Fakten zur Gewinnung und Ver(sch)wendung von Rohstoffen
Kobalt
Zusammenfassung
Lithium-Ionen-Akkus benötigen relativ große Mengen Kobalt. 50-60 % des weltweit abgebauten Kobalts stammt aus dem Kongo. (Heute sind es rund 75 Prozent.) Ein großer Teil des Abbaus im Kongo ist in den Händen weniger großer internationaler Unternehmen. Diese Unternehmen erhalten Konzessionen, die sie u.a. mit Zwangsumsiedlungen umsetzen, was bedeutet: den Menschen wird gegen eine Entschädigung zwangsweise ihr Land genommen, werden umgesiedelt – auch in Gegenden, in denen es sich kaum leben lässt.
Da nur sehr Wenige von dem großen Kobalt-Reichtum des Landes profitieren, versuchen die Menschen, Kobalt rund um ihre Hütten direkt aus der Erde zu holen. Dazu graben sie ungesicherte Gruben und Gänge. In diesen engen Gängen werden sehr häufig Kinder eingesetzt, um das Kobalt aus der Erde zu holen. Diese Kinder verdienen ein Minimum pro Tag und müssen bis zu 12 Stunden schuften. Die Gesundheitsfolgen sind dramatisch, da sich der giftige Kobalt-Staub in den Lungen festsetzt.
Auch wenn nur ein geringer Teil des kongolesischen Kobalts aus Kinderarbeit stammt (das meiste schaufeln die Konzerne), sind nach einer Schätzung bis zu 40.000 Jungen und Mädchen im Kongo betroffen.
Die Hersteller von Lithium-Akkus wissen um diese Missstände, haben daran bisher aber nur wenig geändert. Solange die Bevölkerung nicht wirklich am Kobalt-Reichtum des Landes teilhaben kann – in gesicherten und kontrollierten Minen, in denen Kinderarbeit untersagt ist – wird es keine wesentliche Änderung geben. Eine Veränderung durchzusetzen gelingt nur, wenn neue Verträge mit dem Kongo erreicht werden können und die großen internationalen Unternehmen das Land nicht weiter ausbeuten dürfen.
Video-Berichte
Coltan und Gold – der gleiche Wahnsinn!
Zum Thema Gold hier ein Bericht von Human Rights Watch: Eine glänzende Gelegenheit für den Goldsektor. Rechtskommission des Ständerates (der Schweiz) vor Entscheidung über verbindlichen Menschenrechtsschutz in Lieferketten
Quellen
Die Basis vieler Berichte sind Recherchen von Amnesty International:
DEMOKRATISCHE REPUBLIK KONGO: KINDERARBEIT FÜR MOBILTELEFONE UND ELEKTROAUTOS (2016): „Grosse Unternehmen der Elektronikbranche, darunter Apple, Samsung oder Sony, kontrollieren nicht, ob für ihre Produkte Kinder in Kobaltminen ausgebeutet werden.“ Dazu gibt es eine umfangreiche Studie: >This is what we die for< die Du hier downloaden kannst.
2018 hatte sich noch nichts geändert: KAUM FORTSCHRITTE BEIM KAMPF GEGEN KINDERARBEIT BEIM KOBALT-ABBAU . “ Ein neuer Amnesty-Bericht zeigt, dass Elektronik- und Autohersteller ihre menschenrechtlichen Sorgfaltspflichten bei der Kontrolle der Kobalt-Lieferketten weiterhin vernachlässigen. Regierungen müssen verbindliche Regeln für Konzerne festlegen, um Missstände zu beheben. Es mangelt noch immer an Transparenz und dem Willen, die Produktionswege und Herkunft der benötigten Rohstoffe zu überprüfen. “ Dazu gibt es auch einen neuen Bericht: „Time to Recharge“, den Du hier downloaden kannst.
Medienspiegel zum Kobalt
Die FAZ hat das Thema aufgegriffen: Kinderarbeit in Kongo : Von Siebenjährigen geschürft, im Smartphone verbaut.“ (2016) Ohne Sicherheitsausrüstung und allenfalls mit primitiven Werkzeugen müssten die Kinderarbeiter bis zu zwölf Stunden täglich in den Minen schuften. Der Lohn dafür: zwischen ein und zwei Dollar. Die Arbeit sei nicht nur extrem kräftezehrend und gefährlich, sondern habe auch gravierende Folgen für die Gesundheit, beispielsweise durch Lungenschäden. Das UN-Hilfswerk schätzt die Zahl der minderjährigen Arbeiter in den Minen Kongos auf rund vierzigtausend. „Es ist eine wirkliche Tragödie. Aber wir glauben, dass die Firmen, die von der Kobaltgewinnung profitieren, das in unseren Smartphones landet, Teil einer Lösung sein sollten“, sagt Mark Dummett von AI. ´Es würde nicht viel kosten, das Leben dieser Kinder zu retten.´“ Kampf um Rohstoffe : Das brisante Paradoxon des Kobalts (2018)
Deutschlandfunk, 2018: Saubere Autos, dreckige Batterien. „Der Kongo ist ein Krisenland – von dem die deutsche Autoindustrie beim Bau von Elektroautos immer abhängiger wird. Denn der Kongo ist einer der wichtigsten Produzenten von Kobalt, einem Rohstoff für Batteriezellen und Akkus. Kritiker weisen auf Menschenrechtsverletzungen in den Minen des Landes hin.“ Und das Problem ist nach wie vor aktuell: Demokratische Republik Kongo: Illegale Kinderarbeit beim Kobaltabbau. Dabei trifft es die Menschen im Kongo auch von anderer Seite hart: Flüchtlinge im Kongo: Vor allem die Kinder tragen das Leid. (2017) „Im Kongo sind in diesem Jahr schon mehr als eine Million Menschen vor Krieg und Hunger geflohen – Hunderttausenden droht der Hungertod.„
Das sagt die Elektroauto-Lobby selbst: Elektroauto-News.net – Warum der Kobalt-Abbau ein Problem darstellt – und wie es gelöst werden könnte. “ Die Autohersteller indes befinden sich in einer Zwickmühle. Denn ohne Kobalt gibt es trotz neuer, kobalt-armen Akkutechnologien, keine Elektroautos. Deren nachhaltiges Image indes leidet stark unter den immer offenkundiger werdenden Menschenrechtsverletzungen beim Rohstoff-Abbau. „



