Das Ziel-Paradox
George Monbiot: Let’s abandon climate targets, and do something completely different
„When firefighters arrive at a burning building, they don’t set themselves a target of rescuing three of the five inhabitants. They seek – aware that they may not succeed – to rescue everyone they can. Their aim is to maximise the number of lives they save. In the climate emergency, our aim should be to maximise both the reduction of emissions and the drawing down of carbon dioxide already in the atmosphere. There is no safe level of global heating: every increment kills.“ … „targets can encourage officials to underperform. As soon as you set a target, you pull back from maximisation. Even if you say “this target is the minimum”, as the CCC does, politicians treat it as merely the line they need to cross. At this point, they fulfil their legal duty, even if they fail to fulfil their wider duty of care“ … „The appropriate response to the climate emergency is a legal duty to maximise climate action.“
Was die Psychologie über Ziele weiß
George Monbiot sagt: Ziele bremsen, weil man aufhört, sobald man sie erreicht hat. Die Psychologie forscht seit über 50 Jahren dazu. Ihr Befund ist differenzierter.
- Edwin Locke und Gary Latham haben Hunderte Studien ausgewertet. Ergebnis: Konkrete, anspruchsvolle Ziele führen zu besseren Leistungen als die Aufforderung, sein Bestes zu geben. (Locke & Latham)
- Der Grund: Wer nur „sein Bestes“ geben soll, hat keinen Maßstab. Jeder legt dann selbst fest, was genug ist. (Locke & Latham)
- Ziele wirken nur mit Rückmeldung: Man muss sehen können, wie weit man schon ist. Sonst kann man weder Einsatz noch Vorgehen anpassen. (Locke & Latham)
- Ziele haben Nebenwirkungen. Forscher/innen aus Harvard, Wharton und anderen Hochschulen warnen: Sie können den Blick verengen, zu riskantem oder unehrlichem Verhalten verleiten und das Lernen behindern. Ziele seien wie ein verschreibungspflichtiges Medikament. (Ordóñez, Schweitzer, Galinsky, Bazerman)
- Vom Ziel zur Tat helfen Wenn-dann-Pläne. Der Konstanzer Psychologe Peter Gollwitzer nennt sie „Durchführungsvorsätze“: Ich lege vorher fest, wann, wo und wie ich handle. (Gollwitzer & Oettingen)
Hat Monbiot recht? Das Ziel-Paradox im Licht der Forschung
Monbiot vergleicht den Klimaschutz mit der Feuerwehr: Sie rettet so viele Menschen wie möglich, statt sich eine Quote zu setzen. Die Zielforschung stützt einen Teil davon: Ein Ziel wird oft als Linie behandelt, die man überschreiten muss – danach lässt der Einsatz nach. Ziele können auch zum Schummeln verleiten oder dazu, nur noch das Gemessene zu verbessern.
Der andere Teil passt nicht: „Tut so viel ihr könnt“ ist psychologisch ein schwaches Ziel. Locke und Latham fanden immer wieder, dass Menschen bei solchen Aufforderungen weniger leisten als mit konkreten, anspruchsvollen Zielen. Es fehlt der Maßstab, an dem man sich messen lassen muss. Die Lösung liegt deshalb wohl in der Verbindung: eine Pflicht, so viel wie möglich zu tun, und dazu klare Zwischenziele mit Rückmeldung, die als Untergrenze gelten und nicht als Endpunkt.
Quellen: Locke & Latham · Ordóñez u. a. · George Monbiot
Wenn-dann-Pläne: Wie aus Vorsätzen Taten werden
Zwischen Wollen und Tun liegt eine Lücke. Peter Gollwitzer hat dafür ein einfaches Werkzeug untersucht: den Wenn-dann-Plan. Statt „Ich will weniger Auto fahren“ heißt es: „Wenn ich montags zur Arbeit fahre, dann nehme ich das Rad.“ Der Plan legt Situation und Handlung im Voraus fest. Im entscheidenden Moment muss man dann nicht mehr lange überlegen.
Eine erste Auswertung von 94 Tests aus dem Jahr 2006 fand einen mittleren bis großen Effekt. Die große Auswertung von 2024 mit 642 Tests bestätigt: Wenn-dann-Pläne helfen beim Denken, Fühlen und Handeln. Nach der Korrektur für unveröffentlichte Studien fällt der Effekt aber kleiner aus. Für Dich heißt das: Ein guter Plan ist kein Wundermittel, aber eine der besten bekannten Hilfen, um Vorsätze umzusetzen. Für Politik gilt Ähnliches: Ein Ziel braucht einen Plan, wer was bis wann tut.
Quellen: Gollwitzer & Sheeran · Sheeran, Listrom, Gollwitzer