Wie super sind Supermärkte?

Wie super sind Supermärkte?

Seit Anfang der 1990er-Jahre verschieben sich die Machtverhältnisse im Lebensmittelsystem zunehmend zum Vorteil des Lebensmitteleinzelhandels. Supermärkte nehmen als ›Türsteher‹ zwischen Erzeugerinnen und Konsument
innen eine bedeutende Rolle ein. Entsprechend steigt die Markt- und Machtkonzentration in vielen Ländern.
In Deutschland kontrollieren die fünf führenden Supermarktketten Edeka, Rewe, Aldi, Lidl und Metro rund 90 % des Marktes,69 in Österreich dominieren Rewe, Spar
und Hofer 87 %.70 Diese Zahlen sind mit einer zentralen Entwicklung verbunden: Die Nahrungsmittelmärkte in Ländern des Globalen Nordens sind gesättigt. Daraus folgt ein harter Verdrängungswettbewerb um Marktanteile.
Durch folgende Strategien wollen Supermärkte als Gewinner aus dem Wettbewerb hervorgehen: Erstens bringen sie immer mehr und neue Waren auf den Markt.
Schätzungen zufolge bietet die Lebensmittelbranche allein in Großbritannien jedes Jahr 12.000 neue Produkte an. Zugleich lädt sie Produkte mit ›neuen‹ Bedeutungen auf, die von ›bäuerlicher Idylle‹ über ›Gesundheit‹ bis ›Wohlbefinden‹ reichen. Über Labels wird auch beansprucht, besonders ›faire‹, ›CO2-neutrale‹ oder ›ökologische‹ Produkte zu verkaufen.
Zweitens herrscht der Kampf um die geringsten Preise. Supermärkte können aufgrund ihrer Marktmacht die Preise bestimmen und drücken, auf Kosten von Arbeiterinnen, Bäuerinnen und unserer Umwelt. Ebenso definieren Supermärkte Qualität und Art der Ware. Ein Beispiel dafür sind Eigenmarken: Anstatt von den Marken anderer Akteur*innen abhängig zu sein, erscheint in den Regalen die scheinbar gleiche – eigene – Ware: Supermärkte machen Zulieferer dadurch auswechselbar und stellen sie in Konkurrenz zueinander. Dadurch setzen sie für sich günstige Konditionen durch. Zudem können sie in die Produktion eingreifen. Drittens erschließt die Lebensmittelbranche neue Märkte. Die Liberalisierung
von Handel und Investitionen sowie die Deregulierung der Agrarmärkte machen’s möglich. Investitionen im Ausland und Übernahmen von kleineren, lokalen Supermarktketten dienen oft als Türöffner. Denn lokale Ketten haben bereits Fuß gefasst und kennen sich mit Konsumgewohnheiten im jeweiligen Land aus. Lokale Händler und Erzeugerinnen sind oft die Leidtragenden des Verdrängungswettbewerbs. Wachsende Konkurrenz und Preisdruck am Weltmarkt führen auch dazu, dass sie bei Liefer-, Preis- und Qualitätsstandards nicht mithalten können. Neue Arbeitsplätze wiegen dies nur bedingt auf. So ziehen die großen Supermarktketten Wertschöpfung aus der Region ab und zerstören die Lebensgrundlage zahlreicher Menschen. Supermärkte beeinflussen heute maßgeblich das Ernährungssystem. Sie ermöglichen und verstärken die imperiale Ernährungsweise. Konsumentinnen haben erst bei den Regalen die Wahl – zu einem Zeitpunkt, an dem wesentliche Entscheidungen bereits getroffen sind.