An alle ganz tollen konsequenten Superökos
Angesichts der dramatischen ökologischen und sozialen Entwicklungen auf unserem Planeten und innerhalb der Menschheit, ist es ganz klar, dass wir unser Verhalten grundsätzlich ändern müssen und dass die Politik hierfür entsprechende Rahmenbedingungen gestalten muss:
- deutliche Reduktion des Autoverkehrs unter neues Verkehrskonzept, das sogar effizienter sein kann, als der automobile Individualverkehr.
- erhebliche Reduktion des Fleischkonsums und Ersatz durch wohl schmeckend und gesunde Alternativen.
- weitestgehender Verzicht auf Flugreisen
- Neuorientierung des Tourismus, Verzicht der Fernreisen
- Umkehr des Konsumverhaltens von dem Ansatz: was kann ich mir leisten, hin zu der Idee: was brauche ich und wie kann ich das mit nachhaltig und fair produzierten Gütern und ebensolchen Dienstleistungen bekommen.
Da lesen ganz viele Menschen: Verzicht. Es ist der Verzicht auf etwas, was uns nicht zusteht, weil es die Lebensgrundlagen alle zukünftigen Generationen zerstört. Das hat mit Moral eigentlich nichts mehr zu tun, es ist eine Überlebensfrage.
Und dieses Wort vom Verzicht bewirkt natürlich sofort Abwehr. Der Verstand wird sofort nicht mehr dafür benutzt, zu überlegen, wie wir die Probleme lösen können sondern dafür, zu rechtfertigen, dass und warum wir so weitermachen können, wie bisher. Wir wollen Nachteile vermeiden. Wir wollen das es uns jetzt gut geht, dass es bequem ist.
Deshalb ist es von entscheidender Bedeutung, dass alle, die kapiert haben, wie wichtig eine Umkehr ist, mit ihrem ganzen Leben zeigen: man kann ganz wunderbar leben, es kann einem gut gehen, es fehlt einem nichts wirklich wichtiges, man kann froh und glücklich sein – auch wenn man den Verschwendungskonsum aufgibt. Gute Nahrung ist lecker und schmeckt, Bahnfahren ist weniger stressig als fliegen und was die Güter angeht, so ist weniger (hochwertiges) oft mehr. Wenn wir wieder lernen, dass Verbundenheit und Zusammensein eine Quelle des Wohlbefindens und des Glücks ist, wenn wir durch Achtsamkeit einen neuen Zugang zur Natur gefunden haben, auch zu den Tieren, und wenn wir dies auch als Quelle der Freude erleben können, dann ist da nichts von Verzicht. Im Gegenteil, wir gewinnen eine neue Lebensqualität.
Leider haben wir Menschen die fatale Angewohnheit, im sozialen Kontext Dinge zu tun, um uns selbst besser darstellen zu können. Besser zumindest, als andere Menschen. Wir wollen herausragen, besonders sein, oder uns zumindest mit irgendetwas identifizieren, was uns eine tolle Gruppenzugehörigkeit ermöglicht.
Ich sehe immer wieder, dass manche Menschen, die sich auf diesen Weg gemacht haben, allerlei Extreme entdecken und propagieren: da reicht es nicht mehr, weniger Fleisch zu essen, sondern man muss konsequenter Veganer sein und am besten Rohköstler und noch dieses und jenes. Das ist alles in Ordnung, wenn man es für sich selber macht. Aber ich bitte Euch: macht nicht so viel Reklame damit. Lasst uns auf das konzentrieren, was jetzt wirklich wichtig ist und was für jeden, der in der Lage ist, seine Vernunft walten zu lassen, einsehbar ist. Je niederschwelliger der Zugang für die große Mehrzahl der Menschen wird, desto leichter können sie sich auf den Weg machen. Es geht nicht darum, dass wir einen Heiligenschein bekommen und 100.000-prozentig perfekt gesund leben. Es geht jetzt darum, dass wir aufhören den Planeten kaputt zu machen. Deshalb lasst bitte den Wahnsinn mit der Super-Konsequenz und freut Euch mit jedem, der es schafft etwas von dem wegzulassen, was zerstörerisch wirkt. Lasst uns die Community derer, die ein neues, einfacheres und achtsames Leben praktizieren, so einladend wie möglich gestalten. Jede und jeder ist willkommen, auch wenn er oder sie nicht jeden Extrempol ökosozialer Ideen gut findet und mitmachen mag. Je fröhlicher wir die neuen Wege gehen, desto mehr Menschen werden sich anschließen. Richtig ist natürlich, dass wir schon selber los marschieren müssen, um glaubwürdig zu sein. Das ist auch wissenschaftlich gut belegt: In einer Studie mit rund 3.000 Amerikaner/innen verloren Klimaforscher/innen mit großem eigenen CO2-Fußabdruck deutlich an Glaubwürdigkeit, und ihre Ratschläge wirkten weniger. Wer sein Verhalten sichtbar änderte, gewann viel Vertrauen zurück. (Quelle) Nur entsteht diese Glaubwürdigkeit nicht durch eine lange Miene und großes Verzichtspathos, sondern durch Freude am Miteinander, an der Natur und an der gemeinsamen Gestaltung von Ideen, die uns wirklich weiter bringen. Let´s Go 🙂
Warum „Superökos“ abschrecken können – und Vorbilder trotzdem wirken
Die Sozialpsychologie kennt das Phänomen unter dem Namen „Do-gooder derogation“ – die Abwertung der Gutmenschen. In Studien von Julia Minson und Benoît Monin (2012) verbanden 47 Prozent der Fleischesser/innen Vegetarier/innen spontan mit negativen Begriffen. Je mehr sie glaubten, die Vegetarier/innen hielten sich für moralisch überlegen, desto negativer fielen die Begriffe aus. Die Abwertung ist eine Abwehr: Man fühlt sich vorab verurteilt.
Zugleich zeigt die Forschung, dass vorgelebtes Verhalten zählt. In einer Studie mit rund 3.000 Amerikaner/innen verloren Klimaforscher/innen mit großem eigenen CO2-Fußabdruck stark an Glaubwürdigkeit, und ihre Ratschläge wirkten weniger. Wer sein Verhalten änderte, gewann viel davon zurück. Die Mischung macht es also: selbst handeln – aber einladend, ohne Überlegenheit.
Quellen: Faunalytics · Attari, Krantz, Weber · ScienceDaily