Begehen Ausländer mehr Straftaten als Deutsche?
Medienwissenschaftler haben die Pressemitteilungen der AfD analysiert und sind zu dem Schluss gekommen: Die „AfD verzerrt Bilanz zu Straftaten systematisch„ (Die Zeit, 4.8.2019).
Dennoch bleibt die Frage: Begehen Ausländer mehr Straftaten als Deutsche? Auf den ersten Blick heißt die Antwort: Ja, der Anteil Tatverdächtiger liegt über dem Anteil gemeldeter Ausländer. Hier der Lagebericht des Bundeskriminalamts:
Wenn man wirklich verstehen möchte, welche Faktoren das Risiko, straffällig zu werden, beeinflussen und wie dieses Risiko mit der Herkunft und dem Aufenthaltsstatus zusammenhängt, hilft der folgende Beitrag von Ilka Sommer auf der Webseite der Bundeszentrale für politische Bildung weiter, der nachstehend in voller Länge zitiert wird. Der Beitrag ist bereits 2012 erschienen – vielleicht haben sich die Daten geändert – die Methoden zur Beurteilung der Statistiken sind weiterhin gültig.
„Amtliche Daten zur „Ausländerkriminalität“ können nicht mit der tatsächlichen Kriminalitätsentwicklung gleichgesetzt werden. Bei der Interpretation von Daten zur Straffälligkeit von Deutschen und Nichtdeutschen müssen zahlreiche Aspekte beachtet und differenziert werden: Wer gilt als Ausländer, wie wird Kriminalität polizeilich erfasst, und begehen Ausländer andere Straftaten als Deutsche?“
„Ausländerkriminalität“ – statistische Daten und soziale Wirklichkeit (Ilka Sommer, Bundeszentrale für politische Bildung): Die Autorin erklärt, warum die Kriminalstatistik Ausländer/innen und Deutsche nicht fair vergleicht. Ausländer/innen werden häufiger angezeigt, manche Delikte können nur sie begehen (etwa Verstöße gegen das Aufenthaltsrecht), und unter ihnen sind mehr junge Männer und mehr Menschen in schwieriger sozialer Lage – beides erhöht das Risiko, straffällig zu werden, bei allen Menschen. Zum ganzen Artikel
Das Fazit: Wenn man Alter, Geschlecht und die soziale Lage als Determinanten des Straffälligkeitsrisikos mit einbezieht und ausländerrechtliche Delikte (z.B. unerlaubter Grenzübertritt) ausschließt, werden Ausländer nicht häufiger (vermutlich sogar seltener) straffällig, als Deutsche.
Kriminalität: Was die neuen Zahlen und Studien sagen
Die neuen Zahlen der Polizei und eine große Studie des ifo Instituts zeigen ein differenziertes Bild.
- 2025 registrierte die Polizei in Deutschland rund 5,5 Millionen Straftaten – 5,6 Prozent weniger als im Vorjahr. Die Zahl der tatverdächtigen Zuwanderer/innen sank um 7,2 Prozent. (Bundesregierung)
- Bei der Gewaltkriminalität sind nichtdeutsche Tatverdächtige mit 42,9 Prozent weiterhin deutlich überrepräsentiert. Das ist eine Tatsache, die man nicht kleinreden sollte. (Bundesregierung)
- Das ifo Institut hat die Kriminalstatistik nach Landkreisen untersucht. Ergebnis: Ausländer/innen leben häufiger in Ballungsräumen, in denen auch Einheimische öfter Straftaten begehen. Nach Berücksichtigung solcher Faktoren hängt der Ausländeranteil einer Region nicht mit der Kriminalitätsrate zusammen. (ZDFheute)
- Kriminologen wie Tobias Singelnstein betonen außerdem: Junge Männer sind in praktisch allen Gesellschaften am stärksten belastet – und unter Geflüchteten sind junge Männer stark vertreten. (ZDFheute)
Was heißt das für uns? Gute Integration, Arbeit, Sprachkurse und Perspektiven sind die beste Vorbeugung – für Zugewanderte genauso wie für Einheimische.
Der Wohnort-Effekt: Was die ifo-Studie zur Kriminalität zeigt
Das ifo Institut (Jean-Victor Alipour, Joop Adema) hat 2025 die Polizeiliche Kriminalstatistik für die Jahre 2018 bis 2023 nach Landkreisen ausgewertet. Ausländer/innen sind in der Statistik überrepräsentiert. Der Hauptgrund laut Studie: Sie leben häufiger in Ballungsräumen mit hoher Kriminalitätsdichte – dort begehen auch Einheimische öfter Straftaten.
Alter und Geschlecht spielen in dieser Auswertung nur eine untergeordnete Rolle für regionale Unterschiede. Kriminologen wie Tobias Singelnstein betonen dagegen, dass junge Männer überall am stärksten belastet sind. Beide Sichtweisen zeigen: Die Staatsangehörigkeit allein erklärt wenig. Die Studie ist nicht unumstritten; Kritiker/innen bemängeln etwa die Wahl der Kontrollgrößen.
Quellen: ZDFheute