Soja, Regenwald und das EU-Entwaldungsgesetz: was seit 2019 passiert ist
Seit 2023 sinkt die Abholzung in Brasilien stark. Gleichzeitig fallen gerade wichtige Schutzinstrumente weg, und das EU-Gesetz gegen Entwaldung wurde zweimal verschoben.
- Von August 2025 bis Juli 2026 wurden im brasilianischen Amazonas 3.335 Quadratkilometer Wald gerodet. Das sind etwa 42 Prozent weniger als im Jahr davor und so wenig wie nie seit Beginn der Messungen 1988. (Al Jazeera)
- Auch in der Savanne Cerrado, wo viel Soja wächst, ging die Rodung um etwa 24 Prozent auf 5.517 Quadratkilometer zurück. Dort wird aber immer noch mehr Fläche gerodet als im Amazonas. (Al Jazeera)
- Das Soja-Moratorium von 2006 hat gewirkt: Die Händler kauften kein Soja von Flächen, die nach 2008 im Amazonas gerodet wurden. In den überwachten Gemeinden sank die Abholzung um 69 Prozent. (Mongabay)
- 2026 ist das Moratorium praktisch am Ende. Große Händler wie ADM, Cargill und Cofco sind im Januar ausgestiegen. Im August 2026 bestätigte Brasiliens Oberstes Gericht Landesgesetze, die Firmen mit Moratorium Steuervorteile streichen. Forschende rechnen mit bis zu 1,4 Millionen Hektar zusätzlicher Rodung in zehn Jahren. (The Poultry Site)
- Die EU-Entwaldungsverordnung (EUDR) soll verhindern, dass Soja, Rindfleisch, Palmöl, Kakao, Kaffee oder Holz von gerodeten Flächen in die EU kommen. Sie wurde zweimal verschoben und gilt jetzt erst ab dem 30. Dezember 2026, für kleine Firmen ab dem 30. Juni 2027. (CMS Legal Update)
- Im Mai 2026 hat die EU-Kommission die Verordnung erneut überprüft. Sie schlug weitere Erleichterungen vor, aber kein neues Änderungsgesetz. (ZDH)
- Agrartreibstoffe heute: In Deutschland zählt Palmöl seit 2023 nicht mehr für die Klimaquote im Verkehr. Treibstoff aus Nahrungs- und Futterpflanzen darf höchstens 4,4 Prozent beitragen. (topagrar)
Was heißt das für uns? Politischer Wille kann die Abholzung stoppen, das zeigt Brasilien seit 2023. Freiwillige Abkommen sind aber zerbrechlich. Deshalb ist es wichtig, dass das EU-Gesetz gegen Entwaldung jetzt wirklich angewendet wird.
Videos dazu

Die Sojabohne, eine geopolitische Pflanze | Mit offenen Karten | ARTE
ARTE „Mit offenen Karten“ (März 2026): Soja als Schlüsselpflanze der Weltwirtschaft, vor allem als Tierfutter, und was die Monokulturen in Südamerika anrichten.