Was sich in den letzten Jahren getan hat:
- Kipppunkte: Die Forschung sieht mehrere Kippelemente schon bei 1,5 bis 2 °C in Gefahr, etwa die Eisschilde von Grönland und der Westantarktis. Für die Warmwasser-Korallenriffe gilt der Kipppunkt als wahrscheinlich bereits überschritten.
- Deutsche Klimapolitik: Nach dem Klimapaket von 2019 erklärte das Bundesverfassungsgericht am 24.03.2021 das damalige Klimaschutzgesetz für teilweise verfassungswidrig. Seither gilt: minus 65 % bis 2030, minus 88 % bis 2040, Netto-Treibhausgasneutralität bis 2045. Seit 2024 sind die Ziele für einzelne Sektoren nicht mehr verbindlich, gesteuert wird über die Gesamtmenge.
- CO2-Preis: Für Heizen und Tanken liegt er 2026 bei 55 bis 65 Euro je Tonne. Der Bundestag hat am 15.10.2026 beschlossen, diesen Korridor für 2027 beizubehalten. 2028 soll der europäische Emissionshandel für Gebäude und Verkehr (ETS 2) starten.
Quellen: Armstrong McKay u. a. 2022, Science · Global Tipping Points Report 2025 · Bundes-Klimaschutzgesetz § 3 · Umweltbundesamt: Treibhausgas-Emissionen in Deutschland · Deutscher Bundestag: BEHG-Änderung, 15.10.2026
Sieben von neun Belastungsgrenzen überschritten (Stand 2026)
Der Planetary Health Check 2026 zeigt ein anderes Bild. Mehr als 60 Forscher/innen haben ihn am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) erstellt. Ergebnis: Sieben der neun planetaren Grenzen sind überschritten. Als letzte kam 2025 die Versauerung der Meere dazu.
Überschritten sind: Klima, Artenvielfalt und Ökosysteme, Landnutzung, Süßwasser, die Kreisläufe von Stickstoff und Phosphor, neue Stoffe (zum Beispiel Chemikalien und Plastik) und die Meeresversauerung. Alle sieben sind so stark überschritten wie noch nie gemessen. Besser geworden sind in den letzten zehn Jahren nur die Ozonschicht und die Belastung der Luft mit Schwebteilchen (Aerosolen).
Quellen: Planetary Health Check 2026 finds mounting pressures across Earth’s … · Planetary Health Check 2026 (PIK), Pressemitteilung
Der erste Kipppunkt ist erreicht: Korallenriffe in der Hitze
Kipppunkte sind keine ferne Zukunft mehr. Die US-Wetterbehörde NOAA hat das vierte weltweite Korallenbleichen gemessen. Von Januar 2023 bis September 2025 traf bleichende Hitze rund 84 Prozent der Riffflächen der Welt. In mindestens 83 Ländern und Gebieten wurde Massenbleiche festgestellt.
Der Global Tipping Points Report 2025 sagt: Warme Korallenriffe überschreiten schon bei etwa 1,4 Grad ihre Hitzegrenze. Um die Riffe auf Dauer zu retten, reicht es nicht, bei 1,5 Grad zu bleiben. Die Erwärmung müsste wieder sinken, in Richtung 1 Grad.
Quellen: NOAA Coral Reef Watch: Fourth global coral bleaching event (Stand … · NOAA Coral Reef Watch: Fourth global coral bleaching event · Global Tipping Points Report 2025 (Universität Exeter u. a.)
Hitze macht krank: Was der Lancet Countdown 2025 misst
Punkt 5 der Scientists for Future warnt vor Gefahren für die Gesundheit. Der Lancet Countdown 2025 zeigt, wie weit das schon geht. Er verfolgt 20 wichtige Kennzahlen zu Klima und Gesundheit. 12 davon erreichten Rekordwerte.
2024 erlebte jeder Mensch im Schnitt 16 Tage mit gefährlicher Hitze, die es ohne Klimawandel nicht gegeben hätte. Babys und ältere Menschen erlebten über 20 Hitzewellen-Tage pro Kopf. Das ist viermal so viel wie vor 20 Jahren.
Auch das Essen wird knapper: Dürren und Hitzewellen trugen 2023 dazu bei, dass 124 Millionen Menschen mehr nicht sicher genug zu essen hatten.
Quellen: WHO: Climate inaction is claiming millions of lives every year, … · WHO zum Lancet Countdown 2025 · WHO zum Lancet Countdown 2025
Vertrieben vom Wetter: Was die Zahlen für 2024 zeigen
Die Beobachtungsstelle für Binnenvertreibung (IDMC) in Genf zählt jedes Jahr, wie oft Menschen innerhalb ihres Landes fliehen müssen. Gezählt werden Fluchtbewegungen, nicht einzelne Personen.
Für 2024 meldet sie viele Rekorde. In Südasien haben sich die Vertreibungen durch Katastrophen fast verdreifacht, auf 9,2 Millionen. Kasachstan erlebte die schlimmsten Überschwemmungen seit 80 Jahren. Im Tschad lösten Fluten mehr Vertreibungen aus als in den 15 Jahren davor zusammen.
Auch reiche Länder trifft es: Die USA meldeten mit 11 Millionen Fluchtbewegungen durch Katastrophen den höchsten Wert aller Länder. Das ist fast ein Viertel der weltweiten Zahl.
Quellen: IDMC: Global Report on Internal Displacement 2025 · IDMC: Global Report on Internal Displacement 2025
Der Meeresspiegel steigt immer schneller
Der alte Greenpeace-Text nennt 3,2 Millimeter pro Jahr. Die neuen Klima-Indikatoren von Forster und Kollegen/innen (2026) zeigen: Von 1901 bis 2025 stieg das Meer im Schnitt um 1,85 Millimeter pro Jahr. Von 2018 bis 2025 waren es 3,84 Millimeter pro Jahr. Das Tempo hat sich also etwa verdoppelt.
Der Global Tipping Points Report warnt zusätzlich: Teile der Eisschilde an den Polen könnten ihre Kipppunkte schon überschritten haben. Dann wären auf lange Sicht mehrere Meter Anstieg nicht mehr aufzuhalten.
Quellen: Forster u. a. (2026): Indicators of Global Climate Change 2025, … · Global Tipping Points Report 2025
Dürre in Europa 2026: Die Hitze trocknet die Böden aus
2026 traf die Dürre große Teile Europas. Forscher/innen von World Weather Attribution (WWA) aus 13 Ländern haben sie untersucht. Im Westen Europas ist eine solche Frühjahrsdürre der Böden heute etwa fünfmal so wahrscheinlich wie in einem 1,4 Grad kühleren Klima. Im Osten etwa elfmal.
Der Hauptgrund ist die Hitze. Warme Luft zieht mehr Wasser aus Boden und Pflanzen. Darum reicht heute schon weniger fehlender Regen für eine Dürre. Die Folgen: Frankreich hatte die kleinste Maisernte seit 50 Jahren. In Rumänien gingen über eine Million Hektar Mais verloren. Niedrige Flüsse behinderten den Gütertransport.
Quellen: World Weather Attribution: Increasingly hot Europe faces more severe … · World Weather Attribution (23.07.2026)