Agrartreibstoffe

Agrartreibstoffe

Agrartreibstoffe versprechen eine neue, klimafreundliche, auf nachwachsenden Rohstoffen basierende Alternative zu fossiler Energie. Zugleich bieten Investitionen in diesem Bereich profitable und scheinbar sichere Kapitalanlagen. Schätzungen
zufolge haben sich europäische Firmen für den Anbau von Agrartreibstoffen heute bereits über fünf Millionen Hektar Land im Globalen Süden gesichert – mehr als die Fläche Niedersachsens. In jüngerer Zeit äußern sich vermehrt Kritiker: Der Agrartreibstoff-Boom seit den 2000er Jahren hat zu einer weiteren Ausbreitung der industriellen Landwirtschaft geführt und ist Ursache für Entwaldung, Zerstörung
von Artenvielfalt und die teilweise Verdrängung von Nahrungsmittelanbau und kleinbäuerlicher Landwirtschaft.
Zudem zeigen Studien, dass Agrartreibstoffe klimaschädlicher sind als gedacht. Erstens braucht auch die Produktion von Agrartreibstoffen Inputs wie Dünger und Agrochemie, die unter hohem Energieeinsatz erzeugt werden. Wird dies berücksichtigt, ist die Klimabilanz häufig negativ. Zweitens werden beispielsweise Wälder oder Savannen in Anbauflächen für Energiepflanzen umgewandelt. Dies geht mit der Freisetzung gewaltiger Mengen an Kohlenstoff einher. Der Gallagher-Report errechnet in einem Szenario aus dem Jahr 2008, dass angesichts der Förderpolitiken für Agrartreibstoffe der EU und den USA der Anbau von Agrartreibstoffen bis 2020 etwa 500 Millionen Hektar zusätzliches Land benötigt. Das entspricht einem Drittel der aktuell verfügbaren Ackerflächen. So entstehen vor allem in Afrika, Indien, Brasilien, Malaysia und Indonesien täglich neue Plantagen, um mit Soja, Raps, Ölpalmen, Sonnenblumen, Jatropha, Mais, Weizen und Zucker nicht leere Mägen, sondern Tanks zu füllen. Die Forschung an weniger schädlichen und flächenintensiven Agrartreibstoffen steckt noch in den Kinderschuhen und bietet bislang keine realen Alternativen. Wahrscheinlich ist, dass trotz Einsparpotenzialen die negativen Folgen angesichts des anhaltenden Booms weiter zunehmen.

Die Grafik ist hier nicht mehr abgebildet (Bildrechte), sie steht bei der Quelle. Quelle: https://aufkostenanderer.org/portfolio/ernaehrung-und-landwirtschaft/