Landnutzung

Landnutzung

Nutztierhaltung erzeugt auf über vier Fünftel der landwirtschaftlich genutzten Fläche weniger als ein Fünftel der weltweit konsumierten Kalorien und hat einen
erheblichen Anteil am Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase.

Quelle: Scientists for Future; CREDITS: © Hannah Ritchie & Max Roser, OWID, CC BY-SA 4.0, based on data by FAO and World Bank Statistics, https://ourworldindata.org/yields-and-land-use-in-agriculture, modified and translated by Catherine Eckenbach. SOURCE: This image direct: https://ourworldindata.org/wp-content/uploads/2013/10/Land-use-graphic-01-01-01.png
Quelle: Scientists for Future; NOTES: Land-use for animal-based food includes Grazing land and Crop lands used for animal feed.
CREDITS: © Gregor Hagedorn, CC BY-SA 4.0, DATA FAO via Our World in Data; Crops in Agricultural Land = Crops minus Animal feed
See also: https://ourworldindata.org/agricultural-land-by-global-diets and https://ourworldindata.org/wp-content/uploads/2013/10/Land-use-graphic-01-01-01.png, Animal & Plant Icons: Catherine Eckenbach, CC-BY-SA 4.0 [SlideID:1851]

Einen allgemeinen Überblick über Landnutzung und Ernteerträge findest Du bei Ourworldindata „Yields and Land Use in Agriculture„. Hier werden auch Korrelationen zwischen Erträgen und dem Einsatz chemischer Dünger gezeigt.

Landgrabbing – auch in Europa

Ackerland wird zunehmend zum Investitionsobjekt für Energie-, Rohstoff- und Finanzkonzerne – auch in Deutschland. Ein Artikel aus dem Atlas der Globalisierung 2015 von Le Monde diplomatique (mehr lesen…)

Landgrabbing

Beim Landgrabbing sichern sich Banken, Investmentfonds, Agrar- und Ernährungskonzerne sowie Nationalstaaten im globalen Maßstab die Kontrolle über agrarisch nutzbare Flächen. Dies ist zwar nichts Neues, aber seit einigen Jahren hat sich die Art der Akteure verändert, Umfang und Geschwindigkeit der Landnahme haben rasant zugenommen und damit auch die Konflikte um Land.

Ursache dafür ist das Zusammentreffen verschiedener globaler Krisen: Die Nahrungsmittelkrise treibt die Preise in die Höhe und lässt die Nachfrage nach Land und landwirtschaftlichen Produkten nach oben schnellen; durch den Klimawandel veröden fruchtbare Böden, und es kommt vermehrt zu Miss ernten; aufgrund der Finanzkrise investieren institutionelle Investoren, wie zum Beispiel Pensionskassen, verstärkt in Land; und weil fossile Energieträger zur Neige gehen, wachsen auf den Äckern statt Bohnen und Kartoffeln immer mehr Energiepflanzen.

Weltweit werden dadurch Millionen Kleinbauern von ihrem Land vertrieben und Menschenrechte verletzt. Was gern als unvermeidlicher Strukturwandel dargestellt wird, ist politisch gewollt, wie nicht zuletzt der Agrarhaushalt der EU zeigt. Konkrete Kriterien für den Erhalt oder die Schaffung neuer Arbeitsplätze sind im größten Haushaltsposten der EU nicht vorgesehen, und so fließen jährlich 5,3 Milliarden Euro als Direktzahlungen nach Deutschland und fördern Betriebe nach ihrer Größe: große Betriebe bekommen viel Geld, kleine wenig. Ein Extrembeispiel ist Rumänien. Hier erhalten weniger als 1 Prozent der Betriebe– alle über 500 Hektar – 50 Prozent der Agrarförderung, die Brüssel an das Land zahlt. Wenige Akteure sichern sich so die Kontrolle über unsere Lebensgrundlage Land. 1087 dokumentierte Fälle von Landgrabbing haben weltweit zu einem Transfer von 40 Millionen Hektar Land geführt, das ist etwa das Vierfache der Ackerfläche Deutschlands. Dadurch entstanden Megafarmen mit einer durchschnittlichen Größe von 37 000 Hektar. Das Geschäft mit den fruchtbaren Böden der Entwicklungsländer boomt. Doch auch Deutschland ist betroffen: Seit der Wiedervereinigung hat sich die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland mehr als halbiert – bei gleichbleibender Anbaufläche. Inzwischen existieren nur noch 288 000 Betriebe, und allein zwischen 2010 und 2012 mussten 11 000 Höfe aufgeben, mit dem Ergebnis, dass immer weniger Betriebe immer mehr Land kontrollieren. Heute halten 4 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe – diejenigen mit mehr als 200 Hektar – 38 Prozent der gesamten Agrarfläche. In Ostdeutschland hatte die ländliche Bevölkerung nach der Wiedervereinigung kaum eine Chance, (wieder) in eine bäuerliche Landwirtschaft einzusteigen. Die mit der Verwaltung der Agrarflächen der ehemaligen DDR beauftragte Bodenverwertungs- und -verwaltungs GmbH (BVVG) erhielt von der Politik kein Mandat zur Schaffung vielfältiger bäuerlicher Strukturen. Die riesigen Flächen der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG) wurden nur teilweise aufgeteilt, zumeist gingen sie an einzelne Großbauern und Investoren. Gleichzeitig drängen nun überregionale Investoren auf den ostdeutschen Bodenmarkt. So zum Beispiel die KTG AgrarAktiengesellschaft, ein auf großflächige Landwirtschaft ausgerichteter Finanzinvestor mit Sitz in Hamburg. Die Firma verfügt inzwischen über insgesamt 40 000 Hektar Land, davon 32 000 Hektar in Ostdeutschland, baut unter anderem Getreide an und macht bei Weizen, Roggen und Dinkel auch in Bio. Die Vermarktung erfolgt über Eigenmarken wie die Bio-Zentrale. Daneben boomt bei KTG auch das Geschäft mit Agrarenergie. Zwischen 2007 und 2012 konnte der Konzern seine Energieproduktion von 6,5 auf 40 Megawatt steigern. Ein anderes Beispiel ist der internationale Möbelkonzern Steinhoff, der in den letzten Jahren etwa 20 000 Hektar Land in Ostdeutschland gekauft hat – eine Investition, die sich dank der staatlich geförderten Produktion von Biogas lohnt. Landgrabbing und die Konzentration von Land in den Händen weniger Großunternehmen müssen also zusammengedacht werden. Mit Investoren, Großbauern oder Agrarkonzernen können die lokalen Bauern und Bäuerinnen nicht konkurrieren. Und für junge Menschen, die Interesse an der Landwirtschaft haben und vielleicht in einen bäuerlichen Betrieb einsteigen würden, ist in diesen Geschäftsmodellen erst recht kein Platz. Wenn die Politik nicht gegensteuert, wird sich die Landkonzentration weiter fortsetzen, weitere 40 Prozent der derzeit noch existierenden landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland werden in den nächsten zwei Jahrzehnten schließen und das Feld für die wenigen, immer größer werdenden industriellen Agrarbetriebe räumen müssen. Dabei gibt es konkrete Vorschläge, diesen Trend zu stoppen oder gar umzukehren. In Deutschland können Verpachtung und Verkauf von Land aus Gründen einer »ungesunden Landverteilung« rechtlich verhindert werden. Dazu müsste dieser Begriff allerdings vom Gesetzgeber klar definiert werden, und zwar mit dem erklärten Ziel, eine große Vielfalt landwirtschaftlicher Betriebe zu erhalten oder sogar neu zu schaffen. Mittelfristig müsste in diesem Sinne eine europäische Direktive Fragen des Zugangs zu Land auf Basis der UN / FAO-Leitlinien zur verantwortungsvollen Verwaltung von Land regeln.

Quelle: Le Monde diplomatique. Atlas der Globalisierung 2015, Landgrabbing in Europa, ein Beitrag von Roman Herre.

Waldvernichtung

Auch wenn die landwirtschaftliche Nutzung die wichtigste Ursache für die Waldvernichtung darstellt, gibt es weitere Interessen, wie z.B. Bergbau, weshalb wir das Thema (Ur)Waldvernichtung im Hauptabschnitt „Ressourcen der Erde“ darstellen.

Hier nur der Hinweis, dass die Regenwaldvernichtung eng mit dem Thema Landgrabbing verknüpft ist: „Arme und landlose Menschen ziehen in die Wälder und roden („Brandrodungen sind Traktor und Dünger des kleinen Mannes“) zur Versorgung ihrer Familien Flächen zwischen ein und fünf Hektar. Wegen der meist sehr kargen und schlechten Böden, können die gerodeten Flächen nur für wenige Jahre bewirtschaftet werden.
Ohne Perspektive und bedrängt von Großgrundbesitzern geben viele Familien resigniert ihr Land auf. Kleinbauern als Speerspitze der Agroindustrie!
Die gerodeten Flächen werden jetzt nämlich günstig von Großgrundbesitzern übernommen, die Kleinbauern ziehen mit ihren Familien weiter in die Wälder hinein oder arbeiten als Tagelöhner auf den Farmen der Großgrundbesitzer … Landverteilungskonflikte als „Motor der Entwaldung“.“
Quelle: Faszination Regenwald.

Palmöl

Quelle: Zeit online 6.6.2018: Kann diese Pflanze böse sein?

Der Anbau von Palmöl geht häufig mit der Vernichtung von Regenwäldern einher. Indonesien und Malaysia liefern etwa 85% der Weltproduktion. Der durchschnittliche Europäer verbraucht 23 kg Palmöl pro Jahr.

Das Problem: Keine andere Nutzpflanze produziert so viel Öl pro Fläche wie die Ölpalme. Pro Hektar Anbaufläche kann man durchschnittlich vier Tonnen Palmöl pro Jahr gewinnen, bei Raps, Kokos oder Sonnenblumen sind es nur rund 0,7 Tonnen gewinnen, bei Soja 0,4 Tonnen. Alternative Öle brauchen also noch größere Anbauflächen als Palmöl, was ebenfalls einen hohen ökologischen Impact bedeutet.

Eine Frage (siehe Zeit-Artikel), die man sicherlich klar beantworten kann, ist diese: Ist es sinnvoll, Palmöl im Tank zu verbrennen, wenn 800 Millionen Menschen hungern oder mangelernährt sind?

Kokosöl ist keine Alternative

Aufgrund des Palmöl-Dilemmas und der zunehmend kritischen Sicht der Verbraucher*innen haben Produzenten*innen begonnen, auf Kokosöl umzusteigen. „Palmöl-frei“ = gutes Gewissen.

Leider stimmt das Gegenteil: Kokospalmen sind wesentlich weniger ertragreich, was zu einem höheren Flächenverbrauch für die gleiche Menge Öl führt. Darüberhinaus gibt es bislang nur wenig Kokosöl aus zertifizierten Plantagen, bei denen zumindest geringe Standards eingehalten werden. Bislang gab es hier vielfach kleinbäuerliche Strukturen, inzwischen werden es aber mehr und mehr Großplantagen. Diese beiden einfachen Aussagen könnt Ihr natürlich noch genauer nachlesen, z.B. bei der

        • abenteuer-regenwald.de: Welcher Unterschied besteht zwischen Palmöl und Kokosöl? Wird durch den Anbau von Kokosöl auch Regenwald zerstört?

        Falls Euch die Einschätzung der gesundheitlichen Wirkungen von Kokosöl interessieren, könnt Ihr hier das Video von maiLab anschauen: Was ist jetzt mit dem Kokosöl?

        Aber es sind Alternativen in Sicht, wie der Zeit-Online-Artikel „Zum Frühstück Insektenbutter aufs Brot“ zeigt. Keine Angst, es geht auch ohne Insekten:

        Hier noch ein kleiner Tipp am Rande: Wenn Du Omega-3-Fettsäuren als Nahrungsergänzungsmittel nimmst (weil Du Dich z.B. vegan ernährst und keinen Fisch isst), kannst Du auch hier auf vegane Alternativen zurückgreifen (hier z.B. bei Alpha Foods). Die Mikroalgen sind nämlich wunderbar in der Lage, eben diese Omega-3-Fettsäuren zu produzieren und können in Tanks kultiviert werden.