Saubere Luft: bei uns besser, weltweit das größte Umweltrisiko
Der ZEIT-Befund stimmt noch: In Deutschland wird die Luft besser, weltweit bleibt sie ein riesiges Gesundheitsproblem. Neu ist, dass die Forschung heute noch mehr Krankheiten mit schmutziger Luft verbindet – und dass die EU strengere Grenzwerte beschlossen hat.
- Luftverschmutzung ist weltweit das größte Umweltrisiko für einen frühen Tod. 2023 trug sie zu 7,9 Millionen Todesfällen bei. 86 Prozent davon gehen auf nicht übertragbare Krankheiten zurück, etwa Herz-Kreislauf- und Lungenleiden. (State of Global Air 2025)
- Neu erforscht: Schmutzige Luft hängt auch mit Demenz zusammen. 2023 wurden ihr weltweit mehr als 625.000 Demenz-Todesfälle zugeschrieben. (State of Global Air 2025)
- In der EU starben 2023 rund 182.000 Menschen vorzeitig, weil der Feinstaub über den WHO-Empfehlungen lag. Dazu kommen etwa 63.000 Todesfälle durch Ozon und 34.000 durch Stickstoffdioxid. (EEA)
- Es gibt echte Fortschritte: Die Todesfälle durch Feinstaub sind in der EU zwischen 2005 und 2023 um 57 Prozent gesunken. Trotzdem atmen 95 Prozent der Menschen in Europas Städten Luft, die schlechter ist als von der WHO empfohlen. (EEA)
- In Deutschland wurden 2025 alle geltenden EU-Grenzwerte für die Luftqualität eingehalten – das zweite Jahr in Folge (vorläufige Daten des Umweltbundesamts). (Bayerischer Umweltpakt)
- Ab 2030 gelten aber viel strengere Werte aus der neuen EU-Luftqualitätsrichtlinie: Feinstaub (PM2,5) von 25 auf 10 Mikrogramm, Stickstoffdioxid von 40 auf 20 Mikrogramm pro Kubikmeter. Diese Werte überschreiten heute noch rund 39 Prozent (NO2) bzw. 18 Prozent (PM2,5) der Messstellen. (Bayerischer Umweltpakt)
- Die neue Richtlinie ist seit 2024 in Kraft und bringt die EU-Grenzwerte näher an die Empfehlungen der WHO – die WHO empfiehlt aber noch niedrigere Werte. (EEA)
Was heißt das für uns? Weniger Autoverkehr, weniger Verbrennung von Holz, Kohle und Öl – das schützt Klima und Lunge zugleich. Wer zu Fuß, mit dem Rad oder mit Bus und Bahn unterwegs ist, hilft mit.
Videos dazu

Luftverschmutzung: Was neue Messungen jetzt zeigen | Studio Q
Quarks (Januar 2026): Macht schlechte Luft in Deutschland krank, obwohl die Grenzwerte eingehalten werden? Was neue Messungen zeigen.
Schmutzige Luft trifft die Kleinsten: über 700.000 tote Kinder
Kinder atmen schneller als Erwachsene, und ihre Lunge wächst noch. Darum schadet ihnen schmutzige Luft besonders. UNICEF berichtet: 2021 starben mehr als 700.000 Kinder unter fünf Jahren an Folgen der Luftverschmutzung.
Die meisten dieser Kinder sterben nicht an Autoabgasen. Rund 500.000 der Todesfälle hingen mit Rauch beim Kochen in der Wohnung zusammen – vor allem in Afrika und Asien. In Teilen Afrikas ist die Sterberate kleiner Kinder durch Luftverschmutzung rund 100-mal so hoch wie in reichen Ländern.
Das zeigt, wie ungleich die Lasten verteilt sind: Wer am wenigsten zur Verschmutzung beiträgt, leidet oft am meisten (Daten Stand 2021, veröffentlicht 2024).
Quellen: UNICEF: Air pollution accounted for 8.1 million deaths globally in … · UNICEF (19.06.2024) · UNICEF (19.06.2024)