Fake News
Fake news werden mehr und mehr zum Problem. Es häufen sich Belege dafür, dass demokratische Prozesse u.a. durch gezielte Lügen manipuliert werden.
https://www.zeit.de/digital/internet/2019-05/desinformation-fake-news-europawahl-stephan-lewandowsky-psychologie
„Es geht darum, Verwirrung und Chaos zu stiften“ Jakob Simmank (Die ZEIT, 24.5.19) interviewt den Psychologen Stephan Lewandowsky, der sagt: Fehlinformation ist gefährlicher geworden. Die Welt nähert sich einer Post-Wahrheits-Ära. Aber – wir können uns rüsten.
Die Wissenschaft hinter dem Klimawandel ist so komplex, dass sich daraus eine besondere Anfälligkeit für Falschinformationen ergibt. Wenn irgendjemand irgendeine Fehlinformationen in die Welt setzt, ist es sehr schwierig, dagegen zu halten, wenn man nicht selbst wissenschaftlich ausgebildet und in dem Thema zu Hause ist. Angesichts der Tatsache, dass sich über 99 Prozent der begutachteten Fachartikel und 90 bis 100 Prozent der publizierenden Klimaforscher/innen darüber (Quelle) einig sind, dass der anthropogene Klimawandel eine Tatsache ist, bleiben zwei Optionen: entweder den Wissenschaftlern glauben (sehr zu empfehlen), oder sich selber durch die Wissenschaft durch zu quälen und sich ein eigenes Bild über die wissenschaftlichen Zusammenhänge und die Fakten zu erarbeiten.
Es gibt einige Web-Projekte, die geradezu Detektivarbeit leisten, um Fake News systematisch aufzudecken. Zwei empfehlenswerte Seiten sind:
Die private österreichische Seite WWW.MIMIKAMA.AT
WWW.CORRECTIV.ORG – eine Plattform für investigativen Journalismus.
Correctiv wurde nach eigenen Angaben initial durch die Brost-Stiftung und mittlerweile durch eine große Zahl privater Unterstützer gefördert. Die aktuelle Aufstellung der Einnahmen veröffentlicht Correctiv jedes Jahr auf seiner Seite „Finanzen“. (Quelle)
„Weitere bedeutende Förderer sind die Rudolf Augstein Stiftung, die Schöpflin Stiftung, Luminate (Teil der Omidyar Gruppe), die Stiftung Mercator, die Adessium Foundation, sowie die Open Society Foundations. Daneben gab es Unterstützung im Rahmen von Projekten wie z.B. durch die Google Digital News Initiative bei der Entwicklung der Software CrowdNewsroom und die Bundeszentrale für politische Bildung für eine Veranstaltungsreihe.“
Auf unserer Seite zum Klimawandel bieten wir gezielt Informationen und Hinweise zum Thema „Leugnung des Klimawandels“.
Falschinformation: Was wirklich hilft
Seit 2019 hat die Psychologie viel darüber gelernt, warum Falschmeldungen wirken – und was dagegen hilft. Die Ergebnisse machen Mut.
- Wer gründlich nachdenkt, erkennt Falschmeldungen besser – auch solche, die zur eigenen politischen Haltung passen. Anfällig macht vor allem flüchtiges Denken, weniger die Parteilichkeit. (PsyPost)
- Teilen heißt nicht glauben: Menschen teilen oft Meldungen, die sie selbst für falsch halten würden, wenn sie darüber nachdächten. Schon ein kleiner Hinweis auf Genauigkeit verbessert die Qualität dessen, was sie teilen. (MIT Media Lab)
- „Vorab-Impfung“ (Prebunking): Kurze Videos erklären Tricks wie Sündenböcke, falsche Entweder-oder-Fragen oder Angriffe auf die Person. In einem Feldversuch auf YouTube erkannten Zuschauer/innen solche Tricks danach im Schnitt um 5 Prozent besser. (University of Cambridge zu Roozenbeek u. a.)
- Eine Umfrage unter 71.922 Menschen in 68 Ländern zeigt: Die meisten vertrauen Wissenschaftlern/innen relativ stark und wünschen sich, dass sie sich in Gesellschaft und Politik einbringen. Eine „Vertrauenskrise“ fanden die Forscher/innen nicht. (idw)
- In Deutschland vertrauen 54 Prozent der Menschen Wissenschaft und Forschung stark oder sehr stark. Jede/r Zehnte vertraut ihr wenig oder gar nicht. (Wissenschaft im Dialog)
97 oder 99 Prozent? Was der Klima-Konsens genau misst
Die bekannte Zahl „97 Prozent“ stammt aus einer Studie von 2013. Sie wertete fast 12.000 Kurzfassungen von Fachartikeln aus; 97 Prozent der Artikel mit einer Aussage zur Ursache nannten den Menschen. 2016 fasste ein Team sechs unabhängige Studien zusammen: Je nach Studie stimmen 90 bis 100 Prozent der publizierenden Klimaforscher/innen zu – und je größer die Fachkenntnis, desto größer die Zustimmung.
2021 prüfte eine neue Studie 88.125 Fachartikel seit 2012. Ergebnis: Mehr als 99 Prozent sind sich einig. Kritische Artikel gab es nur wenige, und sie erschienen in kleinen Fachzeitschriften. Genau gesagt: Es sind sich nicht „97 Prozent der Wissenschaftler“ einig, sondern über 99 Prozent der begutachteten Forschung.
Quellen: University of Edinburgh · University of Bristol · Cornell University
Unachtsamkeit statt Parteilichkeit: die Forschung von Pennycook und Rand
Lange galt: Menschen glauben Falschmeldungen, weil sie zu ihrer Meinung passen („motiviertes Denken“). Gordon Pennycook und David Rand testeten das mit 3.446 Personen. Wer bei einem kurzen Denktest besser abschnitt, hielt Falschmeldungen seltener für wahr – auch Meldungen, die zur eigenen politischen Seite passten. Ihr Fazit: Flüchtiges Denken erklärt die Anfälligkeit besser als Parteilichkeit.
2021 zeigten sie in der Fachzeitschrift Nature: Menschen teilen oft Meldungen, ohne über deren Wahrheit nachzudenken. Ein kleiner Anstoß – etwa die Frage, ob eine einzelne Schlagzeile stimmt – verbessert die Qualität dessen, was sie danach teilen. Einordnung: Andere Forscher/innen betonen, dass Parteilichkeit trotzdem eine Rolle spielt. Beides schließt sich nicht aus. Für Dich heißt das: Kurz innehalten und fragen „Stimmt das?“, bevor Du teilst.
Quellen: PsyPost · MIT Media Lab
Prebunking: Impfen gegen Manipulation
Falschmeldungen nachträglich zu widerlegen ist mühsam. Die Forschung um Jon Roozenbeek und Sander van der Linden (Cambridge) setzt deshalb früher an. Kurze Videos erklären typische Manipulationstricks, bevor man ihnen begegnet: Sündenböcke, absichtliche Widersprüche, falsche Entweder-oder-Fragen, Angst machende Sprache und Angriffe auf die Person.
In sieben Experimenten mit fast 30.000 Teilnehmern/innen wirkte das. Im Feldversuch zeigte Google Jigsaw rund 5,4 Millionen YouTube-Nutzern/innen in den USA ein solches Video als Werbung. Danach erkannten sie Manipulationstricks im Schnitt um 5 Prozent besser. Das klingt wenig, ist aber bei Millionen Menschen und Kosten von wenigen Cent pro Person viel. Einordnung: Wie lange der Effekt anhält, wird weiter erforscht.
Quellen: University of Cambridge