Fakten zum Artensterben
Die biologische Vielfalt in all ihrer Gesamtheit – nicht nur einzelne besondere Arten – stellt unsere Lebensgrundlage dar. Arten, die ausgestorben sind, können nicht zurückgeholt werden. Das Aussterben von Arten kann systemische Dominoeffekte nach sich ziehen, da die Arten füreinander Nahrungs- und Lebensgrundlage sind.
Zurzeit findet das größte Massenaussterben seit dem Zeitalter der Dinosaurier statt. Weltweit sterben Arten derzeit 100- bis 1000-mal schneller aus als vor dem Beginn menschlicher Einflüsse. In den letzten 500 Jahren sind über 300 Landwirbel-
tierarten ausgestorben; die untersuchten Bestände von Wirbeltierarten sind zwischen 1970 und 2014 im Durchschnitt um 60 % zurückgegangen. (Scientists for Future)


CREDITS: © Gregor Hagedorn, 2019 CC BY-SA 4.0. Source: WWF Living Planet Report 2018 [SlideID:3032]
ORIGINAL CAPTION: Cumulative vertebrate species recorded as extinct or extinct in the wild by the IUCN (2012). Graphs show the percentage of the number of species evaluated among mammals (5513; 100% of those described), birds (10,425; 100%), reptiles (4414; 44%), amphibians (6414; 88%), fishes (12,457; 38%), and all vertebrates combined (39,223; 59%). Dashed black curve represents the number of extinctions expected under a constant standard background rate of 2 E/MSY. [The original publication has two variants: (A) Highly conservative estimate. (B) Conservative estimate; here only the latter is shown]
Berichte über das Artensterben (Quelle: ZEIT online):
- In den gut untersuchten Tier- und Pflanzengruppen ist im Schnitt etwa jede vierte Art (25 Prozent) vom Aussterben bedroht. (Quelle)
- Mit den Daten der gut untersuchten Artengruppen … können wir … hochrechnen dass es weltweit ca. 8,1 Millionen Arten gibt. Von
diesen ist derzeit ungefähr eine Million vom Aussterben bedroht. - Ein Drittel der marinen Säugetiere sind gefährdet, ebenso ein Drittel der riffbildenden Korallen.
- Bei den Amphibien sind 40 Prozent gefährdet.
- Von der artenreichsten Gruppe, den Insekten, sind zehn Prozent bedroht.
- Die erfassten Bestände von Wirbeltieren sind von 1970 bis 2022 im Durchschnitt um 73 Prozent zurückgegangen. (Quelle)
- In Deutschland ist von den rund 72.000 bekannten Tier-, Pflanzen- und Pilzarten rund ein Drittel
in seinem Bestand bedroht.
Gründe für den Rückgang der Biodiversität sind zum einen Lebensraumverluste durch Landwirtschaft, Entwaldung und Flächenverbrauch für Siedlung und Verkehr. Zum anderen sind es invasive Arten, sowie Übernutzung in Form von Übersammlung, Überfischung und Überjagung. (Scientists for Future)

Die Erderwärmung kommt hinzu: Bei unveränderten CO2-Emissionen könnten bis 2100 z. B. aus dem Amazonasbecken oder von den Galapagosinseln die Hälfte der Tier- und Pflanzenarten verschwinden. Auch für die tropischen Korallenriffe ist die
Meereserwärmung der Hauptbedrohungsfaktor.
Scientists for Future: CREDITS: © Gregor Hagedorn et al. 2019. The concerns of the young protesters are justified. GAIA 28 / 2(2019): 79–87, CC-BY 4.0 SOURCE: Warren R., J. Price, J. VanDerWal, S. Cornelius, H. Sohl. 2018. The implications of the United Nations Paris Agreement on Climate Change for Globally Significant Biodiversity Areas. Climatic Change 147/3 – 4: 395 – 409.
Der Verlust an landwirtschaftlicher Nutzfläche und Bodenfruchtbarkeit, sowie die irreversible Zerstörung von Artenvielfalt und Ökosystemen, gefährden die
Lebensgrundlagen und Handlungsoptionen heutiger und kommender Generationen. (Scientists for Future)
Mehr als die Hälfte aller Arten lebt im Boden
Beim Artensterben denken wir an Tiger, Elefanten oder Bienen. Die meisten Arten sehen wir aber gar nicht: Sie leben im Boden. Ein Forschungsteam hat 2023 die Fachliteratur ausgewertet. Ihr Ergebnis: Wahrscheinlich leben 59 Prozent aller Arten der Erde im Boden (mit einer Unsicherheit von plus/minus 15 Prozent).
Dazu gehören zum Beispiel Bakterien, Pilze, Würmer und viele Insekten.
Wer den Boden schützt – etwa durch weniger Gift, weniger Verdichtung und weniger Versiegelung – schützt also den größten Teil der Artenvielfalt.
Quellen: Anthony, Bender & van der Heijden: Enumerating soil biodiversity, …
Wildtierhandel: rund 4.000 Arten im Visier der Schmuggler
Das UN-Büro für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) hat 2024 seinen dritten Weltbericht zur Wildtierkriminalität vorgelegt. Darin geht es um Beschlagnahmungen aus den Jahren 2015 bis 2021. Betroffen sind rund 4.000 Tier- und Pflanzenarten. Gehandelt werden zum Beispiel Nashorn-Horn, Elfenbein, Schuppen von Schuppentieren, Korallen, Reptilien, Orchideen und Edelhölzer.
Es gibt Fortschritte bei einigen bekannten Arten wie Elefanten und Nashörnern. Insgesamt sieht das UNODC aber keinen Beleg dafür, dass der Schmuggel deutlich zurückgeht. Die Täter/innen passen Wege und Methoden schnell an.
Der Bericht zeigt auch: Festnahmen allein reichen nicht. Wirksam ist, Nachfrage und Angebot gleichzeitig anzugehen. Für Dich heißt das: keine Souvenirs aus Wildtieren, keine exotischen Wildfänge als Haustiere.
Quellen: UNODC: World Wildlife Crime Report 2024 – Key Messages · UNODC: World Wildlife Crime Report 2024 – Key Messages