Die erste Frage: Wie kann man die Ursachen von Flucht und Verzweiflungsmigration bekämpfen?

Die erste Frage: Wie kann man die Ursachen von Flucht und Verzweiflungsmigration bekämpfen?

Wir können schon einmal damit aufhören, durch ausbeuterische Wirtschaftsstrukturen und Verschwendungskonsum die Lebensgrundlagen der Menschen in ärmeren Ländern zu beschneiden. Dazu gehört eine neue Entwicklungszusammenarbeit, die nicht mehr nur der eigenen Wirtschaft nützt, sondern auf das Wohlergehen der Menschen vor Ort gerichtet ist und ökonomische Subsysteme in ihrer Autonomie und Resilienz stärkt.

Das funktioniert, indem man die lokale Wirtschaft stärkt, durch

  • eine Landwirtschaft, die als allererstes der Ernährung der eigenen Bevölkerung dient, anstatt einseitig auf Exportwirtschaft zu setzen,
  • Zulassen von Schutzzöllen gegen (u.a. chinesische) Billigimporte und durch politische Maßnahmen gegen Landgrabbing, ausbeuterische Konzessionen (vgl. Rohstoffe...) usw.,
  • Investitionen in Bildung und in ein effizientes Gesundheitssystem (hier kann Entwicklungshilfe ansetzen)

Hier ist es unsere persönliche Aufgabe, 1. durch die Art unseres Konsumierens einen Beitrag zu leisten und 2. beständigen Druck auf die Politik auszuüben, schlechte Strukturen zu ändern und geeignete Prozesse der Entwicklungsunterstützung in Gang zu setzen. Dazu natürlich gehört auch, damit aufzuhören, mit Despoten zu paktieren, Rüstungsgüter in Konfliktregionen zu exportieren und die Regionen einseitig auf Exportwirtschaft zu trimmen.

Die Schuldenfalle: mehr Geld für Zinsen als für Schulen

Viele arme Länder zahlen hohe Zinsen auf ihre Staatsschulden – oft weit höhere als reiche Länder. Laut UNCTAD erreichten die Zinszahlungen der Entwicklungsländer 2025 fast eine Billion US-Dollar. 51 Entwicklungsländer geben mehr für Zinsen aus als für Bildung oder Gesundheit. 3,7 Milliarden Menschen leben in solchen Ländern – 1,2 Milliarden mehr als 2010.

In Afrika ist der Anstieg besonders steil: 2010 lebten 24 Prozent der Bevölkerung in solchen Ländern, 2023 schon 65 Prozent. Würden Entwicklungsländer so niedrige Zinsen zahlen wie reiche Länder, sparten sie laut UNCTAD rund 500 Milliarden Dollar im Jahr. Das ist mehr als doppelt so viel wie die gesamte Entwicklungshilfe 2025.

Quellen: UNCTAD · UNCTAD