Welche Macht haben Lebensmittel- und Agrarkonzerne?

Welche Macht haben Lebensmittel- und Agrarkonzerne?

Die Industrialisierung der Landwirtschaft hat aus einem Kreislauf- ein Durchflusssystem gemacht: Ersteres passt sich lokalen Bedingungen an und erzeugt oder züchtet selbst die nötige Energie, Saatgut, Düngemittel, Futtermittel und Tiere. Das Durchflusssystem hingegen kauft diese großteils zu. Für landwirtschaftliche Erzeuger*innen steigt damit die Abhängigkeit von vorgelagerten (etwa
Saatgut, Dünge- und Futtermittel) und nachgelagerten Bereichen (wie Verarbeitung und Handel).
Immer weniger Konzerne kontrollieren den Nahrungsmittelmarkt. Die für die Produktion notwendigen Ressourcen beziehen die Landwirte nun ›extern‹ aus einem anonymen (Welt-)Markt. Die Nahrungsmittel sind losgelöst von ihren Produktionsbedingungen und -standorten, sie erscheinen als »Nahrungsmittel von nirgendwo«. Freihandelsabkommen treiben diese Weltmarktorientierung noch weiter voran. Es entsteht eine wachsende Ungleichheit zwischen Exportbetrieben und von lokalen Märkten abhängigen Erzeugern. So haben etwa durch Handelsliberalisierungen der Welthandelsorganisation (WTO) und die damit einhergehenden Dumping- und Verdrängungseffekte rund 30 Millionen Bauern und Bäuerinnen in Ländern des Globalen Südens ihre Existenzgrundlage verloren.
Entlang eines undurchsichtigen Netzes an Wertschöpfungsketten findet eine massive Machtkonzentration statt. Immer weniger große Akteure beherrschen den gesamten Sektor. Die weltweite Produktion von Pestiziden und Saatgut wird von einigen wenigen Konzernen dominiert. Sie erzeugen so gut wie alle gentechnisch veränderten Pflanzen und besitzen das Gros der Pflanzenpatente weltweit.

Quelle: https://aufkostenanderer.org/portfolio/ernaehrung-und-landwirtschaft/

Ein Blick in die Nachrichten:
April 2019: Pepsi droht indischen Kleinbauern mit einer Klage, weil sie eine vom Unternehmen patentierte (!) Kartoffelsorte angebaut haben soll.

Bei uns verboten, im Ausland verkauft: Pestizidexporte

Viele Pestizide sind in der EU verboten, weil sie Menschen oder die Natur schädigen. Hergestellt und exportiert werden dürfen sie trotzdem. 2024 meldeten Firmen in der EU fast 122.000 Tonnen solcher Mittel für den Export an, 2018 waren es rund 81.000 Tonnen. Die Zahl der Wirkstoffe stieg von 41 auf 75. Abnehmer sind 93 Staaten, drei Viertel davon Länder mit niedrigem oder mittlerem Einkommen, etwa Brasilien mit fast 15.000 Tonnen. Das zeigt eine Recherche von Public Eye und Unearthed, dem Recherche-Team von Greenpeace UK (Stand September 2025).

Deutschland ist dabei der wichtigste Umschlagplatz in Europa, mit rund 50.000 Tonnen und mehr als 40 Prozent der EU-Menge. Größter Exporteur ist BASF mit mehr als 33.000 Tonnen.

Die EU-Kommission hatte 2020 versprochen, solche Exporte zu verbieten. Einen Entwurf bis Ende 2023 hat sie nicht vorgelegt. Auch in Deutschland hatte die Regierung ein Exportverbot vereinbart. Im Juni 2024 hing der Verordnungsentwurf aber schon seit einem Jahr in der Koalition fest. Frankreich und Belgien haben solche Exportverbote bereits.

Quellen: Public Eye: Massive Zunahme der Exporte aus der EU (23.09.2025) · Public Eye: Rekordexporte aus der EU trotz gegenteiligem Versprechen … · PAN Germany: Über 150.000 Menschen fordern Exportstopp für verbotene …