Müll und Verschmutzung: Plastikmüll-Export und das gescheiterte UN-Plastikabkommen

Plastikmüll-Export und das gescheiterte UN-Plastikabkommen

Die deutschen Plastikmüll-Exporte sind deutlich gesunken. Ein weltweiter Vertrag gegen Plastikverschmutzung ist aber bisher gescheitert.

  • 2023 hat Deutschland gut 694.000 Tonnen Kunststoffabfälle ins Ausland gebracht. Das ist fast die Hälfte weniger als zehn Jahre zuvor (minus 48 Prozent). Ein Grund: Mehrere asiatische Länder haben die Einfuhr beschränkt. (Destatis)
  • Das wichtigste Zielland waren die Niederlande. Auf Platz zwei folgte aber Malaysia mit gut 90.500 Tonnen – rund ein Drittel mehr als im Vorjahr –, auf Platz drei die Türkei mit gut 87.100 Tonnen. (Destatis)
  • Weltweit werden heute rund 430 Millionen Tonnen Plastik pro Jahr hergestellt. Nur etwa 9 Prozent davon werden wirklich recycelt. Ohne Gegenmaßnahmen könnte sich die Produktion bis 2060 verdreifachen. (Deutscher Bundestag, Drucksache 21/7902)
  • Am 15. August 2025 sind in Genf die Verhandlungen über ein weltweites Plastikabkommen ohne Ergebnis zu Ende gegangen. Rund 180 Länder konnten sich nicht auf einen Vertragstext einigen. (ZDFheute)
  • Hauptstreitpunkt war eine Obergrenze für die Plastikproduktion. Über 100 Länder, darunter Deutschland und die EU, wollten sie. Ölstaaten wie Saudi-Arabien, Iran und Russland wollten dagegen vor allem ein besseres Abfallmanagement statt strenger Produktionsregeln. (ZDFheute)
  • Seitdem ist wenig passiert: Bei der einzigen Folgesitzung im Februar 2026 wurde nur ein neuer Vorsitzender gewählt. Die nächste entscheidende Runde ist für Anfang 2027 geplant. (Deutscher Bundestag, Drucksache 21/7902)

Was heißt das für uns? Weniger Export heißt nicht weniger Müll. Solange weltweit immer mehr Plastik produziert wird, bleibt Müllvermeidung bei uns der wirksamste Hebel.

Videos dazu

Vorschaubild zum Video „Der dreckige Deal – wie Europa die Türkei zumüllt | auslandsjournal“

Der dreckige Deal – wie Europa die Türkei zumüllt | auslandsjournal

YouTube · ZDFheute Nachrichten · 2026 · 7 Min.

ZDF auslandsjournal (November 2026): Plastikabfall aus Deutschland und anderen EU-Staaten landet in der Türkei, statt recycelt zu werden.

Vorschaubild zum Video „Globales Plastikabkommen vorerst gescheitert“

Globales Plastikabkommen vorerst gescheitert

YouTube · tagesschau · 2025 · 7 Min.

tagesschau (August 2025): Die Verhandlungen über ein weltweites Plastikabkommen in Genf sind vorerst gescheitert.

Ab 21. November 2026: kein EU-Plastikmüll mehr in Nicht-OECD-Länder

Die EU hat 2024 ihre Regeln für Müll-Transporte neu gefasst. Die neue Abfallverbringungsverordnung gilt seit dem 20. Mai 2024. Ab dem 21. November 2026 ist es verboten, Plastikmüll aus der EU in Länder außerhalb der OECD zu bringen. Das sind vor allem ärmere Länder im globalen Süden.

Auch anderer, ungefährlicher Müll darf ab dem 21. Mai 2027 grundsätzlich nicht mehr in diese Länder. Ausnahmen gibt es nur für Länder, die strenge Umweltbedingungen erfüllen. Im September 2026 hat die EU-Kommission dafür eine erste Liste im Entwurf veröffentlicht. Elektroschrott darf schon heute gar nicht mehr in Nicht-OECD-Länder.

Wer weiter Müll ins Ausland schickt, muss nachweisen, dass die Anlage dort ihn sauber verwertet. Dafür sind unabhängige Prüfungen (Audits) Pflicht. Fehlt eine positive Prüfung, muss der Export aufhören. Das ist ein echter Fortschritt (Stand November 2026). Aber: Der Müll verschwindet dadurch nicht. Er muss hier vermieden oder verwertet werden.

Quellen: EU-Kommission: Waste shipments (Zeitleiste und Regeln, Stand 2026) · EU-Kommission: Waste shipments · EU-Kommission: Waste shipments · EU-Kommission: Waste shipments (Meldung 18.09.2026)