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Fehlsteuerung der Energiekosten für fossile, atomare und erneuerbare Energie

Fehlsteuerung der Energiekosten bremst Energiewende

Aktuelle Fraunhofer-Studie zeigt: Die politischen Vorgaben führen zu einer skandalösen Fehlsteuerung der Energiekosten für fossile, atomare und erneuerbare Energie und schaden der Energiewende.

Der Text des Fraunhofer-Instituts ist für nicht technisch ausgebildete Menschen so schwer zu lesen, dass die Informationen in der Öffentlichkeit vermutlich nicht ausreichend wahrgenommen werden. Auch auf die Gefahr hin, dass die komplexen Zusammenhänge nicht ganz korrekt wiedergeben können, möchten wir die zentralen Aussagen eine allgemein verständlichen Sprache zusammenfassen.
Wir haben zitieren im Folgenden zentrale Zitate aus der Fraunhofer-Studie, die Du hier auch im Original öffnen kannst.

Fraunhofer-Studie

“Im Jahr 2018 deckte die Photovoltaik mit einer Stromerzeugung von 46 TWh [ISE4] ca. 8,7% des Netto-Stromverbrauchs in Deutschland, auf Basis der Verbrauchszahlen des Vorjahres.”

“Der Kostenvergleich mit fossiler und nuklearer Stromerzeugung wird dadurch erschwert, dass deren externe Kosten durch Umwelt-, Klima- und Gesundheitsschäden als Folge von planmäßigen oder unfallbedingten Schadstoffemissionen außen vor bleiben.”

“Die Grenzkosten (d.h.: wieviel kostet jede zusätzlichen Kilowattstunde mehr) für Atomstrom liegen zwar in der Größenordnung von nur 1 ct/kWh, für Kohlestrom 3-7 ct/kWh, für Gasstrom 6-9 ct/kWh. Zwar wurde im Jahr 2005 ein EU-weiter Emissionshandel (European Union Emissions Trading System, EU ETS) für den Energiesektor eingeführt, um den CO2-Ausstoß zu verteuern und die Kosten ansatzweise zu internalisieren.”

“Wegen eines Überangebots an bereitgestellten Zertifikaten war der Preis (für diese Zertifikate) jedoch bis Ende 2017 zusammengebrochen.”

… “Den Ausbau (von Photovoltaik-Anlagen) in Erwartung niedrigerer Preise (der Anlagen) zu verschieben, wäre in Anbetracht des fortschreitenden Klimawandels nicht nur zynisch, sondern würde darüber hinaus die Dynamik der Kostensenkung verlangsamen. Grundlage für den Ausbau der PV bildeten die verschiedenen Fassungen des EEG seit dem Jahr 2000.”

“Die Politik … hat entschieden, energieintensive Industriebetriebe mit einem hohen Stromkostenanteil weitgehend von der EEG-Umlage zu befreien. Im Jahr 2018 wurde damit knapp die Hälfte des Industrieverbrauchs privilegiert. Diese umfassende Befreiung erhöht die Belastung für andere Stromkunden, insbesondere für Privathaushalte, auf die knapp 30% des gesamten Stromverbrauchs entfällt.”

“Die Privilegierung hat den Anstieg der EEG-Umlage pro kWh verstärkt Dabei profitiert die energieintensive Industrie von der preissenkenden Wirkung des PV-Stroms an der Börse zu Spitzenlastzeiten. Damit fließt ein Teil der PV-Umlage indirekt der energieintensiven Industrie zu. Die stromintensive Industrie profitiert von der Energiewende, ohne sich nennenswert an ihren Kosten zu beteiligen.”

“Die EEG-Umlage wird aufgrund ihrer Festlegung durch folgende Faktoren erhöht: …”

“Weil die stromintensive Industrie von der Umlage praktisch befreit ist, tragen kleinere Verbraucher, also Haushalte sowie industrielle und gewerbliche Verbraucher Mehrkosten in Milliardenhöhe.”

“Die Einspeisung von PV-Strom zu Tageszeiten mit ehemals höchsten Börsenstrompreisen senkt diese besonders wirksam, zum Vorteil großer Verbraucher. Sie erhöht aber gleichzeitig die Differenz zwischen Einspeisevergütung und Börsenpreis, der die Grundlage für die Berechnung der Umlage darstellt, zum Nachteil kleiner, umlagepflichtiger Verbraucher.”

“Seit Jahren wird in Deutschland zunehmend mehr Strom produziert als notwendig und zwar durch fossile(= vermutlich v.a. Kohle, GM)und nukleare Kraftwerke mit geringeren Grenzkosten als teure Spitzenlastkraftwerke(= vermutlich v.a. Erdgas, GM). Dieses Überangebot senkt den Börsenstrompreis … und verdrängt Spitzenlastkraftwerke aus dem Erzeugungsmix.”

“Maßnahmen zur effizienteren Nutzung von elektrischer Energie (z.B. Energiesparlampen) senken den Strombezug und erhöhen damit die Umlage pro verbrauchter kWh.”(Weil die Umlage aus der Differenz zwischen dem Herstellungspreis des Stroms und dem Verkaufspreis an der Börse errechnet wird. Da letzterer von Angebot und Nachfrage abhängt, wird die Umlage höher, wenn der Börsenpreis sinkt, was bei niedrigerer Nachfrage der Fall ist. Energiesparen erhöht daher die Umlage und damit den Strompreis, trotz der insgesamt niedrigeren Erzeugungskosten durch PV-Anlagen – lustig, oder? GM)

“Die Politik beeinflusst die Strompreise aus fossilen und nuklearen Kraftwerken. Politische Entscheidungen definieren den Preis von CO2-Zertifikaten, die Auflagen zur Filterung von Rauch, ggf. Auflagen zur Endlagerung von CO2 (CCS), die Besteuerung von Atomstrom oder die Versicherungs- und Sicherheitsauflagen für AKWs. Die Politik legt damit fest, inwieweit Stromverbraucher die schwer fassbaren Risiken und Lasten fossiler und nuklearer Stromerzeugung tragen. Bei einer konsequenteren Einpreisung dieser Kosten wird es voraussichtlich dazu kommen, dass die PV-Stromerzeugung den Strommix verbilligt.”

“Bis wir so weit sind, wird fossiler und nuklearer Strom zu Preisen verkauft, die seine externen Kosten verschleiern und in die Zukunft abschieben.”

“Privathaushalte tragen viele zusätzliche Lasten auf ihrer Stromrechnung. Der Gesetzgeber legt die Berechnungsgrundlage und den Verteiler für die EEG-Umlage sowie weitere Steuern und Abgaben fest, mit zurzeit nachteiligen Effekten für Privathaushalte.”

“Die Investitionsanreize für die PV-Stromerzeugung kommen nicht aus öffentlichen Mitteln.”

“Zwar werden in verkürzten Darstellungen oft Summen über die vergangene und künftige Einspeisevergütung für PV-Strom in dreistelliger Milliardenhöhe gebildet und als „Subvention“ deklariert. Eine Subvention ist aber definiert als eine Leistung aus öffentlichen Mitteln, während das EEG eine Umlage vorsieht: Energieverbraucher zahlen eine Zwangsabgabe für die – notwendige und beschlossene – Transformation unseres Energiesystems. Diese Sichtweise wurde auch von der EU-Kommission bestätigt.”

“Dass der deutsche Kraftwerkspark vermehrt für den Export produziert, dürfte auch mit den geringen Erzeugungskosten für Kohlestrom, insbesondere den geringen CO2-Zertifikatspreisen der letzten Jahre zusammenhängen. …”

“Die PV-Branche beschäftigte im Jahr 2016 ca. 36000 Menschen in Deutschland [BSW]. Zum Vergleich: nach einer Studie des Ökoinstituts arbeiteten 2015 noch rund 21000 Menschen im Braunkohlebergbau und in den Braunkohlekraftwerken. …”

“Die in Deutschland betriebene PV-Leistung befand sich noch 2016 überwiegend im Eigentum von Privatpersonen, Landwirten und Gewerbebetrieben. Die großen Kraftwerksbetreiber hielten magere 0,2% (der PV-Anlagen). …”

“Weil PV v.a. zu Spitzenlastzeiten Strom produziert (tagsüber, wenn es hell ist – und auch der meiste Strom gebraucht wird), werden insbesondere konventionelle Spitzenlast-Kraftwerke seltener und in geringerem Umfang benötigt, ihre Auslastung und Rentabilität sinkt besonders stark. Paradoxerweise werden aber gerade flexible Kraftwerke mit schnell steuerbarerer Leistung im Zug der Energiewende immer mehr benötigt. …”

“Wenn PV-Kraftwerke Strom liefern, liefern sie tagsüber, zu Zeiten höchster Nachfrage. Das senkt den Strompreis an der Börse, der sich nach den Börsenregeln auf alle momentan produzierenden Kraftwerke überträgt. Früher konnten die großen Kraftwerksbetreiber billigen Grundlaststrom zur Mittagszeit sehr lukrativ verkaufen. Seit 2011 führte aber die PV zu Preissenkungen an der Börse und damit zu massiven Gewinneinbrüchen. …”

“Solarstrom wird … überwiegend dezentral eingespeist und stellt kaum Anforderungen an einen Ausbau des innerdeutschen Übertragungsnetzes.”

“Eine hohe PV-Anlagendichte in einem Niederspannungs-Netzabschnitt kann an sonnigen Tagen dazu führen, dass die Stromproduktion den Stromverbrauch in diesem Abschnitt übersteigt. Transformatoren speisen dann Leistung zurück in das Mittelspannungsnetz. Bei sehr hohen Anlagendichten kann die Transformatorstation dabei an ihre Leistungsgrenze stoßen. Eine gleichmäßige Verteilung der PV-Installationen über die Netzabschnitte verringert den Ausbaubedarf.”

“Die Erzeugung von Solarstrom ist heute dank verlässlicher nationaler Wettervoraussagen sehr gut planbar. Aufgrund der dezentralen Erzeugung können regionale Änderungen in der Bewölkung nicht zu gravierenden Schwankungen der deutschlandweiten PV-Stromproduktion führen.”

“Klimabedingt korrelieren in Deutschland hohe Sonneneinstrahlung und hohe Windstärken negativ auf allen Zeitskalen von Stunden bis Monaten. (Wenn viel Sonne scheint, geht wenig Wind und umgekehrt – was die Energieerzeugung gleichmäßiger macht. GM)”

“Das Erzeugungsprofil von PV-Strom passt so gut zu dem Lastprofil des Stromnetzes, dass der gesamte Strombedarf im Band von 40-80 GW auch bei weiterem Ausbau der PV in den nächsten Jahren jederzeit über dem PV-Stromangebot liegen wird.”

“Allerdings nehmen die Konflikte mit trägen Kraftwerken zu, die einer schwankenden Residuallast aus technischen und wirtschaftlichen Gründen nur sehr eingeschränkt folgen können.”

“Ältere Kohlekraftwerke, insbesondere Braunkohlekraftwerke, können keine Regelenergie (also Spitzenlast-Energie) in einer wirtschaftlich vertretbaren Weise beisteuern.”

“Kernkraftwerke sind technisch in der Lage, Leistungsgradienten von bis zu 2%/min und Leistungshübe von 50 bis 100% zu fahren, bisher werden sie aus wirtschaftlichen Gründen jedoch selten gedrosselt.”

“Grundsätzlich müssen jedoch die volatilen Erzeuger(z.B. Gaskraftwerke, GM)mit ihren vernachlässigbaren Grenzkosten Vorfahrt erhalten.”

“Die Versorgungssicherheit für Letztverbraucher hat parallel zum Ausbau der Photovoltaik seit dem Jahr 2006 sogar zugenommen. Verstärkte Investitionen in den Ausbau der Übertragungsnetze haben zu dieser Entwicklung beigetragen.”

“Erntefaktor und Energierücklaufzeit von PV-Anlagen variieren mit Technologie und Anlagenstandort. Eine neuere Studie aus dem Jahr 2017 [Raug] ermittelte für PVKraftwerke mit wafer-basierten Modulen auf Basis von gemessenen PV-Erträgen aus der Schweiz und einer angenommenen Lebensdauer von 25 Jahren einen Erntefaktor von 9-10, entsprechend einer Energierücklaufzeit von 2,5 – 2,8 Jahren. (Das bedeutet: innerhalb von 3 Jahren erzeugt die PV-Anlage den Strom, der für ihre eigene Herstellung erforderlich war. GM)

Windkraftanlagen weisen deutlich kürzere Energierücklaufzeiten auf, sie liegen gewöhnlich unter einem Jahr.”

“Waferbasierte PV-Module altern so langsam, dass es eine Herausforderung für die Wissenschaftler darstellt, Leistungsverluste überhaupt nachzuweisen.”

“Mit Erreichen des 52-MW-Deckels ist eine Förderung neuer PV-Installationen nach dem derzeit gültigen EEG nicht mehr vorgesehen. Die aktuellen Marktmechanismen würden ohne Flankierung durch das EEG oder einen Nachfolger zu wenig Anreize für langfristige Investitionen in die Energiewende liefern. Ein wesentlicher Grund ist die sektoriell lückenhafte, mit dem Börsengeschehen schwankende und in der Summe viel zu geringe Bepreisung von CO2-Emissionen. Eine sozial kompensierte, nationale CO2 Abgabe, wie sie bspw. in Schweden (seit 1991), in der Schweiz 2008 („Lenkungsabgabe“), in Frankreich (Steuer außerhalb des EU-ETS) und in Großbritannien („Carbon Price Floor“) eingeführt wurde, kann diese Schwachstellen überbrücken.”

Übrigens: Die oft wiederholte Aussage, Photovoltaikanlagen würden zur ihrer Herstellung soviel Energie verbrauchen, wie sie am Ende liefern ist FALSCH!Überall auf der Welt werden mehr neue Photovoltaikanlagen gebaut, als in Deutschland (wo diese produziert werden)!
PV-Anlagen (Energiegewinnung durch Sonneneinstrahlung) sind sehr gut geeignet:

  • Den Strom zu Zeiten zu erzeugen, zu denen der Strom gebraucht wird (tagsüber)
  • Strom dezentral zur Verfügung zu stellen, z.B. in Haushalten in denen er auch verbraucht wird. Daher wird der permanent diskutierte Netzausbau nicht in dem Umfang benötigt, wie es öffentlich als Voraussetzung gefordert wird, um weiterhin erneuerbare Energien auszubauen
  • PV-Anlagen können zu niedrigen Kosten Strom zu erzeugen (Anschaffungskosten der Anlage im Vergleich zur Menge an gelieferter Energie)
  • PV-Anlagen werden aus quasi unendlichen Rohstoffen produziert (Sand), enthalten kaum giftige Rohstoffe (je nach Hersteller) und sind nach Nutzung relativ leicht zu recyceln
  • PV-Anlagen werden kaum schlechter: die tatsächliche Nutzungsdauer ist so lange, dass es bisher kaum verlässliche Daten gibt, wie lange diese Platten Energie erzeugen können (mind. 25 Jahre, aber wahrscheinlich länger)
  • Bei einer Lebensdauer von 20 Jahren erzeugen PV-Anlagen 9-10 mal so viel Energie, wie zu ihrer Herstellung gebraucht wird.
  • PV-Anlagen haben keine Emissionen und stoßen natürlich auch kein CO2 aus!

Doch genau dies wird nicht gefördert – im Gegenteil.

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