Psychologische Erklärungen für den Widerstand gegen unliebsame Fakten
Auch wenn es noch so klar sein mag, dass alle Empirie DAFÜR spricht, dass es WEIT ÜBERWIEGEND der Mensch ist, der den gegenwärtigen Klimawandel verursacht, haben diese Leugnungs-Aktivitäten eine Wirkung. Die psychologischen Ursachen dafür erläutert Stephan Lewandowsky (link):
- Von falschen Gerüchten bleibt immer etwas hängen.
- Wir suchen primär Informationen, die unser Weltbild und unsere Meinung bestätigen.
- Schon eine leichte Unsicherheit verhindert die Annahme von Fakten, die dem bisherigen Weltbild widersprechen.
Lewandowsky et al. haben daher ein KONSENSUS-HANDBUCH veröffentlicht, das die Strategieen von Leugnern des Klimawandels aufdeckt und zeigt, wie wichtig es ist, dass die Menschen erfahren: “97% DER KLIMAWISSENSCHAFTLER SIND SICH DARIN EINIG, DASS EIN MENSCHENGEMACHTER KLIMAWANDEL STATTFINDET“
Zu der Methode, wie man durch die Nennung des Fakts, der Erwähnung – mit Warnung! – des Irrglaubens und einer abschließender Erklärung des Trugschlusses informieren kann, gibt es hier eine Foliensammlung zu Fakt-Irrglaube-Trugschluss
Auch wenn wir die Hürde der „Fake News“ und „False Balance“ genommen haben, stehen wir vor dem Dilemma, dass unser Verhalten ausschließlich dadurch gesteuert wird, was unser Wohlbefinden UNMITTELBAR erhöht (siehe auch „Psychologie der Veränderung“ auf unserer Webseite). Um jetzt auf etwas zu verzichten, damit ich später eine (im psychologischen Sinn) Belohnung bekomme oder eine negative Folge vermeide, muss ich in der Lage sein, mir die zukünftigen Folgen des Verhaltens JETZT VOLLKOMMEN KLAR UND SPÜRBAR vor Augen zu führen. So deutlich, dass es mir JETZT BESSER GEHT, wenn ich mich so verhalte, dass ich langfristige positive Effekte erreiche und negative vermeide. Eine Verhaltensänderung braucht die Energie der Entschlossenheit – und da wirkt jeder Zweifel wie Gift. Deshalb sind sämtliche Behauptungen, der Klimawandel sei nicht vom Menschen verursacht, hoch effektiv, egal wie hanebüchen sie sein mögen.
Der eigentliche Witz ist jedoch, dass es gar nicht so sehr darauf ankommt, ob der Klimawandel nun zu 100% oder zu 50% vom Menschen verursacht ist. Es gibt noch weitere, wesentliche und dringende Gründe, unser Verhalten zu ändern, wie die Themen dieser Webseite zeigen. Auch die Seiten „Auf Kosten anderer“ und „System-Change not Climate-Change“ folgen dieser Spur…
Und was ist, wenn der Klimawandel gar nicht eintritt?
Was wäre eigentlich, wenn der Klimawandel doch nicht so eintritt, wie vermutet und befürchtet. Hätten wir uns dann nicht völlig umsonst angestrengt, hätten wir nicht völlig umsonst Verzicht geübt, möglicherweise unserer Volkswirtschaft Nachteile zugefügt?
Was wäre eigentlich, wenn der Klimawandel doch nicht so eintritt, wie vermutet und befürchtet. Hätten wir uns dann nicht völlig umsonst angestrengt, hätten wir nicht völlig umsonst Verzicht geübt, möglicherweise unserer Volkswirtschaft Nachteile zugefügt. Schließlich haben wir ja auch Erfahrungen mit nicht eingetretenen Prognosen, wie z.B. denen des Club of Rome der in seinen „Grenzen des Wachstums“ 1972 wesentlich schnellere und z.T. andere Veränderungen vorausgesagt hat, als sie tatsächlich beobachtbar waren.
Richtig ist: Wir können die Zukunft nicht voraussagen. 1980 hätte sich keiner vorstellen können, das es einmal so etwas wie Smartphones gibt, andererseits hätte man in den 70er Jahren vermutet, dass es schon viel früher gelingen würde, in der Raumfahrt Fortschritte zu machen. Genau das Gegenteil ist passiert.
Was also, wenn der Klimawandel gar nicht eintritt? Um diese Frage wirklich einschätzen zu können, müssen wir uns vergegenwärtigen, dass wir gerade dabei sind, unwiederbringliche Ressourcen – und dazu gehören auch die fossilen Brennstoffe – einfach zu verheizen. Diese Ressourcen sind definitiv endlich (auch wenn es mit hohem Energieaufwand möglich sein mag, Kohlenwasserstoffe zu synthetisieren – in den Mengen in denen wir sie heute verbrauchen, sind sie unwiederbringlich weg, wenn sie verbrannt sind.)
Gleichzeitig werden unsere Mülldeponien in zu immer wertvolleren Rohstofflagern, auch wenn die Rohstoffe darin so verteilt sind, dass es nur mit höchsten Aufwand möglich wäre, sie da wieder herauszuziehen. Das heißt, wir gehen generell mit den Rohstoffen der Erde so um, als wären sie unterschöpflich – was nun mal nicht der Fall ist.
Das Artensterben und der Klimawandel haben nicht die gleichen Ursachen, aber es gibt doch ganz deutlich Überschneidungen: z.B. die massive Abholzung der Regenwälder zum Zwecke landwirtschaftliche Nutzung (unter anderem für Palmöl, Sojabohnen als Viehfutter…). Die Arten, die hier aussterben, werden auf alle Ewigkeit verloren sein, es gibt keinen Weg zurück, um diese Arten wieder ins Leben zu rufen. Weiterhin sehen wir, dass die heutige Form des Kapitalismus zwar insgesamt ein gewisses Wachstum des Wohlstandes in der Gesamt-Weltbevölkerung hervorbringt, gleichzeitig aber die Schere zwischen extremem Reichtum und Armut immer weiter und weiter aufgeht. Diese Ungleichheit hat zur Folge, dass Demokratien schwach, machtlos werden und letzten Endes korrumpierbar werden. Die gewählten Vertreter der demokratischen Staaten wagen es nicht mehr, notwendige Entscheidungen zum Wohl der Bürger herbeizuführen, weil u.a. Konzerne dies zu verhindern wissen. Der Zusammenhang mit den Mechanismen des Klimawandels ist hier viel subtiler, aber wenn man sich vor Augen führt, das die der größte Teil der Einnahmen von Internetkonzernen wie G—- aus Konsum-Werbung entsteht, erkennen wir: diese Art der Wirtschaft lebt davon, dass Konsum immer weiter gesteigert wird – jenseits dessen, was benötigt wird und wirklich glücklich macht.
Es macht in jedem Fall Sinn, unseren gegenwärtigen Lebenswandel zu korrigieren. Wenn wir das tun, dann werden wir mit höchster Wahrscheinlichkeit nicht nur die Klimadynamik bremsen, sondern auch unwiederbringliche Arten erhalten, die Gesundheit durch biologische Landwirtschaft stärken, die Lebensfreundlichkeit von Städten und Landschaft durch andere Verkehrskonzepte verbessern und mehr Gleichheit und Fairness in der Weltwirtschaft erreichen. Das, was wir tun müssen, um den Klimawandel zu stoppen, hat also viele positive Auswirkungen darüber hinaus. Es geht nicht nur um die Vermeidung von etwas, was wir nicht wollen – nämlich den Klimawandel – sondern auch darum, etwas zu gewinnen: Wir können Lebensqualität gewinnen für uns und unsere Nachkommen. Dafür lohnt es sich einzustehen, auch wenn der Klimawandel nicht käme (was nicht der Fall sein kann, weil er schon da ist)