Scientists for future: gesicherte Fakten

Scientists for future: gesicherte Fakten

Nachfolgend eine Zusammenfassung wesentlicher Fakten aus der Sicht der Wissenschaftler*innen von Scientists for Future. Die Zusammenfassung stammt aus dem Jahr 2019. Die Kernaussagen gelten weiter, viele Zahlen haben sich aber verschlechtert. Den Stand von 2026 findest Du jeweils direkt bei den Abschnitten. (Quelle)

Der durch Menschen verursachte Temperaturanstieg ist wissenschaftlich belegt

1. Weltweit ist die Durchschnittstemperatur bereits um etwa 1 °C angestiegen (relativ zu 1850–1900) (IPCC 2013, 2018). Rund die Hälfte des Anstiegs erfolgte in den letzten 30 Jahren (NASA 2018, IPCC 2014). (Stand 2019.) 2025 lag die vom Menschen verursachte Erwärmung bereits bei 1,37 °C; sie steigt um etwa 0,27 °C pro Jahrzehnt. (Quelle)

2. Weltweit waren die elf Jahre von 2015 bis 2025 die elf wärmsten seit Beginn der Messungen; das wärmste war 2024 (WMO 2026). (Quelle)

3. Der Temperaturanstieg ist nahezu vollständig auf die von Menschen verursachten Treibhausgas-Emissionen zurückzuführen (U.S. Global Change Research Program 2017, IPCC 2013, 2014).

4. Bereits mit der aktuellen Erwärmung sind wir in vielen Regionen mit häufigeren und stärkeren Extremwetterereignissen und deren Folgen wie Hitzewellen, Dürren, Waldbränden und Starkniederschlägen konfrontiert (zum Beispiel IPCC 2012, 2013, 2018, National Academies of Sciences, Engineering, and Medicine 2016).

Klimafakten 2026: Was sich seit 2019 verändert hat

Die Fakten von Scientists for Future stammen aus dem Jahr 2019. Sie stimmen im Kern bis heute. Die Zahlen sind aber deutlich schlechter geworden. Hier der Stand Ende 2026.

  • Die vom Menschen verursachte Erwärmung lag 2025 bei 1,37 °C über dem Niveau von 1850–1900. Sie wächst um etwa 0,27 °C pro Jahrzehnt – so schnell wie nie zuvor. (EurekAlert/Universität Leeds)
  • Die elf Jahre von 2015 bis 2025 waren die elf wärmsten seit Beginn der Messungen. 2025 lag die Temperatur etwa 1,43 °C über dem vorindustriellen Durchschnitt. (WMO)
  • Die drei Jahre 2023 bis 2025 lagen im Durchschnitt erstmals über 1,5 °C. Das heißt noch nicht, dass das Pariser Ziel verfehlt ist – es misst den Durchschnitt über etwa 20 Jahre. Aber die Grenze ist sehr nah. (Copernicus)
  • Die Erde nimmt mehr Energie auf, als sie abgibt. Dieses Ungleichgewicht erreichte 2025 einen neuen Höchstwert. Der Wärmeinhalt der Ozeane war so hoch wie nie. (WMO)
  • Mit der heutigen Politik steuert die Welt auf bis zu 2,8 °C Erwärmung in diesem Jahrhundert zu. Werden alle Klimazusagen eingehalten, sind es 2,6 °C. (PBL Niederlande zum UNEP Emissions Gap Report 20)
  • Das verbleibende CO2-Budget für 1,5 °C beträgt ab Anfang 2026 noch etwa 130 Milliarden Tonnen CO2. Bei heutigen Emissionen ist es in rund drei Jahren aufgebraucht. (EurekAlert/Universität Leeds)

Dieser Temperaturanstieg wird drastische Auswirkungen haben

5. Die Auswirkungen der globalen Erwärmung sind zudem eine Gefahr für die menschliche Gesundheit (Watts et al., 2015, 2018). Neben den oben genannten direkten Folgen sind dabei auch indirekte Folgen der globalen Erwärmung wie Ernährungsunsicherheit und die Verbreitung von Krankheitserregern und ‑überträgern zu beachten.

6. Falls die Weltgemeinschaft die vom Pariser Abkommen angestrebte Beschränkung der Erwärmung auf 1,5 °C verfehlt, ist in vielen Regionen der Welt mit erheblich verstärkten Klimafolgen für Mensch und Natur zu rechnen (IPCC 2018).

7. Um mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Erwärmung von 1,5 °C nicht zu überschreiten, müssen die Nettoemissionen von Treibhausgasen (insbesondere CO2) sehr rasch sinken und in den nächsten 20 bis 30 Jahren weltweit auf null reduziert werden (IPCC 2013, 2018). (Stand 2019.) Inzwischen reicht das verbleibende CO2-Budget für 1,5 °C bei heutigen Emissionen nur noch etwa drei Jahre. Ein vorübergehendes Überschreiten von 1,5 °C ist laut UN-Umweltprogramm nicht mehr zu vermeiden; es muss so klein und so kurz wie möglich bleiben. (Quelle)

Die derzeitigen Maßnahmen reichen NICHT aus

8. Stattdessen steigen die CO2-Emissionen weiter. Das gilt bis heute. Mit der heutigen Politik steuert die Welt laut UN-Umweltprogramm (Oktober 2026) auf bis zu 2,8 °C Erwärmung in diesem Jahrhundert zu; werden alle Klimazusagen eingehalten, sind es 2,6 °C. (Quelle) Mit den Vorschlägen, die weltweit derzeit auf dem Tisch liegen, wird die Erwärmung bis zum Ende des Jahrhunderts wahrscheinlich bei über 3 °C liegen und anschließend aufgrund anhaltender Emissionen und Rückkoppelungseffekte weiter zunehmen (Climate Action Tracker 2018).

9. Bei derzeitigen Emissionen reicht das verbleibende globale CO2-Budget für 1,5 °C nur noch für etwa drei Jahre: Ab Anfang 2026 bleiben nach der mittleren Schätzung rund 130 Milliarden Tonnen CO2 (Indicators of Global Climate Change 2025). (Quelle) Auch für den 2-Grad-Pfad reicht es nur für etwa 25–30 Jahre (MCC 2018, IPCC 2018).

10. Anschließend leben wir von einem „CO2-Überziehungskredit“, d. h. die ab dann emittierten Treibhausgase müssen später unter großen Anstrengungen wieder aus der Atmosphäre entfernt werden (z.B. Rogelj et al., 2018; Gasser et al., 2015). Bereits die heute lebenden jungen Menschen sollen diesen „Kredit“ wieder abbezahlen. Gelingt dies nicht, werden viele nachfolgende Generationen unter den gravierenden Folgen der Erderwärmung leiden.

Das Restbudget: Warum es fast aufgebraucht ist

2019 hieß es: Das CO2-Budget für 1,5 °C reicht noch etwa zehn Jahre. Heute ist klar: Es reicht nur noch für rund drei Jahre. Ab Anfang 2026 bleiben nach der mittleren Schätzung etwa 130 Milliarden Tonnen CO2. Die Welt stößt derzeit jedes Jahr rund 40 Milliarden Tonnen CO2 aus. Die Zahlen stammen von über 50 Forschern/innen, die jedes Jahr mit den Methoden des Weltklimarats nachrechnen.

Das UN-Umweltprogramm zieht daraus im Oktober 2026 die Konsequenz: Die Chance, die Erwärmung ohne deutliches Überschießen bei 1,5 °C zu halten, ist vorbei. Jetzt geht es darum, das Überschießen so klein und so kurz wie möglich zu halten. Das ist kein Grund aufzugeben: Jedes Zehntelgrad weniger bedeutet weniger Schäden.

Quellen: EurekAlert/Universität Leeds · PBL Niederlande zum UNEP Emissions Gap Report 20

Es besteht die Gefahr, dass Kipp-Punkte erreicht werden, die einen langfristig verstärkten Temperaturanstieg zur Folge haben

11. Bei zunehmender Erwärmung der Erde werden gefährliche klimatische Kipp-Punkte des Erdsystems, d. h. sich selbst verstärkende Prozesse, immer wahrscheinlicher (Schellnhuber et al., 2016; Steffen et al., 2016 und 2018). Dies würde dazu führen, dass eine Rückkehr zu heutigen globalen Temperaturen für kommende Generationen nicht mehr realistisch ist. Inzwischen ist der erste Kipppunkt erreicht: Bei etwa 1,4 °C Erwärmung überschreiten die Warmwasser-Korallenriffe ihren Kipppunkt und sterben großflächig ab (Global Tipping Points Report 2025). (Quelle)

12. Die Ozeane nehmen zurzeit rund 90 % der zusätzlichen Wärme auf (IPCC 2013). Sie haben zudem etwa 30 % des bisher emittierten CO2 aufgenommen. Die Konsequenzen sind Meeresspiegelanstieg, Verlust von Meereis, Versauerung und Sauerstoffmangel im Ozean. Die konsequente Umsetzung der Ziele des Pariser Abkommens ist essentiell, um Mensch und Natur zu schützen und den Verlust von marinen Arten und Lebensräumen, besonders der akut gefährdeten Korallenriffe, zu begrenzen (IPCC 2018).

Der erste Kipppunkt ist erreicht: die Korallenriffe

2019 war von der Gefahr die Rede, dass Kipppunkte erreicht werden. 2025 stellten 160 Forscher/innen fest: Beim ersten System ist es so weit.

  • Schon bei 1,4 °C Erwärmung überschreiten Warmwasser-Korallenriffe ihren Kipppunkt. Sie sterben in nie gesehenem Ausmaß ab. Das trifft die Lebensgrundlage von Millionen Menschen. (Global Tipping Points Report 2025)
  • Die große Umwälzströmung im Atlantik (AMOC), zu der auch der Golfstrom gehört, könnte schon unter 2 °C zusammenbrechen. Das würde die Ernährung und Wasserversorgung weltweit gefährden. (Global Tipping Points Report 2025)
  • Klimawandel und Abholzung zusammen bringen den Amazonas-Regenwald schon unter 2 °C in Gefahr, großflächig abzusterben. (Global Tipping Points Report 2025)
  • Es gibt auch positive Kipppunkte: Saubere Technik wird billiger, je mehr sie genutzt wird. Das senkt schon heute weltweit die Energiepreise. (Global Tipping Points Report 2025)

Die planetaren Belastungsgrenzen sind überschritten

13. In vielen Bereichen werden menschliche Lebensgrundlagen durch Überschreitung der planetaren Belastungsgrenzen gefährdet (Steffen et al., 2015; SRU, 2016). Mit Stand 2015 sind zwei der neun Grenzen bedenklich überschritten (Klimaerwärmung und Landnutzungsänderungen), zwei weitere (Zerstörung genetischer Vielfalt (Biodiversität) und Belastung der Phosphor- und Stickstoffkreisläufe) kritisch überschritten (Steffen et al., 2015).

Planetare Grenzen 2026: sieben von neun überschritten

2015 galten zwei von neun Grenzen als bedenklich überschritten, zwei weitere als überschritten. Seitdem ist die Lage deutlich schlechter geworden.

  • Sieben von neun planetaren Grenzen sind überschritten: Klima, Artenvielfalt, Landnutzung, Süßwasser, Stickstoff und Phosphor, neue Stoffe (z. B. Plastik und Chemikalien) und – zum ersten Mal – die Versauerung der Meere. (Stockholm Resilience Centre)
  • Der pH-Wert an der Meeresoberfläche ist seit Beginn der Industrialisierung um etwa 0,1 gesunken. Das bedeutet 30 bis 40 Prozent mehr Säure im Wasser. (Stockholm Resilience Centre)
  • Der Planetary Health Check 2026 bestätigt: Alle sieben überschrittenen Grenzen haben den bisher schlechtesten gemessenen Stand erreicht. (Astrobiology.com)
  • Nur zwei Grenzen liegen noch im sicheren Bereich: die Ozonschicht und die Belastung der Luft mit Schwebteilchen (Aerosole). (Stockholm Resilience Centre)

Massenaussterben von Arten

14. Zurzeit findet das größte Massenaussterben seit dem Zeitalter der Dinosaurier statt (Barnosky et al., 2011). Weltweit sterben Arten derzeit 100- bis 1000-mal schneller aus als vor dem Beginn menschlicher Einflüsse (Ceballos et al., 2015; Pimm et al., 2014). In den letzten 500 Jahren sind über 300 Landwirbeltierarten ausgestorben (Dirzo et al., 2014); die untersuchten Bestände von Wirbeltierarten sind zwischen 1970 und 2014 im Durchschnitt um 60 % zurückgegangen (WWF 2018).

15. Gründe für den Rückgang der Biodiversität sind zum einen Lebensraumverluste durch Landwirtschaft, Entwaldung und Flächenverbrauch für Siedlung und Verkehr. Zum anderen sind es invasive Arten, sowie Übernutzung in Form von Übersammlung, Überfischung und Überjagung (Hoffmann et al., 2010).

16. Die Erderwärmung kommt hinzu: Bei unveränderten CO2-Emissionen könnten bis 2100 z. B. aus dem Amazonasbecken oder von den Galapagosinseln die Hälfte der Tier- und Pflanzenarten verschwinden (Warren et al., 2018). Auch für die tropischen Korallenriffe ist die Meereserwärmung der Hauptbedrohungsfaktor (Hughes et al., 2017 und 2018; IPCC 2018).

17. Auch der Verlust an landwirtschaftlicher Nutzfläche und Bodenfruchtbarkeit, sowie die irreversible Zerstörung von Artenvielfalt und Ökosystemen, gefährden die Lebensgrundlagen und Handlungsoptionen heutiger und kommender Generationen (IPBES 2018a und 2018b; Secretariat of the CBD, 2014; Willett et al., 2019; IAAST 2009a und 2009b).

18. Insgesamt besteht durch unzureichenden Schutz der Böden, Ozeane, Süßwasserressourcen und Artenvielfalt – bei gleichzeitiger Erderwärmung als „Risikovervielfacher” (Johnstone und Mazo, 2011) – die Gefahr, dass Trinkwasser- und Nahrungsmittelknappheit in vielen Ländern soziale und militärische Konflikte auslösen oder verschärfen und zur Migration größerer Bevölkerungsgruppen beitragen (Levy et al., 2017; World Bank Group 2018; Solow, 2013).

Artenschwund, Brände, Subventionen: neue Zahlen

Mehrere Zahlen in den Fakten von 2019 lassen sich heute aktualisieren. Die Richtung ist gleich geblieben.

  • Die erfassten Bestände von Wildtieren (Wirbeltiere) sind zwischen 1970 und 2022 um durchschnittlich 73 Prozent geschrumpft. Das heißt nicht, dass es 73 Prozent weniger Tiere gibt – es ist der Durchschnitt der Veränderung vieler einzelner Bestände. (WWF Deutschland)
  • 2025 war die schlimmste Waldbrandsaison in der EU seit Beginn der Aufzeichnungen: Rund 1,08 Millionen Hektar verbrannten – fast doppelt so viel wie im Durchschnitt der Jahre 2006 bis 2024. (Gemeinsame Forschungsstelle der EU)
  • Fossile Brennstoffe werden weiter massiv gestützt: 2024 direkt mit 725 Milliarden US-Dollar. Rechnet man die nicht bezahlten Umwelt- und Gesundheitskosten dazu, sind es 6,7 Billionen US-Dollar – 5,8 Prozent der Weltwirtschaftsleistung. (Internationaler Währungsfonds)

Nachhaltige (überwiegend vegane) Ernährung und Neuausrichtung der Landwirtschaft sind Notwendigkeiten

19. Eine nachhaltige Ernährung mit starker Reduzierung unseres Fisch-, Fleisch- und Milchkonsums und eine Neuausrichtung der Landwirtschaft auf ressourcenschonende Lebensmittelproduktion sind für den Schutz des Klimas, der Land- und Meeresökosysteme notwendig (Springmann et al., 2018).

20. Nutztierhaltung erzeugt auf über vier Fünftel der landwirtschaftlich genutzten Fläche weniger als ein Fünftel der weltweit konsumierten Kalorien (Poore and Nemecek, 2018) und hat einen erheblichen Anteil am Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase (FAO 2013). Da die landwirtschaftlich genutzte Fläche Dauergrünland, Dauerkulturen und Ackerflächen umfasst, und ein erheblicher Teil des Dauergrünlandes nicht in Ackerland verwandelt werden kann, ist auch folgender Vergleich relevant: über ein Drittel der weltweiten Getreideernte wird zurzeit als Tierfutter verwendet (FAO 2017).

21. Ein verstärkter Direktkonsum von pflanzlicher Nahrung reduziert den Bedarf an knapper Ackerfläche, erzeugt weniger Treibhausgase und hat zudem erhebliche gesundheitliche Vorteile (Springmann et al., 2016).

Immer noch: Subventionen für fossile Brennstoffe statt Einpreisung von Folgekosten

22. Die direkten staatlichen Subventionen für fossile Brennstoffe betragen jährlich mehrere 100 Milliarden US-Dollar (Jakob et al., 2015). Berücksichtigt man zusätzlich noch die nicht durch Steuern ausgeglichenen Sozial- und Umweltkosten (vor allem Gesundheitskosten durch Luftverschmutzung), wird die Nutzung fossiler Brennstoffe nach Schätzungen von Experten des Internationalen Währungsfonds (IMF) weltweit mit rund 5 Billionen US-Dollar pro Jahr unterstützt; das sind 6,5 % des Welt-Bruttoinlandsproduktes von 2014 (Coady et al., 2017). Neuere Zahlen des IWF für 2024: direkte Subventionen 725 Milliarden US-Dollar (0,6 Prozent der Weltwirtschaftsleistung), mit nicht bezahlten Umwelt- und Gesundheitskosten 6,7 Billionen US-Dollar (5,8 Prozent). (Quelle)

Das Verursacher-prinzip muss sozialverträglich umgesetzt werden

23. Um dem Verursacherprinzip Rechnung zu tragen, müssten die Klimaschäden den Kosten der Verbrennung fossiler Brennstoffe zugerechnet werden. Eine Methode, mit der die Emissionen besonders effizient gesenkt werden können, sind z. B. CO2-Preise. Solange eine Versorgung durch kostengünstige erneuerbare Energieformen noch nicht ausreichend erreicht ist, müssen die dadurch entstehenden Belastungen sozialverträglich gestaltet werden. Dies ist beispielsweise durch Transferzahlungen oder Steuererleichterungen für besonders betroffene Haushalte oder eine pauschale Auszahlung an die Bürgerinnen und Bürger möglich (Klenert et al., 2018).

24. Stark sinkende Kosten und steigende Produktionskapazitäten für bereits eingeführte klimafreundliche Technologien machen eine Abkehr von fossilen Brennstoffen hin zu einem vollständig auf erneuerbaren Energien basierenden Energiesystem bezahlbar und schaffen neue ökonomische Chancen (Nykvist and Nilsson, 2015; Creutzig et al., 2017; Jacobson et al., 2018; Teske et al., 2018; Breyer et al., 2018; Löffler et al., 2017; Pursiheimo et al., 2019).

Die Darstellung der vorstehenden Fakten findest Du hier auf der Webseite von Scientists for Future.
Hier geht es zu den Quellen, die Scientists for Future für die vorstehenden Aussagen herangezogen haben

Stellungnahme von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zu den Protesten für mehr Klimaschutz – #Scientists4Future

Die Anliegen der demonstrierenden jungen Menschen sind berechtigt.
Zurzeit demonstrieren regelmäßig viele junge Menschen für Klimaschutz und den Er­halt unserer natürlichen Lebensgrundlagen. Als Wissenschaftlerinnen und Wissen­schaftler erklären wir auf Grundlage gesicherter wissenschaftlicher Erkenntnisse: Diese Anliegen sind berechtigt und gut begründet. Die derzeitigen Maßnahmen zum Klima-, Arten-, Wald-, Meeres- und Bodenschutz reichen bei weitem nicht aus.

Das Übereinkommen von Paris, meist als Pariser Klimaschutzabkommen bezeichnet, von 2015 (UN FCCC, 2015) verpflichtet die Staaten völker­rechtlich verbindlich, die globale Erwärmung deutlich unter 2 °C zu halten. Darüber hinaus haben alle Länder Anstrengungen versprochen, die Erwärmung auf 1,5 °C zu begrenzen.

Es kommt nun darauf an, die Netto-Emissionen von CO2 und anderen Treibhausgasen schnell abzusenken und welt­weit spätestens zwischen 2040 und 2050 auf null zu reduzieren (IPCC, 2018). Eine schnellere Absenkung erhöht hierbei die Wahrscheinlichkeit, 1,5 °C nicht zu überschreiten. Die Verbrennung von Kohle sollte bereits 2030 fast vollständig beendet sein, die Verbrennung von Erdöl und Erdgas gleichzeitig reduziert werden, bis alle fossilen Energieträger durch klima­neutrale Energiequellen ersetzt worden sind. Unter Berücksichtigung von globaler Kli­magerechtigkeit müsste in Europa dieser Wandel sogar noch deutlich schneller ablau­fen (IPCC, 2018; Global Carbon Project, 2018).

Auch wenn weiterhin Beteiligungs- und Diskussionsbedarf besteht: Jetzt muss gehan­delt werden. Beides schließt einander nicht aus. Es gibt bereits viele gesellschaftliche und technologische Innovationen, die Lebensqualität erhalten und menschliches Wohl­ergehen verbessern können, ohne unsere natürlichen Lebensgrundlagen zu zerstören (siehe zum Beispiel Klima-Allianz Deutschland, 2018; WBGU, 2011).

In allen deutschsprachigen Ländern werden beim Umbau der Bereiche Ener­gie, Ernährung, Landwirtschaft, Ressourcennutzung und Mobilität die notwen­dige Größenordnung und Geschwindigkeit nicht erreicht.

  • Deutschland wird die selbstgesteckten Klimaschutzziele für 2020 verfehlen (UBA, 2019) und auch die Er­reichung der Ziele der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie für 2030 ist hochgra­dig gefährdet (Sachverständigen Rat für Umwelt, 2018). Zudem mangelt es weiterhin an einem wirksamen Klimaschutzgesetz.
  • Öster­reich hat sich in seiner Klima- und Energiestrategie Ziele gesetzt, die dem Pariser Vertrag in keiner Weise gerecht werden (CCCA, 2018; Wegener Center für Klima und Globalen Wandel, 2018; Schleicher und Kirchgast, 2019) und selbst dafür sind weder die erforderlichen Maßnahmen noch die finanziellen Mittel vorgesehen (CCCA, 2018). Zugleich sind Bodenverbrauch und -versiegelung pro Person und Jahr in Österreich die höchsten in Europa (UBA, 2018).
  • Die Schweiz hat ihre Treibhausgas-Emissionen seit 1990 nur geringfügig verringert; gleichzeitig stiegen die im Ausland verursachten Emissionen erheblich an (BAFU, 2018). In der ersten parlamentarischen Debatte zur Totalrevision des CO2-Ge­setzes wurden die inländischen Reduktionsziele gestrichen und die Reduzierung der Schweizer Emissionen sollte durch Kompensation im Ausland erfolgen. Schließlich ist das Gesetz vorläufig gescheitert (Schweizer Parlament, 2018).

Die jungen Menschen fordern zu Recht, dass sich unsere Gesellschaft ohne weiteres Zögern auf Nachhaltigkeit ausrichtet. Ohne tiefgreifenden und konsequenten Wandel ist ihre Zukunft in Gefahr. Dieser Wandel bedeutet unter anderem: Wir führen mit neuem Mut und mit der notwendigen Geschwindigkeit erneuerbare Energiequellen ein. Wir setzen Energiesparmaßnahmen konsequent um. Und wir verändern unsere Ernäh­rungs-, Mobilitäts- und Konsummuster grundlegend.

Vor allem die Politik steht in der Verantwortung, zeitnah die notwendigen Rahmen­bedingungen zu schaffen. Insbesondere muss

  • klimafreundliches und nachhaltiges Handeln einfach und kostengünstig werden,
  • klimaschädigendes Handeln hingegen un­attraktiv und teuer, zum Beispiel durch wirksame CO2-Preise (EFI, 2019),
  • Einstellung von Sub­ven­tionen für klimaschädliche Handlungen und Produkte,
  • Effizienzvorschriften und soziale Inno­vationen.

Eine sozial ausgewogene Verteilung von Kosten und Nutzen des Wandels ist dabei unerlässlich.

Die enorme Mobilisierung der neuen Bewegungen (Fridays for Future in Deutschland und Österreich, Klimastreik in der Schweiz) zeigt, dass die jungen Menschen die Situation verstanden haben. Ihre Forderung nach schnellem und konse­quentem Handeln können wir als Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nur nach­drücklich unterstreichen.

Als Menschen, die mit wissenschaftlichem Arbeiten vertraut sind und denen die derzei­tigen Entwicklungen große Sorgen bereiten, sehen wir es als unsere gesellschaftliche Verantwortung an, auf die Folgen unzureichenden Handelns hinzuweisen (siehe auch Ripple et al., 2017).

Nur wenn wir rasch und konsequent handeln, können wir die Erderwärmung begrenzen, das Massenaussterben von Tier- und Pflanzenarten aufhalten, die natürlichen Lebensgrundlagen bewahren und eine lebenswerte Zukunft für derzeit lebende und kommende Generationen gewinnen. Genau das möchten die jungen Menschen von Fridays for Future und Klimastreik erreichen. Ihnen gebührt unsere Achtung und unsere volle Unterstützung.

Hier die Bundespressekonferenz mit den vollen Redebeiträgen von Scientists for Future und Repräsentant*innen von Fridays for Future.

Die Stellungnahme wurde auch im Magazin Science veröffentlicht.

Harald Lesch: Die Menschheit schafft sich ab

Harald Lesch ist wie immer gründlich – „Ist die Welt schon verloren?“ (Terra X, 2025) (Quelle)