Flüsse, Seen und Grundwasser in Deutschland: weit weg vom Ziel
Auch bei uns ist das Wasser belastet. Doch auch unsere Bäche, Flüsse und Seen sind in keinem guten Zustand. Die EU-Wasserrahmenrichtlinie verlangt, dass alle Gewässer spätestens 2027 in gutem Zustand sind – dieses Ziel wird Deutschland klar verfehlen.
- Nur 9 Prozent aller Oberflächengewässer in Deutschland sind ökologisch in sehr gutem oder gutem Zustand. (Umweltbundesamt)
- Chemisch ist die Lage noch schlechter: Kein einziges Oberflächengewässer in Deutschland ist in einem guten chemischen Zustand. (Umweltbundesamt)
- Beim Grundwasser sind 67 Prozent der Wasserkörper chemisch in gutem Zustand. Ein Drittel ist also chemisch belastet. (Umweltbundesamt)
- Selbst mit allen geplanten Maßnahmen bis 2027 könnten nur etwa 18 Prozent der Gewässer die Ziele erreichen. (Umweltbundesamt)
- Ins Meer gelangen nach Schätzungen jedes Jahr zwischen 4,8 und 12,7 Millionen Tonnen Plastikabfall. (Deutscher Bundestag, Drucksache 21/7902)
Was heißt das für uns? Sauberes Wasser fängt an Land an: bei Dünger, Pestiziden, Medikamentenresten im Abwasser und Plastik. Was nicht in die Umwelt gelangt, muss später niemand mühsam herausholen.
Medikamente im Fluss: mindestens 414 Wirkstoffe nachgewiesen
Was wir an Medikamenten schlucken, scheiden wir zum großen Teil wieder aus. Es landet im Abwasser. Die meisten Kläranlagen halten diese Stoffe aber nicht zurück. Deshalb findet man Reste von Arzneimitteln fast überall und das ganze Jahr: in Bächen, Flüssen, Seen, im Grundwasser und vereinzelt sogar im Trinkwasser.
In Deutschland wurden bisher mindestens 414 verschiedene Arzneimittelwirkstoffe und ihre Abbauprodukte in der Umwelt gefunden. Am häufigsten sind Mittel gegen Epilepsie, Schmerzmittel, Antibiotika, Betablocker und Röntgenkontrastmittel. Meist sind die Mengen sehr klein, bis 0,1 Mikrogramm pro Liter. Tierarzneien kommen mit Gülle auf die Felder.
Du kannst helfen: Alte Medikamente nie ins Klo oder Spülbecken schütten. Frag in der Apotheke oder bei Deiner Kommune, wie Du sie richtig entsorgst (UBA, Stand Juni 2025).
Quellen: Umweltbundesamt: Arzneimittelrückstände in der Umwelt (aktualisiert … · Umweltbundesamt: Arzneimittelrückstände in der Umwelt · Umweltbundesamt: Arzneimittelrückstände in der Umwelt
Wer zahlt die vierte Reinigungsstufe? Streit um das Verursacherprinzip
Seit dem 1. Januar 2025 gilt die neue EU-Kommunalabwasserrichtlinie. Große Kläranlagen sollen eine vierte Reinigungsstufe bekommen, die Spurenstoffe wie Medikamentenreste herausfiltert. Bezahlen sollen das vor allem die Verursacher: Hersteller von Arzneimitteln und Kosmetik sollen mindestens 80 Prozent der Kosten tragen. Die EU-Kommission schätzte die Kosten auf 1,2 Milliarden Euro pro Jahr.
Dagegen wehrt sich die Industrie. 2025 reichten Pharma- und Kosmetikfirmen und Verbände 16 Klagen beim EU-Gericht ein. Im Februar 2026 wies das Gericht die Klage des Pharmaverbands EFPIA ab, weil er nicht klagebefugt war. Im Juni 2026 forderte das EU-Parlament, die Herstellerverantwortung neu zu prüfen. Am 3. September 2026 empfahl eine Generalanwältin am Europäischen Gerichtshof, diese Regeln für nichtig zu erklären – vor allem, weil die Begründung nicht ausreiche. Das Urteil steht noch aus (Stand November 2026).
Die kommunalen Wasserbetriebe warnen: Fällt die Herstellerverantwortung weg, zahlen am Ende die Bürger/innen über ihre Abwassergebühren. Dabei ist das Prinzip einfach: Wer verschmutzt, soll zahlen.
Quellen: EU-Kommission: Urban wastewater · euronews: Big Pharma gegen die EU: Wer zahlt für die … · euronews (28.03.2025) · EFPIA: Response to the General Court ruling on the UWWTD (20.02.2026) · VKU: Erweiterte Herstellerverantwortung soll erneut auf den … · VKU: Generalanwältin empfiehlt dem EuGH die Nichtigkeit der …