Soziale Ungleichheit als ständige Frustration
Eine der Hauptursachen für die zunehmende Wut (die sich z.B. im Auftreten der Gelbwesten und der rechten Parteien zeigt) ist zweifellos die ständig zunehmende Ungleichheit. Dieser Faktor ist so wichtig dass ein eigener Abschnitt dieses Webportals dem Thema gewidmet ist.
Auf nationaler Ebene führt die aus Ungleichheit resultierende Wut auf die „arroganten reichen Arschlöcher mit ihrer scheiß Bildung“ dazu, dass man „Protestparteien“ wählt. (Vgl. dazu das SZ-Interview mit Wilhelm Heitmeyer: „Kein Mensch kann auf Dauer ohne Anerkennung leben“) Zumindest im Falle der nationalkonservativen Parteien (insbesondere AfD) erreichen die Protestwähler mit ihrer Wahl genau das Gegenteil, nämlich eine „Konservierung“ der herrschenden Verhältnisse – mit weiter zunehmender Ungleichheit. Was für ein Widersinn: Die Wut darüber, sozial nach unten zu rutschen, kehrt sich um auf diejenigen, deren soziale Position noch kritischer ist.

Im nahen Nahen Osten sehen wir, wie sich junge Leute radikalisieren und Gruppen wie der IS einen Zulauf haben, der rational nicht mehr nachvollziehbar ist. Ungleichheit liefert auch hier einen Erklärungsansatz: Wenn ich als junger Mann (in einer patriarchalen Kultur) in einer Situation bin, wo ich vollkommen chancenlos bin, ein totaler Nobody, dann kann ich mit dem Beitritt zum IS plötzlich zum Helden werden. Dann habe ich plötzlich Macht, dann muss man mir zuhören.
Mit dieser Illusion des Heraustretens aus der Bedeutungslosigkeit locken Ideologien, locken terroristische Organisationen, locken radikale Parteien. Letztlich geht es dabei um die Überwindung der narzisstischen Kränkung infolge einer gesellschaftlichen Positionierung „ziemlich weit unten“ liegt.