Ausbeutung von Landarbeiter*innen
Der Agrarsektor beschäftigt einen besonders hohen Anteil an Arbeitsmigrant*innen, zum Beispiel auf Plantagen oder in der Nahrungsmittelverarbeitung. Die menschenunwürdigen Arbeits- und Lebensbedingungen im ›Plastikmeer‹ von A lmeria, wo Tomaten produziert werden, oder die Orangenplantagen von Rosarno sind zwei von vielen Beispielen. Auch in der US-Landwirtschaft arbeiten eine Million lateinamerikanische Migrant*innen, 40 % davon ohne Papiere. Dies ist kein Zufall. Sie sind leichter ausbeutbar, da sie über wenige und schwach abgesicherte Rechte verfügen, einen unsicheren Aufenthaltsstatus haben und von rassistischer Diskriminierung betroffen sind. Ihnen bleibt häufig nichts anderes übrig, als temporäre, schlecht bezahlte und gesundheitsschädigende Arbeit anzunehmen. Auch viele Frauen werden in der Landwirtschaft systematisch benachteiligt und diskriminiert. Sie arbeiten in der Regel zu niedrigeren Löhnen als Männer und führen oft unbezahlte Tätigkeiten aus. … Ausbeuterische Klassen-, Geschlechter- und rassistische Verhältnisse sind im Ernährungsbereich weit verbreitet. … Arbeit ist dabei eine ›Ressource‹, die scheinbar unbegrenzt und ›billig‹ vorhanden ist. Ohne diese Ausbeutung wäre der enorme Wohlstand in ›unserer‹ Überflussgesellschaft nicht möglich.
Quelle: https://aufkostenanderer.org/portfolio/ernaehrung-und-landwirtschaft/
Erntehelfer/innen in Deutschland: was Saisonkräfte heute berichten
Ausbeutung in der Landwirtschaft gibt es nicht nur in Almería oder Rosarno. Auch auf deutschen Feldern arbeiten jedes Jahr viele Saisonkräfte, vor allem aus Osteuropa. Gewerkschaften und die Beratungsstelle Faire Mobilität besuchen sie bei der Arbeit und informieren sie über ihre Rechte.
Im Oktober 2026 berichteten DGB, IG BAU und Faire Mobilität aus Südhessen: Die Bedingungen sind sehr unterschiedlich. Beschäftigte erzählen von langen Arbeitszeiten bis zu zwölf Stunden, hohem Druck bei Akkordarbeit und undurchsichtigen Lohnabrechnungen. Zum Teil lag der Lohn deutlich unter dem Mindestlohn. Für Unterkunft und Essen wurden bis zu knapp 30 Euro am Tag abgezogen, und in einzelnen Fällen waren die Wohnungen unzumutbar.
Die Gewerkschaften fordern mehrsprachige Arbeitsverträge, monatliche Lohnabrechnungen, wirksame Kontrollen durch den Zoll und mehr soziale Absicherung. Die Ausweitung der Beschäftigung ohne Sozialversicherung halten sie für den falschen Weg.
Quellen: DGB Hessen-Thüringen: Saisonarbeit in Hessen – mehr Transparenz bei …