Ressourcen der Erde

Grenzen des
Wachstums

Überbevölkerung:
neue Prognosen

Die Vernichtung der Urwälder

Der Kampf ums Wasser

Das Artensterben aufhalten

Das industrielle Tierleid beenden

Landwirtschaft und Ernährung

Rohstoffe und Ausbeutung

Müll, Wasser- und Luftverschmutzung

Verkehr und Stadtentwicklung

Grenzen des Wachstums oder Ausweitung der Grenzen?

Foto von GMB Akash
Quelle: Scientists for Future; CREDITS: Grafiken modifiziert durch Gregor Hagedorn, nach WWF Living Planet Report Deutsche Kurzfassung (2016). Quelle: IGBP, 2016. basierend auf Analysen von Steffen et al., 2015b. SOURCE: WWF Living Planet Report: http://www.wwf.de/fileadmin/fm-wwf/Publikationen-PDF/WWF-LivingPlanetReport-2016-Kurzfassung.pdf; Steffen, W., Broadgate, W., Deutsch, L., Gaffney, O., & Ludwig, C. (2015). The trajectory of the Anthropocene: The Great Acceleration. The Anthropocene Review2(1), 81–98. https://doi.org/10.1177/2053019614564785 Weitere: http://www.igbp.net/download/18.1b8ae20512db692f2a680007761/1376383137895/IGBP_ExecSummary_eng.pdf [SlideID:1585]

Nach jüngsten Berechnungen verbrauchen wir Ressourcen, die der Biokapazität von 1,7 Erden entsprechen. (Living Planet Report des WWF, 2018). Das folgende Video zeigt Entwicklung und Ausmaß des Problems:

Die Grenzen des Wachstums von 1972
https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Grenzen_des_Wachstums
https://www.bpb.de/nachschlagen/lexika/lexikon-der-wirtschaft/19548/grenzen-des-wachstums
Zeit online (22.11.2012): Simulierter Untergang – 40 Jahre nach dem Bericht „Die Grenzen des Wachstums“ – was haben wir für den Umgang mit Prognosen gelernt?

Die neuen Grenzen des Wachstums;Jørgen RandersBericht an den Club of Rome.
https://de.wikipedia.org/wiki/2052._Der_neue_Bericht_an_den_Club_of_Rome – darin finden sich sinngemäß folgende Aussagen:

  • Ab etwa 2040 wird die Bevölkerung schrumpfen.
  • Es werden bisher ungeahnte Katastrophenkosten entstehen.
  • Der Konsum wird nicht mehr ansteigen und nicht selten auch sinken.
  • Das weltweite Bruttoinlandsprodukt wird kaum noch zunehmen.
  • Die CO2-Emissionen durch Energieverbrauch erreichen 2030 ihren Höhepunkt.
  • Die Temperatur wird um mehr als zwei Grad steigen. Die skandinavischen Länder werden „Gewinner“ des Klimawandels. In Nordafrika wird das Leben noch schwieriger, was Migrationsdruck erzeugt.
  • Beim Wettlauf um die letzten Rohstoffquellen wird die Biokapazität der Welt immer stärker ausgenutzt. Städte werden zu Rohstoffquellen für Metall (urban mining)
  • Wissen ist zwar kein knappes Gut mehr, führt aber nur bedingt zu rationaleren Entscheidungen. Erkenntnisse reichen nicht aus, um Verhaltensänderungen zu bewirken, wenn starke Interessen dem entgegenstehen. Das Internet ermöglicht kollektive Kreativität.
  • Unternehmen werden auf Dauer gezwungen, über die ökologischen und gesellschaftlichen Konsequenzen ihres Handelns Rechenschaft abzulegen. Die Staaten wird hier regulierend eingreifen (müssen).

Ressourcen sind begrenzt

Es ist ganz klar, dass sämtliche Bodenschätze und natürlichen Bedingungen begrenzt sind. Wir müssen also davon ausgehen dass wir auf einem Planeten mit begrenzten Ressourcen lieben. Daran ändert keine heute denkbare Technologie etwas. Realistisch kann also nur ein Handeln genannt werden, dass die Begrenztheit der Ressourcen zum Maßstab macht und dabei nicht nur die gegenwärtige, sondern auch das Schicksal zukünftiger Generationen betrachtet. So einfach diese Sätze klingen und so unwiderlegbar sie sein mögen, sind Sie denn noch nicht Grundlage des derzeitigen politischen Handelns und Wirtschaftens und waren es vermutlich nie. Im Unterschied zu vergangenen Zeiten sind wir aber heute in der Lage, den Planeten derartig auszubeuten und zu verschmutzen, dass die Lebensgrundlagen für zukünftige Generationen unwiederbringlich zerstört sein werden.

Es wird maximaler Raubbau an allen Ressourcen betrieben. Immer noch wird auf quantitatives Wachstum durch mehr und mehr Konsum gesetzt – ein konsumieren, das niemanden mehr glücklicher macht.

Energie wird weiterhin im großen Stil verschwendet. Klimaschutz wird immer noch unter dem Vorzeichen betrieben, dass sich nichts an unserem Lebensstil ändern darf. Dabei ist es vollkommen klar, dass die Erderwärmung für unsere Kinder und Enkel Folgen haben wird, auch wenn diese regional sehr unterschiedlich und letztlich noch nicht einsetzbar sind. Irgendwann in den nächsten Jahren wird es ins Bewusstsein dringen, dass das Öl aufgebraucht ist und nicht wie bisher scheinbar unbegrenzt zur Verfügung steht. In dem Moment, wo dies vollständig bewusst wird, kann das Wirtschaftssystem kippen.

Zwei Themen haben eine besondere, übergeordnete Bedeutung im Hinblick auf die Nutzung der Ressourcen der Erde: Auf der „Nachfrageseite“ die Überbevölkerung – die oft als Vorwand für die Belastung des Planeten genommen wird, um davon abzulenken, dass es die reichen Nationen und Bevölkerungsschichten sind, die den Planeten plündern – und nicht die Masse der Ärmeren. Auf der anderen Seite soll das Thema der Vernichtung von Ökosystemen zum Zwecke der Ausbeutung am Beispiel der Zerstörung von (Ur)wäldern dargestellt werden.

Überbevölkerung – neue Prognosen

Die Bevölkerung wächst weniger schnell als erwartet. Die höchste Wachstumsrate gab es zwischen 1962 und 63 mit 2,2% – heute liegt sie bei etwa der Hälfte dieses Wertes – was immer noch viel ist. Fest steht aber: es gibt keine Bevölkerungsexplosion. Aktuelle Studien gehen davon aus, dass das Bevölkerungswachstum einen Gipfelpunkt erreichen und dann zurückgehen wird. Die Population Division der UNO geht von 10,9 Milliarden Menschen im Jahr 2100 aus, Jorgen Randers, ein Mitautor der Studie „Die Grenzen des Wachstums“ (Club of Rome) wird in dem Buch „Empty Planet“ mit folgender Aussage zitiert: „Die Weltbevölkerung wird 9 Milliarden Menschen nie erreichen. Sie wird ihren Gipfelpunkt von 8 Milliarden im Jahr 2040 erreichen und dann zurückgehen. (Quelle: Der Spiegel – „Die Menschheit wird schrumpfen“ vom 17.5.2019)

Auf der Seite „Our World in Data“ kannst Du Dir einen detaillierten Überblick über Bevölkerungsdichte und Wachstum verschaffen. Die Seite, von der auch die folgenden Grafiken stammen, enthält eine Fülle von vertiefenden Informationen über die Bevölkerungsentwicklung.

Weltbevölkerung 2018

Quelle: https://ourworldindata.org/uploads/2018/09/Population-cartogram_World-2.png

Bevölkerungsdichte

Bevölkerungsdichte. Quelle: Our World in Data – Population Growth

Bevölkerung pro Land

Bevölkerungsentwicklung je Kontinent

When will the world population stop growing?

How do we know that population growth is coming to an end? The world is reaching peak child

Following decades of very fast population growth, there is often concern that population growth is out-of-control: that an end to growth is not in sight.

The world is approaching ‚peak child‘, the moment in demographic history when the number of children in the world stops increasing. This is pre-emptive of the moment in history when the population stops increasing.

The world is approaching what the late Hans Rosling called “the age of peak child”. The solid purple line in the visualisation indicates the total population of people under the age of 5, and the dotted purple line shows projections for this age group through 2100. As we can see, we are not far away from the largest cohort of children that there will likely ever be. The gray lines show the total world population – we expect an end to population growth as the number of children in the world begins to decrease.

This is an extraordinary moment in global history. In the past only two children per woman reached adulthood – if more had survived the population size would have not been stable. This also means that the extended family with many children, that we often associate with the past, was only a reality for glimpse in time. Only the few generations during the population boom lived in families with many children – before and after two children are the norm. The future will resemble our past, except that the children are not dying, but are never born in the first place.

Between 1950 and today it was mostly a widening of the entire pyramid that was responsible for the increase of the world population. What is responsible for the increase of the world population from now on is not a widening of the the base, but a fill up of the population above the base. Not children will be added to the world population, but people in working age and old age.At a country level “peak child” is followed by a time in which the country benefits from a “demographic dividend”. The demographic structure of a country is reshaped so that the proportion of people in working age rises and that of the dependent young generation falls. The demographic dividend can result in a rise of productive contributions and a growing economy.4 Now there is reason to expect that the world as a whole benefits from a „demographic dividend“.

The big demographic transition that the world entered more than a century ago is coming to an end: Global population growth peaked half a century ago, the number of babies is reaching its peak, and the age profile of the women in the world is changing so that ‘population momentum’ is slowly losing its momentum. This is not to say that feeding and supporting a still rising world population will be easy, but we are certainly on the way to a new balance where it’s not high mortality keeping population growth in check, but low fertility rates.

Quelle: https://ourworldindata.org/world-population-growth#how-has-world-population-growth-changed-over-time

Was bedeutet das Wissen um ein absehbares Ende des Bevölkerungswachstums?

Es gibt keinen Grund (mehr) für Fatalismus nach dem Motto: „Es ist ohnehin egal, was wir tun, die Erde wird am Bevölkerungswachstum ersticken“. Das ist nicht richtig. Gleichzeitig gilt: Ressourcenverbrauch, ökologischer Impact und die Logik des Wirtschaftens muss letztlich einer Weltbevölkerung von bis zu 10 Milliarden Menschen angepasst sein. Es ist offensichtlich, dass der heutige Lebensstil der reicheren Länder und Bevölkerungsschichten unvereinbar ist mit der Tatsache, dass die Weltbevölkerung noch mindestens 50 – 80 Jahre wachsen wird.

Diskussion: SZ 7.8.19 – Nachhaltige Familienplanung: Keine Kinder fürs Klima? Das Problem ist nicht die Zahl der Menschen, sondern wie die Menschen ihr Leben führen.  “ … eine groß angelegte Untersuchung der amerikanischen National Academy of Sciences aus dem gleichen Jahr (hat) ergeben, dass die Reduzierung der Bevölkerung eine Illusion ist. Die Studie untersuchte verschiedene Szenarien für das Bevölkerungswachstum und stellte fest, dass selbst eine weltweite Durchsetzung einer Ein-Kind-Politik zusammen mit ‚katastrophalen Sterbe-Vorfällen“ die Weltbevölkerung bis 2100 nicht wesentlich reduzieren würde. Stattdessen schlägt die Studie vor, dass „unmittelbarere Ergebnisse für die Nachhaltigkeit aus gesetzlichen Vorgaben und Technologien hervorgehen, die den steigenden Verbrauch natürlicher Ressourcen umkehren‘.

Was sind wirksame Maßnahmen zur Senkung des Bevölkerungswachstums?

Bildung – insbesondere für Frauen

Verbesserung der Gesundheitsversorgung

Urbanisierung

Zugang von Frauen zum Arbeitsmarkt

Weitere Infos: Der Spiegel „Satte 10 Milliarden“

Landnutzung

Quelle: https://ourworldindata.org/uploads/2013/10/Land-use-graphic-01-01-01.png
Quelle: https://ourworldindata.org/yields-and-land-use-in-agriculture

Die Vernichtung der (Ur)Wälder

Quelle: Wikipedia; CC BY-SA 3.0; File:Atlantic Forest retusche.jpg; Erstellt: 27. Juni 2004
Quelle: Climate Culture Lab; Foto:https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Deforestation_2074483b.jpg

Die folgende Karte gibt eine exakte Darstellung der Entwaldung im Amazonasgebiet von RAISG. Wenn Du hier klickst, kannst Du die Karte aufrufen und beliebig tief auf jedes Gebiet zoomen. Wenn Du die Karte aufgerufen hast, klicke auf das Layer-Symbol rechts oben und wähle Deforestation aus.

Quelle: https://www3.socioambiental.org/geo/RAISGMapaOnline/ RAISG, August 2019

Global Forest Watch: Die folgende Karte ermöglicht Dir, den Verlust von Waldflächen weltweit zu sehen und auf bestimmte Zeiträume einzugrenzen. (hier klicken, um die Karte mit allen Funktionen auf der Webseite von World-Forest-Watch aufzurufen). In dieser Karte lassen sich auch die Ursachen der Entwaldung darstellen (z.B. Mining etc.).

Quelle: Global Forest Watch

Oft werden Angaben über die Waldvernichtung in Hektar oder acres gemacht.
1 Quadratkilometer hat 100 Hektar, ein Hektar hat 10.000 qm (100m x 100m). 1 Hektar sind ca. 0,40 acre ( 2,47105 acre ergeben einen Hektar).

Ein Fussballfeld hat ca. 0,45 Hektar (oder ca. 1,1 acre), die Bundesrepublik hat eine Fläche von über 357.000 Quadratkilometer, das sind fast 36 Millionen Hektar oder 88.300.501 acre (Quelle: Der Spiegel). 

„Der Verlust von weltweit 60.000 Quadratkilometern tropischer Regenwälder pro Jahr entspricht einer Fläche von 35 Fußballfeldern (100 x 65 Meter), die alle zwei Minuten verloren geht.“ Quelle: Faszination Regenwald

Abholzung von Regenwald weltweit – gesamt

„An jedem Tag werden weltweit rund 432,9 Quadratkilometer Wald abgeholzt oder abgebrannt – gut die Hälfte davon in den Tropenländern: allen voran in Brasilien, in der Demokratischen Republik Kongo und Indonesien (Quelle: Global Forest Watch, 2017). Das sind pro Jahr 158.000 Quadratkilometer – also etwas weniger als die Hälfte von Deutschland (D. ist 356.000 km2 groß)“. Quelle: Abenteuer Regenwald

„Die Fläche des 2018 verlorenen Primärwaldes ist so groß wie Belgien – über 3 Mio. ha!“ Quelle: OroVerde

Amazonas

Aus Wikipedia: Der Amazonas-Regenwald „bedeckt große Teile des Amazonasbeckens in Südamerika, welches sechs Millionen Quadratkilometer in neun Ländern umfasst. Der weitaus größte Teil des Waldes (etwa 60 Prozent) befindet sich in Brasilien. Weitere 13 Prozent befinden sich in Peru, 10 Prozent in Kolumbien sowie kleinere Teile in Venezuela, Ecuador, Bolivien, Guyana, Suriname sowie Französisch-Guyana. … Der Amazonas-Regenwald umfasst mehr als die Hälfte des weltweit verbliebenen Tropenwaldes und weist die größte Biodiversität aller tropischen Wälder auf. Amazonien ist eines der sechs großen Biome Brasiliens und nimmt rund 49 Prozent des brasilianischen Territoriums ein. … Die langfristige Fortexistenz des Amazonas-Regenwald im Anthropozän steht im Konflikt mit den Interessen einer mächtigen Agrarindustrie.“ (Quelle: Wikipedia)

Die Politik von „Präsident“ Bolsonaro ist in dieser Situation eine Katastrophe – nicht nur für die Bevölkerung Brasiliens, sondern auch für die des ganzen Planeten. Denn der Erhalt des Amazonas-Regenwalds hat einen massiven Einfluss auf die Entwicklung des Klimas und auf den Erhalt einer noch weitgehend unerforschten Artenvielfalt.

„Tropische Regenwälder sind Biome mit hoher Biodiversität; die tropischen Wälder Amerikas haben durchgehend eine höhere Biodiversität als die Regenwälder Afrikas und Asiens. … Eine von zehn bekannten Arten lebt im Amazonas-Wald. Dies stellt die größte Zahl lebender Pflanzen und Tierarten der Welt dar. Das Gebiet ist die Heimat von 2,5 Millionen Arten Insekten, Zehntausenden Pflanzen und 2.000 Vögeln und Säugetieren. … Die Vielfalt an Pflanzenarten ist die höchste der Erde … (so) hat ein Viertelquadratkilometer tropischen Waldes mehr als 1.100 Baumarten. Ein Quadratkilometer amazonischen Waldes könnte etwa 90.790 Tonnen lebender Pflanzen beinhalten. Bisher sind etwa 438.000 Pflanzen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Interesses in der Region entdeckt worden, wobei noch viele zu entdecken und katalogisieren sind.“ (Quelle: Wikipedia)

Es geht um ein Erbe der ganzen Menschheit und nicht um den Besitz eines Nationalstaats. Bolsonaro und die waldvernichtenden Interessengruppen müssen also gestoppt werden.

„… Bolsonaro (kündigte) auch ein härteres Vorgehen gegen Aktivisten und indigene Gruppen an, die sich zum Schutz des Amazonas-Regenwalds engagieren, sowie die Einschränkung entsprechender Aktivitäten internationaler Organisationen. Hier solle nach Medienberichten eine Art rechtsfreier Raum geschaffen werden, in dem staatliche Sicherheitskräfte legal lokale Proteste mit Waffengewalt bekämpfen und damit zu einem „geordneten“ Brasilien beitragen könnten. Darüber werden Bergbauaktivitäten in Naturschutzgebieten wieder zugelassen.“ (Quelle: Wikipedia)

Ein Blick auf die Fakten zeigt, wie wichtig dies ist.

„Während der 1960er Jahre errichtete Fazendas (landwirtschaftlicher Großbetrieb) beruhten auf Brandrodung. Jedoch waren die Siedler wegen des Verlusts von Fruchtbarkeit des Bodens und des Eindringens von Unkraut nicht in der Lage, ihre Felder und Früchte zu bestellen. Die Böden Amazoniens sind nur für kurze Zeit produktiv, sodass die Landwirte ständig in neue Gegenden fort ziehen und weitere Wälder roden. Diese Praktiken führen zur Entwaldung und verursachen beträchtliche Umweltschäden. Die Entwaldung ist beträchtlich, entwaldete Gebiete sind mit bloßem Auge vom Weltraum aus sichtbar.
Zwischen 1991 und 2000 stieg die Gesamtfläche verlorenen Waldes von 415 000 auf 587 000 Quadratkilometer, wobei der überwiegende Teil des entwaldeten Waldes durch Vieh in Weide verwandelt wurde. 70 % der vorher entwaldeten und 91 % der seit 1970 entwaldeten Böden Amazoniens werden als Weide für Vieh verwendet. Außerdem ist Brasilien nach den Vereinigten Staaten der zweitgrößte Produzent von Soja. (Siehe auch: Bedingungen und Folgen der Massentierhaltung). Die Bedürfnisse von Sojalandwirten werden verwendet, um viele umstrittene Verkehrsprojekte in Amazonien, die derzeit in der Entwicklungsphase sind, zu rechtfertigen. Die beiden ersten Autostraßen öffneten den tropischen Wald und führten zu einer Zunahme der Entwaldung. Die mittlere jährliche Entwaldungsrate zwischen 2000 und 2005 (22.392 km² pro Jahr) war 18 % höher als in den letzten fünf Jahren (19.018 km² pro Jahr). Die Entwaldung im brasilianischen Amazonien hat sich seit 2004 deutlich verringert, aber sie nimmt unter dem neuen Präsidenten Bolsonaro wieder zu.
Möglicherweise werden laut dem Bericht Assessment of the Risk of Amazon Dieback der Weltbank vom Februar 2018 etwa 75 % des Amazonasregenwalds bis 2025 dauerhaft verloren sein. 2075 seien möglicherweise nur noch 5 % des Waldes im Westen Amazoniens übrig. Der Vorgang ist eine Folge der Entwaldung, des Klimawandels, der Brandrodungen und aufgrund der durch die verstärkte Erosion einsetzenden Wüstenbildung teilweise irreversibel.“
„Alleine der brasilianische Regenwald schrumpfte nach Regierungsangaben durch Raubbau zwischen August 2017 und Juli 2018 um insgesamt 7900 km² Wald, was der Fläche von mehr als einer Million Fußballfeldern entspricht.“ (Quelle: Wikipedia)

Quelle: http://www.faszination-regenwald.de/bilder/info-center/regenwaldzerstoerung_brasilien_1988_2018.gif

„Ein dramatischer Anstieg der Regenwald-Zerstörung am Amazonas wird seit 2019 beobachtet, passend zum Amtsantritt des brasilianischen Präsidenten, Jair Bolsonaro am ersten Januar. Laut der Satellitendaten der INPE wurden allein im Juni dieses Jahres 920 Quadratkilometer Regenwald am Amazonas gerodet, für den Juli sehen die Zahlen noch schlechter aus. Und weil ihm die Zahlen wohl nicht gefallen, hat Bolsonara im selben Monat den Leiter der INPE, Ricardo Galvão, entlassen.“ Quelle: Faszination Regenwald

Verheerende Waldbrände im August 2019

„NOAA/NASA’s Suomi NPP satellite collected this natural-color image using the VIIRS (Visible Infrared Imaging Radiometer Suite) instrument on August 21, 2019. Smoke from the fires raging in in the Amazon basin has created a shroud that is clearly visible across much of the center of South America.“

Quelle: https://www.nasa.gov/image-feature/goddard/2019/amazonian-fires-continue-shrouding-south-america-in-smoke

„It is not unusual to see fires in Brazil at this time of year due to high temperatures and low humidity. Time will tell if this year is a record breaking or just within normal limits.“in ihrer Bildunterschrift unterschlägt die NASA, dass viele Brände aktiv gelegt werden. In der Trockenzeit ist nur die Ausbreitung dieser Brände größer als zu anderen Jahreszeiten.

Aus dem Business Insider: „The blazes in the Amazon are so big they can be seen from space. One map shows the alarming scale of the fires.“

Quelle: Business Insider, 23.8.2019

Das Regenwald-System des Amazonas steuert auf einen Kipppunkt zu

Amazon Tipping Point, Thomas E. Lovejoy and Carlos Nobre in: Science Advances,  21 Feb 2018

Die Wissenschaftler Thomas E. Lovejoy (University Professor in the Department of Environmental Science and Policy at George Mason University.) und Carlos Nobre (Member of the Brazilian Academy of Sciences and Senior Fellow of World Resources Institute Brazil) haben heraus gefunden, dass das Regenwald-System des Amazonasgebiets auf einen Kipppunkt zusteuert. Der Grund dafür ist vereinfacht folgender: Der Regenwald braucht sich selbst, um sich als System zu erhalten. Nur wenn durch die hohe Baumdichte genügend Feuchtigkeit verdunstet, erhält das Gebiet die hohen Niederschlagsmengen, die es für den Erhalt des Regenwald-Systems braucht. Es handelt sich um einen sich selbst erhaltenden hydrologischen Kreislauf. Wenn dieser abreißt, verwandelt sich das Gebiet in eine Savannenlandschaft.

In the 1970s, Brazilian scientist Eneas Salati shattered the long held dogma that vegetation is simply the consequence of climate and has no influence on climate whatsoever (1). Using isotopic ratios of oxygen in rainwater samples collected from the Atlantic to the Peruvian border, he was able to demonstrate unequivocally that the Amazon generates approximately half of its own rainfall by recycling moisture 5 to 6 times as airmasses move from the Atlantic across the basin to the west.

From the start, the demonstration of the hydrological cycle of the Amazon raised the question of how much deforestation would be required to cause the cycle to degrade to the point of being unable to support rain forest ecosystems.

High levels of evaporation and transpiration that forests produce throughout the year contribute to a wetter atmospheric boundary layer than would be the case with non-forest.This surface-atmosphere coupling is more important where large-scale factors for rainfall formation are weaker, such as in central and eastern Amazonia. Near the Andes, the impact of at least modest deforestation is less dramatic because the general ascending motion of airmasses in this area induces high levels of rainfall in addition to that expected from local evaporation and transpiration.

Where might the tipping point be for deforestation-generated degradation of the hydrological cycle? The very first model to examine this question (2) showed that at about 40% deforestation, central, southern and eastern Amazonia would experience diminished rainfall and a lengthier dry season, predicting a shift to savanna vegetation to the east.

Moisture from the Amazon is important to rainfall and human wellbeing because it contributes to winter rainfall for parts of the La Plata basin, especially southern Paraguay, southern Brazil, Uruguay and central-eastern Argentina; in other regions, the moisture passes over the area, but does not precipitate out. Although the amount contributing to rainfall in southeastern Brazil is smaller than in other areas, even small amounts can be a welcome addition to urban reservoirs.

The importance of Amazon moisture for Brazilian agriculture south of the Amazon is complex but not trivial. Perhaps most important is the partial contribution of dry season Amazon evapotranspiration to rainfall in southeastern South America. Forests maintain an evapotranspiration rate year-round, whereas evapotranspiration in pastures is dramatically lower in the dry season. As a consequence, models suggest a longer dry season after deforestation.

In recent decades, new forcing factors have impinged on the hydrological cycle: climate change and widespread use of fire to eliminate felled trees and clear weedy vegetation. Many studies show that in the absence of other contributing factors, 4° Celsius of global warming would be the tipping point to degraded savannas in most of the central, southern, and eastern Amazon. Widespread use of fire leads to drying of surrounding forest and greater vulnerability to fire in the subsequent year.

We believe that negative synergies between deforestation, climate change, and widespread use of fire indicate a tipping point for the Amazon system to flip to non-forest ecosystems in eastern, southern and central Amazonia at 20-25% deforestation.

The severity of the droughts of 2005, 2010 and 2015-16 could well represent the first flickers of this ecological tipping point. These events, together with the severe floods of 2009, 2012 (and 2014 over SW Amazonia), suggest that the whole system is oscillating. For the last two decades the dry season over the southern and eastern Amazon has been increasing. Large scale factors such as warmer sea surface temperatures over the tropical North Atlantic also seem to be associated with the changes on land.

We believe that the sensible course is not only to strictly curb further deforestation, but also to build back a margin of safety against the Amazon tipping point, by reducing the deforested area to less than 20%, for the commonsense reason that there is no point in discovering the precise tipping point by tipping it. At the 2015 Paris Conference of the Parties, Brazil committed to 12 million ha of reforestation by 2030. Much or most of this reforestation should be in southern and eastern Amazonia. The hydrological cycle of the Amazon is fundamental to human well-being in Brazil and adjacent South America.

This is an open-access article distributed under the terms of the Creative Commons Attribution-NonCommercial license, which permits use, distribution, and reproduction in any medium, so long as the resultant use is not for commercial advantage and provided the original work is properly cited.

Links zum Thema Regenwald

Es ist schier unglaublich, wie viel wir wissen (können – wenn wir uns dafür interessieren). Die Zerstörung wird sehr genau erfasst, die Ursachen sind bekannt, die Wechselwirkungen mit unserem Wirtschaftssystem und Lebensstil sind gut analysiert, ebenso die soziale und wirtschaftliche Dynamik in den entsprechenden Ländern. Das Massaker an den Lebensgrundlagen unseres Heimatplaneten vollzieht sich vor unseren Augen.

Top-Informationsquelle 1: Global Forest Watch

Forest Monitoring Designed for Action. Global Forest Watch offers the latest data, technology and tools that empower people everywhere to better protect forests.

Global Forest Watch bietet u.a. präzise Karten des weltweiten Waldverlusts.

Top-Informationsquelle 2: Amazonas Sozioambigual

The Amazon Geo-Referenced Socio-Environmental Information Network (RAISG) is a consortium of civil society organizations from the Amazon countries, supported by international partners, concerned with the socio-environmental sustainability of Amazonia.

Faszination Regenwald

…. die Regenwald-Initiative von Dr. Tom Deutschle, der hier auch sinnvolle Projekte zum Schutz des Regenwalds vorstellt, an denen Du Dich beteiligen kannst.

Hier ein Beispiel: Raúl Nieto möchte Regenwald in Ecuador schützen und hat dazu das Itapoa-Projekt gegründet. Er sammelt Samen von von Regenwald-Pflanzen und zieht daraus Sprösslinge heran, die er in den zerstörten Bereichen einpflanzt. Schon über 10.000 Pflanzen fanden dadurch eine neue Heimat in Raúls Regenwald. Doch Raúl forstet nicht nur den Regenwald auf, er möchte, dass die Kleinbauern von Puerto Quito von ihrem Regenwald leben können ohne ihn zu zerstören.

Raúl bei der Arbeit / Raúls Regenwald (Bilder: Copyright, Antoine Cazin); Quelle: http://www.faszination-regenwald.de/initiative/itapoa-projekt.htm

Monitoring of the Andean Amazonas Projekt

Hier erfährst Du mehr über die Ursachen, Hintergründe und Folgen der Abholzung:

Weitere Links

Abenteuer Regenwald (auch für Kinder und Jugendliche).

OroVerde gibt umfassende und leicht verständliche Informationen zum Regenwald.

Vom WWF gibt es einen Waldzustandsbericht – allerdings noch von 2011.

Aktueller: Das Global Forest Resources Assessment der FAO von 2015

Daten direkt: Das Earthobservatory der NASA (Deforestation).

Zeit Online, 8.8.2019: Drei Fußballfelder pro Minute. Von Thomas Fischermann. Unter Brasiliens neuer Regierung wird der Amazonaswald schneller abgeholzt als zuvor. Dabei brauchen die Landwirte diese Extraflächen gar nicht.

Der Kampf um das Wasser

Dieser Beitrag ist erst am Entstehen…

In Deutschland stellt der Wasserverbrauch an sich kein Problem dar. Anders verhält es sich mit dem „virtuellen Wasser“, das verwendet oder verschmutzt wird, um landwirtschaftliche Produkte und andere Güter herzustellen. Auf der Webseite „Virtuelles Wasser – versteckt im Einkaufskorb“ oder bei Waterfootprint.org kannst Du Dich darüber informieren, wie viel Wasser in den Produkten steckt, die Du kaufst. 1 kg Rindfleisch ohne Knochen steht für rund 15.500 l virtuelles Wasser.

Ein besonderes Wasserproblem gibt es bei Avocados: Ein Kilogramm Avocado braucht 1000 l virtuelles Wasser. Dazu gibt es einen Radiobeitrag des Deutschlandfunks:  „Die Schattenseiten des Avocado-Booms“ 

Wer landwirtschaftliche Produkte aus trockenen Gegenden (Spanien, Nordafrika, Kalifornien) kauft, weiß: dafür werden äußerst knappe Wasserressourcen angezapft. Extrembeispiel: Der Aral-See wurde richtig leergepumpt – für den Baumwollanbau in Kasachstan und Usbekistan.

Übrigens: Vittel in Frankreich war der erste Ort, in dem Nestlé Wasser abgefüllt und weltweit verkauft hat. Nun sinkt in der Region der Grundwasserspiegel.

4 von 9 „planetaren Grenzen“ sind bereits überschritten

Wissenschaftler haben sich gefragt: Was ist der sichere Handlungsraum für die Menschheit. Als Antwort auf diese Frage haben sie 9 planetare Grenzen definiert. Diese sind:

Climate change / Klimawandel
Change in biosphere integrity (biodiversity loss and extinctions) /
Verlust der Biosphären-Integrität – Artensterben
Stratospheric ozone depletion / Stratosphärischer Ozonabbau
Ocean acidification / Ozean-Versauerung
Biogeochemical flows: (Phosphorus and Nitrogen cycles) /
Änderung biogeochemischer Flüsse
Land-system change / Landnutzungswandel
Freshwater use / Süßwassernutzung
Atmospheric aerosol loading / Atmosphärischer Aerosolgehalt  
Introduction of novel entities / Einführung neuer Substanzen und Lebensformen

4 von diesen Grenzen sind bereits überschritten (PiK)

Weitere empfehlenswerte Links zu diesem Thema: Die ausgezeichnete Präsentation zum Vortrag von Dr. Gerten vom PiK (Potsdam Institut für Klimafolgenforschung), die Seite des Deutschen Naturschutzrings zu Planetaren Grenzen und „Nachhaltigkeit neu denken„, die Webseite des Stockholm Resilience Center,

Wissenschaftliche Originalarbeiten findest Du hier: Planetary Boundaries: Exploring the Safe Operating Space for Humanity und Science: Planetary boundaries: Guiding human development on a changing planet. Während der Klimawandel in aller Munde ist, sind andere Grenzen kaum bekannt.

Wie komplex die Zusammenhänge und Wechselwirkungen sind, zeigt dieser wissenschaftliche Beitrag über „Biogeochemische Stoffkreisläufe“. Aber auch hier gilt – bei aller Komplexität: Ein Teil der Lösung ist und bleibt die Verringerung der menschlichen Eingriffe in das Ökosystem.

oekologische grenzen der erde
Quelle: Agenda 2030, S. 146
Quelle: Scientists for Future; CREDITS: © CC0. Graph modified by Gregor Hagedorn after Steffen et al. 2011; simple data representation below copyright threshold SOURCE: Steffen et al. 2011, https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3357752/ NOTES: Complete combined image with captions locally saved GH as „DIRECT Acceleration Source FROM Steffen et al 2011 Fig. 3 pro parte-3.png“ [SlideID:3051]

„The earth is full“ von Paul Gilding.
„Have we used up all our resources? Have we filled up all the livable space on Earth? Paul Gilding suggests we have, and the possibility of devastating consequences, in a talk that’s equal parts terrifying and, oddly, hopeful.“