Wenn G—- den Browser-Krieg gewinnt, wird das Netz zur Monokultur
Quelle: SZ vom 8.7.2019
2009 ließen G—- Entwickler beim Aufruf von Youtube-Seite im Internet Explorer 6 (ohne sich zuvor mit der Geschäftsführung abgestimmt zu haben) eine Warnung erscheinen, dass der Export für diesen Browser demnächst eingestellt würde (was so nicht stimmte). Der Marktanteil des Browsers brach daraufhin um die Hälfte ein. Heute dominiert G—–s Browser Chrome mit rund 67 Prozent Marktanteil am Desktop und knapp 69 Prozent über alle Geräte (Oktober 2026) (Quelle).
Der SZ-Autor Simon Hurtz verwendet für die Marktmacht von G—– folgenden Vergleich:
„Alle Menschen brauchen Brillen, um sehen zu können. Ein Großteil vertraut auf kostenlose Produkte eines einzelnen Unternehmens. Es verdient Geld, indem es Brillenträgern am Rande ihres Sichtfelds Werbung anzeigt. Gleichzeitig kontrolliert der Brillenhersteller das gesamte Verkehrssystem. Er bestimmt, wie die Menschen die Welt sehen und welche Orte sie besuchen.“
Derweil werfen führende Manager von Mozilla G—- vor, dass es den Firefox-Browser gezielt sabotiert (was G—- natürlich zurückweist). Zumindest sorgt G—– dafür, dass auf fremden Browsern immer wieder Hinweise auftauchen, doch lieber Chrome zu benutzen.
Im Interview mit der SZ sagt Mozilla-Geschäftsführer Mark Surman „Gxxglx bedroht das freie Netz, Facebook bedroht die Demokratie“ (SZ vom 18. April 2019)
G—-s Technologie ist für die Entwickler inzwischen der Standard, an dem sie sich orientieren. Ganz nebenbei hat Chrome inzwischen die Funktion von Werbeblockern eingeschränkt (neue Schnittstelle für Erweiterungen, „Manifest V3“). (Quelle) Eigentlich klar, wenn der größte Anzeigenverkäufer der Welt den größten Browser der Welt betreibt.
Die G—- Dienste werden mehr und mehr mit Chrome vernetzt – einloggen bei Gmail genügt, um sich auch bei Chrome angemeldet zu haben.
Auch Android – an sich als Open-Source-System konzipiert – ist inzwischen vollgeladen mit eng verknüpften Diensten von G—– (Gmail, Playstore usw.)
Man muss G—– noch nicht einmal böse Absichten unterstellen – aber das Unternehmen wird zu einer Machtzentrale, die ihre Macht jederzeit missbrauchen könnte und dann praktisch nicht mehr zu stoppen wäre. Mark Surman: „Gxxglx mag seine Macht nicht missbrauchen wollen, aber es gebraucht sie. Und sie sind so mächtig, dass bereits der Gebrauch dieser Macht missbräuchlich ist, unabhängig davon, was sie wollen.“
Wohin entwickelt sich G—–?
Bereits 2005 sagte der damalige Gxxglx-Chef Eric Schmidt: „Bekommen Sie mehr als eine Antwort, wenn Sie Gxxglx nutzen? Natürlich. Nun, das ist ein Fehler. Wir sollten wissen, was Sie meinten, und in der Lage sein, Ihnen nur eine exakt richtige Antwort zu geben.“ Fünf Jahre später gestand Schmidt ein, dass man nicht wisse, wie die Zukunft der Suche aussehe. „Aber eine Idee ist, dass wir Ihnen mehr und mehr Abfragen abnehmen, ohne dass Sie tippen müssen. Ich denke, dass die meisten Menschen nicht wollen, dass Gxxglx ihre Fragen beantwortet. Sie wollen, dass Gxxglx ihnen sagt, was sie als Nächstes tun sollen.“
In seinem eigenen Browser hat G—- inzwischen damit begonnen, unter dem Namen „Discover“ eigene Inhalte anzubieten – der Abschied von der leeren Seite mit dem Suchfeld (das in anderen Browsern noch so erscheint). D.h.: G—– baut seinen Einfluss auf unser Leben ständig weiter aus.
Noch ein Ausblick auf ein Thema, das wir demnächst bearbeiten werden: Mehr als die Hälfte der Menschen in riesigen Entwicklungs- und Schwellenländern wie Nigeria, Indien und Brasilien stimmt der Aussage zu, dass „Facebook das Internet ist“.
Was kann ich tun, wenn mir das freie Netz am Herzen liegt und mich die Macht der Tech-Giganten beunruhigt?
Nutzen Sie Alternativen, wann immer Sie können. Es gibt immer mehr Dienste und Produkte, bei denen Sie eine Wahl haben. Das Populäre ist nicht immer das Beste. Halten Sie Ausschau nach unabhängigen Entwicklern und Open-Source-Software, und geben Sie diesen Alternativen den Vorzug.
Nicht legitimierte globale Macht muss begrenzt werden. Wer nicht möchte, dass G—- im Netz allmächtig wird, kann folgendes tun, ohne Nachteile in Kauf nehmen zu müssen:
Erstens: andere Browser als Chrome nutzen: Opera, Brave, Vivaldi, Mozilla Firefox. Am unabhängigsten sind Mozilla Firefox (gemeinnützige Stiftung) und Vivaldi; Opera gehört seit 2016 einem chinesischen Konsortium. (Quelle)
Zweitens: Alternative Suchmaschinen verwenden:
Startpage (Datenschutz ++, top privacy, anonymes Öffnen) – zeigt anonymisierte Google-Ergebnisse, gehört seit 2019 mehrheitlich dem US-Unternehmen System1 (Quelle)
Microsoft Bing (naja)
ecosia (pflanzt Bäume) – baut mit Qwant einen eigenen europäischen Suchindex auf (Quelle)
https://metager.de/ – entwickelt an der Universität Hannover, heute vom gemeinnützigen Verein SUMA-EV betrieben (Quelle)
DuckDuckGo (Datenschutz +)
www.seekport.com (schnell & einfach)
„Die geschlossenen Ökosysteme sind bequem, aber niemand wird dort eingesperrt. Buchhandlungen sind kein Relikt aus dem vergangenen Jahrhundert und das Netz wimmelt von Online-Shops, die Amazon nahezu gleichwertig ersetzen. Jeder kann ein Blog schreiben statt Facebook zu füttern. Die meisten Freunde sind bei Whatsapp, aber vielleicht lassen sie sich überzeugen, zu Signal, Threema oder Wire umzuziehen. Chrome ist ein schneller und sicherer Browser – genau wie Firefox, hinter dem kein Milliardenkonzern, sondern die gemeinnützige Mozilla Foundation steckt. Die Alternativen sind da, wir müssen sie nur nutzen.“
Und noch etwas gibt zu denken: Die Infrastruktur des Internets wird von wenigen privaten Unternehmen beherrscht:
„Das dezentrale Netz ist heute eine Illusion. Im Internet liegt die Macht in den Händen weniger Infrastruktur-Anbieter. Dazu gehören Amazon und Microsoft, auf deren Servern AWS und Azure ein Großteil aller Webseiten liegt. Wer eine Domain wie sueddeutsche.de anmelden will, beauftragt Registrare wie Godaddy oder 1&1. DNS-Provider wie Gxxglx oder Cloudflare übersetzen die URLs in IP-Adressen und verbinden den Rechner des Nutzers mit dem Server des Anbieters. …“
Google vor Gericht: die Urteile 2024 bis 2026
Inzwischen haben Gerichte und Behörden das geprüft. Ergebnis: Ja, Google hat seine Macht missbraucht. Zerschlagen wird der Konzern aber nicht.
- Im August 2024 stellte ein US-Bundesrichter fest: Google hat ein Monopol bei der Internetsuche und hat es mit Verträgen illegal abgesichert. (Wikipedia)
- Im September 2025 folgten die Auflagen: Google muss Chrome und Android nicht verkaufen. Exklusivverträge für die Suche sind aber verboten, und Google muss Suchdaten mit Konkurrenten teilen. (Wikipedia)
- Das Verfahren ist nicht zu Ende: Google und das US-Justizministerium haben Berufung eingelegt. (Wikipedia)
- Auch im Werbegeschäft hat Google verloren. Im September 2026 lehnte eine Richterin aber eine Zerschlagung ab. Stattdessen überwacht ein Aufpasser Google sechs Jahre lang. (The Star)
- In der EU verhängte die Kommission im Juli 2026 zusammen 890 Millionen Euro, weil Google eigene Dienste in der Suche bevorzugt und App-Anbieter im Play Store behindert. (EU-Kommission)
Was heißt das für uns? Die Macht ist gerichtlich belegt. Ob die Auflagen reichen, ist offen – darum bleibt es wichtig, Alternativen zu nutzen.
Browser 2026: Chrome dominiert, Werbeblocker wurden eingeschränkt
Der Browser-Krieg ist weitgehend entschieden – und die Warnung vor eingeschränkten Werbeblockern ist eingetreten.
- Im Oktober 2026 lag Chrome weltweit am Desktop bei knapp 67 Prozent. Firefox kam nur noch auf 5,7 Prozent. (Statcounter)
- Über alle Geräte zusammen liegt Chrome bei fast 69 Prozent. (Statcounter)
- Mit dem neuen Erweiterungs-Standard „Manifest V3“ hat Chrome die Technik geändert, die Werbeblocker wie uBlock Origin nutzen. Ältere Erweiterungen werden deaktiviert. (Wikipedia)
- Gut zu wissen: Der Browser Opera gehört seit 2016 einem chinesischen Konsortium. Firefox (gemeinnützige Mozilla Foundation) bleibt die Alternative ohne Konzern dahinter. (Wikipedia)
Warum Google Chrome nicht verkaufen muss
Das US-Justizministerium wollte, dass Google seinen Browser Chrome verkauft. Richter Amit Mehta lehnte das im September 2025 ab. Er hielt Verhaltensregeln für ausreichend: Google darf keine Exklusivverträge mehr schließen, nach denen Geräte nur die Google-Suche vorinstallieren. Und Google muss bestimmte Suchdaten an Konkurrenten weitergeben.
Google darf Partner wie Apple aber weiter dafür bezahlen, dass die Google-Suche voreingestellt ist. Kritiker/innen halten das für zu wenig. Im Dezember 2025 ergänzte der Richter, dass Google auch Informationen zum Training seiner KI offenlegen muss. Beide Seiten haben Berufung eingelegt.