Der Kampf um das Wasser
Nicht einmal 1 Prozent des Wassers auf dem Planeten Erde ist Süßwasser. Unsere gesamte Zivilisation hängt von der Versorgung mit Frischwasser ab.
Die Ursprünge des alten Ägypten, der Mesopotamischen Kultur und der Industal-Kultur lagen an den Ufern großer Flüsse, ebenso wie die Kultur des alten China im Bereich des Gelben Flusses. Gerade in China wird deutlich, dass der Mensch einerseits die Nähe zu den Flüssen sucht und braucht, zugleich aber ständig mit der Beherrschung dieser Gewalten ringt. Das Ergebnis: der Drei-Schluchten-Damm – mit all seinen ökologischen Folgen.
Zigtausende von Dämmen wurden weltweit gebaut, so dass zwei Drittel der Flüsse ihre direkte Verbindung zum Meer verloren haben. Darunter leiden Fischpopulationen und Feuchtgebiete. In 10 Jahren wird mehr als 90% des Flusswassers in Talsperren gestaut sein. Diese Massen haben sogar einen Einfluss auf die Stellung der Erdachse und die Erdrotation.
Doch das Oberflächenwasser scheint uns nicht zu reichen: Wir zapfen in großem Stil z.T. uralte unterirdische Wasserreservoirs an. In Arizona wird ständig wesentlich mehr Wasser aus diesen Reservoirs entnommen, als durch Niederschläge wieder aufgefüllt werden kann. Wem gehört das unterirdische Wasser? Wie lange wird es noch verfügbar sein? Wer Land besitzt, darf unbegrenzt Wasser entnehmen. Und in Saudiarabien gab es lange riesige Anlagen mit Karussellbewässerung. 20 Jahre lang – bis die Grundwasserreserven erschöpft waren. Dieses Schicksal droht nun auch in Arizona, Kalifornien und vielen anderen Orten der Welt.
Übrigens: Vittel in Frankreich war der erste Ort, in dem Nestlé Wasser abgefüllt und weltweit verkauft hat. Nun sinkt in der Region der Grundwasserspiegel.
Wer landwirtschaftliche Produkte aus trockenen Gegenden (Spanien, Nordafrika, Kalifornien) kauft, weiß: dafür werden äußerst knappe Wasserressourcen angezapft. Extrembeispiel: Der Aral-See wurde richtig leergepumpt – für den Baumwollanbau in Kasachstan und Usbekistan.
Die Zuflüsse des Aralsees, einst der viertgrößte See der Welt, wurden zur Baumwollproduktion umgeleitet. Der See trocknete innerhalb von 30 Jahren aus und ist heute eine Wüste.
In einigen Regionen Deutschlands wird die Versorgung mit Wasser langsam zunehmend zu einem Problem.
In den meisten Regionen Deutschlands mag der Wasserverbrauch an sich NOCH kein Problem darstellen – zumindest keines, das man bemerkt.
Anders verhält es sich mit dem „virtuellen Wasser„, das verwendet oder verschmutzt wird, um landwirtschaftliche Produkte und andere Güter herzustellen. Dieses virtuelle Wasser kann den Wassermangel in anderen Regionen der Welt verstärken. Hier kannst Du Dich darüber informieren, wie viel Wasser in den Produkten steckt, die Du kaufst:
1 kg Rindfleisch ohne Knochen steht für rund 15.500 l virtuelles Wasser. 92% des weltweiten Wasserverbrauchs werden für den Anbau von Nahrungsmitteln aufgewendet. In den landwirtschaftlichen Gütern, die durch den Suezkanal transportiert werden, steckt 3 mal mehr virtuelles Wasser, als natürliches Wasser über die Niagarafälle fließt. 66% des saudiarabischen, 44% des europäischen und 20% des US-amerikanischen Wasserverbrauchs findet auf diese Weise außerhalb der jeweiligen Länder statt. Es ist importiertes virtuelles Wasser. Es ist also keine gute Idee „Bio-„Kartoffeln aus Ägypten zu importieren.
Um 1 Pfund Tomaten anzubauen, werden 100 Liter Wasser benötigt. Aber von allem Wasser, was für das Wachstum einer Pflanze erforderlich ist, verdunsten 99%. Hier liegt ein Vorteil von Gewächshäusern.
Ein besonderes Wasserproblem gibt es bei Avocados: Ein Kilogramm Avocado braucht 1000 l virtuelles Wasser. Dazu gibt es einen Radiobeitrag des Deutschlandfunks: „Die Schattenseiten des Avocado-Booms“
Viele Informationen in diesem Kapitel verdanke ich der auf Arte ausgestrahlten Reihe „Unser Wasser – Faszinierende Wunderwelten“.
Wasser und Gewalt: Konflikte um Wasser nehmen zu
Das Pacific Institute sammelt seit Ende der 1980er-Jahre Fälle, in denen Wasser bei Gewalt eine Rolle spielt. Die Datenbank umfasst über 2.700 Konflikte aus 4.500 Jahren. 2024 wurden 420 Fälle gezählt – 20 Prozent mehr als 2023 und 78 Prozent mehr als 2022.
Der UN-Weltwasserbericht 2024 („Wasser für Wohlstand und Frieden“) stellt klar: Wasser ist meist nicht die Ursache von Kriegen. Es wird aber als Werkzeug, Ziel oder Opfer von Kriegen missbraucht – etwa wenn Wasserwerke angegriffen werden. Wasser kann aber auch Frieden stiften, wenn Staaten zusammenarbeiten müssen.
2022 hatten noch 2,2 Milliarden Menschen kein sicher verwaltetes Trinkwasser. Vier von fünf Menschen ohne Grundversorgung lebten auf dem Land.
Quellen: Pacific Institute: Water Conflict Chronology · Pacific Institute: Water Conflict Chronology (Datenbank, Stand … · UNESCO: UN World Water Development Report 2024 – Water for … · UNESCO: UN World Water Development Report 2024 – Facts and figures

