Kleiderindustrie
Greta Thunberg hat zu dem Thema eigentlich alles in einem Satz gesagt, was man 2021 dazu sagen muss (Twitter, 8.6.21):
„The fashion industry is a huge contributor to the climate-and ecological emergency, not to mention its impact on the countless workers and communities who are being exploited around the world in order for some to enjoy fast fashion that many treat as disposables.
Many are making it look as if the fashion industry are starting to take responsibility, by spending fantasy amounts on campaigns where they portray themselves as ”sustainable”, ”ethical”, ”green”, ”climate neutral” and ”fair”. But let’s be clear: This is almost never anything but pure green washing. You cannot mass produce fashion or consume ”sustainably” as the world is shaped today. That is one of the many reasons why we will need a system change.“ Greta Thunberg
Hier meine (unautorisierte) Übersetzung: Die Modeindustrie trägt maßgeblich zum Notstand des Klimas und der Ökosysteme bei – nicht zu vergessen die Auswirkungen auf zahllose Arbeiter:innen und Communities, die rund um den Globus ausgebeutet werden, um sich an einer schnelllebigen Mode zu erfreuen, die viele als Wegwerfware betrachten. Viele Unternehmen bemühen sich, das Ganze so aussehen zu lassen, als ob die Modeindustrie begonnen hätte, Verantwortung zu übernehmen, wobei fantastische Summen an Geld ausgegeben werden, um Kampagnen zu starten, in denen sich diese Unternehmen als „nachhaltig“, „ethisch“ oder „grün“ darstellen. Aber lasst uns eines klarstellen: Es ist fast immer nichts als Greenwashing. So, wie die Welt heute aussieht, kann man Mode gar nicht „nachhaltig“ als Massenware produzieren oder konsumieren. Das ist einer der vielen Gründe, warum wir einen Systemwechsel brauchen. (JA!)
„Wegwerfware Kleidung: Repräsentative Greenpeace-Umfrage zu Kaufverhalten, Tragedauer und der Entsorgung von Mode„: Im Durchschnitt besitzt jede erwachsene Person (18–69 Jahre) in Deutschland 95 Kleidungsstücke (ohne Unterwäsche und Socken). Das sind etwa 5,2 Milliarden Kleidungsstücke in Deutschland. Der Großteil der Kleidung besteht aus kurz- sowie langärmligen Oberteilen. … Jedes fünfte Kleidungsstück (19 Prozent) wird so gut wie nie getragen. Das summiert sich auf 1 Milliarde Kleidungsstücke, die ungenutzt im Schrank liegen … und eine weitere Milliarde Kleidungsstücke wird seltener als alle 3 Monate getragen. Konsumkollaps durch Fast Fashion – weitere Greenpeace-Analyse – macht deutlich: Fast Fashion nimmt zu. Das Gegenteil von Nachhaltigkeit bestimmt unseren Alltag. Was ist der Preis dafür?
Der grüne Knopf
„Der grüne Knopf“ ist sicherlich ein erster Erfolg. Der Staat übernimmt als Siegelträger die Gewähr für die Einhaltung von Mindeststandards durch die Unternehmen und für die Textilien, für die er dies beglaubigt. Die Kriterien sind systematisch zusammengestellt und beziehen sich nicht nur auf einzelne Produkte, sondern auf das Unternehmen als Ganzes.
Hier bekommst Du die komplette Liste für die produktbezogenen Kriterien und hier die für die unternehmerischen Sorgfaltspflichten für Menschenrechte und Umwelt in der Lieferkette.
Der grüne Knopf ist jedoch noch nicht fest angenäht. Es handelt sich nämlich um eine FREIWILLIGE Maßnahme, der sich Unternehmen anschließen KÖNNEN. Wenn Du aber die Kriterien anschaust, die dem Siegel „grüner Kopf“ zugrunde liegen und wenn Du Dir dann vorstellst, dass man diese Kriterien nach deutschem Recht weiterhin ohne weiteres verletzen DARF – obwohl man das verhindern könnte – dann stellt sich doch die Frage: WARUM IST DAS KEIN GESETZ?
Der zweite lose Faden ist, dass die Einführung wieder schön langsam und schrittweise vonstatten geht. “ Der Grüne Knopf umfasst zu Beginn noch nicht die gesamte Lieferkette. Zum Start prüft das Siegel die Produktionsstufen „Zuschneiden und Nähen“ sowie „Bleichen und Färben“. Die sozialen und ökologischen Herausforderungen sind hier besonders groß. Weben und Spinnen sind bis heute nicht verpflichtend abgedeckt. Seit dem Standard 2.0 gibt es nur freiwillige Anforderungen an die Fasern (Stand Dezember 2025). (Quelle)
(Quelle: https://www.bundesregierung.de/breg-de/service/archiv-bundesregierung/gruener-knopf-1665188)
Der Grüne Knopf: Was er prüft und was nicht
Der Grüne Knopf ist ein staatliches Siegel. Siegelgeber ist das Entwicklungsministerium, geprüft wird von akkreditierten Stellen. Er prüft das Unternehmen und das Produkt. Beim Produkt sind aber nur zwei Schritte Pflicht: Zuschneiden und Nähen sowie Bleichen und Färben.
Mit dem Standard 2.0 kamen nur freiwillige Anforderungen an Fasern dazu. Die Garn- und Stoffherstellung ist weiterhin nicht verpflichtend abgedeckt. Seit 2019 wurden über 450 Millionen Produkte mit dem Siegel verkauft.
Quellen: Grüner Knopf 2.0 · TextilWirtschaft, 21.09.2025
Der Grüne Knopf nach sechs Jahren
Seit 2019 wurden über 450 Millionen Produkte mit dem Grünen Knopf verkauft. Pflicht sind beim Produkt aber weiterhin nur Nähen und Zuschneiden sowie Bleichen und Färben. Weben, Spinnen und Baumwollanbau sind nicht verpflichtend geprüft.
Quellen: Grüner Knopf 2.0 · TextilWirtschaft, 21.09.2025
Weitere Organisationen, die sich für faire Textilien einsetzen
Website Fair Wear Foundation / Wikipedia-Artikel zur FWF
Website Der Textildialog (früher Bündnis für nachhaltige Textilien) / Wiki-Artikel dazu
Die vegan-fair-fashion Bloggerin Justine Siegler und Alex Niederhofer haben das nachhaltige Label Too Cool For Cruel gegründet und geben in Ihrem Blog viele Tipps für vegan-fair-fashion. Definitiv fair & bio 🙂
Noch ein Tipp zum Thema: Second Hand kaufen – z.B. bei Vinted (früher Kleiderkreisel). Bei einer Kleidertauschparty bringt jeder mit, was er nicht mehr braucht – was übrig ist, geht in den Second Hand Shop oder zu FairWertung.
Fast Fashion: Neue EU-Regeln gegen Billigkleidung
Wir kaufen so viel Kleidung wie nie. Die EU reagiert mit mehreren Gesetzen.
- 2022 kaufte jede Person in der EU im Schnitt 19 kg Kleidung, Schuhe und Heimtextilien. 2019 waren es noch 17 kg. (Europäische Umweltagentur, 26.03.2025)
- Hersteller müssen künftig für die Entsorgung ihrer Textilien zahlen. Die Staaten sollen dabei Fast und Ultra-Fast Fashion stärker belasten können. (Europäisches Parlament, 09.09.2025)
- Seit 01.07.2026 erhebt die EU 3 Euro Zoll pro Warenart auf kleine Pakete unter 150 Euro. Das trifft vor allem Billigplattformen; 91 % dieser Pakete kommen aus China. (Rat der EU, 11.02.2026)
Zwölf Jahre nach Rana Plaza
2013 stürzte in Bangladesch die Textilfabrik Rana Plaza ein. Danach entstand ein verbindliches Abkommen für sichere Fabriken.
- Beim Einsturz starben mehr als 1.130 Näher/innen. Die Gerichtsverfahren kommen kaum voran. (Business & Human Rights Resource Centre, 29.04.2)
- Den International Accord haben inzwischen 300 Marken unterschrieben. Er ist rechtlich bindend und gilt für über 2.000 Fabriken in Bangladesch und Pakistan. (International Accord, 09.09.2026)
Textilmüll in Europa
In der EU fallen jedes Jahr 12,6 Millionen Tonnen Textilabfall an. 85 % der Textilien aus Haushalten wurden nicht getrennt gesammelt. Textilien liegen bei den Umwelt- und Klimabelastungen unseres Konsums auf Platz fünf.
Deshalb gilt seit Oktober 2025 eine geänderte Abfallrichtlinie. Sie verpflichtet Hersteller, für Sammlung und Recycling zu zahlen.
Quellen: Europäische Umweltagentur, 26.03.2025 · EU-Kommission
Rana Plaza: Was geblieben ist
Beim Einsturz der Fabrik Rana Plaza 2013 starben mehr als 1.130 Näher/innen. Danach entstand ein verbindliches Abkommen zwischen Marken und Gewerkschaften. Es wurde 2023 verlängert und gilt auch für Pakistan.
Doch zwölf Jahre später stocken die Prozesse gegen die Verantwortlichen. Gefährliche Fabriken arbeiten trotz wiederholter Verstöße weiter. Das zeigt: Abkommen helfen, ersetzen aber keine starke Aufsicht.
Quellen: Business & Human Rights Resource Centre, 29.04.2 · International Accord, 09.09.2026
Billigpakete aus Fernost: 3 Euro Zoll
Bisher waren Pakete unter 150 Euro zollfrei. Davon profitierten vor allem Billigplattformen; 91 % dieser Pakete kommen aus China. Seit 01.07.2026 erhebt die EU 3 Euro je Warenart im Paket.
Ein Beispiel der EU: Eine Seidenbluse und zwei Wollblusen kosten 6 Euro Zoll, weil es zwei Warenarten sind. Die Regel gilt zunächst bis 2028.
Quellen: Rat der EU, 11.02.2026 · Rat der EU, 12.12.2025






