Ungleichheit überwinden

Wir haben hier sehr viele Informationen zusammengeführt. Wenn Du gerade nicht viel Zeit hast, empfehlen wir Dir zum Einstieg den Vortrag von R. Wilkinson „The consequences of inequality“ (16 Min).

Zusammenfassung

Wir sehen sowohl zwischen den Nationen (Nord-Süd-Gefälle), wie auch innerhalb der Nationen eine zunehmend extremer werdende Ungleichheit. Diese extreme Ungleichheit ist nicht legitimierbar (schon gar nicht durch „Leistung“). Das von Reichen angehäufte Vermögen hat nichts mit deren Beitrag zum Gemeinwohl zu tun (eher im Gegenteil). Extreme Ungleichheit schadet in vielfältiger Weise (vgl. „The consequences of inequality„), sie führt zu Machtverschiebungen, stört demokratische Prozesse, trägt zur Entwicklung extremistischer oder populistischer politischen Haltungen (AfD…) bei. Selbst mathematisch lässt sich belegen, dass Umverteilung zu einem insgesamt größeren Nutzen führt – der aber nicht erreicht wird, weil wir zulassen, dass Wenige immer mehr bekommen.

Deshalb sagen wir:

Wir brauchen a) eine Umverteilung (das auch), die die entstandene Dysbalance wieder ins Gleichgewicht bringt. Mögliche Wege dazu sind hohe Erbschaftssteuern und eine Rückverteilung von Umwelt-CO2-Steuern umgekehrt proportional zum Einkommen/Vermögen.

Wir brauchen b) darüber hinaus auch eine absolute Grenze für die Konzentration von Reichtum, die in einem demokratischen Prozess zu bestimmen ist. Die Gesellschaft braucht keine Milliardäre und keine Konzerne, die sich staatlich-demokratischer Steuerung entziehen können.

Als Einzelne*r können wir diese Problematik (fast) nur durch Wahlen beeinflussen. Wer immer kann und möchte, kann natürlich auch direkt in den politischen Parteien aktiv werden. Wir können aber durch unser Konsumverhalten in kleinem Maßstab dafür sorgen, dass auch Kleinere am Leben bleiben. Es gibt gute Alternativen zu WhatsApp, Amazon, Nestlé, Edeka/Rewe/Aldi/Lidl usw. Die können wir unterstützen, indem wir sie mehr und mehr nutzen.

Fakten und Analysen zur Ungleichheit

Umfassendes Datenmaterial zur Ungleichheit findest Du bei Ourworldindata „Income Inequality„.

Weltkarten der Ungleichheit

Auf www.worldmapper.org findest Du Weltkarten zu fast allen denkbaren Themen. Für die Datenquellen können wir uns aber nicht verbürgen – die Karten können allenfalls als Anregungen verwendet werden, weiter und tiefer zu fragen und zu forschen.

Weltkarten der Armut

Welthungerindex 2018 (Public Domaine)

Welthunger-Index 2018- Vereinfachte Karte

Welthunger-Index 2018 nach Schweregrad.“ Karte im Welthunger-Index 2018: Flucht, Vertreibung und Hunger; von K. von Grebmer, J. Bernstein, L. Hammond, F. Patterson, A. Sonntag, L. Klaus, J. Fahlbusch, O. Towey, C. Foley, S. Gitter, K. Ekstrom und H. Fritschel. 2018. Bonn und Dublin: Welthungerhilfe und Concern Worldwide. 
Der Welthungerindex (WHI) wird von der Welthungerhilfe und der NGO Concern Worldwide auf Basis folgender Faktoren ermittelt:

  1. prozentualer Anteil der Unterernährten an der Bevölkerung;
  2. Anteil der Kinder unter fünf Jahren, die an Auszehrung leiden;
  3. Anteil der Kinder unter fünf Jahren, die wachstumsverzögert sind;
  4. Sterblichkeitsrate von Kindern unter fünf Jahren.

Download detailed mapDownload complete report.

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Weltkarte der Lebenserwartung

Lebenserwartung bei Geburt 2017
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Weltkarten des Super-Reichtums

Weltkarte der Millionäre
In den USA leben 15,7 Millionen Millionäre. In Europa: UK 2,4 Mio, Frankreich 1,8 Mio, BRD 1,5 Mio, … Türkei 74.000 (Stand 2015, Quelle: Credit Suisse)

Weltkarte der Superreichen. Zu den „Ultra High Net Worth Individuals (UHNWI) gehörst Du, wenn Du mehr als 30 Millionen Dollar besitzt. Dann wohnst Du vielleicht in London (4364 UHNWIs), New York (3008), Singapur (3227), Peking (1408), Zürich (1362), Seoul (1356) Sao Paulo (1344), Taipeh (1317), Toronto (1216), Frankfurt (1138) oder München (1138)

Weltkarte der Milliardäre
Der Anteil an den Milliardären der Welt ist z.B. in… USA: 30,2%, China 9,2%, Russland 6,7% BRD 5,1%, Brasilien 3,9% Indien 3,4% UK 2,8%, Frankreich 2,6%, Italien 2,1%, Kanada 1,9%, Türkei 1,4, %Schweiz 1,3% (Stand 2017, Quelle: www.howmuch.net). Dazu ein nettes Bild…
Wer es genau wissen will: Hier geht es zur Forbes-Liste der Superreichen.

Die Welt ist so reich wie nie zuvor – Allianz Global Wealth Report (SZ 27.9.2017)
„Noch nie gab es so viel Vermögen in der Welt wie heute. Laut einem Report der Versicherung Allianz stieg das private Geldvermögen auf 169,2 Billionen Euro.Vor allem Asien holt auf. Weltweit wird die Vermögensverteilung dadurch auch gerechter.Jedoch besitzen die reichsten zehn Prozent der Weltbevölkerung noch immer fast 80 Prozent der Netto-Vermögen.“

Weltkarte des ökologischen Fußabdrucks

Weltkarte des ökologischen Fußabdrucks 2007 (Public Domaine)
Das Global Footprint Network (GFN) ist eine Non-Profit-Organisation im Umweltbereich. Unter dem Ökologischen Fußabdruck (Englischecological footprint) wird die Fläche auf der Erde verstanden, die notwendig ist, um den Lebensstil und Lebensstandard eines Menschen (unter Fortführung heutiger Produktionsbedingungen) dauerhaft zu ermöglichen. Das schließt Flächen ein, die zur Produktion seiner Kleidung und Nahrung oder zur Bereitstellung von Energie, aber z. B. auch (zumindest theoretisch) zur Entsorgung des von ihm erzeugten Mülls oder zum Binden des durch seine Aktivitäten freigesetzten Kohlendioxids benötigt werden. Die Werte werden in Globalen Hektar pro Person und Jahr angegeben.

Global Footprint
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Weltkarte des Human Development Index

Human Development Index. Stand 2013. In die komplexe Berechnung gehen v.a. die Lebenserwartung (1 = 85J., 0 = 20J.), die Bildung (15-18 Jahre Schule/Uni ~ 1) und das BSP pro Kopf ein (modifiziert als Purchasing Power Parity ohne Wechselkurseffekte etc.; 1 = 75.000$, 0 = 100$) ein.

Human Development Index HDI
Human Development Index HDI Legende

Weltkarte der Einkommens-Ungleichheit

nach oben…Weltkarte der Einkommens-Ungleichheit – dargestellt anhand des GINI-Koeffizienten (UN Human Development Report 2014)

GINI Koeffizient 2014

Die Ungleichverteilung von Vermögen oder Einkommen wird (leider) meist mit dem sehr abstrakten GINI-Koeffizienten dargestellt.
Wäre der GINI-Koeff. = 0, hätte jeder Einwohner das genau gleiche Einkommen
Wäre der GINI-Koeff. = 1, hätte EIN EINZIGER Einwohner alleine das GESAMTE Einkommen
Meist wird der GINI in Prozent angegeben, d.h. 100% ist TOTALE UNGLEICHHEIT.
Aber auch ein scheinbar moderater Wert um die 30% ist nicht ohne, wenn Ihr Euch mal die mathematische Erklärung zum GINI anschaut.
Da der Gini-Koeffizient nur einen Mittelwert zur Ungleichheit darstellt, zeigt er nicht, wie groß der jeweilige Anteil sehr reicher und sehr armer Menschen ist.
Bei der Einkommens-Ungleichheit sieht Deutschland noch scheinbar gut aus. Wird jedoch das Vermögen in Deutschland miteinander verglichen, ist dieses im internationalen Vergleich wesentlich ungleicher verteilt ist als das Einkommen. Der Gini-Koeffizent von Deutschland beträgt 79 Prozent, während er in vielen anderen europäischen Ländern deutlich geringer ist.

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Weltkarte des Glücks

Weltkarte des Glücks (University of Leicester, 2006) (Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.07.2006). Forscher der University of Leicester um Adrian White erstellten 2006 die „World Map of Happiness“, für die mehr als 100 Untersuchungen u.a. von WHO und Unesco ausgewertet wurden. Es zeigte sich: Dort, wo die Menschen sehr arm sind, sind sie auch weniger glücklich – v.a. in Afrika. Geld macht vielleicht nicht glücklich – aber bitterste Armut macht unglücklich. Auch Russland scheint eine Art Glücks-Senke zu sein.

Landkarte des Glücks für Europa (Glücksatlas 2017 / Eurostat). Deutliches Nord-Süd-Gefälle!

Ungleichheit in Deutschland

Weltweite Ungleichheit:

  • Die Einkommensungleichheit hat seit 30 Jahren weltweit zugenommen, vor allem in den USA, China, Indien und Russland. 
  • Wenn sich der Trend der vergangenen Jahrzehnte fortsetzt, werden 2050 die reichsten 0,1 Prozent weltweit genauso viel Vermögen besitzen, wie die globale Mittelschicht.
  • Durch das Wachstum in China und Indien verdient die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung mehr. Ihr Anteil am globalen Einkommen stagniert trotzdem unter zehn Prozent. Die Top ein Prozent der Erde dagegen vergrößerten ihren Anteil von 16 auf 20 Prozent. 
  • Mittel- sowie Unterschichten in Nordamerika und Europa wurden in der Globalisierung (relativ gesehen) „zusammengedrückt“. Ihre Einkommen nahmen nur geringfügig zu oder schrumpften sogar (USA). Die Autoren der Studie sehen dies als eine der Ursachen für den zunehmenden Rechtspopulismus an. (vgl. „Ich würde zuschlagen, wenn ich könnte“ – SZ 28.9.16)
  • Noch in den 70er Jahren hatte die Hälfte der Gesellschaft immerhin 30% des Einkomens – heute sind es ca. 15%, während die oberen Schichten ihren Anteil von einem Drittel auf 40% steigerten.

Deutschland ist so ungleich wie vor 100 Jahren (SZ 14.12.17)

Vermögen der Bundesbürger steigt – die Ungleichheit bleibt (SZ 15.4.19; Datenquelle: Bundesbank-Studie „Private Haushalte und ihre Finanzen“)
Den reichsten zehn Prozent der Haushalte gehören 55 Prozent des gesamten Nettovermögens, der unteren Hälfte (!) gerade 3 Prozent. Der Rest des Vermögens verteilt sich auf 40 Prozent der Haushalte.
Die 10% der vermögendsten Haushalte besitzen mehr als 555.400 Euro. Der Median (der die Einkommen in eine obere und eine untere Hälfte teilt) liegt in Westdeutschland bei 92.500 Euro und im Osten bei 23.400 Euro.

Neben den genannten Arten von Ungleichheit zeigt sich am Horizont der Zukunft eine völlig neue Dimension. Wir haben heute die Möglichkeit, direkt Eingriffe in das menschliche Genom vorzunehmen und die menschliche Keimbahn zu beeinflussen. Dies kann (und wird wahrscheinlich) dazu führen, dass sich die Menschheit genetisch in verschiedene Arten teilt. Mehr dazu findest Du hier: Zukunftsthema Genetik: Die Menschheit teilt sich.

Ungleichheit schadet allen

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Das Ausmaß der Ungleichheit in der Verteilung von Einkommen, Vermögen und politischer Einflussnahme durch wirtschaftliche Macht ist durch nichts legitimierbar. Dazu einige Überlegungen:

Wir sind mit nichts auf die Welt gekommen. Unsere Gene (die zusammen mit den Umweltfaktoren unsere Intelligenz, unseren Willen, unseren Charakter formen), unsere Eltern, unsere Bildungsangebote, die Zeit, in die wir hineingeboren und der Ort, an dem wir aufgewachsen sind: das alles ist uns geschenkt. Es gibt kein unabhängiges, vorbestehendes Ich, das sich irgendwelche Verdienste zurechnen könnte.

Die genannten Bedingungen führen dazu, dass die Chancen von Menschen, ein gutes Einkommen und Vermögen zu erlangen, extrem unterschiedlich sind. Niemand kann 1000 mal mehr leisten, als der Durchschnitt seiner Mitmenschen. Das Ausmaß der Ungleichheit auf der Welt kann durch das Leistungsprinzip nicht gerechtfertigt werden.

Wie der Vortrag von Richard Wilkinson zeigt, wirkt sich Ungleichheit in allen Lebensbereichen negativ auf die Gesellschaften aus. Deshalb ist es sinnvoll, Wege zu suchen und zu beschreiten, um Ungleichheit zu überwinden. Das hat nichts mit „Kommunismus“ zu tun. Ob links oder rechts: die Evidenz zeigt ganz klar, dass Ungleichheit für den allergrößten Teil der Menschheit ein nicht legitimierbarer Nachteil ist.

Wie Ungleichheit schadet – The Consequences of Inequality – ein Augen öffnender Vortrag von Richard Wilkinson (mit TED-Video)!

Richard Wilkinson: The Consequences of Inequality

You all know the truth of what I’m going to say. I think the intuition that inequality is divisive and socially corrosivehas been around since before the French Revolution. What’s changed is we now can look at the evidence, we can compare societies, more and less equal societies, and see what inequality does. I’m going to take you through that data and then explain why the links I’m going to be showing you exist.
But first, see what a miserable lot we are. I want to start though with a paradox. This shows you life expectancy against gross national income — how rich countries are on average. And you see the countries on the right, like Norway and the USA, are twice as rich as Israel, Greece, Portugal on the left. And it makes no difference to their life expectancy at all. There’s no suggestion of a relationship there. But if we look within our societies,there are extraordinary social gradients in health running right across society. This, again, is life expectancy.
These are small areas of England and Wales — the poorest on the right, the richest on the left. A lot of difference between the poor and the rest of us. Even the people just below the top have less good health than the people at the top. So income means something very important within our societies, and nothing between them. The explanation of that paradox is that, within our societies, we’re looking at relative income or social position, social status — where we are in relation to each other and the size of the gaps between us. And as soon as you’ve got that idea, you should immediately wonder: what happens if we widen the differences, or compress them, make the income differences bigger or smaller?
And that’s what I’m going to show you. I’m not using any hypothetical data. I’m taking data from the U.N. — it’s the same as the World Bank has — on the scale of income differences in these rich developed market democracies. The measure we’ve used, because it’s easy to understand and you can download it, is how much richer the top 20 percent than the bottom 20 percent in each country. And you see in the more equal countries on the left — Japan, Finland, Norway, Sweden — the top 20 percent are about three and a half, four times as rich as the bottom 20 percent. But on the more unequal end — U.K., Portugal, USA, Singapore — the differences are twice as big. On that measure, we are twice as unequal as some of the other successful market democracies.
I may say, we did all this work twice. We did it first on these rich, developed countries, and then as a separate test bed, we repeated it all on the 50 American states — asking just the same question: do the more unequal states do worse on all these kinds of measures? So here is trust from a general social survey of the federal government related to inequality. Very similar scatter over a similar range of levels of trust. Same thing is going on. Basically we found that almost anything that’s related to trust internationally is related to trust amongst the 50 states in that separate test bed. We’re not just talking about a fluke.
This is mental illness. WHO put together figures using the same diagnostic interviews on random samples of the population to allow us to compare rates of mental illness in each society. This is the percent of the population with any mental illness in the preceding year. And it goes from about eight percent up to three times that — whole societies with three times the level of mental illness of others. And again, closely related to inequality.
This is social mobility. It’s actually a measure of mobility based on income. Basically, it’s asking: do rich fathers have rich sons and poor fathers have poor sons, or is there no relationship between the two? And at the more unequal end, fathers‘ income is much more important — in the U.K., USA. And in Scandinavian countries, fathers‘ income is much less important. There’s more social mobility. And as we like to say — and I know there are a lot of Americans in the audience here — if Americans want to live the American dream, they should go to Denmark.
I’ve shown you just a few things in italics here. I could have shown a number of other problems. They’re all problems that tend to be more common at the bottom of the social gradient. But there are endless problems with social gradients that are worse in more unequal countries — not just a little bit worse, but anything from twice as common to 10 times as common. Think of the expense, the human cost of that.
I want to go back though to this graph that I showed you earlier where we put it all together to make two points. One is that, in graph after graph, we find the countries that do worse, whatever the outcome, seem to be the more unequal ones, and the ones that do well seem to be the Nordic countries and Japan. So what we’re looking at is general social disfunction related to inequality. It’s not just one or two things that go wrong, it’s most things.
You see there that Sweden does better than Britain all the way across the social hierarchy. The biggest differences are at the bottom of society. But even at the top, there seems to be a small benefit to being in a more equal society. We show that on about five different sets of data covering educational outcomes and health in the United States and internationally. And that seems to be the general picture — that greater equality makes most difference at the bottom, but has some benefits
But I should say a few words about what’s going on. I think I’m looking and talking about the psychosocial effects of inequality. More to do with feelings of superiority and inferiority, of being valued and devalued, respected and disrespected. And of course, those feelings of the status competition that comes out of that drives the consumerism in our society. It also leads to status insecurity. We worry more about how we’re judged and seen by others, whether we’re regarded as attractive, clever, all that kind of thing. The social-evaluative judgments increase, the fear of those social-evaluative judgments.
Interestingly, some parallel work going on in social psychology: some people reviewed 208 different studies in which volunteers had been invited into a psychological laboratory and had their stress hormones, their responses to doing stressful tasks, measured. And in the review, what they were interested in seeing is what kind of stressesmost reliably raise levels of cortisol, the central stress hormone. And the conclusion was it was tasks that included social-evaluative threat — threats to self-esteem or social status in which others can negatively judge your performance. Those kind of stresses have a very particular effect on the physiology of stress.
Now we have been criticized. Of course, there are people who dislike this stuff and people who find it very surprising. I should tell you though that when people criticize us for picking and choosing data, we never pick and choose data. We have an absolute rule that if our data source has data for one of the countries we’re looking at, it goes into the analysis. Our data source decides whether it’s reliable data, we don’t. Otherwise that would introduce bias.
What about other countries? There are 200 studies of health in relation to income and equality in the academic peer-reviewed journals. This isn’t confined to these countries here, hiding a very simple demonstration. The same countries, the same measure of inequality, one problem after another. Why don’t we control for other factors? Well we’ve shown you that GNP per capita doesn’t make any difference. And of course, others using more sophisticated methods in the literature have controlled for poverty and education and so on.
What about causality? Correlation in itself doesn’t prove causality. We spend a good bit of time. And indeed, people know the causal links quite well in some of these outcomes. The big change in our understanding of drivers of chronic health in the rich developed world is how important chronic stress from social sources is affecting the immune system, the cardiovascular system. Or for instance, the reason why violence becomes more common in more unequal societies isbecause people are sensitive to being looked down on.
I should say that to deal with this, we’ve got to deal with the post-tax things and the pre-tax things. We’ve got to constrain income, the bonus culture incomes at the top. I think we must make our bosses accountable to their employees in any way we can. I think the take-home message though is that we can improve the real quality of human life by reducing the differences in incomes between us. Suddenly we have a handle on the psychosocial well-being of whole societies, and that’s exciting.

Quelle: TED – July 2011 – Richard Wilkinson

Ungerechtigkeit und Neid

Ob man es nun mag, oder nicht mag, ob man es richtig findet, oder nicht: eine ungerechtfertigte Ungleichbehandlung wird bei den allermeisten Betroffenen negative Gefühle nach sich ziehen. Wenn die Urheber der Ungleichbehandlung, diejenigen, die die Kränkung verursacht haben, nicht adressierbar oder gar angreifbar sind, besteht die große Gefahr, dass die negativen Emotionen sich ein anderes Ventil suchen. Und oft sind dann Schwächere das Ziel der aus der Ungleichbehandlung man wird also mit einem großen Maß an negativen Emotionen in der Gesellschaft umgehen müssen, wenn man ein Maß an Ungleichheit zulässt, dass sich durch nichts mehr rechtfertigen lässt.

Interessanterweise sind es gerade die Profiteure der Ungleichheit, die versuchen zum quasi moralischen Gegenschlag auszuholen, indem dann von einer Neiddebatte gesprochen wird. Und dieser Neid wird als etwas niedriges, primitives, moralisch abzulehnendes hingestellt. So einfach ist es aber nicht: es besteht ja auch durchaus ein moralischer Imperativ, Formen der Ungleichheit zu rechtfertigen. Was aber meinen wir mit Neid? Von Neid spricht man vor allem dann, wenn ein legitime (wenn auch vielleicht unverdiente) Besserstellung eines anderen negative Gefühle auslöst: „Meine Schwester ist so hübsch und ich nicht“. Im Falle extremer Ungleichheit an Einkommen, Ressourcennutzung, Macht etc. stellt sich durchaus die Frage, ob diese Ungleichheit auch gerecht(fertigt) ist. Angesichts der bestehenden Chancenungleichheiten, der Kultur des Erbens oder der seltsamen Dynamik des Kapitalmarkts kann man heute nicht davon sprechen, dass Ungleichheit mit Leistung korreliert. Und schon gar nicht mit gesellschaftlichem Nutzen (wie die Situation der Pflegeberufe zeigt). Ungleichheit ist oftmals auch Ungerechtigkeit. Und darauf reagieren wir hoch emotional. Der aufkommende „Neid“ ist also durchaus ein Signal dafür, das Dinge im sozialen Kontext ganz erheblich schief liegen. Die zwei folgenden Videos aus der Primatenforschung zeigen auf der einen Seite die heftige Reaktion auf unfaire Behandlung und auf der anderen Seite die in uns angelegten prosozialen Motive.

Was hat die AfD mit Ungleichheit zu tun? Versuch eines Perspektivenwechsels

Zunächst liegt es auf der Hand, dass es seitens der Politik eine permanente Fehlleitung von Aufmerksamkeiten gibt. So hat Seehofer es geschafft, ein Jahr lang die Flüchtlingsdebatte so zu führen, als ob darin das größte Problem für den Erhalt der Lebensgrundlagen in der Bundesrepublik Deutschland läge. Kein Wort vom Klimawandel, von sozialer Ungleichheit, von Wohnungsnot, kein Wortvon Bildung und Gerechtigkeit.

Dass viele Menschen, einschließlich der medial tätigen, darauf hereingefallen sind, mag ein vorübergehendes „Glück“ für Seehofer gewesen sein, unserer Gesellschaft hat es sicherlich geschadet. Ich glaube aber, dass die Wurzeln des AfD-Wählens tiefer liegen. Dabei erlaube ich mir als „Wessi“ einen Blick in die östlichen Bundesländer.

Ich habe es selbst (als Wessi) miterleben müssen, wie das Volkseigentum der DDR zu Spottpreisen an Investoren verscherbelt wurde, anstatt sich mit dem Gedanken zu tragen, kollektive Ansätze für der wirtschaftlichen Entwicklung zu versuchen, die das Vermögen (nein, es war nicht alles nur Schrott) bei den Bürgern belassen hätten.

Miterlebt habe ich auch (wiederum aus Wessi-Sicht), wie scharenweise westliche Experten in die neuen Bundesländer exportiert wurden, sodass Menschen dort sehr häufig mit Chefs aus den alten Bundesländern konfrontiert waren. Angesichts der Führungskultur in vielen Unternehmen, mag dies kein Vergnügen gewesen sein.

Viele Menschen, die in der ehemaligen DDR aufgewachsen sind, haben diese nicht nur als Unrechtsstaat erfahren. Sie haben gegenseitige Hilfsbereitschaft, Kooperation, kollektives Denken und ein hohes Maß an Improvisationsfähigkeit erfahren. Sie haben eher nicht erlebt, dass Menschen nach Modeaccessoires und Marken eingeschätzt wurden. Ich kann mir vorstellen, dass es viele zur Weißglut bringt, wenn sie merken, wie sämtliche Aspekte der Lebenswelt in der ehemaligen DDR in Bausch und Bogen als minderwertig abgestempelt werden .

Die sollte nicht als Anfall von Ostalgie verstanden werden, sondern als Versuch, einen differenzierten Blick auf konkrete Lebenswelten zu werfen, so unvollkommen dieser auch sein mag.

Eine weitere Erfahrung ist die der zunehmenden Ungleichheit beim Einkommens und Vermögen der Deutschen. Immer mehr Menschen erleben, dass sie sich kaum ihre Wohnung leisten können, gleichzeitig aber in ihrer Umgebung ständig Leuten begegnen, die entweder erster Klasse oder einen dicken SUV fahren, in großen Häusern wohnen und auch sonst in jeder Hinsicht zeigen: Wir haben so viel Geld, du bist uns wurst, dich sehen wir doch gar nicht.

Daneben erkennen die Menschen, dass der Bildungsabschluss eine ganz erhebliche Rolle für das persönliche Ansehen in der Gesellschaft darstellt. Dieser Einfluss ist so extrem, dass man sich lieber mit Leuten im eigenen Bildungssegment umgibt, um nicht ständig diesem sozialen Gefälle ausgesetzt sein zu müssen. Umso mehr schmerzt es, dass gerade in Deutschland die Bildungsabschlüsse und der soziale Status der Eltern, einer der Haupt-Prädiktoren für den Bildungsabschluss der Kinder sind.

Dies bedeutet, dass sich auch unter den Menschen, die keinen akademischen Bildungsabschluss haben, sehr viele befinden, die ohne weiteres in der Lage (gewesen) wären, einen solchen zu machen, wenn man sie auch nur ein bisschen gefördert hätte. Umgekehrt gibt es viele, die vielleicht an einem solchen Abschluss gescheitert wären, hätten sie nicht ein ganz besonders hohes Maß an Förderung durch Privatunterricht etc. erhalten. Diese Menschen treffen nun aufeinander, und es mag sich mancher fragen, ob hier alles mit rechten Dingen zugegangen ist.

Ohne akademischen Abschluss landet man sehr leicht in einem Job, der wenig Selbstwirksamkeit und Selbstbestimmung ermöglicht, wenig spannende Herausforderungen bietet und die Frage nach dem beruflichen Sinn offen lässt. Je weniger man beruflich gefordert ist, desto mehr mag man dazu neigen, wahllos Fernsehen zu konsumieren und sich in den Filterblasen von Facebook, Google und Co fangen zu lassen. Und wieder: man umgibt sich eher mit seinesgleichen, weil man nicht ständig dem sozialen Gefälle ausgesetzt sein will. Niemand will, dass man auf ihn/sie herunterschaut.

Modelle für alternative Lebensweisen und Wirtschaftsformen, ja selbst diese Webseite, kommen auf in akademischer Sprache daher. Insofern sind wir hier selbst, samt aller guten Absichten, mit unserer Webseite ein Rädchen, dass die Probleme weiter treibt, statt sie zu lösen – zumindest was die Überwindung der Gräben zwischen den verschiedenen Schichten in der Bundesrepublik angeht.

Diese kurze Auflistung hat natürlich nicht zum Ziel, eine soziologische Analyse zu ersetzen. Sie soll aber ein Zeichen dafür sein, wie wichtig es ist, die Perspektive seiner Mitmenschen einzunehmen, um zu verstehen, was sie zu ihrem Verhalten und zu ihrer Haltung bewegt – und von hier aus den Dialog zu suchen und die eigenen Annahmen zu überprüfen.

Denn wir alle teilen im Wesentlichen die gleichen Bedürfnisse. Unser emotionales Erleben und unser Handeln sind letztlich dadurch bestimmt, inwieweit unsere Bedürfnisse befriedigt werden.

„Die Reichen“ – Offenbarung eines Vor-Urteils

Wenn ich mich in jemanden einfühle, der gekränkt, enttäuscht, verletzt oder auch auf „unschuldige Weise glücklich“ ist, dann empfinde ich etwas, was man als Mitgefühl bezeichnen kann. Wenn ich versuche, mich in jemanden einfühlen, der inmitten einer selbstgefälligen Wohlstandshabitus unterwegs ist, dann entsteht weniger Mitgefühl, als vielmehr eine Art von Ärger, je nach Perspektive vielleicht auch Neid .
Wie komme ich aber auf die Idee, dass ein solcher „selbstgefälligen Wohlstandshabitus“ (Achtung Abwertung!) die vorherrschende Verfassung reicher Menschen wäre? Weil ich oft beobachtet habe, wie schnell Reiche ihre Position und ihren Wohlstand als eigenes Verdienst ansehen. Sie ignorieren dabei völlig, dass Ihnen alles, was sie sind und haben, gegeben (geschenkt!) ist: von den Eltern, über die Gene, über die Zeit, in die sie hinein geboren wurden, bis hin zu dem Land, in dem sie aufwachsen durften.
Zum Zweiten vergessen Reiche, dass sie nur deshalb reich sein können, weil andere ärmer sind. Würde nämlich jede Anstrengung und Arbeit fair und gleich bewertet, könnte es schlichtweg nicht sein, dass das Zimmermädchen im Hotel nur einen winzigen Bruchteil dessen verdient, was der Hotelgast als Einkommen einnimmt.
Reiche gehen davon aus, dass ihnen ihr Reichtum ZUSTEHT.
In diesem Zusammenhang gibt es ein spannendes Experiment aus der Sozialpsychologie (der genaue Beleg folgt noch): Man hat Versuchspersonen gebeten, miteinander ein Gesellschaftsspiel zu spielen. Dabei bekamen einige Versuchspersonen einen offensichtlichen Vorsprung bzw. Vorteil zugestanden. Sie waren also von Anfang an auf der Gewinnerschiene. Nun beobachtete man das Verhalten dieser „Gewinner“: Obwohl allen Beteiligten sonnenklar war, dass der gewährte Vorsprung hauptursächlich für den Spielgewinn war, zeigte sich bei den „Gewinnern“ zunehmend ein Verhalten, das selbstbewusster und eher als Hochstatus zu beschreiben war. Gewinnen verändert (über das zentralnervöse Belohnungssystem) unsere Wahrnehmung und unser Verhalten – es ist wirkt wie eine Droge (was neurobiologisch gesehen tatsächlich zutrifft).
Ein besonderer Habitus, der einem in der Begegnung mit reichen Menschen auffallen kann, ist die Arroganz. Das Wort kommt aus dem Lateinischen und bedeutet soviel wie nicht-fragen. Wenn ich reich bin, frage ich keinen, denn ich kann mir leisten, zu tun, was ich möchte, in dem ich es mir kaufe. Ich muss die anderen nicht beachten. Jeder, der schon einmal eine Begegnung erlebt hat, bei der der andere die eigene Anwesenheit schlichtweg ignoriert, obwohl dies sozial geboten gewesen wäre, weiß wie ärgerlich das ist.
Aus Reichtum erwächst ganz automatisch ein Hochstatus – die subtile Dominanz des Stärkeren in sozialen Begegnungen (wobei sich der/die Stärkere leisten kann, auch einmal in den Tiefstatus zu wechseln, wenn es ihm/ihr dienlich ist – wogegen es dem Schwächeren kaum gelingen wird, glaubwürdig in den Hochstatus zu kommen).
All dies kann als subtile Verachtung erfahren werden. Und diese Verachtung breitet sich aus, je mehr die Ungleichheit zunimmt. Dies geschieht innerhalb von Gesellschaften, aber auch global gesehen.
In besonderer Weise kommt diese Verachtung zum Ausdruck, wenn ganze Wohnviertel als sogenannte „soziale Brennpunkte“ bezeichnet werden und Menschen, die über kein oder nur ein sehr geringes Einkommen verfügen, pauschal als „asozial“ bezeichnet werden, weil ihr Konsum und Lebensstil vom Mangel an Geldmitteln gezeichnet ist. Sobald man darüber nachdenkt, offenbart sich, was das eigentlich für eine Frechheit ist. Wer ist nun asozialer – eine*r, der/die genügend Geldmittel hat, um andere zu unterstützen und dies nicht tut, oder eine*r der/die schlicht zu wenig hat, um einen gleichwertigen Anteil am gesellschaftlichen Leben haben zu können.
Aber auch für die Reichen gilt: sie teilen mit uns allen die gleichen Bedürfnisse nach Anerkennung, nach Gesehen werden, nach Sicherheit, nach Liebe und Sexualität, nach Zugehörigkeit, nach Würde und Sinn. Das Streben nach Macht ist letztendlich so etwas wie eine perverse Strategie der Bedürfnisbefriedigung, die Illusion, man könne alle seine Bedürfnisse befriedigen, wenn man nur möglichst unbegrenzt über materielle Ressourcen und andere Menschen verfügen könnte – wozu Geld das zentrale Mittel ist. Dies unterschlägt, dass sich bei jedem, der sich nicht völlig verschließt, eine innere Stimme melden wird, die nach dem Sinn des eigenen Daseins fragt und die durchaus zu Mitgefühl fähig ist. Diese Stimme muss unterdrückt werden, um einen arrogant reichen Lebensstil durchhalten zu können. Abgesehen davon, stellen sich mit zunehmender Befriedigung materieller Bedürfnisse und bei fehlender Sinnerfahrung, mehr und mehr Neurosen aller Art ein, was dazu führt, dass Reiche ab einem gewissen Einkommen nicht mehr glücklicher sind, als ärmere Menschen.
Mein Versuch, die Welt aus der Perspektiver reicher Menschen zu sehen, ja „Verständnis“ für sie zu entwickeln, ist daran gescheitert, dass es mir nicht gelingt, bestimmte Haltungen einzufühlen, ohne sie gleich abzuwerten.

Alles, was ich in diesen beiden Texten geschrieben habe, ist in hohem Maße subjektiv und diskussionswürdig. Ich würde mich sehr freuen, wenn Du mir zu diesen Versuchen, andere Perspektiven besser zu verstehen, eine weiterführende Antwort geben würdest.

Was spricht gegen die genannten Fakten und Analysen?

Wenn Du belegbare Informationen hast, die den hier dargestellten widersprechen oder diese ergänzen, sende uns bitte eine E-Mail, möglichst mit entsprechenden Links und Belegen dazu. Wir prüfen Deine Informationen im Rahmen unserer Möglichkeiten und werden sie veröffentlichen, wenn wir die Evidenz nachvollziehen können.  Vielen Dank!

Ziele für mehr Verteilungs- und Chancengerechtigkeit

Ungleichheit in und zwischen Ländern verringern: Die Ziele der Vereinten Nationen

UNO-Agenda 2030 – 10. Ziel

Zehntes der 17 Ziele der Vereinten Nationen für eine nachhaltige und gerechte Zukunft. Die Agenda 2030. mehr lesen…
10.1 Bis 2030 nach und nach ein über dem nationalen Durchschnitt liegendes Einkommenswachstum der ärmsten 40 Prozent der Bevölkerung erreichen und aufrechterhalten
10.2 Bis 2030 alle Menschen unabhängig von Alter, Geschlecht, Behinderung, Rasse, Ethnizität, Herkunft, Religion oder wirtschaftlichem oder sonstigem Status zu Selbstbestimmung befähigen und ihre soziale, wirtschaftliche und politische Inklusion fördern
10.3 Chancengleichheit gewährleisten und Ungleichheit der Ergebnisse reduzieren, namentlich durch die Abschaffung diskriminierender Gesetze, Politiken und Praktiken und die Förderung geeigneter gesetzgeberischer, politischer und sonstiger Maßnahmen in dieser Hinsicht
10.4 Politische Maßnahmen beschließen, insbesondere fiskalische, lohnpolitische und den Sozialschutz betreffende Maßnahmen, und schrittweise größere Gleichheit erzielen
10.5 Die Regulierung und Überwachung der globalen Finanzmärkte und -institutionen verbessern und die Anwendung der einschlägigen Vorschriften verstärken
10.6 Eine bessere Vertretung und verstärkte Mitsprache der Entwicklungsländer bei der Entscheidungsfindung in den globalen internationalen Wirtschaftsund Finanzinstitutionen sicherstellen, um die Wirksamkeit, Glaubwürdigkeit, Rechenschaftslegung und Legitimation dieser Institutionen zu erhöhen
10.7 Eine geordnete, sichere, reguläre und verantwortungsvolle Migration und Mobilität von Menschen erleichtern, unter anderem durch die Anwendung einer planvollen und gut gesteuerten Migrationspolitik
10.a Den Grundsatz der besonderen und differenzierten Behandlung der Entwicklungsländer, insbesondere der am wenigsten entwickelten Länder, im Einklang mit den Übereinkünften der Welthandelsorganisation anwenden
10.b Öffentliche Entwicklungshilfe und Finanzströme einschließlich ausländischer Direktinvestitionen in die Staaten fördern, in denen der Bedarf am größten ist, insbesondere in die am wenigsten entwickelten Länder, die afrikanischen Länder, die kleinen Inselentwicklungsländer und die Binnenentwicklungsländer, im Einklang mit ihren jeweiligen nationalen Plänen und Programmen
10.c Bis 2030 die Transaktionskosten für Heimatüberweisungen von Migranten auf weniger als 3 Prozent senken und Überweisungskorridore mit Kosten von über 5 Prozent beseitigen

Wege zu mehr Gerechtigkeit bei der Verteilung von Gütern und Chancen

Ansätze von Piketty

Die Autoren des Weltreports über Ungleichheit (Forschergruppe um Thomas Piketty) schlagen u.a. folgendes vor:

  • Höhere Besteuerung der Einkommen und Erbschaften von Gutverdienern und Reichen
  • Einrichtung eines globalen Finanzregisters, in dem die Eigentümer von Vermögenswerten erfasst sind, um Steuerflucht und Geldwäsche einzudämmen
  • Gleicher Zugang zu Bildung für alle Schichten (via öffentliche Investitionen)
  • Mehr betriebliche Mitbestimmung
  • Angemessene Mindestlöhne
  • Öffentliche Investitionen in Bildung, Gesundheit und Umweltschutz

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Bekämpfung von Ungleichheit aus Sicht von Journalisten

Wie sich Ungleichheit bekämpfen lässt (SZ 30.9.16)

Anmerkung: Man merkt in dem Artikel, wie schwer sich die SZ-Autoren mit dem Gedanken tun, drastische und wirksame Maßnahmen gegen die extreme Ungleichheit auch nur zu beschreiben…

Dringend gesucht: Ideen gegen Armut – Lebenserwartung in Deutschland (SZ 1.4.16)
Die Lebenserwartung der Reichen und Armen in Deutschland unterscheidet sich um ca. 8 Jahre.
Der Unterschied in der Lebenszeit, die ein Mensch GESUND verbringt, beträgt zwischen Reichen und Armen ca. 14 Jahre.


Es gibt eine Verinselung der Lebenswelten (SZ 10.9.16)
Soziologe Patrick Sachweh: „Was sind eigentlich die gesellschaftlich als wertvoll angesehenen Leistungen? Wer sind diejenigen, die solche Leistungen erbringen, und wie sollte das honoriert werden?“


Tut etwas gegen die Wut der Abgehängten! (SZ 14.12.17)
„Mehr für Bildung ausgeben, damit das Gehalt weniger von der Herkunft abhängt. Für bezahlbare Wohnungen in den Städten sorgen. Die Verhandlungsmacht der Arbeitnehmer stärken. Und: Steuern für die Mittelschicht sowie Sozialabgaben für Geringverdiener senken. Finanzieren könnte der Staat dies durch eine höhere Belastung jener, die vom globalen Kapitalismus so stark profitieren.“ Und – ist was in dieser Richtung passiert?

Mit Steuern steuern

So könnte die Politik Ungleichheit bekämpfen (SZ 27.1.16) Folgende Instrumente könnten genutzt werden:

  • Grundsteuer
  • Vermögenssteuer: in der BRD im internationalen Vergleich eher niedrig. Angst: Flucht ins Ausland. Daher Abgeltungssteuer (Peer Steinbrück: „25 Prozent von X ist besser als nix“ Inzwischen wissen wir natürlich von Panama-Papers usw….
  • Erbschaftssteuer: Problem – zwei Drittel der Erbschaften bestehen aus Betriebsvermögen.
  • Erhöhung der Grundsicherung („Harz IV“). Problem: „Bei einer stark erhöhten Regelleistung würde die Zahl der Hartz-IV-Bezieher drastisch steigen, weil mehr Geringverdiener einen Anspruch darauf hätten, ihren Lohn mit der Grundsicherung aufzustocken.“

Reiche Erben sollten mit 99 Prozent besteuert werden  (SZ 23.9.16) Bisher zahlen Erben zwischen sieben und fünfzig Prozent. Kluge Erben zahlen, wenn sie ihr Unternehmen fortführen und alle Jobs über mehrere Jahre hinweg erhalten, sogar manchmal nur null Prozent…“ „Eine hoheErbschaftsteuerist urkapitalistisch. Wer in einer Gesellschaft leben möchte, in der der Mensch, seine Fähigkeiten und damit seine Leistung im Vordergrund stehen, muss den Nachkommen das Geld wegnehmen. …“

Siehe auch: „Wenn Kinder Multimillionäre werden“ (SZ 8.9.16)

„Ökonom fordert 100 Prozent Erbschaftsteuer“ (SZ 27.1.16): Prof. Guy Kirsch, emeritierter Professor der Uni Freiburg (Schweiz) schlägt folgendes vor:  Die Erlöse (aus der Erbschaftssteuer) sollen in einen speziellen Fonds („Trust“) fließen. Dieser soll dazu verwendet werden, Erbschaften auszuzahlen, und zwar für alle Erbberechtigten die gleiche Summe, unabhängig davon, ob die Eltern oder Großeltern eine Milliarde oder gar nichts hinterlassen haben. Um dem Erblasser keinen Ausweg zu lassen, soll es auch eine hohe Schenkungsteuer geben. Auch für Betriebsnachfolger gäbe es keine Ausnahmen.
Ach ja: Kirsch versteht sich nicht als Kommunist, sondern als „individualistischer Liberaler“: „Der Liberalismus geht davon aus, dass mit jedem Individuum das Leben neu beginnt“ Dabei steht er in einer Tradition u.a. mit Jonathan Swift und Dale Carnegie.

So einfach könnten die Reichsten die Armut stoppen (SZ 22.1.16)
Die NGO Brookings Institution behauptet 2016: The global poverty gap is falling. Billionaires could help close it. Was ist mit Poverty Gap gemeint? Dass die Ärmsten der Armen nicht mehr unter der Grenze von 1,90 $ am Tag leben müssen. 

Eine (hohe) Finanztransaktionssteuer könnte ein erster Schritt sein!

Entwicklungshilfe

Wir wissen heute aus den Erfahrungen in der Entwicklungshilfe, dass auch gut gemeinte Aktivitäten oft negative Ergebnisse zur Folge haben. Daher müssen wir sehr sorgfältig prüfen, welche Wechselwirkungen sich aus Maßnahmen ergeben können.

Damit stellen wir uns mit unserem Handeln der gegebenen Komplexität und Interdependenz. Dies darf aber nicht dazu führen, dass wir uns letztlich handlungsunfähig machen.

Kleine Schritte

Von Haare schneiden bis zur Rechtsberatung – Projekte gegen soziale Ungleichheit (SZ 29.9.16)
Brot am Haken„: In etwa 20 Bäckereien und Cafés rund um München können Kunden Brot, Kuchen oder Sandwiches zusätzlich kaufen. Der Kassenzettel wird an einen Haken im Laden gehängt. Bedürftige können ihn nehmen und einlösen.
Für Deutschland, Österreich und die Schweiz zählt die Website suspendedcoffee.de 234 Cafés, die vorfinanzierten Kaffee anbieten.
Desweiteren gibt es:

  • Ein Harz IV Orchester (finanziert Auftritte für arbeitslose Musiker)
  • Computerspenden
  • Kostenloses Haare schneiden
  • Kühlfahrzeuge für die Tafeln
  • Rechtsberatung von Nachwuchsjuristen für Arbeitslose

Was kann ich selbst tun, um Ungleichheit zu überwinden und mehr Verteilungs- und Chancengerechtigkeit zu schaffen?

Checkliste: Handeln für mehr Gerechtigkeit

So kann ich einen Beitrag zu mehr Gerechtigkeit leisten:Hat das eine echte Wirkung?Könnte ich das tun?Dafür entscheide ich mich!
Parteien wählen, die bereit und mutig genug sind, um ernsthafte politische Schritte gegen Ungleichheit zu unternehmen.
Beim Einkaufen kleine Unternehmen bevorzugen.
Wo immer möglich Fair Trade Produkte kaufen.
Auf den Kauf von Billigprodukten verzichten, die nur unter Ausbeutung produziert werden können.