Klimaziele: Was „1,5 Grad überschreiten“ wirklich bedeutet

Was „1,5 Grad überschreiten“ wirklich bedeutet

Oft hört man: „Die 1,5 Grad sind schon gerissen.“ Das stimmt für einzelne Jahre, aber noch nicht für das Ziel selbst. Wichtig ist der Unterschied zwischen einem heißen Jahr und dem langjährigen Mittel. Und: Jedes Zehntelgrad zählt, auch über 1,5 Grad.

  • 2024 war das wärmste Jahr seit Beginn der Messungen. Es lag rund 1,55 Grad über dem vorindustriellen Wert. Damit war es wohl das erste Kalenderjahr über 1,5 Grad. (WMO)
  • Ein einzelnes Jahr über 1,5 Grad heißt noch nicht, dass das Pariser Ziel verfehlt ist. Das Ziel gilt für den Durchschnitt über viele Jahre. Die langfristige Erwärmung lag 2024 bei etwa 1,3 Grad. (WMO)
  • Doch die Warnzeichen mehren sich. 2023 bis 2025 lag erstmals ein Drei-Jahres-Mittel über 1,5 Grad. 2025 allein waren es 1,47 Grad. Beim heutigen Tempo wird die 1,5-Grad-Grenze im langjährigen Mittel bis Ende dieses Jahrzehnts erreicht. (Copernicus)
  • Das CO2-Budget für 1,5 Grad ist fast aufgebraucht. Anfang 2025 blieben noch etwa 130 Milliarden Tonnen CO2. Das reicht beim heutigen Ausstoß nur gut drei Jahre. Allein der Mensch hat die Erde bis 2024 um 1,36 Grad erwärmt. (University of Leeds)
  • „Überschreiten“ (Overshoot) heißt: Die Erde wird erst wärmer als 1,5 Grad und soll später wieder abkühlen. Das geht nur, wenn wir der Luft wieder CO2 entziehen. Einige Schäden bleiben trotzdem, zum Beispiel der höhere Meeresspiegel. (idw)
  • Der neue UN-Bericht vom Oktober 2026 sagt: Ein Überschreiten ist nicht mehr zu vermeiden. Im besten Fall steigt die Erwärmung um 2050 auf 1,7 bis 1,8 Grad. Dafür müssten die Emissionen bis 2030 um 18 % und bis 2035 um 45 % sinken, gemessen an 2025. (Climate Home News)
  • Um bis 2100 wieder auf 1,5 Grad zu kommen, müssten rund 320 Milliarden Tonnen CO2 aus der Luft geholt und dauerhaft gespeichert werden. Das sind etwa acht Jahre des heutigen weltweiten CO2-Ausstoßes. Ob das machbar ist, ist offen. (Climate Home News)
  • Mit der heutigen Politik steuert die Welt auf 2,8 Grad in diesem Jahrhundert zu. Werden alle Klimapläne umgesetzt, wären es 2,6 Grad. (Climate Home News)

Was heißt das für uns? 1,5 Grad ist keine Ziellinie, nach der alles egal ist. Jedes Zehntelgrad weniger erspart Hitze, Dürren und Meeresanstieg – und je später wir handeln, desto mehr CO2 müssen spätere Generationen mühsam wieder aus der Luft holen.

Warum jedes Zehntelgrad zählt

Am Global Tipping Points Report 2025 haben 160 Forscher/innen aus 23 Ländern mitgearbeitet. Ihre Botschaft: Über 1,5 Grad beginnt eine Gefahrenzone. Jedes Zehntelgrad und jedes Jahr über 1,5 Grad zählt, wenn wir weitere Kipppunkte verhindern wollen.

Um das Überschießen klein und kurz zu halten, müssten die Treibhausgase bis 2030 halbiert werden (gegenüber 2010) und bis 2050 auf netto null sinken. Danach müsste der Luft unterm Strich CO2 entzogen werden. Weil Kipppunkte die Lebensgrundlagen von Hunderten Millionen Menschen bedrohen, nennt der Bericht sie auch eine grundlegende Frage der Menschenrechte.

Quellen: Global Tipping Points Report 2025 · Global Tipping Points Report 2025 · Global Tipping Points Report 2025