Die Tricks erkennen: FLICC und die Ausreden für das Abwarten
Die Argumente der Leugner wechseln, die Techniken bleiben gleich. Wer die Muster kennt, muss nicht jede einzelne Behauptung widerlegen. Zwei Werkzeuge aus der Forschung helfen dabei.
- Fake-Experten: Eine Person oder Einrichtung ohne Fachwissen wird als glaubwürdige Quelle hingestellt. Ein Beispiel ist ein Verein, der sich „Institut“ nennt. (Skeptical Science)
- Logikfehler: Die Schlussfolgerung folgt nicht aus den Voraussetzungen. Ein Beispiel: „Das Klima hat sich schon immer geändert, also ist der Mensch nicht schuld.“ (Skeptical Science)
- Unerfüllbare Erwartungen: Man verlangt völlige Gewissheit, bevor man handelt. Diese Gewissheit gibt es in keiner Wissenschaft. (Skeptical Science)
- Rosinenpicken und Verschwörungsmythen: Man pickt einzelne passende Daten heraus und blendet den Rest aus. Oder man behauptet einen geheimen Plan, der die Wahrheit verbergen soll. (Skeptical Science)
- Heute hört man öfter Ausreden für das Abwarten als offene Leugnung. Eine Studie (Lamb u. a., 2020) fand vier Grundmuster: Verantwortung abschieben, Scheinlösungen anpreisen, nur die Nachteile betonen und aufgeben. (Lamb u. a.)
- „Was ist mit China?“ ist ein typisches Beispiel für Whataboutism. Man verweist auf den kleinen eigenen Anteil an den weltweiten Emissionen und sagt, andere sollen zuerst handeln. (Lamb u. a.)
- Auch Technik-Optimismus kann bremsen. Wer sagt, künftige Erfindungen würden das Problem lösen, verschiebt das Handeln auf später. (Lamb u. a.)
- Selbst Untergangsstimmung ist eine Ausrede für das Abwarten. Wer sagt, es sei ohnehin zu spät und man könne sich nur noch anpassen, lähmt den Klimaschutz. (Lamb u. a.)
Was heißt das für uns? Es genügt oft, das Muster zu benennen, etwa „Das ist Rosinenpicken“ oder „Das ist Whataboutism“. So muss man sich nicht auf jedes Detail einlassen.
Videos dazu

Fake News: Falsche Klimabehauptungen im Check I Ökochecker SWR
Der SWR-Ökochecker zeigt, wie man Falschmeldungen zum Klima erkennt, schaut hinter die Website von EIKE und prüft hartnäckige Klimamythen.
„Früher war es auch heiß“ – was der Vergleich mit 1976 und 2003 zeigt
Bei jeder Hitzewelle kommt der Satz: Das gab es früher auch, zum Beispiel 1976 oder 2003. World Weather Attribution hat die Hitzewelle im Juni 2026 genau damit verglichen. In Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien und Südengland war es 5 bis 12 Grad heißer als üblich.
Wäre dieselbe Wetterlage 1976 aufgetreten, wären die Tage etwa 3,5 Grad kühler gewesen, 2003 etwa 2 Grad. Im Juni 1976 wären solche Temperaturen praktisch unmöglich gewesen. Die heißesten Tage in Europa erwärmen sich etwa dreimal so schnell wie die Erde im Schnitt.
Das ist nicht harmlos: Hitzewellen fordern in Europa mehr Todesopfer als alle anderen Naturgefahren zusammen.
Quellen: World Weather Attribution: Fossil fuel emissions have rapidly … · World Weather Attribution (26.06.2026) · World Weather Attribution (26.06.2026)
„Wir passen uns eben an“ – wo Anpassung an Grenzen stößt
Eine häufige Ausrede für das Abwarten lautet: Wir müssen uns eben anpassen. Anpassung ist nötig. Aber sie hat Grenzen. Das zeigen zwei Studien von World Weather Attribution aus dem Jahr 2026.
Im Himalaya an der Grenze von Nepal und China stürzten am 26. August 2026 Fels und Gletschereis ab und wurden zu einer Schlammflut. In Nepal starben über 1.300 Menschen, mehr als 5.000 galten Mitte September noch als vermisst. Die Forscher/innen schreiben: Ereignisse dieser Größe übersteigen die Grenzen der Anpassung. Kein Frühwarnsystem hätte rechtzeitig warnen können.
Selbst Japan, das sehr gut vorbereitet ist, stieß beim Taifun Dujuan 2026 an Grenzen. 17 Menschen starben. Der Regen überstieg die Werte, für die Bauwerke ausgelegt sind. Besonders gefährdet waren ältere und pflegebedürftige Menschen.
Quellen: World Weather Attribution: Rapid warming in the Himalaya exacerbates … · World Weather Attribution (17.09.2026) · World Weather Attribution: Typhoon Dujuan: in a warming climate even …