann warmes Wasser weniger CO2 binden – weshalb sich durch die Erwärmung der Ozeane der CO2-Gehalt der Atmosphäre weiter erhöht. Diese Rückkopplungseffekte können durch das zunächst verstärkte Pflanzenwachstum nicht kompensiert werden.
Wenn sich die Temperatur der Atmosphäre nun weiter erhöht, werden sogenannte Kipppunkte (tipping points) erreicht. In diesem Fall werden unter anderem folgende Mechanismen ausgelöst:
- Durch das Schmelzen der Eiskappen an den Polen verringert sich die Abstrahlung von Sonnenlicht in den Weltraum und es kommt zu einer stärkeren Erwärmung der Erdoberfläche. Dies hat zur Folge, dass das Eis noch schneller schmilzt, was die Reflexion des Sonnenlichts weiter reduziert, usw. – ein sich selbst verstärkender Prozess.
- Ein zweiter Mechanismus ist das Auftauen von Permafrostböden, wodurch große Mengen Methan freigesetzt werden, ein Gas, das (im direkten Vergleich) eine fast 30-mal (über 20 Jahre gerechnet rund 80-mal) stärkere Klimawirkung hat als CO2. Und je wärmer es wird, desto schneller tauen die Permafrostböden auf – ein weiterer, sich aufschaukelnder Prozess.
Wenn solche Kipppunkte erreicht werden, kommt es zu einem unkontrollierbaren Anstieg der atmosphärischen Temperatur, der durch menschliche Maßnahmen nicht mehr aufhaltbar ist. Dies hätte dramatische Folgen für sämtliche Ökosysteme der Erde und für die gesamte Menschheit, ein Massensterben wäre zu befürchten. Es besteht die Möglichkeit, dass wir dann in eine Jahrtausende lange Heißzeit eintreten, die große Teile der Erdoberfläche in Wüsten verwandelt.
Je länger die Menschheit damit wartet, ausreichend wirksame Maßnahmen zu ergreifen, um die weitere Erwärmung der Atmosphäre zu stoppen, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit, dass die Kipppunkte erreicht werden und der Klimawandel zu einer Klimakatastrophe wird.
Diese grundlegenden Tatsachen sind nicht mehr vernünftig bezweifelbar. Es gibt allenfalls quantitative Unsicherheiten, z.B. dahingehend, wann bestimmte Kipppunkte erreicht werden. Diese noch bestehenden quantitativen Unsicherheiten werden in der politischen Diskussion benutzt, um Maßnahmen zu verschleppen. Angesichts der dramatischen Folgen einer unumkehrbaren globalen Erhitzung ist dies nicht mehr hinnehmbar.
Jeder Mensch ist jetzt gefordert, alles in seiner Macht Stehende zu tun, um eine weitere Erderwärmung zu verhindern.
Dazu gehört die Umstellung der eigenen Lebensweise in den Bereichen Mobilität, Heizen, Ernährung, sowie eine Reduktion des Konsums. Praktisch bedeutet dies
- einen Umstieg auf Fahrrad, ÖPNV und Bahn, den Verzicht auf Flugreisen und unnötige Autofahrten,
- durch Wärmedämmung reduziertes Heizen mit möglichst klimaschonenden Methoden,
- eine deutliche Reduktion des Konsums von Fleisch und Milchprodukten und
- achtsames Konsumieren (was brauche ich wirklich, was ist haltbar, was ist nachhaltig produziert).
So kann jede*r Einzelne einen Beitrag leisten. Dieser Beitrag ist notwendig, jedoch nicht ausreichend.
Ohne die Schaffung geeigneter Rahmenbedingungen durch die politischen Entscheidungsgremien ist der Klimawandel nicht aufzuhalten. Derzeit fehlt jedoch in fast allen Ländern der politische Wille, ausreichend wirksame Maßnahmen zu beschließen. Dazu gehört in jedem Fall ein hoher CO2-Preis (bezogen auf die Produktionskette). Wenn die Einnahmen aus CO2-Abgaben an die Bevölkerung zurückverteilt werden, kann der CO2-Preis ohne soziale Härten umgesetzt werden.
Am Beispiel der Bundesrepublik Deutschland lässt sich zeigen, dass nach wie vor nur Placebo-Politik betrieben wird. Die Maßnahmen, welche erforderlich sind, um den Klimawandel zu stoppen, werden NICHT eingeleitet. Das sogenannte Klimapaket der deutschen Bundesregierung (Sept. 2019) war ein reines Placebo-Paket, mit wirkungslos niedrigen CO2-Abgaben und z.T. kontraproduktiven Maßnahmen. Nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts von 2021 wurde das Klimaschutzgesetz verschärft. Bis 2025 sanken die Emissionen um 48 % gegenüber 1990, zuletzt aber kaum noch (Stand November 2026, siehe unten).
Gerade in den demokratischen Staaten ist daher jede*r Einzelne aufgefordert, auch politisch zu handeln. Konkret sollte man sich einer der Gruppen anschließen, die bereits politisch gegen den Klimawandel vorgehen, sich in Parteien engagieren, an politischen Kampagnen teilnehmen und allen Politikern deutlich machen: wenn ihr jetzt nicht wirksam handelt, werdet ihr nicht mehr gewählt. Persönliches und politisches Engagement ist jetzt die Aufgabe jedes Menschen, der sich seiner Verantwortung für die nachkommenden Generationen bewusst ist.