Tu das, was DIR MÖGLICH ist (und vermeide die Denkfalle der Konsequenz)
Unsere Übersichten zum „SELBER TUN“ erheben weder Anspruch auf Vollständigkeit noch auf Objektivität – sie sind eine subjektive Zusammenstellung konkreter Handlungsmöglichkeiten. Du wirst vielleicht nicht mit allem einverstanden sein. Mache Dir am Besten Deine eigene Liste Deiner persönlichen Handlungsmöglichkeiten. Überlege dabei: Was ist wirksam, was ist mir möglich und was will ich wirklich machen?
Wir Menschen vertragen es eigentlich ganz schlecht, wenn wir das Gefühl haben, gegen unsere Überzeugungen zu handeln. Das tun wir aber oft, … (lesen)
Wir Menschen vertragen es eigentlich ganz schlecht, wenn wir das Gefühl haben, gegen unsere Überzeugungen zu handeln. Das tun wir aber oft, weil wir gleichzeitig unsere Bedürfnisse auf dem einfachsten Weg befriedigen wollen. Da wir aber in Einklang mit unseren Überzeugungen handeln wollen, passiert es ganz schnell, dass wir die Überzeugungen unserem Handeln anpassen. So vermeiden wir „kognitive Dissonanz“. Wenn wir nun z.B. WENIGER Fleisch essen, WEIL wir wirklich begriffen haben, dass das mit dem Fleischkonsum nicht mehr geht, kommt diese Überzeugung immer wieder ins Bewusstsein – auch wenn wir Fleisch essen, weil grad die lustige Grillparty ist. Dann ärgert uns diese kognitive Dissonanz. Das hat zur Folge, dass es viele vermeiden, irgendetwas WENIGER zu tun und stattdessen das Wissen lieber in den hintersten Winkel des Vorbewussten verbannen. Das ist aber ein großes Problem für den ökologischen Wandel. Denn es geht ja nicht darum, dass wir alle Heilige werden, sondern darum, dass wir so wenig Schaden anrichten wie möglich. Hier findest Du noch mehr zu den Themen Psychologie und Ethik. Du tust als das Richtige, wenn Du die Denkfalle der Konsequenz vermeidest: „Ich kann nicht alles machen, was richtig wäre, also hat es ja eh keinen Zweck“. Das stimmt zum Glück nicht. Du musst eben nicht gleich Veganer werden, um etwas gegen das Massentierleiden zu tun. Wie gesagt: JEDES Schnitzel weniger ist ein Gewinn. Du kannst also einfach achtsamer werden und schauen, wo Du immer wieder (vielleicht auch immer öfter) Fleisch durch eine vegane Mahlzeit ersetzen kannst, die Dir gut schmeckt. Wenn alle das tun, werden die Hersteller merken, dass sie leidbehaftetes Fleisch immer schlechter verkaufen können. Es geht nicht darum, dass wir einen Heiligenschein bekommen, sondern dass das Wohl der Tiere verbessert wird.
Das gleiche gilt für das Vermeiden von Flugreisen, weniger Auto fahren usw.
Denk daran: Es geht nicht darum, dass Du Dich schuldig fühlst, weil Du etwas nicht schaffst, sondern darum, dass Du Dich jedes mal freust, wenn es Dir gelingt, in Einklang mit der Natur und Deinen Mitmenschen zu kommen 🙂 Jeder kleine Schritt ist ein Erfolg!
SZ: Das Klima und ich – das Handeln des Einzelnen ist notwendig – aber nicht ausreichend. Es geht nicht darum, das eigene Gewissen zu beruhigen, sondern strukturelle und systemische Lösungen schaffen – national, EU-weit und global. Deshalb müssen wir jetzt …
Dein Verhalten steckt an
Was Du tust, bleibt nicht bei Dir. Die Forschung zeigt, wie stark Vorbilder wirken:
- Laut Weltklimarat reichen 10 bis 30 % überzeugte Menschen, um neue soziale Normen zu setzen. (IPCC AR6 WGIII, Kapitel 5)
- Menschen mit hohem Einkommen und Ansehen können als Vorbilder besonders viel bewirken. (IPCC AR6 WGIII, Kapitel 5)
- Solaranlagen auf dem Dach stecken die Nachbarschaft an: 10 zusätzliche Anlagen in einem Gebiet erhöhen die Wahrscheinlichkeit einer weiteren um 7,8 %. (EurekAlert zu Bollinger & Gillingham 2012)
- Über das Klima zu reden wirkt: Wer mit Freunden und Familie spricht, lernt Fakten dazu und spricht danach öfter darüber. (Yale Program on Climate Change Communication)
Bringt mein Beitrag überhaupt etwas?
Der Weltklimarat schätzt, dass Änderungen auf der Nachfrageseite – also wie wir wohnen, essen, uns bewegen – die Emissionen bis 2050 um 40 bis 70 % senken können. Dazu gehören aber auch Angebote und Regeln, die solches Verhalten leicht machen.
Die Philosophie diskutiert, ob Einzelne moralisch verpflichtet sind, wenn ihr Beitrag winzig ist. Ein starkes Argument dafür: Viele kleine Beiträge ergeben zusammen den Schaden, und Verhalten wirkt über Normen weiter. Der Weltklimarat sagt klar: Menschen tragen als Verbraucher/innen und als Bürger/innen bei.
Quellen: IPCC AR6 WGIII, Kapitel 5 · IPCC AR6 WGIII, Kapitel 5