Weg vom Konsum – die Postwachstumsökonomie
Wichtigster Vertreter in Deutschland: Niko Paech
- Was kann sich ein Individuum an materiellen Freiheiten – Mobilität, Konsum und digitale Bequemlichkeit -nehmen, ohne ökologisch und sozial über seine Verhältnisse zu leben? Und was brauche ich wirklich?
- Die Vorstellung von grünem Wachstum ist ein Widerspruch in sich.
- Weniger Jobs, aber für möglichst viele Leute mit geringerer Arbeitszeit
- Boden- und Landschaftsmoratorien einführen: keine Neubauten, der Rückbau von Agrarfabriken, Flughäfen und Autobahnen
Der zweite Vortrag liefert einmal die komplette Übersicht über die Notwendigkeit und der Postwachstumsökonomie und wie diese funktioniert. (1Std. Vortrag, dann Fragen)
„Als „Postwachstumsökonomie“ wird eine Wirtschaft bezeichnet, die ohne Wachstum des Bruttoinlandsprodukts über stabile, wenngleich mit einem vergleichsweise reduzierten Konsumniveau einhergehende Versorgungsstrukturen verfügt. Die Postwachstumsökonomie grenzt sich von landläufigen, auf Konformität zielende Nachhaltigkeitsvisionen wie „qualitatives“, „nachhaltiges“, „grünes“, „dematerialisiertes“ oder „decarbonisiertes“ Wachstum ab. Den vielen Versuchen, weiteres Wachstum der in Geld gemessenen Wertschöpfung dadurch zu rechtfertigen, dass deren ökologische „Entkopplung“ kraft technischer Innovationen möglich sei, wird somit eine Absage erteilt.“
Niko Paech war APL-Professor an der Uni Oldenburg. War. Die Zeit berichtet: Der bekannte Wachstumskritiker Niko Paech hat seine Professorenstelle verloren. Haben alternative Ökonomen wie er keine Chance in der Wissenschaft? (Zeit Online, 9. März 2017). Seit 2016 lehrt er an der Universität Siegen im Studiengang „Plurale Ökonomik“ (Homepage Plurale Ökonomik).
Eine wissenschaftliche Analyse zur These einer Entkopplung von Wirtschaftswachstum und ökologischem Impact hat das European Environment Bureau erstellt: Decoupling debunked:
„Is it possible to enjoy both economic growth and environmental sustainability?
This question is a matter of fierce political debate between green growth and post-growth advocates. Considering what is at stake, a careful assessment to determine whether the scientific foundations behind this decoupling hypothesis are robust or not is needed.
This report reviews the empirical and theoretical literature to assess the validity of this hypothesis. The conclusion is both overwhelmingly clear and sobering: not only is there no empirical evidence supporting the existence of a decoupling of economic growth from environmental pressures on anywhere near the scale needed to deal with environmental breakdown, but also, and perhaps more importantly, such decoupling appears unlikely to happen in the future.
‘Decoupling debunked’ highlights the need for the rethinking of green growth policies and to complement efficiency with sufficiency.“
Hier geht es zur kompletten Studie „Decoupling Debunked“ und hier zum Abstract.
Wohlstand jenseits des BIP
Das BIP misst nur, wie viel Geld umgesetzt wird. Andere Maße zählen auch Umweltschäden und Ungleichheit.
- Der Nationale Wohlfahrtsindex stieg 2024 um 2,3 %, während das BIP um 0,6 % sank. Seit 1991 wuchs der Index um 24 %, das BIP um 48 %. (Hans-Böckler-Stiftung, 05.12.2025)
- Die Menschheit hatte 2022 mindestens sechs von neun planetaren Grenzen überschritten. Die reichsten 20 % der Länder verursachen über 40 % der Überlastung. (Fanning & Raworth 2025, Nature)
Warum grünes Wachstum allein nicht reicht
Viele reiche Länder haben ihre Emissionen gesenkt, während die Wirtschaft wuchs. Vogel und Hickel haben 11 solcher Länder untersucht, darunter Deutschland. Ihr Ergebnis: Im bisherigen Tempo bräuchten sie im Schnitt mehr als 220 Jahre, um 95 % weniger auszustoßen. Damit würden sie ein Vielfaches ihres fairen Anteils am CO2-Budget verbrauchen.
Die Autoren folgern, dass reiche Länder auch weniger verbrauchen müssen. Das ist eine Position der Postwachstumsforschung; andere Ökonomen setzen stärker auf schnellere Technik. Unstrittig ist laut Weltklimarat: Änderungen auf der Nachfrageseite können die Emissionen bis 2050 um 40–70 % senken.
Quellen: Vogel & Hickel 2023, Lancet Planetary Health · IPCC AR6 WGIII, Kapitel 5



