Ein nachhaltiges Wirtschaftssystem schaffen

Wir haben hier sehr viele Informationen zusammengeführt. Wenn Du gerade nicht viel Zeit hast, empfehlen wir Dir, ein neues Paradigma des Wirtschaftens kennenzulernen: Die Gemeinwohlökonomie – ökologische und faire Wirtschaft für Menschen, jenseits von „links“ und „rechts“.

Inhalte dieser Seite

Worum es hier geht

Wenn wir eine lebensfreundliche Welt für alle Menschen erreichen wollen, wird es nicht ausreichen, nur kleinere Veränderungen innerhalb des bestehenden Wirtschaftssystems vorzunehmen. Solange Geld in erster Linie dazu da ist, sich selbst zu vermehren, liegt etwas grundlegend falsch. Wir brauchen ein vollständig neues Paradigma des Wirtschaftens, bei dem soziale und ökologische Kriterien und der Nutzen für das Gemeinwohl, tatsächlich als Werte begriffen werden. Das neue Wirtschaften muss sich an die vorhandenen Ressourcen und ökologischen Systembedingungen dieses Planeten anpassen – umgekehrt wird es nicht funktionieren. Das neue Wirtschaften muss die Gleichwertigkeit aller Menschen ernst nehmen. Dies muss sich auch darin zeigen, dass das Ausmaß an Ungleichheit klar begrenzt wird.

Innerhalb des gegenwärtigen liberalwirtschaftlich-kapitalistischen Grundsystems wird das nicht funktionieren. Und auch nicht mit freiwilligen Selbstverpflichtungen. Es braucht starke, demokratisch kontrollierte Institutionen, um verbindliche Regeln zu schaffen und durchzusetzen.

Die Gemeinwohlökonomie bietet ein systematisches Handlungsmodell für ein Wirtschaften, dass dem Menschen (Produzenten*innen und Konsument*en*innen) dient und den natürlichen Ressourcen und ökologischen Rahmenbedingungen dieses Planeten angepasst ist.

Ohne eine komplette Neuausrichtung der Wirtschaftssysteme werden wir den Kampf gegen Klimawandel, Artensterben, Ausbeutung, Verzweiflungsmigration und krasse Ungleichheit nicht gewinnen können. Es ist aber nicht nur ein Kampf gegen etwas, sondern für klare Ziele: für den Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen, für die Artenvielfalt, für die Würde aller Menschen und für eine lebensfreundliche Welt.

Fakten und Analysen zum globalen Wirtschaftssystem

Globalisierung – verantwortungslos und verwundbar. Die Dynamik und Folgen der Globalisierung und die logischen Grenzen des Wachstums

Globalisierung – verantwortungslos und verwundbar – von Niko Paech

Globalisierung – verantwortungslos und verwundbar – von Niko Paech
Dieser Text ist unter der Creative Commons Lizenz veröffentlicht. by-nc-nd/4.0 Der Name des Autors/Rechteinhabers soll wie folgt genannt werden: by-nc-nd/4.0 Autor: Niko Paech für bpb.de

Globalisierung – verantwortungslos und verwundbar Wer wie Donald Trump Handelsbeschränkungen fordert oder gar umsetzt, wird schnell mit Nationalismus-Vorwürfen konfrontiert. Doch die Globalisierung erzeugt tatsächlich erhebliche Risiken, meint der Wachstumskritiker Niko Paech.

Innerhalb des Nachhaltigkeitsdiskurses wird zusehends infrage gestellt, ob die Wachstumsorientierung moderner Ökonomien fortgesetzt werden kann und sollte. Es erscheint daher notwendig, einen wachstumskritischen Blick auf die Rolle des internationalen Handels zu richten. Dieser wurde nie anders begründet als damit, dass alle daran beteiligten Länder ein höheres Niveau an Güterwohlstand erreichen können als in einer Autarkiesituation. Dennoch vermittelt die derzeitige Kontroverse um offene Grenzen, Handelsbeziehungen und europäische Integrationsbemühungen – wenngleich nur vordergründig – ein anderes Bild.

Wer den „Brexit“ oder Handelsbeschränkungen wie jene, die der US-amerikanische Präsident Donald Trump befürwortet oder gar umsetzt, unterstützt, sieht sich oft mit Nationalismus-Vorwürfen konfrontiert – so als ließe sich vom Außenhandelsvolumen per se auf die Relevanz einer Abschottungspolitik schließen. Wer die Option nicht nutzt, das Handelsvolumen zu steigern, muss sich als nationalistisch verunglimpfen lassen – dies zeigte auch die Kontroverse um TTIP und CETA, die EU-Handelsabkommen mit den USA und Kanada.

Wird die vorschnelle Nationalismuskritik aller gesinnungsethischen Verkleidungen entledigt, verbleibt am Ende nur die Binsenweisheit, dass Handelshemmnisse Wertschöpfung, Absatzmöglichkeiten, Einkommens- beziehungsweise Gewinnerzielungsmöglichkeiten, Arbeitsplätze sowie die Vielfalt an Konsummöglichkeiten reduzieren würden. Damit wird offenbar, wie politisch korrekte Schnappreflexe dazu dienen, eine schlicht gezimmerte Wachstumsagenda zu verbergen.

Es verbreiten sich indes verschiedene Diskurse, aus denen heraus die These begründet wird, dass weiteres Wirtschaftswachstum keine Option mehr darstellt, um moderne Industriestaaten verantwortbar zu gestalten. Zunahmen des Bruttoinlandsproduktes (BIP) scheitern an absehbaren Ressourcenengpässen. [1]Die Entkopplung des ohne BIP-Wachstum nicht zu stabilisierenden Wohlstandes von daraus resultierenden ökologischen Schäden entbehrt jeder theoretischen und empirischen Grundlage.[2] Entgegen landläufiger Politikvorstellungen beseitigt Wachstum auch nicht per se Verteilungsdisparitäten.[3] Befunde der sogenannten „Science of Happiness“ [4] lassen zudem erkennen, dass Wirtschaftswachstum nach Erreichen eines bestimmten Wohlstandsniveaus keine weiteren Steigerungen der Lebenszufriedenheit erzeugt.

Arbeitsteilung führt zu organisierter Unverantwortlichkeit.

Die hochgradig spezialisierte und räumlich entgrenzte Arbeitsteilung, ohne die beständiges Wachstum nicht möglich ist, führt sogar unvermeidbar in ein komplexes System der „organisierten Unverantwortlichkeit“ [5], weil sich die sozialen und ökologischen Wirkungen ökonomischer Handlungen nicht mehr kontrollieren lassen. Mit zunehmender räumlicher Ausdehnung und ökonomischer Verflechtung steigt außerdem die Vulnerabilität, das heißt die Verwundbarkeit oder Krisenanfälligkeit der davon abhängigen Versorgungssysteme. [6]

Die räumliche und funktionale Ausdifferenzierung bei der Produktion von Gütern oder Dienstleistungen hat eine entscheidende Konsequenz: Insoweit sich die Verantwortung für einen Gesamtprozess auf hinreichend viele Zuständigkeiten verteilt, wird sie damit gleichsam ausgelöscht. Jeder Akteur, der innerhalb komplexer Prozessketten lediglich einen Teilaspekt bearbeitet, folgt einer eigenen, sich aus dem isolierten Aufgabenbereich ergebenden Zweckrationalität. Die ökologischen und sozialen Folgen des vollständigen Prozesses bleiben für ihn unsichtbar, denn zwischen der Entstehung eines Bedarfes und der damit ausgelösten Produktion liegen unzählige, über beträchtliche Distanzen miteinander verkettete Einzelhandlungen. Indem die Ausführung über viele Stufen hinweg delegiert wird, erfolgt eine „Mediatisierung“ [7], das heißt eine Vermittlung von Handlungen. Diese werden grundsätzlich von einem Dritten ausgeführt, der „zwischen mir und den Folgen meines Tuns steht, sodass diese mir verborgen bleiben“ [8] .

Die globale industrielle Arbeitsteilung bedingt also eine „Entpersönlichung“ derjenigen Menschen, die von den Folgen unmittelbar betroffen sind: „Verantwortung, das Grundelement moralischen Verhaltens, entsteht aus der Nähe des Anderen. Nähe bedeutet Verantwortung und Verantwortung ist Nähe“. [9]

Auch das oft bemühte Argument, Armut und Ungleichheit ließen sich durch Wachstum mildern, welches wiederum mittels Freihandel zu steigern sei, erweist sich als ambivalent. Insbesondere Armutsökonomien wird oft nahegelegt, sich zwecks Wohlstandssteigerung verstärkt an internationaler Arbeitsteilung auszurichten. Richtungweisend für die ökonomische Entwicklung sind somit nicht mehr inländische Bedarfsmuster, sondern der Weltmarkt. Dies setzt einen Strukturwandel voraus, der die international konkurrenzfähigen Branchen wachsen lässt, jedoch zu Lasten anderer Bereiche, die folglich schrumpfen. Letztlich kann dies dazu führen, dass sich die Situation der ärmsten Bevölkerungsteile verschlechtert. Dies gilt beispielsweise für die ländliche und indigene Bevölkerung Brasiliens oder Boliviens.

Das entscheidende Postulat der Außenwirtschaftstheorie, wonach Freihandel das Volkseinkommen steigern würde, geht gemäß des Stolper-Samuelson-Theorems (1941) [10] immer mit Verlierern und Gewinnern einher. Die „Pointe“ besteht jedoch darin, dass die Verluste in den schrumpfenden Branchen von den Zuwächsen in den vom Handel profitierenden Bereichen übertroffen werden, also das Volkseinkommen netto wächst. Folglich könnten die Gewinner die Verlierer kompensieren – und dennoch einen Einkommenszuwachs verzeichnen.

Hierzu wäre es allerdings nötig, dass die freigesetzten Arbeitskräfte von den prosperierenden Sektoren absorbiert werden. Da die schrumpfenden Sektoren in Entwicklungs- und Schwellenländern zumeist landwirtschaftlich, handwerklich, nicht selten sogar subsistenzwirtschaftlich geprägt sind – also möglichst alle benötigten Güter selbst herstellen -, sind Ausbildung, kulturelle Kompetenz und Mobilität der betroffenen Arbeitnehmer kaum kompatibel mit den Anforderungen der boomenden Branchen. Diese Unvereinbarkeit durch Umschulungsmaßnahmen zu beseitigen, gelingt bestenfalls selten, weil hierzu vonnöten sein kann, Analphabeten zu Computerexperten umzuschulen und in kulturell vollkommen neuen Kontext zu übersiedeln. Die Misere im Rust Belt („Rostgürtel“), der einstmals größten Industrieregion der USA verdeutlicht, wie schwierig diese Re-Integration selbst unter vergleichsweise günstigen Bedingungen ist. Sie kann im Übrigen am hierzu nötigen Zeitbedarf scheitern, denn zwischenzeitlich könnte der zusätzliche Beschäftigungsbedarf in den Wachstumsbranchen durch qualifizierte Arbeitsmigranten aus anderen Ländern befriedigt werden. Zudem weisen die heute boomenden Branchen einen zunehmend hohen Technisierungs- und Automationsgrad auf, fragen somit trotz prägnanter Wachstumsraten nur wenige zusätzliche Arbeitskräfte nach.

Ausgerechnet Samuelson, der das Freihandelstheorem seinerzeit mit begründet hatte, legte später dar, dass erstens unter den zwischenzeitlich relevant gewordenen Bedingungen der Globalisierung (also Kapitalmobilität) schon das Erzielen von Nettogewinnen durch Freihandel fraglich ist. [11] Außerdem, so konstatierte er des Öfteren, seien ihm kaum Beispiele dafür bekannt geworden, dass die unvermeidlichen Verlierer des Freihandels je entschädigt worden wären.

Vulnerabilität als Wegbegleiter entgrenzter Versorgungssysteme.

Die wacklige Architektur der den Globus umspannenden Wertschöpfungsketten offenbart sich immer dann, wenn eine Finanzkrise oder diplomatische Verstimmungen infolge ungleichgewichtiger Handelsbeziehungen heraufziehen. Die komplexe und räumlich diffuse Versorgungsmatrix lässt sich schon allein dadurch zum Einsturz bringen, dass sich an entscheidender Stelle eine nicht zu substituierende Ressource verknappt.

Das Welthandelssystem war nie erdölabhängiger als gegenwärtig – mit steigender Tendenz. Auch die Konflikte um sich verknappende Rohstoffe wie seltene Erden und strategische Metalle sowie global ausgelagerte Anbauflächen nehmen zu. Der durch internationale Spezialisierung zustande gebrachte Reichtum beschwört also eine fatale Allianz herauf: zunehmende Fallhöhe trifft auf zunehmende Instabilität. Moderne Gesellschaften entledigen sich zunehmend ihrer ökonomischen Autonomie und Widerstandsfähigkeit. Insoweit die Anzahl der Industrie- und Schwellenländer zunimmt, deren Wohlstand am dünnen Faden einer globalisierten, folglich fragilen Fremdversorgung hängt, entstehen Rivalitäten um entlegene Ressourcenquellen, Flächen, Absatzmärkte und Einflusssphären. Die damit erzeugten Konfliktfelder wirken sich auf die Außen- und Sicherheitspolitik alles andere als friedensstiftend aus.

Eine Rückkehr zur autarken Produktionsstruktur ist in aller Regel unmöglich, weil der Übergang zur Freihandelslösung das Resultat eines tief greifenden Strukturwandels ist.

Im Zuge dieser Transformation werden nicht nur neue Industrien, Produktionsstätten und Infrastrukturen geschaffen, sondern bisherige Versorgungsmuster zerstört: Menschen verlassen regionale Netzwerke, geben bislang bewirtschaftete Flächen auf, entwickeln höhere Konsumansprüche, verlernen Praktiken der Selbstversorgung und erwerben stattdessen Qualifikationen, die zur spezialisierten Erwerbsarbeit befähigen und mit einem urbanen Lebensstil einhergehen. Dieser Wandel ist kurzfristig unumkehrbar, weil ihm nicht nur eine produktionstechnische, sondern infrastrukturelle, soziale und kulturelle Transformation zugrunde liegt. Folglich wird die verlockende Chance auf Zuwächse an materiellem Reichtum, den ein konsumtiver, in internationale Arbeitsteilung eingebetteter Lebensstil verheißt, mit einer beträchtlichen sozialen Fallhöhe erkauft. [12]

Außenhandel in der PostwachstumsökonomieUm das System der organisierten Verantwortungslosigkeit und Vulnerabilität ursachenadäquat zu therapieren, wäre es unausweichlich, Prozessketten zu verkürzen, um Transparenz und Kontrolle wiederzuerlangen. Partiell auf Selbstversorgung und lokalen Austauschbeziehungen beruhende Versorgungsmuster gewährleisten zwar nur einen maßvollen Güterwohlstand, sind aber sicherer vor Krisen. Kohr sprach bereits 1957 vom „Kleine-Einheiten-Prinzip“ des regionalen Wirtschaftens.

Angebotsseitig entspräche eine hierzu erforderliche Postwachstumsökonomie[13] der Kombination dreier Versorgungssysteme:

  1. globale industrielle Arbeitsteilung,
  2. Regionalökonomie und
  3. moderne Subsistenz.

Eine derart multiple Versorgung steigert die Krisenresistenz und mindert den Wachstumsdruck, weil für die beiden letztgenannten Dimensionen eine weniger kapitalintensive Erzeugung typisch ist. Diese könnte sich essentiellen Gütern widmen, um Autonomie und Resilienz, insbesondere Nahrungssicherheit zu gewährleisten. Subsistenz und die Regionalökonomie dienten somit der Ergänzung einer prägnant zurückgebauten Industrie, die gleichwohl noch internationalen Handel einschließt – aber nur unter Wahrung ökonomischer Selbständigkeit. Dabei könnte ein Spezialisierungsniveau angepeilt werden, das zwar Handelsvorteile gegenüber der Autarkielösung ermöglicht, sich aber dergestalt beschränkt, dass im Krisenfall ein zur Existenzsicherung nötiges Quantum an essentiellen Gütern immer noch selbst produziert werden kann.

Business Stories

Lederindustrie in Bangladesh

Storie from GMB Akash: HELL FOR LEATHER
Mr Akash berichtet: „Bangladesh’s leather industry is worth over $ 1 billion a year and around 20,000 people are employed in the hundreds of tanneries operating along the banks of the Buriganga River in the southwest of Dhaka, the capital. Yet while this industry provides a livelihood for tens of thousands of workers and their families, the working conditions and chemicals used in the tanning process can have devastating effects on the health of the workers and a complete lack of safety and environmental regulations has caused severe pollution of surrounding waterways. Add to this the widespread use of child labour in Bangladesh’s tanneries and the whole industry became yet another dangerous and dubious sector of the national economy alongside more infamous sectors like the garment industry

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Kleiderindustrie

Wegwerfware Kleidung: Repräsentative Greenpeace-Umfrage zu Kaufverhalten, Tragedauer und der Entsorgung von Mode„: Im Durchschnitt besitzt jede erwachsene Person (18–69 Jahre) in Deutschland 95 Kleidungsstücke (ohne Unterwäsche und Socken). Das sind etwa 5,2 Milliarden Kleidungsstücke in Deutschland. Der Großteil der Kleidung besteht aus kurz- sowie langärmligen Oberteilen. … Jedes fünfte Kleidungsstück (19 Prozent) wird so gut wie nie getragen. Das summiert sich auf 1 Milliarde Kleidungsstücke, die ungenutzt im Schrank liegen … und eine weitere Milliarde Kleidungsstücke wird seltener als alle 3 Monate getragen. Konsumkollaps durch Fast Fashion – weitere Greenpeace-Analyse – macht deutlich: Fast Fashion nimmt zu. Das Gegenteil von Nachhaltigkeit bestimmt unseren Alltag. Was ist der Preis dafür?

und warum kaufen wir keine faire Kleidung?
Trailer zum Film „The True Cost“. Must see!
the fair wear foundation
How fashion adds to the worlds waste problem

Der grüne Knopf

Der grüne Knopf“ ist sicherlich ein erster Erfolg. Der Staat übernimmt als Siegelträger die Gewähr für die Einhaltung von Mindeststandards durch die Unternehmen und für die Textilien, für die er dies beglaubigt. Die Kriterien sind systematisch zusammengestellt und beziehen sich nicht nur auf einzelne Produkte, sondern auf das Unternehmen als Ganzes.

Hier bekommst Du die komplette Liste für die produktbezogenen Kriterien und hier die für die unternehmerischen Sorgfaltspflichten für Menschenrechte und Umwelt in der Lieferkette.

Der grüne Knopf ist jedoch noch nicht fest angenäht. Es handelt sich nämlich um eine FREIWILLIGE Maßnahme, der sich Unternehmen anschließen KÖNNEN. Wenn Du aber die Kriterien anschaust, die dem Siegel „grüner Kopf“ zugrunde liegen und wenn Du Dir dann vorstellst, dass man diese Kriterien nach deutschem Recht weiterhin ohne weiteres verletzen DARF – obwohl man das verhindern könnte – dann stellt sich doch die Frage: WARUM IST DAS KEIN GESETZ?

Der zweite lose Faden ist, dass die Einführung wieder schön langsam und schrittweise vonstatten geht. “ Der Grüne Knopf umfasst zu Beginn noch nicht die gesamte Lieferkette. Zum Start prüft das Siegel die Produktionsstufen „Zuschneiden und Nähen“ sowie „Bleichen und Färben“. Die sozialen und ökologischen Herausforderungen sind hier besonders groß. In den kommenden Jahren wird der Grüne Knopf auf die Arbeitsschritte „Weben und Spinnen“ ausgeweitet und danach auf den Produktionsschritt „Faserproduktion und Baumwollanbau“.

(Quelle: https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/gruener-knopf-1665188)

Weitere Organisationen, die sich für faire Textilien einsetzen

Website Fair Wear Foundation / Wikipedia-Artikel zur FWF

Website Bündnis für nachhaltige Textilien / Wiki-Artikel dazu

Die vegan-fair-fashion Bloggerin Justine Siegler und Alex Niederhofer haben das nachhaltige Label Too Cool For Cruel gegründet und geben in Ihrem Blog viele Tipps für vegan-fair-fashion. Definitiv fair & bio 🙂

Noch ein Tipp zum Thema: Second Hand kaufen – z.B. bei Kleiderkreisel. Bei einer Kleidertauschparty bringt jeder mit, was er nicht mehr braucht – was übrig ist, geht in den Second Hand Shop oder zu FairWertung.

Smartphones

Foxconn ist der mit Abstand größte Elektronikhersteller weltweit, mit mehr als einer Million Angestellten. Zusammen mit den wenig bekannten Herstellern Pegatron,
Flextronics, Jabil Circuit, Sanmina und Celestina kontrolliert der Konzern ungefähr 80 % der Markenprodukte im Elektronikbereich. Obwohl diese Unternehmen die Elektrogeräte herstellen, bleiben sie im Normalfall weitgehend unsichtbar hinter den Markennamen, unter denen sie ihre Produkte verkaufen. Erst durch die öffentliche Berichterstattung über die Zustände bei Foxconn sowie die zunehmende zivilgesellschaftliche Kritik daran wurden sie etwas bekannter und die Arbeitsbedingungen in ihren Fabriken teilweise ›verbessert‹. Beispielsweise wurden die monatlichen Basislöhne bei Foxconn in den vergangenen Jahren von 135 auf 285 Euro angehoben, die Wochenarbeitszeit auf 60 Stunden begrenzt und in den fabrikeigenen Unterkünften 8-Bett-Zimmer als Norm eingeführt. Aufgrund
der damit gestiegenen Lohn- und Produktionskosten beauftragte Apple dann allerdings den günstigeren Konkurrenten Pegatron. Eine Untersuchung aus dem Jahr 2015 zeigt, dass in den Fabriken dieses Konzerns mehr als 60 Wochenstunden Arbeit üblich sind und über die Hälfte der Arbeiterinnen monatlich 90 oder mehr Überstunden leistet. Der Großteil der (vorrangig weiblichen) Belegschaft gibt an, ›freiwillig‹ Überstunden zu machen, weil der Basislohn nicht für die lokalen Lebenshaltungskosten ausreicht. Von Apples Verkaufserlösen in Milliardenhöhe gehen nicht einmal 5 % an die Arbeiterinnen, die das Produkt herstellen. Apple ist damit freilich nicht allein. Keiner der großen Elektronikkonzerne (zum Beispiel
Microsoft, Samsung, Sony) garantiert den Arbeiter*innen in ihrer Wertschöpfungskette einen existenzsichernden Lohn. Das ist auch deshalb möglich, weil Arbeitsrechte wie die Organisierungs- und Verhandlungsfreiheit der Gewerkschaften nicht einmal dann respektiert werden, wenn sie formal bestehen.“ Quelle: https://aufkostenanderer.files.wordpress.com/2017/06/3-digitalisierung.pdf

Quelle: https://aufkostenanderer.files.wordpress.com/2017/06/3-digitalisierung.pdf

Sklaverei

Wie? Sklaverei? Das gibt´s doch überhaupt nicht mehr! Dann schau doch mal auf slaveryfootprint.org🙁

Sharing Economy – sozial und nachhaltig?

Wie schon der Name sagt, steht hier – zumindest vermeintlich – das Teilen im Vordergrund: Beispielsweise bieten Menschen online Mitfahrgelegenheiten an oder sie vermitteln ihre Couch per Internetplattform als Schlafplatz. Diese Formen des Teilens erfreuen sich großer Beliebtheit und schaffen bei vielen Teilnehmenden ein Gefühl von Gemeinschaft und Sinn. Und tatsächlich ist es – gerade auch ökologisch gesehen – überaus sinnvoll, Güter zu teilen und ihre Nutzung mittels digitaler Medien effizienter zu organisieren. Die Rhetorik des Teilens wird allerdings auch von vielen rein profitorientierten Internet-Plattformen verwendet, um ihr Geschäft voranzutreiben, das mit Teilen und Kooperation nur sehr bedingt zu tun hat. Einnahmen machen diese Plattformen mit Betreiber- beziehungsweise Maklergebühren sowie dem Verkauf von Werbung und Daten (siehe oben). Gegenüber nicht webbasierten Anbietern haben sie erhebliche Vorteile: Durch ihren globalen Aktionsradius können sie Gewinne weltweit abschöpfen und dabei auch von den erwähnten Netzwerkeffekten profitieren. Nicht selten haben sie in kurzer Zeit gesamte Branchen auf den Kopf gestellt, etwa AirBnB die Tourismus- oder Uber die Taxibranche. Zudem können sie sehr flexibel auf Entwicklungen und Verhältnisse vor Ort reagieren, weil sie so gut wie keine eigene physische Infrastruktur haben und benötigen. Sie arbeiten mit Ressourcen und Leistungen, die andere ihnen – und zwar größtenteils unentgeltlich – zur Verfügung stellen. Sie nutzen unsere Daten, sie nutzen unsere Autos, unsere Wohnungen, unsere Arbeitskraft und vor allem unsere Zeit. Das Teilen ist in der Sharing-Economy heute also vor allem einseitig… Hinzu kommt, dass sich diese Unternehmen häufig in neuen, bislang nicht regulierten Bereichen entwickeln. Quelle: https://aufkostenanderer.files.wordpress.com/2017/06/3-digitalisierung.pdf

Besonders drastisch lassen sich die oben genannten Effekte des Einsammelns von Gewinnen durch Maklerdienste bei Lieferando, HRS, Booking.com, Taxi-Apps usw. zeigen: Sie dominieren den Markt z.T. bereits in einem solchen Umfang, dass Pizzadienste, Hotels, Taxis usw. MITMACHEN UND einen Teil ihres Gewinns ABGEBEN müssen – und zwar in einem im Vergleich zum Anteil an der Leistungserbringung überproportional großen Umfang.

Ziele für ein nachhaltiges und faires Wirtschaftssystem

Achtes Ziel der 17 Ziele der Vereinten Nationen für eine nachhaltige und gerechte Zukunft. Die Agenda 2030.

8.1 Ein Pro-Kopf-Wirtschaftswachstum entsprechend den nationalen Gegebenheiten und insbesondere ein jährliches Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von mindestens 7 Prozent in den am wenigsten entwickelten Ländern aufrechterhalten

8.2 Eine höhere wirtschaftliche Produktivität durch Diversifizierung, technologische Modernisierung und Innovation erreichen, einschließlich durch Konzentration auf mit hoher Wertschöpfung verbundene und arbeitsintensive Sektoren
8.3 Entwicklungsorientierte Politiken fördern, die produktive Tätigkeiten, die Schaffung menschenwürdiger Arbeitsplätze, Unternehmertum, Kreativität und Innovation unterstützen, und die Formalisierung und das Wachstum von Kleinst-, Klein- und Mittelunternehmen unter anderem durch den Zugang zu Finanzdienstleistungen begünstigen
8.4 Bis 2030 die weltweite Ressourceneffizienz in Konsum und Produktion Schritt für Schritt verbessern und die Entkopplung von Wirtschaftswachstum und Umweltzerstörung anstreben, im Einklang mit dem Zehnjahres-Programmrahmen für nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster, wobei die entwickelten Länder die Führung übernehmen
8.5 Bis 2030 produktive Vollbeschäftigung und menschenwürdige Arbeit für alle Frauen und Männer, einschließlich junger Menschen und Menschen mit Behinderungen, sowie gleiches Entgelt für gleichwertige Arbeit erreichen
8.6 Bis 2020 den Anteil junger Menschen, die ohne Beschäftigung sind und keine Schul- oder Berufsausbildung durchlaufen, erheblich verringern
8.7 Sofortige und wirksame Maßnahmen ergreifen, um Zwangsarbeit abzuschaffen, moderne Sklaverei und Menschenhandel zu beenden und das Verbot und die Beseitigung der schlimmsten Formen der Kinderarbeit, einschließlich der Einziehung und des Einsatzes von Kindersoldaten, sicherstellen und bis 2025 jeder Form von Kinderarbeit ein Ende setzen
8.8 Die Arbeitsrechte schützen und sichere Arbeitsumgebungen für alle Arbeitnehmer, einschließlich der Wanderarbeitnehmer, insbesondere der Wanderarbeitnehmerinnen, und der Menschen in prekären Beschäftigungsverhältnissen, fördern
8.9 Bis 2030 Politiken zur Förderung eines nachhaltigen Tourismus erarbeiten und umsetzen, der Arbeitsplätze schafft und die lokale Kultur und lokale Produkte fördert
8.10 Die Kapazitäten der nationalen Finanzinstitutionen stärken, um den Zugang zu Bank-, Versicherungs- und Finanzdienstleistungen für alle zu begünstigen und zu erweitern
8.a Die im Rahmen der Handelshilfe gewährte Unterstützung für die Entwicklungsländer und insbesondere die am wenigsten entwickelten Länder erhöhen, unter anderem durch den Erweiterten integrierten Rahmenplan für handelsbezogene technische Hilfe für die am wenigsten entwickelten Länder
8.b Bis 2020 eine globale Strategie für Jugendbeschäftigung erarbeiten und auf den Weg bringen und den Globalen Beschäftigungspakt der Internationalen Arbeitsorganisation umsetzen

Zwölftes der 17 Ziele der Vereinten Nationen für eine nachhaltige und gerechte Zukunft. Die Agenda 2030.

12.1 Den Zehnjahres-Programmrahmen für nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster umsetzen, wobei alle Länder, an der Spitze die entwickelten Länder, Maßnahmen ergreifen, unter Berücksichtigung des Entwicklungsstands und der Kapazitäten der Entwicklungsländer
12.2 Bis 2030 die nachhaltige Bewirtschaftung und effiziente Nutzung der natürlichen Ressourcen erreichen
12.3 Bis 2030 die weltweite Nahrungsmittelverschwendung pro Kopf auf Einzelhandels- und Verbraucherebene halbieren und die entlang der Produktions- und Lieferkette entstehenden Nahrungsmittelverluste einschließlich Nachernteverlusten verringern

12.4 Bis 2020 einen umweltverträglichen Umgang mit Chemikalien und allen Abfällen während ihres gesamten Lebenszyklus in Übereinstimmung mit den vereinbarten internationalen Rahmenregelungen erreichen und ihre Freisetzung in Luft, Wasser und Boden erheblich verringern, um ihre nachteiligen Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit und die Umwelt auf ein Mindestmaß zu beschränken
12.5 Bis 2030 das Abfallaufkommen durch Vermeidung, Verminderung, Wiederverwertung und Wiederverwendung deutlich verringern
12.6 Die Unternehmen, insbesondere große und transnationale Unternehmen, dazu ermutigen, nachhaltige Verfahren einzuführen und in ihre Berichterstattung Nachhaltigkeitsinformationen aufzunehmen
12.7 In der öffentlichen Beschaffung nachhaltige Verfahren fördern, im Einklang mit den nationalen Politiken und Prioritäten
12.8 Bis 2030 sicherstellen, dass die Menschen überall über einschlägige Informationen und das Bewusstsein für nachhaltige Entwicklung und eine Lebensweise in Harmonie mit der Natur verfügen
12.a Die Entwicklungsländer bei der Stärkung ihrer wissenschaftlichen und technologischen Kapazitäten im Hinblick auf den Übergang zu nachhaltigeren Konsum- und Produktionsmustern unterstützen
12.b Instrumente zur Beobachtung der Auswirkungen eines nachhaltigen Tourismus, der Arbeitsplätze schafft und die lokale Kultur und lokale Produkte fördert, auf die nachhaltige Entwicklung entwickeln und anwenden 12.c Die ineffiziente Subventionierung fossiler Brennstoffe, die zu verschwenderischem Verbrauch verleitet, durch Beseitigung von Marktverzerrungen entsprechend den nationalen Gegebenheiten rationalisieren, unter anderem durch eine Umstrukturierung der Besteuerung und die allmähliche Abschaffung dieser schädlichen Subventionen, um ihren Umweltauswirkungen Rechnung zu tragen, wobei die besonderen Bedürfnisse und Gegebenheiten der Entwicklungsländer in vollem Umfang berücksichtigt und die möglichen nachteiligen Auswirkungen auf ihre Entwicklung in einer die Armen und die betroffenen Gemeinwesen schützenden Weise so gering wie möglich gehalten werden

Lösungsansätze für ein nachhaltiges und faires Wirtschaftssystem

Survival of the fittest

coming soon

Kooperation statt Wettbewerb – warum Verteilungsgerechtigkeit aus mathematischer Sicht den größten Nutzen schafft

coming soon

Unternehmensethik

Das Wertesystem eines Unternehmens hat nicht nur große Auswirkungen auf das (Employer) Branding, sondern auch auf die Nachhaltigkeit der Arbeitsgestaltung. Führungskräfte können nur dann erfolgreich sein, wenn sie sich an den Werten orientieren, die im Unternehmen wirklich zählen. Diesen Werten entsprechend leiten Führungskräfte ihre Mitarbeiter.

Nicht zuletzt deshalb ist das Thema Werte ein wichtiger Erfolgsfaktor für nachhaltige Arbeitsgestaltung.

Viele interessante Anregungen zum Thema Ethik finden Sie auf folgender Webseite: https://ethik-heute.org/

Corporate Social Responsibility – CSR

Bei vielen größeren Unternehmen ist zwar ein CSR (Corporate Social Responsibility)-Programm etabliert. Die Herausforderung, explizite Unternehmenswerte glaubwürdig zu vertreten, wird jedoch täglich größer. Angesichts der aktuellen politischen und gesellschaftlichen Entwicklung interessieren sich die Menschen sehr dafür, ob sich ein Unternehmen von kurzfristigen Vorteilen leiten lässt oder für die Gesellschaft relevante Werte vertritt. Das Thema Werte tritt immer mehr in den Fokus der Öffentlichkeit und auch der Stakeholder. Für Unternehmen bedeutet dies eine Chance, sich durch eine konsequente Ausrichtung an Werten positiv zu positionieren.

Ob eine explizite Unternehmensethik eine solche Wirkung hat, hängt davon ab, inwieweit die vertretenen Werte für die Stakeholder wirklich relevant sind und glaubwürdig gelebt werden. Ethik ist nichts theoretisches, sondern die Antwort auf die ganz praktische Frage: Wie sollen wir handeln? Welche Orientierungspunkte gibt es hierfür und was sind relevante Werte? Es gibt viele Versuche, die Antwort auf diese Fragen auf den Punkt zu bringen. Die sog. „säkulare Ethik“ verweist dabei auf eine Grundtatsache unserer Existenz: die gegenseitige Abhängigkeit und Vernetztheit. Der wohl entscheidende Aspekt bei der Prüfung der wertemäßigen Ausrichtung eines Unternehmens ist, welche Wirkung dieses auf die Gesellschaft und auf das Gemeinwohl hat. Die Gemeinwohl-Matrix zeigt hierfür die wichtigsten Ansatzpunkte auf.

Die Bundesregierung hat das Thema CSR ebenfalls auf die Agenda genommen und einen „Nationalen Aktionsplan Wirtschaft und Menschenrechte“ ins Leben gerufen. Ich will nicht unken, aber mir schwant da was von „freiwilliger Selbstverpflichtung“ (wir reden von Menschenrechten…). Nichtsdestotrotz: Das Thema ist da – und keiner kann mehr dran vorbei.
Hier geht es zu den vom UN Hochkommissariat für Menschenrechte veröffentlichten „Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte“ – Umsetzung des Rahmens der Vereinten Nationen „Schutz, Achtung und Abhilfe“.
Leider wird CSR immer wieder für Greenwashing missbraucht, also zur bewussten Verbrauchertäuschung. Wie das funktioniert, erfährst Du bei Reset.org: Greenwashing – die dunkle Seite der CSR.

Alternative Wirtschaftsmodelle – ein kurzer Überblick

Den Kapitalismus weiterdenken: Artikelserie der Süddeutsche Zeitung
Ethischer Profit – Die Gemeinwohl-Ökonomie von Christian Felber

  • Marktwirtschaftlicher Ansatz, bei dem der Gewinn nicht Zweck, sondern Mittel für das Gemeinwohl ist.
  • Die Gemeinwohlmatrix ermöglicht eine Bewertung von Unternehmen und letztlich auch Produkten nach deren Auswirkungen auf das Gemeinwohl.
  • 2015 unterstützten 1831 Unternehmen diesen Ansatz zumindest ideel.
  • Mehr zur Gemeinwohl-Ökonomie findest Du im nächsten Absatz.

Der Staat im Aufsichtsrat: Der Aktiensozialismus von Ciacomo Corneo

  • Marktwirtschaft bleibt erhalten, Privateigentum wird eingeschränkt
  • Der Staat hält 51% an den Konzernen und sorgt als Bundesaktionär über einen Aufsichtsrat für eine hohe Kapitalrendite, die den öffentlichen Haushalt stärkt

Radikal schrumpfen: Die Décroissance (Wachstumsrücknahme) von Sege Latouche

  • Die Wirtschaft soll wieder schrumpfen. Dazu sollen die Menschen auf Konsum verzichten und sich freiwillig auf das Notwendige beschränken.

Den Raubbau beenden – eine Ökonomie der Natur von Barbara Unmüßig

  • Der Staat muss Grenzen des Verbrauchs setzen, weil der Einzelne und „die Wirtschaft“ das nicht freiwillig tun werden.
  • Dafür braucht es a) einen gesellschaftlichen Konsens, dass wir dringend und radikal umsteuern müssen, b) ein Stoppen des Kapitalismus und c) neue soziale, technologische und ökologische Experimente.

Geld für alle – das bedinungslose Grundeinkommen (BGE) von Götz Werner

Das Recht auf Wissen – das Open-Source-Prinzip vertritt Yochai Benkler

Nun zu den beiden weitreichendsten und vielversprechendsten Ansätzen: Der Postwachstumsökonomie in Verbindung mit der Gemeinwohl-Ökonomie

Weg vom Konsum – die Postwachstumsökonomie

Wichtigster Vertreter in Deutschland: Niko Paech

  • Was kann sich ein Individuum an materiellen Freiheiten – Mobilität, Konsum und digitale Bequemlichkeit -nehmen, ohne ökologisch und sozial über seine Verhältnisse zu leben? Und was brauche ich wirklich?
  • Die Vorstellung von grünem Wachstum ist ein Widerspruch in sich.
  • Weniger Jobs, aber für möglichst viele Leute mit geringerer Arbeitszeit
  • Boden- und Landschaftsmoratorien einführen: keine Neubauten, der Rückbau von Agrarfabriken, Flughäfen und Autobahnen

Der zweite Vortrag liefert einmal die komplette Übersicht über die Notwendigkeit und der Postwachstumsökonomie und wie diese funktioniert. (1Std. Vortrag, dann Fragen)

Auf seiner Seite „Postwachstumsökonomie“ erklärt Niko Paech das Prinzip:

„Als „Postwachstumsökonomie“ wird eine Wirtschaft bezeichnet, die ohne Wachstum des Bruttoinlandsprodukts über stabile, wenngleich mit einem vergleichsweise reduzierten Konsumniveau einhergehende Versorgungsstrukturen verfügt. Die Postwachstumsökonomie grenzt sich von landläufigen, auf Konformität zielende Nachhaltigkeitsvisionen wie „qualitatives“, „nachhaltiges“, „grünes“, „dematerialisiertes“ oder „decarbonisiertes“ Wachstum ab. Den vielen Versuchen, weiteres Wachstum der in Geld gemessenen Wertschöpfung dadurch zu rechtfertigen, dass deren ökologische „Entkopplung“ kraft technischer Innovationen möglich sei, wird somit eine Absage erteilt.“

Niko Paech war APL-Professor an der Uni Oldenburg. War. Die Zeit berichtet: Der bekannte Wachstumskritiker Niko Paech hat seine Professorenstelle verloren. Haben alternative Ökonomen wie er keine Chance in der Wissenschaft? (Zeit Online, 9. März 2017). Seit 2016 lehrt er an der Universität Siegen im Studiengang „Plurale Ökonomik“ (Homepage Plurale Ökonomik).

Gemeinwohl-Ökonomie

Begründet von Christian Felber

gwologo

Die Gemeinwohl-Ökonomie strebt einen System-Wandel zu einem gemeinwohl-orientierten Wertesystem an und setzt dem herkömmlichen reinen Gewinnstreben und der Kon(tra)konkurrenz das «Gemeinwohlstreben» und die Kooperation» entgegen.  

Der Verein zur Förderung der Gemeinwohl-Ökonomie in der Schweiz beschreibt das Grundprinzip:
Der individuelle Beitrag zum Gemeinwohl wird auf Basis der Gemeinwohl-Matrix definiert und bewertbar gemacht. Das ermöglicht die systematische Betrachtung aller Aktivitäten aus einer 360°-Perspektive und schärft den Blick für das Wesentliche:

  • Was für Auswirkungen haben wirtschaftliche Aktivitäten auf die allgemeine Lebensqualität, heute und morgen?
  • Wird die Menschenwürde geachtet?
  • Wird soziale Gerechtigkeit gefördert?
  • Wird ökologische Nachhaltigkeit sichergestellt?
  • Wie transparent, solidarisch und demokratisch werden unternehmerische Ziele erreicht?

Dabei werden Punkte nur für solche Aktivitäten vergeben, die über die Erfüllung des gesetzlichen Mindeststandards hinausgehen. Sowohl Unternehmen und NGOs als auch Gemeinden, öffenentliche Unternehmen/Einrichtungen und Bildungsinstitutionen können bilanzieren. Sie alle sind Pionier*innen und „Leuchttürme“ einer zukunftsfähigen Welt. 
Ziel: Alle Produkte erhalten ein Gemeinwohl-Label mit der Punktezahl. Konsument*innen können dadurch bewusste Kaufentscheidungen treffen. Die Politik verschafft Unternehmen mit hoher Punktezahl rechtliche Vorteile. Unterstützung erhalten Gemeinwohl-bilanzierende Organisationen durch erfahrene Berater, die auch in den Themen Organisations- und Kultur-Entwicklung wirksam begleiten können.

Rezeption der Gemeinwohl-Ökonomie:
Der Europäische Wirtschafts- und Sozialausschuss (EWSA) schreibt in einer Stellungnahme 2015: „Nach Auffassung des EWSA sollte das Gemeinwohl-Ökonomie-Modell sowohl in den europäischen als auch die einzelstaatlichen Rechtsrahmen integriert werden. Demgegenüber macht sich die Wirtschaftskammer Österreich eher Sorgen um die Freiheit des Einzelnen (Vorsicht Sozialismus!). Dabei verkennt sie offenbar, dass die Wertungen der Gemeinwohl-Matrix letztlich Gegenstand eines demokratischen Prozesses sein werden, wenn das System umfassend eingeführt werden sollte. Der Autor Erhard Fürst sieht in der GWÖ einen „Wegweiser in die Armut„. Weniger Sorgen macht sich die Sparda-Bank München, die die Gemeinwohl-Ökonomie aktiv unterstützt.

Auch andere Gruppen und Unternehmen verwenden den Begriff des Gemeinwohls, um deutlich zu machen, dass Geld für die Menschen da sein soll – und nicht umgekehrt. So z.B. die österreichische Genossenschaft für Gemeinwohl.

Das neoliberalistisch-kapitalistische Wirtschaftsmodell sieht den egoistischen, konkurrenzorientierten Homo Ökonomikus als anthropologische Grundkonstante. Ideen wie die unbegrenzte Akkumulation von Eigentum als Finanzkapital und „Marktgesetze“ werden als natürliche Grundgegebenheiten angesehen, deren Gesetzmäßigkeiten naturwissenschaftlich erforscht werden können, die aber in sich nicht hinterfragt werden. Man möge mir die folgende Abwertung verzeihen, aber diese Annahmen sind schlichter Unfug. Ökonomie ist eine Sozialwissenschaft und die Regeln des Wirtschaftens sind soziale Regelungen, die jederzeit verändert werden können. Kapitalismus ist eine Ideologie, die den jeweils finanzmächtigsten Akteuren dient und die Annahmen des Neoliberalismus über die Natur des Menschen sind bestenfalls unvollständig. Der Mensch wird hier auf wenige Aspekte und Bruchteile seines Potenzials reduziert. Um hier nur eine Erweiterung dieses reduzierten Menschenbildes zu benennen, möchten wir darauf hinweisen, dass es die u.a. Fähigkeit zur Kooperation (für die wiederum die Empathiefähigkeit eine Voraussetzung ist) ist, die evolutionär entscheidend für die Entwicklung des Menschen war und hoffentlich auch wieder wird.

Die Gemeinwohlökonomie ist eine Form der Marktwirtschaft, die konsequent am Ziel des Gemeinwohls ausgerichtet ist. Ziel des Wirtschaftens ist nicht die Vermehrung von Geld, sondern die Stiftung des größtmöglichen Nutzens für alle unter Wahrung der natürlichen Grundlagen unseres Lebens. Geld ist Mittel für dieses Wirtschaften, aber nicht Ziel und Zweck.

Die Regeln für das Wirtschaften werden in der Gemeinwohlökonomie demokratisch bestimmt, wobei neben der parlamentarischen Vertretung weitere demokratisch legitimierte Institutionen, wie etwa ein Wirtschaftskonvent eingeführt werden, um eine tatsächlich demokratische Ausgestaltung ökonomischer Prozesse zu erreichen.

Da ein freier Kapitalmarkt zu einer Akkumulation von Eigentum führt, sodass wenige viel und viele weniges haben, hat ungesteuerter Kapitalismus immer auch erhebliche Machtungleichgewichte zur Folge. Diese führen über vielfältige Mechanismen dazu, dass die Bildung und Umsetzung des demokratischen Willens behindert wird. Einfacher gesagt: ungezügelte Kapitalismus schaltet die Demokratie aus. Dies geschieht nicht nur durch Lobbyismus und direkte Einflussnahme auf den Gesetzgeber, sondern auch durch Einflüsse auf die Medien (die wiederum im Eigentum kapitalmächtiger Akteure sind), durch die Werbung, durch die Reproduktion gesellschaftlicher Bilder in Filmen usw. . Besonders prominent ist hier der Wettbewerb von ganzen Staaten um Großkonzerne, deren Standortwahl vom Wohlverhalten der Regierungen abhängt.

Die Freiheit des Einzelnen, unbegrenztes Kapital und Macht anzuhäufen, muss begrenzt werden, wenn es eine allgemeine Freiheit für alle geben soll. Diese Überlegungen, die hier nur kurz skizziert sind, führen dazu, dass in der Gemeinwohlökonomie folgende Basis-Regeln gelten:

Unbegrenzte Gewinnentnahmen aus Unternehmen sind nicht mehr möglich. Erlaubte Verwendungen von Gewinnen sind Investitionen, Rücklagen für Verluste, Aufstockung des Eigenkapitals, Ausschüttung an die Mitarbeiter*innen, und Darlehen an Mitunternehmen. Nicht mehr erlaubt wären spekulative Finanzinvestments und die Ausschüttung von Gewinnen an Eigentümer*innen, die nicht im Unternehmen arbeiten. Ebenfalls nicht mehr erlaubt sind Firmenaufkäufe und -fusionen gegen den Willen eines Unternehmens, sowie Parteispenden. Großunternehmen werden demokratisiert.

Der spekulative Finanzmarkt wird weitestgehend abgeschafft, Banken konzentrieren sich auf ihre Hauptaufgabe, nämlich die Umwandlung von Spareinlagen in Kredite, die nicht durch Zinsen, sondern durch Gebühren gegenfinanziert werden.

Eigentum wird begrenzt, indem

  • der maximale Verdienst (bzw. das maximale Einkommen) in einem demokratischen Prozess auf das X-fache des Mindestlohnes begrenzt wird und
  • eine Grenze für das maximale Erbvermögen definiert wird, die wiederum demokratisch festgelegt wird
  • Grund und Boden nicht mehr Eigentum, sondern nur noch Besitz sein können

Das alles ist notwendig, damit eine Gemeinwohlökonomie funktionieren kann.

Da, angesichts des gegenwärtigen weltweiten Freihandelssystems, Unternehmen mit einer hohen Gemeinwohl- Orientierung international im Nachteil sind, weil ihre Produkte und Dienstleistungen teurer wären, müsste sich ein Binnenmarkt, der nach den Regeln der Gemeinwohlökonomie verfasst ist, durch ein differenziertes Zollregime schützen, bei dem alle Marktteilnehmer aus Staaten außerhalb dieses Binnenmarkts, entsprechend der Erfüllung bzw. nicht-Erfüllung grundlegender Gemeinwohl-Kriterien, Zollaufschläge zu entrichten hätten. Ziel ist die Ausbildung eines (offenen und einladenden) Verbunds aus Staaten, die zusammen eine Fair-Trade-Zone bilden.

Auch in der Gemeinwohlökonomie werden die Menschen ein monetäres Einkommen benötigen, sodass der Erwerbszwang zwar abgeschwächt, nicht jedoch abgeschafft ist. Ein in der Gemeinwohlökonomie konzipiertes Solidaritätseinkommen reicht für ein Leben in Würde, aber nicht zu einem wirklich „guten Leben“. (GWÖ S.109)

Einkommensunterschiede werden zugelassen, auch wenn sie in ihrer Maximalhöhe begrenzt sind. Da Einkommen ab einer bestimmten Höhe nicht immer glücklicher macht (Grenznutzen) kommt die Motivation, sich für etwas zu engagieren, aus anderen Quellen: aus den Bedürfnissen nach Autonomie und Kompetenz (Selbstwirksamkeit), Identität, Beitrag zum Ganzen (Bedeutsamkeit, Sinn), Gemeinschaft und Beziehung (Zugehörigkeit).

In der Erziehung und Bildung wäre es grundlegend, Kinder zu ermutigen und zu unterstützen, ihre eigenen Gefühle, Bedürfnisse und Gedanken wahrzunehmen und so auch die Gefühle, Bedürfnisse und Gedanken anderer einfühlend zu erkennen. „Wer sich selbst nicht spürt, spürt auch andere – und die Umwelt – nicht. Empathie für andere setzt feine Selbstwahrnehmung voraus.“ (GWÖ S.116). Wichtige Themen in der Bildung sind die emotionale Reifung (Gefühle wahrnehmen und artikulieren können), die Auseinandersetzung mit Werten, das Erlernen wertschätzender und verbindlicher Kommunikation, die Kenntnis demokratischer Prozesse, die Förderung der Naturerfahrung und die Erfahrung kunsthandwerklichen Schaffens bis hin zur Sensibilisierung für das eigene körperliche Erleben.

Quelle: Christian Felber, Gemeinwohl-Ökonomie, Wien, 2014 (Erstauflage 2010)

Im Grundkonzept der Gemeinwohlökonomie finde ich viele Gedanken, die meinem Leben immer wieder aufgetaucht sind, die ich aber nie konsequent zu Ende zu führen wagte. Warum? Weil ich, wie die meisten von uns, von Kindesbeinen an mit der Ideologie kapitalistischer Produktionsbedingungen, die quasi als Naturkonstante angesehen wurden, aufgewachsen bin. Auch wenn es sich bei der Gemeinwohlökonomie eindeutig um eine Marktwirtschaft handelt, in der auch Eigentum und Besitz möglich sind und in der die Freiheitsrechte für den weitaus größten Teil der Bevölkerung erweitert bzw. erstmals realisiert werden, erscheinen doch fast unweigerlich Gedankenreflexe: Ist das nicht Kommunismus? Darf man denn Eigentum begrenzen? Führt das nicht in einen Verbots- und Überwachungsstaat? Warum taucht dieses Denken auf, obwohl es doch erklärtes Ziel der Gemeinwohlökonomie ist, echte Demokratie zu entwickeln und Freiheitsrechte zu vergrößern (wenn man unter Freiheit nicht mehr nur die Freiheit der Besitzenden versteht)? Ich denke, das ist die Folge des Einflusses der gegenwärtigen Herrschaftsideologie, die sich auf vielfältige Weise so sehr in unsere Köpfe eingeschlichen hat, dass wir gar nicht mehr merken, dass es Introjekte sind, die uns letztlich gar nicht guttun. Und vor allem können wir uns nicht mehr vorstellen, dass die Welt auch ganz anders aussehen könnte. Zu lange hat man uns eingeimpft, Konkurrenzstreben sei die wichtigste anthropologische Grundkonstante, die Welt „sei nun einmal so“ und außerdem wäre es doch der Kapitalismus, der dafür verantwortlich sei, dass die Anzahl hungernder Menschen auf der Welt seit 1970 zurückgegangen ist (eine Annahme, die aus vielen Gründen zu hinterfragen ist). Inzwischen haben wir viele wissenschaftliche Belege dafür, dass es sich hier wirklich nur um eine Ideologie handelt, die keineswegs für sich in Anspruch nehmen kann, eine Naturwissenschaft zu sein. So wissen wir zum Beispiel, dass Empathie schon im Tierreich eine wichtige Rolle spielt – übrigens auch im Führungsverhalten. Wir wissen eben so, dass Kooperation in den meisten Fällen viel ertragreicher und erfolgreicher ist, als Konkurrenz – das lässt sich inzwischen selbst mathematisch nachweisen. Wir spüren, dass zusätzlicher Konsum uns nicht glücklicher macht – aber es fehlt uns oft ein Weg, wie wir uns viel direkter um unsere eigentlichen Bedürfnisse kümmern können.

Selbst wenn man nicht alle Grundannahmen der Gemeinwohlökonomie teilt, so hat sie doch ein sehr praktisches Werkzeug entwickelt, um wichtige Aspekte des Gemeinwohls fassbar zu machen. Die Gemeinwohlmatrix unterstützt Unternehmen dabei, die Gemeinwohl-Orientierung in ihren verschiedenen Aspekten weiterzuentwickeln. Auch Menschen, für die eine Abkehr vom kapitalistischen Wirtschaftsmodell undenkbar scheint, können erkennen, dass hier sehr konkrete Kriterien für ein Wirtschaften aufgezeigt werden, dass mit grundlegenden Werten vereinbar ist. Werte, die die meisten von uns im persönlichen Bereich jederzeit akzeptieren würden und an denen sie sich orientieren wollen. Ist es nicht seltsam, wenn all die Werte, die uns im persönlichen Bereich wichtig sind, plötzlich nichts mehr gelten, sobald Geld im Spiel ist?

Gemeinwohl-Matrix

Quelle: Gemeinwohl-Matrix. Die gesammelten Gemeinwohl-Bilanzen und weitere Texte und Informationen befinden sich auf http://balance.ecogood.org/.

Die aktuellen Arbeitsbücher zur Erstellung einer Gemeinwohl-Bilanz

werden auf der Webseite www.ecogood.org zum kostenfreien Download angeboten:

Weiterführende Informationen zu Voll- und Kompaktbilanz, zu Fragen und Antworten und Erläuterungen zur Gewichtung und zum Bilanz Rechner aktualisiert der Internationale Verein zur Förderung der Gemeinwohl-Ökonomie e.V. halbjährlich in eigenen pdf Dokumenten:
 Informationen zu Voll- und Kompaktbilanz (741,3 KB) 
 Fragen und Antworten (148,0 KB) 
 Erläuterungen zur Gewichtung und zum Bilanz Rechner (132,2 KB) 
Die Internationalen Qualitäts-Sicherungs Standards für GWÖ-Audits und die Mindestanforderungen für einen Gemeinwohl-Bericht  findest Du ebenfalls auf der Webseite der Gemeinwohl-Ökonomie – www.ecogood.org:  Internationale QS Standards für GWÖ-Audits.pdf (133,6 KB)

Der Fairtrade-Ansatz

Es ist im Grunde bereits ein Skandal, dass Fairtrade quasi als Ausnahmeerscheinung ein besonderes Siegel BRAUCHT. Umso wichtiger ist es, Fairtrade-Angebote bei der Produktauswahl vorzuziehen.

Transfair e.V.

Fairtrade Deutschland

Quelle: TRANSFAIR e.V

In Deutschland ist Fairtrade vor allem durch das Fairtrade-Deutschland Siegel von . bekannt. Der Verein sagt über sich: „Wir sind eine unabhängige Initiative zur Förderung des fairen Handels und vertreten Fairtrade in Deutschland. Wir mobilisieren gegen Handelsungerechtigkeit und schließen Lizenzverträge mit Handelspartnern ab, die nach Fairtrade-Standards gehandelte Produkte anbieten.“ TRANSFAIR e.V. ist Mitglied von FAIRTRADE INTERNATIONAL.

Fairtrade-Standards

Quelle: TRANSFAIR e.V

Menschenrechtliche Vorgaben in den Fairtrade-Standards

Die Fairtrade Standards beziehen sich auf die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte und vielfältige internationale Abkommen wie beispielsweise die Kernarbeitsnormen der internationalen Arbeitsorganisation, Leitlinien der UN-Kinderrechtskonvention, das UN Protokoll zur Verhütung, Bekämpfung und Bestrafung des Menschenhandels, Konventionen und Protokolle zu Arbeitsschutz und Chemikalieneinsatz u.v.m. Die Standards setzen die für die jeweiligen Produktionsformen und Produktkategorien relevanten Aspekte in klare Vorgaben und Kriterien für die Zertifizierung um. Falls Verstöße gegen menschenrechtliche Vorgaben in den Standards in zertifizierten Betrieben durch Audits aufgedeckt werden, müssen diese umgehend behoben werden. Außerhalb der Audits können über geschützte/anonyme Informationsstrukturen Hinweise und Beschwerden vorgebracht werden. Mehr Informationen dazu, welche internationalen Abkommen den Fairtrade-Standards zu Grunde liegen finden Sie in unseren Q&A Menschenrechte (PDF, 351 KB).

Aufbau der Standards

Die Fairtrade-Standards bestehen aus Kernanforderungen und sogenannten Entwicklungs-Indikatoren. Die Kernanforderungen müssen von jeder Produzentengruppe erfüllt werden, um die Fairtrade-Zertifizierung zu erhalten. Nach der ersten Zertifizierung müssen die Produzentenorganisationen zudem die Entwicklungsanforderungen erfüllen. Diese sind weitreichender und haben unter anderem das Ziel, die Organisation und die Arbeitsbedingungen der Produzenten zu verbessern, aber auch langfristig wirkende Maßnahmen zum Schutz der Umwelt umzusetzen.

Soziale Standards
  • Organisation in demokratischen Gemeinschaften (bei Kooperativen)
  • Förderung gewerkschaftlicher Organisation (auf Plantagen)
  • Geregelte Arbeitsbedingungen
  • Verbot ausbeuterischer Kinderarbeit
  • Diskriminierungsverbot
Ökologische Standards
  • Umweltschonender Anbau
  • Schutz natürlicher Ressourcen
  • Verbot gefährlicher Pestizide
  • Kein gentechnisch verändertes Saatgut
  • Förderung des Bio-Anbaus durch den Bio-Aufschlag
Ökonomische Standards
Fairtrade-Mindestpreis und Fairtrade-Prämie

Quelle: TRANSFAIR e.V

Fairtrade ist ein „Zertifizierungssystem, bei dem die Produzentinnen und Produzenten von einem Mindestpreis und einer Prämie – einem zusätzlichen Geldbetrag – profitieren. Die Berechnung des Mindestpreises und der Prämie wird auf Grundlage einer genau festgelegten Methode durchgeführt.

Dazu führt die Standards and Pricing Unit von Fairtrade International einen systemweiten partizipativen Konsultationsprozess durch, analysiert die Ergebnisse, und legt die sich daraus ergebenden neuen Vorschläge für Mindestpreise und Prämien dem Standard-Komitee zur Abstimmung vor. Dort sind Vertreter der Produzentennetzwerke, Nationalen Fairtrade-Organisationen und zertifizierten Handelsorganisationen, vertreten und stimmen die Vorschläge ab.

„In regelmäßigen Abständen (je nach Produkt zwischen jährlich und alle vier Jahre), werden diese Preisfindung-Prozesse in Rücksprache mit Produzentenorganisationen und Händlern durchgeführt. Bei der Preisfindung werden vor allem die jeweilige Marktsituation eines Landes sowie die jeweilige Produktkategorie berücksichtigt.

Der Fairtrade-Mindestpreis

Der Fairtrade-Mindestpreis ist als Sicherheitsnetz zu verstehen, soll die durchschnittlichen Produktionskosten für eine nachhaltige Produktion decken und kann auf der Website von Fairtrade International eingesehen werden. Liegt der jeweilige (Welt)Marktpreis darüber, muss der höhere Marktpreis bezahlt werden.
Der Mindestpreis gilt für alle Produktgruppen außer für Blumen und Pflanzen, Zucker, sowie manche Tee- und Gewürzsorten. Für diese Produktgruppen ist es praktisch unmöglich, einen Mindestpreis zu berechnen, der die Produktionskosten für alle Produzentenorganisationen in allen Ländern weltweit abdeckt. Unterschiedliche Sorten und Qualität erschweren ebenfalls die Berechnung eines einheitlichen Mindestpreises. Nicht zuletzt ist ein Mindestpreis in manchen Staaten gesetzlich nicht erlaubt. Der Verzicht auf einen Mindestpreis dient letztendlich dazu, dass möglichst viele Produzentinnen und Produzenten  am Fairtrade-System teilnehmen können.

Die Fairtrade-Prämie

„Zusätzlich zum Verkaufspreis erhalten alle Produzentenorganisationen die Fairtrade-Prämie. Die Bauernfamilien bzw. Beschäftigten auf Plantagen entscheiden gemeinsam in einem demokratischen Prozess, in welche sozialen, ökologischen oder ökonomischen Projekte die Prämie investiert wird und welche Ziele erreicht werden sollen. Um volle Transparenz zu gewährleisten, enthalten die Fairtrade-Standards Vorschläge und Tipps für deren konkrete Umsetzung.

Fairtrade-Produkte mit dem Fairtrade-Siegel von Transfair-Deutschland

Hinter jedem der folgenden Links stecken weitere Hintergrundinformationen über die „normalen“ Produktionsbedingungen und warum das Fairtrade-Siegel hier notwendig ist. Quelle: TRANSFAIR e.V

Leider ist der Anteil von Fairtrade-Produkten am gesamten Konsum ist immer noch minimal, die Produktpalette eingeschränkt: Das muss sich ändern und dafür braucht es zweierlei – unser Kaufverhalten und politische Entscheidungen.

Gepa

Neben Transfair ist GEPA ein weiterer größerer Player für Fairtrade-Produkte. Die GEPA beschreibt sich selbst:

Fairer Handel ist seit 1975 der Kern der GEPA-Unternehmensphilosophie. Das haben auch ihre Gesellschafter, ausnahmslos kirchliche Entwicklungs- und Jugendorganisationen, im Gesellschaftsvertrag festgeschrieben.

Unsere drei Kernziele:
  • Produzentinnen und Produzenten im Süden nachhaltig unterstützen
  • Konsumentinnen und Konsumenten aufklären
  • zur Veränderung ungerechter Welthandelsstrukturen beitragen
Mit fair+ in die Zukunft

„fair plus“ heißt für uns: Wir leisten in vielen Bereichen mehr, als die allgemeinen Fair-Handelskriterien verlangen. 
Uns treibt als Pionier an, zusammen mit unseren Partnern im Süden für ein besseres Leben zu arbeiten – mit Respekt vor Mensch und Natur.

Ideen-Blog für ein nachhaltiges und faires Wirtschaftssystem

Die derzeitige Verschwendungsproduktion incl. der mit dieser einhergehenden Energieverschwendung wird dieser Planet nicht auf Dauer tragen können. Wir werden nicht umhin können, den Ressourcenaufwand pro Mensch zu senken. Wir werden aufhören müssen, Dinge zu kaufen, die wir nicht brauchen und die uns nicht glücklich machen.

Das gegenwärtige Wirtschaftssystem ist völlig ungeeignet, um einen Paradigmenwechsel in der Verteilung von Ressourcen und in der Produktion und Vermarktung von Gütern zu ermöglichen.

Was ist dann mit den Arbeitsplätzen?

Womit verdienen wir unseren Lebensunterhalt, wenn wir aufhören, Dinge für verschwenderischen Konsum zu produzieren?

Wenn wir davon sprechen, uns im Konsum auf die Güter zu beschränken, die wir WIRKLICH BRAUCHEN und diese nachhaltig und langlebig Güter zu produzieren, kommt natürlich das berühmte Argument mit dem Wegfall von Arbeitsplätzen: „Wenn wir nicht mehr so weiter produzieren können, wie bisher, dann fallen ja die ganzen Arbeitsplätze weg, dann werden die Menschen arbeitslos, das funktioniert doch nicht!

Darauf gibt es einige Antworten:

  • Viele Menschen auf der Welt sind heute schon von der Industriearbeit ausgeschlossen, um die es hier geht. Dies gilt z.B. für größere Teile der Bevölkerung des afrikanischen und des südamerikanischen Kontinents.
  • Es ist heute schon klar, dass künstliche Intelligenz und Robotik einen Großteil der Industriearbeitsplätze die hier argumentativ erhalten werden sollen, schlichtweg überflüssig machen wird. Es werden neue Arbeitsplätze entstehen, teilweise im hochqualifizierten Bereich und es wird Gewinner und Verlierer diese Entwicklung geben. Romantik ist hier fehl am Platz.
  • Die gleichen Manager, die mit Vehemenz dafür eintreten, jeden Arbeitsplatz zu erhalten, indem weiterhin aufwendiger Verschwendungskonsum mit kurzlebigen Gütern betrieben wird, diese gleichen Leute würden niemals zögern Arbeitsplätze in ihren Unternehmen einzusparen. Sei es durch die Einsatz der Digitalisierung – bis hin zu künstlicher Intelligenz – durch Robotik oder durch die Verlagerung von Arbeitsplätzen in „Billiglohnländer“.
  • Wenn von Seiten „der Wirtschaft“ das Argument des Erhalts der Arbeitsplätze vorgebracht wird, dient es vor allem dazu, die eigenen Ziele zur rechtfertigen und strategisch zu realisieren. Dieses Ziel kann klar benannt werden: Gewinnmaximierung.

Wie aber soll nun unser Lebensunterhalt gesichert werden, wenn wir nicht mehr nach der Vollzeit-Norm arbeiten? Woher kommt dann das Geld, um für all die Menschen, die bislang Geld in Vollzeitarbeit VERDIENT haben, nicht nur Ernährung und Kleidung, sondern auch ökonomisch-soziale Teilhabe zu ermöglichen?

  1. Was GEBRAUCHT wird, wird selbstverständlich weiterhin produziert. Die Nahrungsmittelproduktion wird erst einmal nicht weniger, nur weil man z.B. keine SUVs mehr baut. Es ist also vollkommen absurd anzunehmen, dass wir plötzlich nichts mehr zum Essen und nichts mehr zum Anziehen haben, bloß weil Überschüsse und Überflüssiges wegfallen.
  2. Geld an sich ist genug vorhanden. Es ist nur einseitig verteilt. Es sind viele Milliarden von Dollar und Euro in den Fonds und Accounts einer relativ kleinen Schicht. Wenn man sich aber fragt: Hilft uns dieses Geld, dann wird einem bewusst, dass diesen Milliarden von Dollar eigentlich keine echten Werte mehr gegenüberstehen. Es handelt sich in vielen Bereichen um Fantasiegeld.
  3. Es sind genug (finanzielle) Mittel da, um alle Menschen zu ernähren, sie mit Trinkwasser zu versorgen, mit Wohnraum und Kleidung zu versorgen, ihnen (nachhaltige) Mobilität zu ermöglichen und eine Gesundheitsversorgung zu gewährleisten. Für all das sind genug Mittel vorhanden – auch dann, wenn wir weniger sinnlose Dinge zum Wegwerfen produzieren.
  4. Dies bedeutet eben nicht, dass auch Zufriedenheit und Glück geringer werden müssten. Eher im Gegenteil: Wenn wir uns aus der selbstgebauten Mühle befreien können wir uns wieder den Themen, Dingen, Menschen zuwenden, die uns wirklich berühren und unserem Leben Sinn geben.
  5. Arbeit ist an sich für Menschen wichtig und notwendig, weil sie eine Sinnstruktur und soziale Kontakte ermöglicht und uns Selbstwirksamkeit erfahren lässt und vieles andere. Deshalb brauchen Menschen Arbeit. Das heißt aber nicht, dass alle Menschen ständig in großer Hetze vorgegebene Tätigkeiten ausführen müssten und das Ganze mindestens 40 Stunden in der Woche. Arbeit kann auch sehr viel anders gestaltet werden.
  6. Wenn alles gut geht, werden wir weniger arbeiten. Wir werden bei unserer Arbeit nachhaltige, qualitativ hochwertige und langlebige Produkte herstellen. Der Dienstleistungssektor wird wachsen, besonders im Bereich des Gesundheitswesens und der Pflege. Der Wissens-Sektor wird weiterhin von größter Bedeutung sein und wir werden viele Dinge automatisiert produzieren. In der Landwirtschaft werden neue Formen naturgerechter Bewirtschaftung erforderlich sein, die arbeitsintensiver sind, als die bisherige Industrie-Landwirtschaft. Auch hier werden Arbeitsplätze entstehen können. Wir werden zwar weniger, aber weiterhin genug Arbeit haben – und zwar sinnvolle Arbeit.
  7. Allerdings werden wir uns davon verabschieden dürfen, dass nur Vollzeit-Arbeit zur vollen gesellschaftlichen Teilhabe berechtigt. Das werden wir schlicht nicht mehr brauchen. Der sozioökologische Ansatz muss nicht in die Armut führen, wenn wir eine solidarischere Verwendung von Reichtum und Besitz etablieren. Wir werden Arbeit neu bewerten müssen und Produkte und Dienstleistungen nach ihrem „wahren“ Wert und ihren Kosten bezahlen. Dazu gibt es viele Möglichkeiten, z.B.:

  • Neue Bewertung von Dienstleistungen in Pädagogik, Pflege, Therapie
  • Künstlerische Aktivitäten
  • Höherer Aufwand für die Produktion nachhaltiger und langlebiger Produkte und für eine ökologische Landwirtschaft

Dafür brauchen wir ein neues Wirtschaftssystem, das durchaus marktwirtschaftlich organisiert sein kann, aber auf Regeln basiert, die den Verbrauch von Ressourcen und den Impact auf die ökologischen Systeme in vollem Umfang einpreisen.
Unser Ansatz ist dabei keineswegs technologiefeindlich. Ganz im Gegenteil: wir brauchen innovative Technologien und die Weisheit, diese so zu entwickeln und einzusetzen, dass sie wirklich der Zukunft der ganzen Menschheit dient – auf einem ökologisch intakten Planeten.

Science fiction: Utopie, Dystopie und Naivität in 3 Szenarien

Nachdem Du Dich durch die vielen komplexen Themen gelesen hast, mal was zur Erholung – ein bisschen Science fiction.

Erstes Szenario:

Wir sind uns der umfassenden systemischen Vernetzung aller Elemente des Lebens auf der Erde bewusst (interbeing). Was wir tun und nicht tun, beeinflusst alle Aspekte einer Welt mit begrenzten Ressourcen und einer begrenzten Belastbarkeit der Biosphäre. Daher müssen wir unser Wirtschaftssystem umgestalten, weg von der Verschwendung und der Orientierung am Gewinn weniger. Wir brauchen ein Wachstum hin zu mehr Qualität und Nachhaltigkeit. Dies wird sehr arbeitsintensiv sein und echte WERTschöpfung bedeuten.

  • Güter werden langlebig hergestellt und reparierbar gemacht, geplante Obsolenz wird verboten. Einmalprodukte gehören weitestgehend der Vergangenheit an und die Recyclingquote liegt bei über 90%.
  • Die Nahrungsmittelproduktion erfolgt mittels ökologischer, arbeitsintensiverer Anbaumethoden.
  • Dienstleistungen, wie die Pflege alter und kranker Menschen, werden genauso gut bezahlt, wie Produktionsaufgaben und können mit ausreichend Personal ohne Hetze erbracht werden.
  • Kunst öffnet uns den Weg zu neuen Sichtweisen und bezieht die Menschen nicht nur als Kunst-Konsumenten, sondern als aktiv Teilnehmende des Kunstgeschehens ein. Auch die Künstler werden auskömmlich bezahlt.
  • Technologien werden gezielt auf die Bedürfnisse der Menschen und ihres dauerhaften Überlebens auf dem Planeten hin weiterentwickelt.
    • Insbesondere die Entwicklung erneuerbarer Energien verlangt in hohem Maß technischen Fortschritt.
    • Wir brauchen Innovationen, aber wir konzentrieren uns voll auf die Technologien, die wir für eine lebenswerte Zukunft brauchen. 
    • Wir akzeptieren die Automatisierung einfacher mechanischer Tätigkeiten und nutzen IT, achten dabei aber stets darauf, ob das, was wir damit tun, im Sinne des Gemeinwohls ist.
  • Das Verkehrssystem basiert auf öffentlichen Verkehrsmitteln, die mit erneuerbarer Energie betrieben werden. Automatische E-Bussysteme sind auch im ländlichen Raum verfügbar. Der Individualverkehr per Auto wird weitestgehend abgeschafft und nur vorübergehend bei spezifischen Bedarfen zugelassen. Fahrräder und Fußgänger haben Vorrang. Die Städte können dementsprechend wieder begrünt werden, die Luftqualität verbessert sich erheblich.
  • Wir wenden uns ab von einem quantitativen Wachstum im Sinne des ständigen „etwas anderes, neueres“. Wir hören auf, die Welt aus lauter Langeweile kaputtzukonsumieren. Wir wenden uns endlich vom Haben zum Sein (Erich Fromm). Viele Menschen wenden sich spirituellen Wegen zu und machen die Erfahrung, dass sie ihre kostbare Lebenszeit nicht mehr mit Medienkonsum totschlagen, sondern zutiefst erfahren und genießen können.
  • Der Impact aller Produkte und Dienstleistungen (incl. der Transporte) auf das Ökosystem und auf das soziale Leben wird in vollem Umfang in den Preis eingerechnet. Hierfür werden geeignete dynamische Methoden entwickelt und demokratisch kontrolliert.
  • Regionale Produktion und Vermarktung wird gestärkt, u.a. um eine hohe Resilienz der Volkswirtschaften zu erreichen und Transporte zu minimieren. Die weltweite Vernetzung von Ideen, Kulturen, Technologien und Dienstleistungen wird dennoch vertieft und verfeinert – jedoch nicht mehr im Sinne eines Wettbewerbs um den billigsten Produktionsstandort und die am leichtesten ausbeutbaren Ressourcen, sondern im Sinne echter Gegenseitigkeit. Die globale Vernetzung dient z.B. dazu, arbeitsteilig Güter produzieren, die lokal nicht herstellbar wären. 

All dies kann nur durch einen Paradigmenwechsel erreicht werden – weg von einem Wirtschaftsystem, in dem die Geldvermehrung zum Selbstzweck wurde – hin zu einem gemeinwohlorientierten System, das die Ökosphäre schont. Da wir aus den Auswüchsen des liberalwirtschaftlichen Kapitalismus gelernt haben, 

  • begrenzen wir das Einkommen auf ein (auf demokratischem Weg festgelegtes) Vielfaches des (ebenfalls demokratisch definierten) bedingungslosen Mindesteinkommens,
  • begrenzen wir das maximale frei verfügbare Vermögen von Personen,
  • begrenzen wir den Marktanteil von Unternehmen auf 10% (wenn dies nicht möglich ist, wird der Staat vorübergehender Miteigentümer),
  • untersagen die Bildung von Konzernen, die hohe Anteile in verschiedenen Marktbereichen abdecken,
  • unterstützen wir gezielt kleine und mittlere Unternehmen und deren produktive Vernetzung, 
  • während wir den reinen Kapitalverkehr (ohne unmittelbare Beteiligung der Kapitalanleger an der Wertschöpfung) begrenzen und besteuern.

Die Begrenzungs-Regeln haben angesichts der Entwicklung der Robotik besondere Bedeutung, da diese Technologie dem Kapital unabhängig vom Produktionsfaktor Arbeit noch mehr Gewicht gibt. Da wir auch aus den Versuchen einer zentralwirtschaftlichen Steuerung gelernt haben, erhalten wir marktwirtschaftliche Prinzipien – jedoch innerhalb eines Rahmens, der die Ausbeutung von Menschen und Ökosystemen auf Dauer verhindert. Dies begrenzt die Machtentfaltung und den Reichtum weniger, ermöglicht jedoch vielen, aus dem Schatten herauszutreten und die Dinge und das Leben mitzugestalten
Wir stellen uns zukünftigen technologischen Herausforderungen, auch wenn wir uns deren Realisierung nur schwer vorstellen können.

  • In einer ferneren Zukunft werden wir uns auch mit der Möglichkeit auseinandersetzen müssen, dass Eingriffe in die Keimbahn des Menschen vorgenommen werden. Dies darf nur dann zulässig sein, wenn diese Möglichkeit für jeden Menschen verfügbar ist (und nicht nur für eine Schicht Wohlhabender) oder zur Verhinderung von anerkannten Erbkrankheiten dient. Wird diese Regel nicht umgesetzt, wird sich die menschliche Art in eine biologische und eine biotechnologische Art teilen, wobei letztere dominieren würde.
  • Die Entwicklung der IT wird uns an die Schwelle künstlicher Intelligenz bringen. Wir müssen verhindern, dass der Wettlauf um die erste funktionierende allgemeine KI gewonnen wird. Dies würde entweder dazu führen, dass eine Nation oder Gruppe zu enormer Machtfülle gelangt – oder es wäre die letzte technische Erfindung der Menschheit, wenn die KI so autonom ist, dass sie den Menschen vernichten kann. Um dies zu verhindern, bedarf es einer internationalen Kontrolle, deren Aufbau vermutlich eine der komplexesten Herausforderungen darstellt.

Zweites Szenario:

Die Erderwärmung nimmt weitgehend ungebremst zu und geht über 2 Grad hinaus. Dies wird dazu führen, dass weite Teile der Welt nicht mehr self-sufficient bewirtschaftet werden können.
Die reichen Bevölkerungsschichten ziehen sich in nordische Länder zurück, die noch günstige klimatische Bedingungen aufweisen.
Die Trennlinien verlaufen nun weniger zwischen den Nationen, als vielmehr zwischen den armen und reichen Schichten.
Ein großer Teil der Menschheit wird weder als Konsumenten noch als Produzenten gebraucht, da die Produktion weitgehend automatisiert ist und KI viele Aufgaben übernommen hat.
In der Anfangszeit führt dies zu einem politischen Rechtsruck, indessen Folge mit der Zeit kapitalistische Diktaturen entstehen, die die Infrastruktur liefern, welche den Kapitaleignern eine hinreichende Kontrolle über die ärmeren Schichten ermöglicht und so die Aufrechterhaltung der Ungleichheit erlaubt. Die moderne Automationstechnologie, inklusive der Robotik, sowie die Informationstechnologie, liefert der reichen Bevölkerung (ca. 10 Prozent der Gesamtbevölkerung) dazu die technischen Voraussetzungen.
Die IT ermöglicht die Erfassung der Aktivitäten, Persönlichkeitsmuster und Werte jedes einzelnen Individuums und die gezielte Identifikation abweichender Personen. Diese Technologie existiert bereits im Jahr 2019, wo allein die Likes in den Facebook Einträgen ausreichen, um ein Persönlichkeitsprofil zu erstellen, das differenzierter ist, als mancher psychologische Persönlichkeitstest. Diese Profile werden automatisch gefiltert, so dass Personen mit Protestpotential gezielt sanktioniert werden können. Hierzu werden u.a. KI-gesteuerte Drohnen und automatisierte Waffensysteme eingesetzt.
Der Klimawandel und die zunehmend knapper werdenden Ressourcen führen dazu, dass es zu einer „marxschen“ Verelendung von Massen kommt. Umweltprobleme wie Müll und die Folgen der Ausbeutung von Bodenschätzen bleiben in die ärmeren Regionen der Welt verlagert (ist ja nichts neues).
Unterdessen entwickelt sich die Biotechnologie so weiter, dass die Reichsten es sich leisten können, Eingriffe in die Keimbahn vorzunehmen und schrittweise eine neue Spezies zu schaffen, die im Hinblick auf Intelligenz und gesundheitliche Resilienz große Vorteile gegenüber dem evolutionär entstandenen Menschen hat.
Diese Spezies übernimmt zunehmend die Herrschaft, was durch Nutzung von KI und Robotik auch bei einer relativ kleinen Anzahl von Individuen möglich ist.
Für dieses Szenario ist keinerlei Verschwörung erforderlich. Es reicht aus, die Dinge weiterlaufen zu lassen und den gegenwärtigen Trend fortzusetzen.

Drittes Szenario:

Dieses Szenario geht davon aus, dass es nicht so schlimm ist wenn die Armen Arm bleiben. Denn das ist heute schon so und solange keine Migranten kommen, merken wir nichts davon. Wichtig ist nur, dass genügend da ist, um die europäische Bevölkerung einigermaßen mit Wohlstand zur versorgen.
Außerdem wird sich der Klimawandel letzten Endes nicht bei uns abspielen (da wird es endlich richtig Sommer), sondern doch eher in den südlichen Ländern. Vielleicht profitieren wir ja sogar. Und so genau weiß man eh nicht was, kommt, Eiszeit oder Heißzeit?
Der Klimawandel wird auch nicht so dramatisch, wie immer getan wird. Wir werden rechtzeitig auf erneuerbare Energien umstellen und dann bekommt man das auch in den Griff.
Die neuen Technologien in der IT und in der Biotechnologie werden uns in den wohlhabenden Staaten zur Verfügung stehen und garantieren, dass wir unsere globale Position halten und ausbauen können. Zum Glück haben wir es geschafft, die ganzen Bedenkenträger zu überstimmen.
Die Knappheit an Bodenschätzen wird man durch ein verbessertes Recycling ausgleichen können, das überwiegend in den Ländern der dritten Welt stattfinden kann. Dann gibt es da zumindest Arbeit.
Gegen die, aufgrund ungünstiger klimatische Bedingungen, zunehmend nach Europa und Nordamerika dringenden Massen, entwickelt man entsprechende Abschottungsmöglichkeiten. (Ich will das mal nicht ausmalen)
Alles in allem werden unsere – das heißt die europäischen und nordamerikanischen – Kinder und Enkel schon zurechtkommen.
Man kann schließlich nicht die ganze Welt retten, oder?

Du merkst schon: Jedes weiter-so Szenario ist noch viel irrealer als die verrückteste Utopie.

Regeln sozialer Systeme: menschengerecht oder menschenverachtend

coming soon

Arbeitswelt 4.0 und Grundlagen einer gesunden Arbeitsgestaltung

In den kommenden Jahren werden wir in der Arbeitswelt die größten Umwälzungen seit der Erfindung des PC erleben:  Etwa die Hälfte der Arbeitsplätze wird es nicht mehr geben, oder sie werden nicht mehr so sein wie sie waren. 

Was ist Industrie 4.0?

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  • Im Industrie 4.0-Konzept verzahnt sich die Produktion mit modernster Informations- und Kommunikationstechnik.
  • Das Ziel sind Smart Factories, in denen mit Hilfe intelligenter, digital vernetzter Systeme, eine (fast) selbstorganisierte Produktion möglich wird: Menschen, Maschinen, Anlagen, Logistik und Produkte werden direkt miteinander kommunizieren und kooperieren.
  • Produktions- und Logistikprozesse werden – auch zwischen Unternehmen – intelligent miteinander verzahnt, um die Produktion effizienter und flexibler zu gestalten.
  • Diese „intelligenten Wertschöpfungsketten“ werden alle Phasen des Produktlebenszyklus einbeziehen: Entwicklung, Fertigung, Nutzung und Wartung bis hin zum Recycling.
  • Dadurch sollen nicht mehr nur einzelne Produktionsschritte, sondern die ganze Wertschöpfungskette optimiert werden.
  • Auf diese Weise können maßgeschneiderte Produkte nach individuellen Kundenwünschen gefertigt werden – bei gleichzeitiger Kostensenkung und natürlich just-in-time.

Die Digitalisierung und Automatisierung wird nicht nur die Produktion betreffen, sondern viele Branchen:

  • Wer heute Bus fährt, ist morgen mit selbstfahrenden Systemen konfrontiert.
  • Wer heute als Sachbearbeiter/in tätig ist, wird über kurz oder lang seinen Job an ein IT-System abgeben.
  • Auch in Berufen mit hoher Qualifikation (Ärzte, Juristen, Lehrer) werden Expertensysteme und webbasierte Angebote mehr und mehr Aufgaben übernehmen.
  • Andererseits bietet der hohe Vernetzungsgrad auch kleinen und mittelständischen Unternehmen Chancen, mit spezialisierten Leistungen am Markt teilzunehmen.

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Grundelemente für eine nachhaltige Arbeitsgestaltung

Wie gesund ist arbeiten? Arbeiten hilft uns, ein gesundes und erfülltes Leben zu führen – wenn dabei wichtige Bedürfnisse erfüllt werden. Dafür gibt es einige zentrale Testfragen:

Gesunde Arbeit berücksichtigt grundlegende Bedürfnisse

Unternehmenswerte als Grundpfeiler einer nachhaltigen Arbeitsgestaltung
Angesichts der aktuellen politischen Entwicklung erkennen viele Menschen die Bedeutung und Verantwortung von Unternehmen für die Aufrechterhaltung grundlegender humaner Werte. Werte haben eine hohe Relevanz für das Employer Branding und für die Realisierung einer nachhaltigen Arbeitsgestaltung. Woran können sich die Führungskräfte in ihrem Handeln orientieren, wenn Sie im Unternehmen mehr als wirtschaftlich erfolgreich sein wollen?

  • „Gute“ Führung (Gleichwürdigkeit, Orientierung, Stärkung). 
  • Schädigungsfreiheit (Gesunderhaltung)
  • Möglichst vollständige, aber nicht überfordernde Aufgaben / Tätigkeiten (Erfahrung von Selbstwirksamkeit, Flow).
  • Gesundheitsförderung (klassisches BGM)
  • Ausgewogenes Arbeitszeitmanagement. 
  • Wertebasierte Unternehmenskultur. 
  • Faire Entlohnung (Thema Leiharbeiter etc.)
  • Förderung der sozialen Beziehungen
  • Change Management: Beachtung der Salutogenesefaktoren bei Veränderungsprozessen
  • Nachhaltiges Handeln des Unternehmens nach außen. 

Alle diese Aspekte (incl. der fairen Entlohung) dienen letztlich sowohl dem langfristigen ökonomischen Erfolg, wie auch den eigentlichen Leistungsträgern, den Menschen, auf denen dieser Erfolg beruht.

Erfolgsfaktoren

Bei der Realisierung einer nachhaltigen Arbeitsgestaltung, gibt es eine Reihe von Faktoren, die für den Erfolg oder Scheitern von Projekten bedeutsam sind.

  • Eine grundlegende Entschlossenheit auf der Entscheiderebene
  • Ein klares Bild der Zusammenhänge
  • Ein kluges, systemisches Konzept, das zum Unternehmen passt
  • Einen Organisationsentwicklungsplan und Kümmerer, die das Projekt führen
  • Jede Menge Expertise für die Umsetzung von Gesundheitsmanagement, Ergonomie, Arbeitszeitmangement, Training & Schulung,…
  • Eine kontinuierliche Einbindung der Führungskräfte

Erweiterung des Themas folgt…

🙂

Was kann ich selbst tun, um Fairness und Nachhaltigkeit des Wirtschaftssystems zu fördern?

Checkliste für persönliches Handeln

Geldanlage

Suche Dir eine Bank, die nach ökologischen und sozialen Kriterien arbeitet:
Die Triodos-Bank investiert in nachhaltige Projekte (https://www.triodos.de/)
Auch die GLS-Bank wendethohe ethische Standards an (https://www.gls.de/privatkunden/gls-bank/gls-nachhaltigkeit/) 

Neue Wege gehen

Reset.org: Mach dich auf den Weg zum Social Entrepreneur oder Ecopreneur. Du hast eine Idee, wie du die Welt mit unternehmerischem Handeln sozialer oder grüner gestalten kannst und suchst nach einer Möglichkeit, diese umzusetzen? RESET zeigt dir Wege, wie du als Social Entrepreneur oder Ecopreneur deine Ideen für eine nachhaltige Entwicklung verwirklichen kannst.

Reset.org: Meins ist Deins – Teilen macht glücklich! Geteilte Autos, getauschte Kleider und Wohnungen, geliehene Werkzeuge – die Möglichkeiten des kollektiven Konsums sind vielfältig und werden von Millionen Menschen weltweit genutzt – Tendenz steigend. Bei Reset.org findest du Tipps für Einsteiger und Fortgeschrittene.

Reset.org: Baumsparen statt Bausparen: Der Wald als Geldanlage. Geld anlegen und gleichzeitig einen Beitrag zum Klimaschutz leisten? Das geht. Mittels Baumsparvertrag, Waldsparbuch oder als Eigentümer einer Waldparzelle kann jeder in nationale und internationale ökologisch nachhaltige Aufforstungsprojekte investieren und Rendite erzielen.“

Links zu Unternehmen, die mit Nachhaltigkeit werben

Wie schon die Überschrift zeigt, sind wir hier sehr vorsichtig: nicht jeder, der mit Nachhaltigkeit wirbt, produziert und handelt auch so.
Dennoch stehen wir oft vor der Wahl: Wo kaufe ich ein? Und manchmal ist das kleinere Übel besser, als gar keine Wahl.
Daher ein paar Tipps:

Utopia – ein Portal für nachhaltige Produkte (ökologisch orientierte Werbeplattform), aber auch zu vielfältigen Themen, für den grünen Mittelstand 😉 Immerhin haben wir auch für unsere Themen hier viele gute Links gefunden.