Was sollen wir tun?

Die Sprache und die Sorgen „des Volkes“

Ihr Ökos und Sozialromantiker. Ihr sprecht mit erhobenem Zeigefinger von von oben herab, ihr seid doch nur eine bildungsbürgerliche Schicht, die den Menschen, die ihr Brot mühsamer verdienen müssen, überhaupt nichts zu sagen haben. Ihr kennt die Sorgen der „normalen“ Menschen, der „kleinen Leute“ doch gar nicht!

Da tauchen auf einmal ganz unerwartete Anwälte der „kleinen Leute“ auf. Die AfD sowieso, aber auch FDP und auch manch elegant formulierende:r Komentator:in.

Die sogenannten „kleinen Leute“ ja, kleine Leute: ihr seid gemeint. Von euch glaubt man , dass ihr nicht in der Lage seid, schlichte Fakten zu begreifen. Man könne euch das nicht zumuten, weil ihr so ungebildet seid, so abhängig davon, mit irgendeinem Job über die Runden zu kommen und mit dem Geld ein wenig Spaß zu haben, mit dem Geld, das sowieso nicht ausreicht, um mitzuhalten mit denen, die wirklich gut verdienen. Und deshalb wäret ihr nicht bereit, darüber nachzudenken, ob das alles so Sinn macht. Was für ein Wahnsinn! So zu denken und zu reden, DAS ist wirkliche Großkotzigkeit. 

Die Fakten sind so klar, so eindeutig, dass daran kein Weg vorbei führt. Und ebenso klar ist, dass unser gegenwärtiges Wirtschaftssystem dazu geführt hat, dass wir die Lebensgrundlagen vernichten und in vielen Regionen der Welt fundamentale Rechte missachten. Wir konsumieren und wirtschaften in einer Weise, die unsere tieferen Bedürfnisse gar nicht befriedigt und das auf Kosten anderer (in Gegenwart und Zukunft). Um das zu erkennen braucht man kein Studium. Die meisten Akademiker verwenden ihr Wissen ohnehin nur dazu, zu begründen, warum es nicht anders ginge, warum es so notwendig sei, und welche Möglichkeiten es gibt, noch ein bisschen länger so weiterzumachen.

Ich glaube nicht, dass die allerwenigsten Menschen intellektuell nicht in der Lage wären, Dinge zu begreifen. Aber ich glaube, dass Menschen, deren unmittelbare Grundbedürfnisse nicht angemessen befriedigt sind, sich erstmal darum kümmern, was denn mit diesem Grundbedürfnissen ist. Z.b. dem Bedürfnis nach (gesellschaftlicher) Anerkennung, dem Bedürfnis nach Sinn (auch im Arbeitsleben). Und das ist auch mehr als berechtigt.

Aber wenn eine Perspektive fehlt, dass Wirtschaft und Gesellschaft (und das, was gesellschaftlich zählt und anerkannt wird), auch völlig anders aussehen könnten, dann kann man seine Lösungen nur innerhalb des kaputten Systems suchen. Und kommt womöglich auch zu kaputten Lösungen.

Und wenn Lösungen für die ganz großen und fundamentalen Probleme nicht einmal gedacht werden können, dann kann es sein, dass sich der Fokus auf Stellvertreter-Probleme und Stellvertreter Lösungen verschiebt. Z.B., dass die Ausländer, die Fremden die eigentliche Bedrohung für uns darstellen und nicht die zunehmende Ungleichheit oder der Mangel an innovativen demokratischen Beteiligungsformen.

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