Ursachen für Flucht und situativ erzwungene Auswanderung

Wie die Auslagerung der EU-Außengrenzen Niger politisch und sozial destabilisiert
Niger gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. Seit dem Militärputsch 2023 haben sich Gewalt, Hunger und Vertreibung verschärft – und Niger ist wieder ein offenes Transitland nach Libyen und Algerien.
- Im Juli 2023 hat das Militär die Macht übernommen. Seitdem hat sich die Lage der Menschenrechte stark verschlechtert. Der gewählte Präsident Mohamed Bazoum und seine Frau sind weiter willkürlich in Haft. Medien werden eingeschränkt, Journalisten/innen bedroht und festgenommen. (Human Rights Watch: World Report 2026 – Niger (Ereignisse 2025))
- Bewaffnete Gruppen greifen besonders in der Region Tillabéri Dörfer und Moscheen an. Bei einem Angriff des „Islamischen Staats Sahel“ auf eine Moschee in Fambita starben im März 2025 mindestens 46 Menschen beim Gebet. (Human Rights Watch: World Report 2026 – Niger)
- Ende September 2026 lebten in Niger rund 548.000 Binnenvertriebene und gut 500.000 Flüchtlinge und Asylsuchende. (UNHCR Operational Data Portal: Niger (Stand 30.09.2026))
- Etwa 2,4 Millionen Menschen in Niger haben nicht sicher genug zu essen. Rund 1,2 Millionen Kinder sind mangelernährt. Jedes Jahr gehen fast 100.000 Hektar fruchtbares Land verloren. Ab Mai 2025 hat das Welternährungsprogramm die Hilfe für über 600.000 Menschen eingestellt. (WFP: Niger (Länderseite))
- Ende 2023 hat die Militärregierung das Gesetz 2015-36 gegen Schleusung aufgehoben. Die EU hatte das Gesetz mit viel Geld gefördert. Es hatte die Migration nicht gestoppt, sondern auf gefährlichere Wüstenwege umgelenkt. Seit der Aufhebung ist das Fahren von Migranten/innen durch Agadez wieder legal und für viele ein Einkommen. (Al Jazeera: Agadez – Nigers Tor zur Sahara (12.04.2024))
- Die Route führt auch zurück: Algerien schiebt Menschen in großer Zahl nach Niger ab, oft mitten in die Wüste. Die Hilfsorganisation Alarme Phone Sahara zählte 2025 mindestens 34.236 Abgeschobene. Viele kommen verletzt an, darunter Frauen und Kinder. (Alarme Phone Sahara / civilmrcc: Bericht zu Abschiebungen aus Algerien 2025)
Landwirtschaft im Senegal: Ein Kampf gegen Wüste und ausländische Investoren
Vor Senegals Küste werden die Fischbestände knapp, und der Staat steckt in einer Schuldenkrise. Viele Menschen wagen die gefährliche Atlantikroute zu den Kanarischen Inseln.
- Vor Senegal fischen große ausländische Trawler, vor allem aus Spanien und China. Laut einem Bericht der Environmental Justice Foundation (Mai 2025) sind 57 Prozent der befischten Bestände zusammengebrochen. Das treibt Kleinfischer/innen zur Auswanderung nach Spanien. (Yale Environment 360: Foreign Trawlers Plunder Senegalese Waters (13.05.2025))
- Das Fischereiabkommen zwischen der EU und Senegal lief am 17. November 2024 aus. Die EU hat es nicht verlängert, weil Senegal zu wenig gegen illegale Fischerei tut. EU-Schiffe mussten die Gewässer verlassen. (Europäischer Auswärtiger Dienst: Expiry of the protocol … Senegal and the European Union (2024))
- 2024 kamen so viele Menschen wie nie zuvor über den Atlantik auf die Kanaren: 46.843. Die spanische Organisation Caminando Fronteras zählte im selben Jahr mehr als 10.000 Tote und Vermisste. (The Brussels Times: Record number of migrants arrived in the Canary Islands in 2024 (03.01.2025))
- 2025 sank die Zahl der Ankünfte auf den Kanaren um 62 Prozent auf 17.788. Die Route bleibt tödlich: Caminando Fronteras zählte 2025 auf der Atlantikroute 1.906 Tote. Ende Dezember 2025 kenterte vor Senegal ein Boot mit etwa 100 Menschen. (ECRE: Atlantic Route and Spain (15.01.2026))
- Senegal hat jahrelang einen Teil seiner Schulden nicht offen ausgewiesen. Laut Internationalem Währungsfonds lagen die Staatsschulden Ende 2024 bei rund 132 Prozent der Wirtschaftsleistung. Der Fall der versteckten Schulden ist noch nicht gelöst. (IWF: IMF Staff Concludes Visit to Senegal (06.11.2025))
Warum flüchten Menschen aus Nigeria?
Nigeria ist das bevölkerungsreichste Land Afrikas. Im Norden überlagern sich islamistischer Terror, Banditen, Konflikte um Land und eine Rekord-Hungerkrise.
- Im Nordosten kämpfen Boko Haram und der „Islamische Staat Westafrika“ (ISWAP) seit Jahren. 2025 griff Boko Haram wieder gezielt Zivilisten/innen an. Im Mai wurden im Bundesstaat Borno mindestens 57 Menschen getötet, im September in Darul Jamal mindestens 60. (Human Rights Watch: World Report 2026 – Nigeria (Ereignisse 2025))
- Im Nordwesten überfallen kriminelle Banden Dörfer und entführen Menschen gegen Lösegeld. Von Juli 2024 bis Juni 2025 wurden dort 2.938 Menschen entführt. (Human Rights Watch: World Report 2026 – Nigeria)
- In der Mitte des Landes eskaliert der Streit um Land zwischen Bauern und Viehhirten. Im Bundesstaat Plateau töteten Angreifer im April 2025 52 Menschen und vertrieben fast 2.000. In Benue starben im Juni in Yelewata laut Regierung 59 Menschen. (Human Rights Watch: World Report 2026 – Nigeria)
- Ende 2024 waren in Nigeria 3,5 Millionen Menschen im eigenen Land vertrieben. Rund 555.000 Nigerianer/innen waren als Flüchtlinge oder Asylsuchende im Ausland. 2024 trafen schwere Überschwemmungen im Nordosten mehr als 480.000 Menschen. (UNO-Flüchtlingshilfe: Nigeria (Stand Juli 2026, Zahlen Ende 2024))
- Für die Monate Juni bis August 2026 sagte die Analyse des Welternährungsprogramms fast 35 Millionen Menschen mit schwerem Hunger voraus – so viele wie nie zuvor in Nigeria. Gleichzeitig warnte das WFP, dass ihm im Dezember 2025 das Geld für die Nothilfe ausgeht. (WFP: Increased insurgent attacks in Nigeria … drive sharp spike in hunger (25.11.2025))
- Im Juni 2026 stuften die UN-Organisationen FAO und WFP Nigeria in die höchste Risikostufe ein. Teilen des Bundesstaats Borno droht katastrophaler Hunger. (UN News: Worsening hunger could push millions closer to famine in 13 global hotspots (17.06.2026))
- 2025 lebten laut Weltbank mehr als 60 Prozent der Menschen in Nigeria unter der nationalen Armutsgrenze. Nach der internationalen Grenze von 3 US-Dollar am Tag waren 50,8 Prozent extrem arm – das sind 123 Millionen Menschen. (Weltbank: Nigeria)
Äthiopien – Dürre, Hunger, Ernteausfälle
Der Krieg in Tigray endete 2022 mit einem Waffenstillstand, doch in Amhara und Oromia wird weiter gekämpft. Dürren und Überschwemmungen zerstören Ernten. Gleichzeitig nimmt Äthiopien selbst über eine Million Flüchtlinge auf.
- In der Region Amhara kämpft die Armee gegen die Fano-Miliz. Beide Seiten begehen laut Human Rights Watch Kriegsverbrechen. Bei einem Drohnenangriff in Ost-Gojjam starben im Februar 2025 16 Menschen, darunter Kinder. (Human Rights Watch: World Report 2026 – Ethiopia (Ereignisse 2025))
- Trotz des Waffenstillstands von 2022 werden Menschen aus Tigray weiter aus West-Tigray vertrieben. In Oromia kämpfen Regierungstruppen gegen die Oromo-Befreiungsarmee; auch dort sterben Zivilisten/innen. (Human Rights Watch: World Report 2026 – Ethiopia)
- Im Dezember 2025 waren 4,7 Millionen Menschen innerhalb Äthiopiens auf der Flucht. 20 Millionen Menschen sind auf humanitäre Hilfe angewiesen. (UNO-Flüchtlingshilfe: Äthiopien (Stand Juli 2026))
- Wiederkehrende Dürren, Überschwemmungen und extreme Wetterereignisse zerstören Ernten. Nahrungsmangel führt zu großen Fluchtbewegungen. (UNO-Flüchtlingshilfe: Äthiopien)
- Äthiopien ist auch ein großes Aufnahmeland: Mehr als eine Million Flüchtlinge und Asylsuchende leben dort, über 70.000 davon in der Hauptstadt Addis Abeba. (UNO-Flüchtlingshilfe: Äthiopien)
- Viele Äthiopier/innen versuchen, auf der „Ostroute“ übers Meer in den Jemen zu gelangen. Im August 2025 kenterte vor dem Jemen ein Boot: 56 Tote, 132 Vermisste, die meisten aus Äthiopien. 2025 zählte die IOM bis dahin schon über 350 Tote und Vermisste auf dieser Route. (UN News: Migrant boat tragedy off Yemen (August 2025))
- Äthiopien hat den Hunger trotzdem stark verringert: Sein Wert im Welthunger-Index sank von 53,0 (2000) auf 24,1 (2026). (Welthunger-Index 2026)
Äthiopien: schnelles Wachstum, aber zu wenige Jobs
Äthiopien gehört zu den am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften Afrikas (9,2 Prozent im Haushaltsjahr 2024/25). Trotzdem ist es eines der ärmsten Länder: Die Wirtschaftsleistung pro Kopf liegt bei 979 US-Dollar. Die Weltbank erklärt, warum: Das staatlich gelenkte Modell brachte Straßen, Wasser und Strom, aber es schuf zu wenige produktive Arbeitsplätze für die 1,8 Millionen jungen Menschen, die jedes Jahr Arbeit suchen. 70 Prozent der Erwerbstätigen hängen von der Landwirtschaft ab.
Krieg in Tigray, Dürren und hohe Schulden führten 2023 zur Zahlungsunfähigkeit. Der Tigray-Konflikt vertrieb 3 Millionen Menschen. Das zeigt: Wachstum allein reicht nicht – Frieden, Arbeit und Schutz vor Klimaschocks gehören dazu.
Nahrungsmittelspenden oder Bargeld? Was die Forschung zeigt
Nahrungsmittelspenden von außen können die Preise für einheimische Lebensmittel drücken. Eine Alternative ist Bargeld: Menschen kaufen damit auf lokalen Märkten ein, und das Geld bleibt in der Region. Eine große Studie in Kenia (Econometrica, 2022) hat das genau untersucht. Ergebnis: Die Empfänger/innen konsumierten mehr und bauten Vermögen auf. Auch Nachbarn/innen ohne Geldhilfe und lokale Betriebe profitierten. Jeder Dollar steigerte die Wirtschaftsleistung vor Ort um etwa 2,5 Dollar, und die Preise stiegen kaum.
Einordnung: In echten Hungersnöten, wo es keine Lebensmittel zu kaufen gibt, bleibt Nahrungshilfe nötig. Auch in Nigeria setzt der Staat inzwischen auf digitale Geldtransfers für über 42 Millionen Menschen.
Quellen: Egger u. a. · Weltbank
Warum flüchten Menschen aus Somalia?
In Somalia treffen Dürre, Hunger und der Krieg gegen die Miliz al-Shabab zusammen. Gleichzeitig wird die Hilfe immer knapper.
- Die islamistische Miliz al-Shabab kämpft seit Jahren gegen die Regierung. 2025 eroberte sie Gebiete in Zentralsomalia zurück, die die Regierung 2022 befreit hatte. Das führte zu sehr vielen zivilen Opfern. (Human Rights Watch: World Report 2026 – Somalia (Ereignisse 2025))
- Im Februar 2026 waren in Somalia rund 3 Millionen Menschen im eigenen Land vertrieben. Über 668.000 Somalier/innen sind ins Ausland geflohen. (UNO-Flüchtlingshilfe: Somalia (Stand Juli 2026))
- Zwei ausgefallene Regenzeiten, Kämpfe und wirtschaftliche Not haben den Hunger verschärft. 4,4 Millionen Menschen – ein Viertel der Bevölkerung – haben nicht genug zu essen. Rund eine Million leidet extremen Hunger (Februar 2026). (UNO-Flüchtlingshilfe: Somalia)
- Im Juni 2026 haben FAO und WFP Somalia in die höchste Risikostufe hochgestuft. Im Bezirk Burhakaba droht eine Hungersnot. (UN News: Worsening hunger … 13 global hotspots (17.06.2026))
- Die Hilfe reicht nicht: Im September 2025 war der humanitäre Finanzierungsplan für Somalia nur zu 19 Prozent gedeckt. In der Hauptstadt Mogadischu gingen Zwangsräumungen weiter, auch in Lagern von Vertriebenen. (Human Rights Watch: World Report 2026 – Somalia)
- Im Welthunger-Index 2026 hat Somalia den schlechtesten berechneten Wert aller Länder (47,0). (Welthunger-Index 2026)
Fluchtursachen in weiteren Ländern
Afghanistan: Taliban-Herrschaft und Massenrückkehr
Seit 2021 regieren die Taliban. Frauen und Mädchen verlieren immer mehr Rechte, und Millionen Menschen werden aus Iran und Pakistan in ein Land zurückgedrängt, das sie kaum versorgen kann.
- Die Taliban verbieten Mädchen und Frauen weiterhin den Besuch weiterführender Schulen und Universitäten. Ende 2025 hatten mehr als 22 Millionen Menschen nicht sicher genug zu essen – auch weil die USA ihre Hilfe stark gekürzt haben. (Human Rights Watch: World Report 2026 – Afghanistan (Ereignisse 2025))
- Seit 2023 sind mehr als 6 Millionen Afghanen/innen aus Iran und Pakistan in ihr Land zurückgekehrt, davon rund 2,9 Millionen allein 2025. 2026 kamen bis Ende August weitere 1,18 Millionen hinzu. (UNO-Flüchtlingshilfe: Afghanistan (Stand 29.08.2026))
- Auch Deutschland schiebt nach Afghanistan ab, abgestimmt mit den Taliban. Seit Beginn der laufenden Legislaturperiode wurden bis Ende Oktober 2026 303 afghanische Männer abgeschoben. Im Oktober 2026 waren es mit einem Flug 40 Straftäter. (dpa / inFranken: Deutschland schiebt 40 Straftäter nach Afghanistan ab (28.10.2026))
DR Kongo: Krieg im Osten
Im Osten der Demokratischen Republik Kongo wird seit Jahren gekämpft. 2025 hat die Miliz M23 große Städte erobert, und Millionen Menschen sind auf der Flucht.
- Ende Januar 2025 eroberte die M23-Miliz Goma, die Hauptstadt der Provinz Nord-Kivu, und rückte danach auf Bukavu vor. Ein Friedensabkommen zwischen der DR Kongo und Ruanda vom 27. Juni 2025 brachte keine Ruhe: Im Dezember 2025 flohen allein in einem Monat mindestens 500.000 Menschen. (UNO-Flüchtlingshilfe: DR Kongo (Stand Juli 2026))
- Ende 2025 waren rund 6,5 Millionen Kongolesen/innen auf der Flucht, davon 5,3 Millionen im eigenen Land. Mehr als 1,2 Millionen haben in Nachbarländern Schutz gesucht, fast die Hälfte in Uganda. (UNO-Flüchtlingshilfe: DR Kongo)
Eritrea: Flucht vor dem endlosen Nationaldienst
Eritrea ist seit der Unabhängigkeit 1993 eine Diktatur ohne Wahlen. Viele Menschen fliehen vor dem unbefristeten Militär- und Arbeitsdienst und vor willkürlicher Haft.
- Der Nationaldienst soll 18 Monate dauern, wird aber ohne klare Regeln unbefristet verlängert. Die meisten Eritreer/innen dienen jahrelang, manche jahrzehntelang. (Human Rights Watch: World Report 2026 – Eritrea (Ereignisse 2025))
- Seit 1993 gab es keine Wahlen. Die Verfassung mit ihren Bürgerrechten ist nie in Kraft gesetzt worden. Menschen werden ohne Anklage und ohne Gericht lange festgehalten. (Human Rights Watch: World Report 2026 – Eritrea)
- Ende 2024 lebten mehr als 660.000 Eritreer/innen im Exil – etwa 18 Prozent der Bevölkerung. Auch in den Nachbarländern erwarten sie neue Probleme. (Human Rights Watch: World Report 2026 – Eritrea)
Irak: Die Folgen des Kriegs und der Wassermangel
Viele Vertriebene im Irak können bis heute nicht in ihre Heimatorte zurück. Dazu kommt ein wachsender Wassermangel.
- Im Januar 2026 waren im Irak noch rund 1 Million Menschen im eigenen Land vertrieben. Unsicherheit, zerstörte Häuser, fehlende Arbeit und rechtliche Hürden erschweren die Rückkehr. (UNO-Flüchtlingshilfe: Irak (Stand Juli 2026))
- Der Irak gehört zu den Ländern, die am stärksten unter der Erderwärmung leiden. Im März 2025 waren laut IOM über 172.000 Menschen in 12 Provinzen wegen Klimafolgen wie Dürre vertrieben, besonders im Süden (Thi Qar, Missan). (EUAA: Iraq – Country Focus, Kap. 3.3.1 Climate change-induced displacement (Dezember 2025))
- Der Irak nimmt selbst Geflüchtete auf: Im Januar 2026 lebten dort rund 330.000 Flüchtlinge und Asylsuchende, 90 Prozent davon aus Syrien, die meisten in der Region Kurdistan. (UNO-Flüchtlingshilfe: Irak)
Jemen: Zehn Jahre Krieg und Hunger
Seit zehn Jahren zählt der Jemen zu den schwersten humanitären Krisen der Welt. Trotzdem suchen dort auch Menschen vom Horn von Afrika Schutz.
- 2025 waren rund 19,5 Millionen Menschen im Jemen auf humanitäre Hilfe angewiesen. Rund 4,8 Millionen waren im eigenen Land vertrieben. (UNO-Flüchtlingshilfe: Jemen (Stand September 2026))
- Laut FAO und WFP gehört der Jemen auch 2026 zu den schlimmsten Hungerkrisen der Welt und zu den kritischsten Brennpunkten. (UN News: Worsening hunger … 13 global hotspots (17.06.2026))
- Trotz des Kriegs leben im Jemen über 63.000 Flüchtlinge und Asylsuchende (2025), vor allem vom Horn von Afrika. (UNO-Flüchtlingshilfe: Jemen)
Libyen: Gespaltener Staat und Falle für Migranten/innen
Seit dem Sturz Gaddafis 2011 ist Libyen gespalten. Für viele Menschen aus Afrika ist es Transitland Richtung Europa – und ein Ort schwerer Misshandlungen.
- Seit 2011 erschüttern gewaltsame Konflikte das Land. Rund 823.000 Menschen in Libyen sind auf Nothilfe angewiesen, je zur Hälfte Libyer/innen und Flüchtlinge oder Migranten/innen. (UNO-Flüchtlingshilfe: Libyen (Stand Juli 2026))
- In den Lagern für Migranten/innen herrschen unmenschliche Bedingungen: Folter, Zwangsarbeit, sexuelle Gewalt. Die EU unterstützt trotzdem die libysche Küstenwache. Bis Ende November 2025 brachte sie 25.286 Menschen auf See zurück nach Libyen. (Human Rights Watch: World Report 2026 – Libya (Ereignisse 2025))
- Der Krieg im Sudan treibt viele Menschen nach Libyen. Bis 1. Dezember 2025 kamen über 467.000 sudanesische Flüchtlinge an, aber nur ein kleiner Teil wurde registriert. (Human Rights Watch: World Report 2026 – Libya)
Mali: Junta, Dschihadisten und belagerte Hauptstadt
Mali ist das Zentrum der Krise in der Sahelzone. Seit dem Putsch 2021 regiert das Militär, und dschihadistische Gruppen setzen das Land immer stärker unter Druck.
- Die Militärregierung unterdrückt Medien und Opposition. 2025 verbot sie alle politischen Parteien. Soldaten und russische Söldner (Wagner, Africa Corps) sind an Tötungen von Zivilisten/innen beteiligt. (Human Rights Watch: World Report 2026 – Mali (Ereignisse 2025))
- Seit September 2025 belagert die dschihadistische Gruppe JNIM die Hauptstadt Bamako und schneidet die Treibstoffversorgung ab. (Human Rights Watch: World Report 2026 – Mali)
- Etwa 400.000 Menschen sind innerhalb Malis vertrieben. Über 334.000 Malier/innen haben in anderen Ländern Zuflucht gesucht. (UNO-Flüchtlingshilfe: Mali (Stand Juli 2026, Kennzahlen Juni 2025))
Sudan: Die größte Vertreibungskrise der Welt
Seit April 2023 kämpfen die Armee (SAF) und die Miliz RSF um die Macht. Kein anderes Land hat derzeit so viele Vertriebene und so viele Hungernde.
- Am 26. Oktober 2025 eroberte die RSF nach monatelanger Belagerung die Stadt El-Fasher in Darfur. Dabei tötete sie massenhaft fliehende Menschen und verübte sexuelle Gewalt. (Human Rights Watch: World Report 2026 – Sudan (Ereignisse 2025))
- Im September 2026 waren 6,4 Millionen Menschen im Sudan vertrieben, 4,6 Millionen leben als Flüchtlinge in den Nachbarländern. 1,19 Millionen sind 2026 in ihre Heimatorte zurückgekehrt, viele, bevor es dort sicher war. (UNO-Flüchtlingshilfe: Sudan (Stand September 2026))
- Der Sudan ist laut FAO und WFP die schlimmste Hungerkrise der Welt. In Teilen von Darfur und Süd-Kordofan droht weiter eine Hungersnot. (UN News: Worsening hunger … 13 global hotspots (17.06.2026))
Syrien: Nach Assad – Rückkehr in ein zerstörtes Land
Nach 14 Jahren Krieg wurde Präsident Assad im Dezember 2024 gestürzt. Seitdem kehren viele Menschen zurück, doch das Land ist zerstört und die Gewalt nicht vorbei.
- Im Dezember 2024 stürzte ein Bündnis bewaffneter Gruppen unter Führung von HTS die Regierung Assad. Im März 2025 töteten Regierungstruppen und verbündete Gruppen in alawitischen Gebieten an der Küste mindestens 1.400 Menschen. Über 90 Prozent der Syrer/innen leben unter der Armutsgrenze. (Human Rights Watch: World Report 2026 – Syria (Ereignisse 2025))
- Bis 25. Juni 2026 sind nach Schätzung des UNHCR rund 1,7 Millionen Syrer/innen aus dem Ausland zurückgekehrt, vor allem aus dem Libanon, der Türkei und Jordanien. (UNHCR: Comprehensive Overview of Refugee Returns Dashboard (25.06.2026, über ecoi.net))
- In Deutschland leben mehr als 900.000 Syrer/innen. Bundeskanzler Merz hat im März 2026 beim Besuch von Präsident al-Scharaa gefordert, dass in den nächsten drei Jahren 80 Prozent von ihnen zurückkehren. (Ara (Agenturbericht): Germany says it will return 80% of Syrian refugees in the next three years (30.03.2026))
Weitere Informationen über Fluchtursachen findest Du u.a. auf der Webseite der UNO-Flüchtlingshilfe
Gaza: Waffenruhe vor allem auf dem Papier
Neben dem Sudan und Afghanistan prägt der Gaza-Krieg das Fluchtgeschehen im Nahen Osten.
- Gaza: Seit dem 10. Oktober 2025 gilt eine Waffenruhe. Sie besteht aber vor allem auf dem Papier: Israel greift weiter an, die Hamas ist nicht entwaffnet. Nach dem Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023 mit rund 1.200 Toten wurden laut dpa mehr als 74.000 Palästinenser/innen getötet. (dpa / inFranken)
- In Gaza ist keines der 36 Krankenhäuser voll funktionsfähig. Viele Menschen leben weiter in Zelten oder zerstörten Häusern. (dpa / inFranken)
Was heißt das für uns? Hinter jeder dieser Zahlen stehen Menschen, deren Zuhause zerstört ist. Humanitäre Hilfe vor Ort ist dringend – und stark unterfinanziert.
Hunger und Krieg: ein Teufelskreis
Der Welthunger-Index 2026 trägt den Titel „Keine Sicherheit ohne Ernährungssicherheit“. Er zeigt: Lang andauernde, heftige Konflikte werfen den Kampf gegen Hunger um Jahrzehnte zurück. Umgekehrt kann Hunger Konflikte verschärfen, weil Menschen um knappe Ressourcen konkurrieren. Auch Kriege weit weg wirken: Der Krieg in der Ukraine hat Lebensmittel und Dünger weltweit verteuert.
Die Vereinten Nationen bestätigen das: In 12 von 13 Hunger-Brennpunkten sind bewaffnete Konflikte die Hauptursache. Am schlimmsten sind 2026 Sudan, Südsudan, Jemen und Palästina. Der Index fordert, Ernährungssicherheit fest in die Sicherheitspolitik einzubauen – nicht nur militärische Bedrohungen zu sehen.
Quellen: Welthunger-Index 2026 · WFP/FAO
Klima als Fluchtursache – und warum es rechtlich keine „Klimaflüchtlinge“ gibt
Viele Beispiele (Senegal, Äthiopien, Somalia) zeigen: Dürren und Wetterextreme verstärken Armut und Konflikte. Laut UNO-Flüchtlingshilfe führten wetterbedingte Katastrophen im letzten Jahrzehnt zu 250 Millionen Binnenvertreibungen. Rund 75 Prozent aller Geflüchteten – etwa 86 Millionen Menschen – leben in Brennpunkten der Klimakrise.
Rechtlich ist das kompliziert: Die Genfer Flüchtlingskonvention schützt nur Menschen, die verfolgt werden – etwa wegen Religion oder politischer Überzeugung. Wer vor Dürre oder Überschwemmung flieht, gilt nicht als Flüchtling. Anders kann es sein, wenn Klimafolgen mit Krieg und Gewalt zusammenwirken. Einige regionale Abkommen in Afrika und Lateinamerika fassen den Begriff weiter.
Quellen: UNO-Flüchtlingshilfe
Abschiebungen nach Afghanistan – und was Rückkehrer/innen dort erwartet
Deutschland schiebt wieder Menschen nach Afghanistan ab – seit Februar 2026 mit Charterflügen direkt nach Kabul, auf Grundlage einer Vereinbarung mit den Taliban. Am 28. Oktober 2026 wurden 40 afghanische Männer nach Kabul geflogen; seit Beginn der Legislaturperiode waren es 303 Männer. Am Wochenende davor demonstrierten Hunderte Menschen an mehreren Flughäfen gegen Abschiebungen.
Viel größer ist die Rückkehr aus den Nachbarländern: Rund 6,04 Millionen Menschen kamen seit 2023 aus Iran und Pakistan zurück. Laut einer IOM-Befragung kann über die Hälfte (54 Prozent) mit ihrem Einkommen die Grundbedürfnisse nicht decken. Frauen und Mädchen sind unter den Taliban von den meisten Grundrechten ausgeschlossen.
Quellen: dpa / inFranken · KabulNow