Was ist dann mit den Arbeitsplätzen?

Was ist dann mit den Arbeitsplätzen?

Womit verdienen wir unseren Lebensunterhalt, wenn wir aufhören, Dinge für verschwenderischen Konsum zu produzieren?

Wenn wir davon sprechen, uns im Konsum auf die Güter zu beschränken, die wir WIRKLICH BRAUCHEN und diese nachhaltig und langlebig Güter zu produzieren, kommt natürlich das berühmte Argument mit dem Wegfall von Arbeitsplätzen: „Wenn wir nicht mehr so weiter produzieren können, wie bisher, dann fallen ja die ganzen Arbeitsplätze weg, dann werden die Menschen arbeitslos, das funktioniert doch nicht!

Darauf gibt es einige Antworten:

Was wird dann mit den Arbeitsplätzen?
  • Viele Menschen auf der Welt sind heute schon von der Industriearbeit ausgeschlossen, um die es hier geht. Dies gilt z.B. für größere Teile der Bevölkerung des afrikanischen und des südamerikanischen Kontinents.
  • Es ist heute schon klar, dass künstliche Intelligenz und Robotik einen Großteil der Industriearbeitsplätze die hier argumentativ erhalten werden sollen, schlichtweg überflüssig machen wird. Es werden neue Arbeitsplätze entstehen, teilweise im hochqualifizierten Bereich und es wird Gewinner und Verlierer diese Entwicklung geben. Romantik ist hier fehl am Platz.
  • Die gleichen Manager, die mit Vehemenz dafür eintreten, jeden Arbeitsplatz zu erhalten, indem weiterhin aufwendiger Verschwendungskonsum mit kurzlebigen Gütern betrieben wird, diese gleichen Leute würden niemals zögern Arbeitsplätze in ihren Unternehmen einzusparen. Sei es durch die Einsatz der Digitalisierung – bis hin zu künstlicher Intelligenz – durch Robotik oder durch die Verlagerung von Arbeitsplätzen in „Billiglohnländer“.
  • Wenn von Seiten „der Wirtschaft“ das Argument des Erhalts der Arbeitsplätze vorgebracht wird, dient es vor allem dazu, die eigenen Ziele zur rechtfertigen und strategisch zu realisieren. Dieses Ziel kann klar benannt werden: Gewinnmaximierung.

Wie aber soll nun unser Lebensunterhalt gesichert werden, wenn wir nicht mehr nach der Vollzeit-Norm arbeiten? Woher kommt dann das Geld, um für all die Menschen, die bislang Geld in Vollzeitarbeit VERDIENT haben, nicht nur Ernährung und Kleidung, sondern auch ökonomisch-soziale Teilhabe zu ermöglichen?

  1. Was GEBRAUCHT wird, wird selbstverständlich weiterhin produziert. Die Nahrungsmittelproduktion wird erst einmal nicht weniger, nur weil man z.B. keine SUVs mehr baut. Es ist also vollkommen absurd anzunehmen, dass wir plötzlich nichts mehr zum Essen und nichts mehr zum Anziehen haben, bloß weil Überschüsse und Überflüssiges wegfallen.
  2. Geld an sich ist genug vorhanden. Es ist nur einseitig verteilt. Es sind viele Milliarden von Dollar und Euro in den Fonds und Accounts einer relativ kleinen Schicht. Wenn man sich aber fragt: Hilft uns dieses Geld, dann wird einem bewusst, dass diesen Milliarden von Dollar eigentlich keine echten Werte mehr gegenüberstehen. Es handelt sich in vielen Bereichen um Fantasiegeld.
  3. Es sind genug (finanzielle) Mittel da, um alle Menschen zu ernähren, sie mit Trinkwasser zu versorgen, mit Wohnraum und Kleidung zu versorgen, ihnen (nachhaltige) Mobilität zu ermöglichen und eine Gesundheitsversorgung zu gewährleisten. Für all das sind genug Mittel vorhanden – auch dann, wenn wir weniger sinnlose Dinge zum Wegwerfen produzieren.
  4. Dies bedeutet eben nicht, dass auch Zufriedenheit und Glück geringer werden müssten. Eher im Gegenteil: Wenn wir uns aus der selbstgebauten Mühle befreien können wir uns wieder den Themen, Dingen, Menschen zuwenden, die uns wirklich berühren und unserem Leben Sinn geben.
  5. Arbeit ist an sich für Menschen wichtig und notwendig, weil sie eine Sinnstruktur und soziale Kontakte ermöglicht und uns Selbstwirksamkeit erfahren lässt und vieles andere. Deshalb brauchen Menschen Arbeit. Das heißt aber nicht, dass alle Menschen ständig in großer Hetze vorgegebene Tätigkeiten ausführen müssten und das Ganze mindestens 40 Stunden in der Woche. Arbeit kann auch sehr viel anders gestaltet werden.
  6. Wenn alles gut geht, werden wir weniger arbeiten. Wir werden bei unserer Arbeit nachhaltige, qualitativ hochwertige und langlebige Produkte herstellen. Der Dienstleistungssektor wird wachsen, besonders im Bereich des Gesundheitswesens und der Pflege. Der Wissens-Sektor wird weiterhin von größter Bedeutung sein und wir werden viele Dinge automatisiert produzieren. In der Landwirtschaft werden neue Formen naturgerechter Bewirtschaftung erforderlich sein, die arbeitsintensiver sind, als die bisherige Industrie-Landwirtschaft. Auch hier werden Arbeitsplätze entstehen können. Wir werden zwar weniger, aber weiterhin genug Arbeit haben – und zwar sinnvolle Arbeit.
  7. Allerdings werden wir uns davon verabschieden dürfen, dass nur Vollzeit-Arbeit zur vollen gesellschaftlichen Teilhabe berechtigt. Das werden wir schlicht nicht mehr brauchen. Der sozioökologische Ansatz muss nicht in die Armut führen, wenn wir eine solidarischere Verwendung von Reichtum und Besitz etablieren. Wir werden Arbeit neu bewerten müssen und Produkte und Dienstleistungen nach ihrem „wahren“ Wert und ihren Kosten bezahlen. Dazu gibt es viele Möglichkeiten, z.B.:
  • Neue Bewertung von Dienstleistungen in Pädagogik, Pflege, Therapie
  • Künstlerische Aktivitäten
  • Höherer Aufwand für die Produktion nachhaltiger und langlebiger Produkte und für eine ökologische Landwirtschaft

Dafür brauchen wir ein neues Wirtschaftssystem, das durchaus marktwirtschaftlich organisiert sein kann, aber auf Regeln basiert, die den Verbrauch von Ressourcen und den Impact auf die ökologischen Systeme in vollem Umfang einpreisen.
Unser Ansatz ist dabei keineswegs technologiefeindlich. Ganz im Gegenteil: wir brauchen innovative Technologien und die Weisheit, diese so zu entwickeln und einzusetzen, dass sie wirklich der Zukunft der ganzen Menschheit dient – auf einem ökologisch intakten Planeten.

Arbeitsplätze und KI: was die Forschung heute sagt

Die alte These „die Hälfte der Jobs fällt weg“ lässt sich so nicht halten. Das IAB misst etwas anderes: In 38 % der Jobs in Deutschland könnten Maschinen schon heute mindestens 70 % der Tätigkeiten erledigen. 2019 waren es 34 %. Ob das passiert, hängt aber von Kosten, Recht und Ethik ab.

Die ILO erwartet vor allem, dass sich Jobs verändern, nicht, dass sie verschwinden. Mehr dazu auf der Seite zu KI und Robotik.

Quellen: IAB-Kurzbericht 5/2024 · ILO-NASK-Index, Mai 2025