Wo bleibt die Freude, wenn wir uns in manchen Dingen einschränken?
Wenn Du die Vorschläge, Ideen und Empfehlungen auf dieser Webseite liest, dann wirst du vielleicht zuerst denken: Oje, da habe ich überhaupt nichts mehr, woran ich mich freuen kann. Das vermiest mir ja alles! Was „darf“ ich denn überhaupt noch? Woran kann ich mich denn dann noch freuen?
Es ist doch toll, wenn ich mir etwas neues kaufen kann, oder eine weite Reise unternehme, oder ein schickes Auto fahre!
Solange wir unsere Freude vor allem im Konsum suchen, wird es tatsächlich schwierig werden, unseren ökologischen Fußabdruck zu verkleinern. Denn die Zeiten quantitativen Wirtschaftswachstums sind vorbei. Die große Herausforderung liegt darin für jeden einzelnen von uns darin, dass wir uns fragen: Was sind Quellen der Freude in meinem Leben, für die ich nichts konsumieren muss?
Natürlich kann man sagen: Es gibt die Freude, in der Natur zu sein oder mit Freunden zusammen zu sein. Man kann auch sagen, dass es gut ist, wenn wir lernen, uns auch an den kleinen Dingen wieder mehr zu freuen – usw. Aber entdecken kann das jeder nur für sich selbst. Man kann das nicht von außen vorgeben.
Wozu konsumieren wir eigentlich all die vielen Dinge, die wir nicht wirklich brauchen? Ich glaube, es ist nicht nur der Reiz des Neuen (das auch), sondern vor allem das Bedürfnis, dazuzugehören. Der soziale Status scheint schließlich stark durch den Konsum definiert zu werden (zumindest will uns das die Werbung glauben machen). Nur – wenn ich mich genauer frage, was ich eigentlich von meinem sozialen Status habe – nämlich die gesuchte Anerkennung von anderen Menschen – dann bekomme ich die wahrscheinlich viel eher, wenn ich in mich mit meinen Freunden, in der Familie, mit Kollegen ein positives und tiefgehendes, vom Verstehen geprägtes miteinander finde, als wenn ich mit einem dicken SUV durch die Gegend fahre.
Am schwersten wird es wahrscheinlich sein, auf Urlaube in Ländern zu verzichten, die ich nur mit dem Flugzeug erreichen kann. (Fern)reisen sind etwas, das eine Qualität hat, die nicht so leicht zu ersetzen ist. Darauf werden wir nur verzichten, wenn wir zutiefst überzeugt sind, dass wir dem Planeten nicht noch mehr CO2 antun können. Umso wichtiger ist es, die Natur in unserer unmittelbaren Umgebung so zu erhalten, dass wir eben nicht einmal quer durch die Welt fliegen müssen, um wieder unberührte Natur zu finden.
Meist sind wir in Gedanken – und damit entweder in der erinnerten Vergangenheit oder in der phantasierten Zukunft. Von der unmittelbaren Gegenwart bekommen wir nicht viel mit. Und wenn, dann beurteilen wir sofort, teilen die Wirklichkeit in gut und schlecht ein und suchen danach, wie wir uns durch äußere Reize und Dinge etwas besser fühlen können. Wenn wir Achtsamkeit üben und das zu einer Grundhaltung entwickeln, werden wir mehr Freude im unmittelbaren Leben, im Hier und Jetzt erfahren, weil wir wieder viel mehr wahrnehmen, weil wir uns spüren, weil wir das Leben selbst wieder lebendig erfahren. Meditation, in all ihren verschiedenen Formen, kann dabei eine Hilfe sein. Wichtig ist zunächst, dass wir es uns erlauben, jeden Tag eine ablenkungsfreie Zeit zu verbringen, in der wir einfach das wahrnehmen ,was gerade ist. Das fällt am Anfang schwer, aber mit der Zeit wird es immer leichter und zu einer Quelle der Zufriedenheit.
Was macht das Leben lebenswert, wenn es nicht (mehr) der Konsum ist?
Was macht das Leben dann eigentlich noch lebenswert, wenn ich – statt verschwenderisch – nur noch nachhaltig konsumiere, Flugreisen auf das Notwendigste beschränken und Energie einspare, wo es möglich ist? Wenn ich mir genau überlege, ob und was ich kaufe? Wenn ich auf die wundersame Vermehrung von Geldanlagen verzichte? Wenn ich auf Bequemlichkeit verzichte und im Winter keine Erdbeeren mehr kaufe?
Yoga, Zen, Mediation
Gemeinsame künstlerische Aktivitäten
Singen, Tanzen, Spielen
Zusammensein mit Kindern
Die Natur wieder in unseren Lebensraum zurückholen
Zusammensein mit alten Menschen – gegen die Einsamkeit
Öko-cool
Nein, man muss nicht von 100m Entfernung sehen, dass Du voll ökologisch drauf bist. Nix gegen Birkenstock und selbstgestrickte Wollpullover (alles prima), aber Öko ist auch bunt – und High-tech verträglich. Du kannst coole Klamotten haben und stylisch drauf sein, ohne dabei einen ökologischen Fußabdruck wie ein Elefant zu hinterlassen. Und High-tech steckt auch in den Sensoren meines E-Bike-Motors, in meiner Photovoltaik-Anlage usw.
Glück ohne Konsum: Was die Forschung zeigt
Die Frage nach der Freude jenseits des Konsums ist gut erforscht. Die Ergebnisse stützen die Erfahrung, dass weniger Haben nicht weniger Glück bedeuten muss.
- Eine große Auswertung von 259 Stichproben zeigt: Je wichtiger Menschen Geld, Besitz und Status nehmen, desto geringer ist im Schnitt ihr Wohlbefinden. Der Zusammenhang ist deutlich, aber nicht riesig. Eine Erklärung: Materielle Ziele lassen wenig Raum für Grundbedürfnisse wie Nähe, Selbstbestimmung und das Gefühl, etwas zu können. (Dittmar, Bond, Hurst, Kasser)
- Glück und Umweltschutz schließen sich nicht aus: Junge und erwachsene Menschen, die zufriedener waren, verhielten sich auch umweltfreundlicher. Verbindend wirkten innere Werte (Beziehungen, Wachstum, Gemeinschaft) und Achtsamkeit. (Brown & Kasser)
- Erlebnisse machen viele Menschen auf Dauer glücklicher als Dinge. Sie lassen sich teilen und erinnern, und sie werden Teil dessen, wer wir sind. (Van Boven & Gilovich)